Erziehung
Eine Frage des Respekts
Der dänische Familienexperte Jesper Juul hilft den Erwachsenen, das schwierigste Problem einfacher zu machen: Wie sie mit Kindern umgehen sollten. Denn damit bereiten Eltern und Lehrer die Zukunft vor
Eine Frau liegt gemütlich auf dem Sofa und liest. Plötzlich dröhnt laute Musik aus dem Nebenzimmer – ihr Mann hat die Anlage schon wieder bis zum Anschlag aufgedreht. Die Frau geht zu ihm, sie schreit: »Wie oft soll ich dir noch sagen, dass mich der Krach nervt, dafür darfst du heute Abend keine Sportschau gucken!« Strafe muss sein, denkt sie sich, sonst lernt der das nie.
Der dänische Familientherapeut Jesper Juul mag solche Geschichten. Weil sie wie Unsinn klingen, aber in Wahrheit die Wirklichkeit beschreiben. Denn wie diese Frau, meint Juul, benähmen sich zahllose erwachsene Menschen. Vielleicht nicht untereinander, aber ihren Kindern gegenüber. Weil sie glaubten, dies sei das, was man Erziehung nennt. Irrtum, sagt Juul. Erziehung bestehe darin, Kindern mit Respekt zu begegnen. Dann bekomme man auch Respekt zurück.
Jesper Juul steht im Dachgeschoss eines Seminarhauses im Norden von München. Vor ihm sitzen vierzig aufmerksame Zuhörer, Väter, Mütter und Jugendliche, die alle eines gemeinsam haben: den Streit. Etwas läuft schief zwischen diesen Eltern und ihren Kindern, und dieser gelassene 60-jährige Mann da vorn mit dem dicken Bauch und dem lustigen dänischen Akzent will ihnen helfen, das gerade zu rücken.
Seit dreißig Jahren beschäftigt sich Juul mit der Frage, wie eine Familie es miteinander aushalten kann. Und dabei womöglich auch noch glücklich wird. Seltsamerweise ist das ein Thema, das in der Öffentlichkeit weit weniger Aufmerksamkeit erfährt als etwa der Klimawandel oder die Wirtschaftskrise. Obwohl die Familie das Leben der meisten Menschen prägt wie wenig sonst. Obwohl es kaum Dinge gibt, von denen die Welt von morgen so sehr abhängt wie von dieser einen Frage: Wie gehen wir heute mit unseren Kindern um?
Juul war ursprünglich Lehrer, dabei hatte er, was in Dänemark möglich ist, ohne Abitur studiert, später wurde er Sozialarbeiter. Er arbeitete mit verhaltensauffälligen Kindern und merkte, dass das Problem nie die Kinder waren. Immer waren es die Eltern, die Familien. So wurde er Familientherapeut, und so wurde er bekannt, erst in Skandinavien, zunehmend aber auch im übrigen Europa: als Autor von Büchern wie Die kompetente Familie und Was Familien trägt , als Vortragsreisender und als Leiter von Seminaren wie diesem hier in München, bei dem es um Familien mit Jugendlichen in der Pubertät gehen soll.
Juul steht neben einer Tafel, einen Filzstift in der Hand. Er spricht langsam, hin und wieder versucht er einen Witz, sonst wirbt er nicht groß um seine Zuhörer. Als wolle er es ihnen überlassen, ob sie ihm glauben oder nicht.
Er sagt, interessant sei, dass die Erziehung der Kinder überall anders ablaufe, in jedem Land legten die Eltern andere Regeln fest. Die Dänen zum Beispiel seien der Ansicht, dass die wichtigste Mahlzeit des Tages das Frühstück sei und dass Kinder feste Bettzeiten brauchten. »Das hat man in Italien oder Spanien noch nie gehört«, sagt Juul. Trotzdem gebe es dort glückliche Familien. Und unglückliche, genau wie in Skandinavien.
Entscheidend für das Wohlergehen einer Familie sei nicht, welche Regeln man aufstelle, sondern wie man miteinander umgehe, sagt Juul. Er malt einen Strich an die Tafel, der an jedem Ende eine Spitze hat. Darunter schreibt er das Wort »Beziehung«. Darauf komme es an, sagt er, auf Respekt und darauf, die Würde des anderen anzuerkennen. Bei kleinen Kindern genauso wie bei pubertierenden. Und dann formuliert er seinen Kernsatz: Kinder sind vollwertige Menschen. Sie müssen nicht erst durch Strafen und Verbote zurechtgebogen werden.
Das klingt schlicht. Doch in einer Zeit, in der viele Eltern in Erziehungsfragen verunsichert sind, nicht mehr wissen, woran sie sich orientieren sollen, und den Eindruck haben, Erziehung sei ein ungeheuer kompliziertes, anspruchsvolles Unterfangen, sind solche einfachen Ratschläge vermutlich genau das, was ihnen hilft. Und weil Juul erfahren hat, wie viele Eltern dringend nach Orientierung suchen, hat er vor einigen Jahren sein Familylab gegründet, eine Bildungswerkstatt für Familien in bisher sieben europäischen Ländern. Familylab bietet Seminare, Vorträge, Beratungsgespräche für Eltern an, erfüllt von dem Gedanken, dass niemand ein schlechter Mensch ist, nur weil er sich im Umgang mit seinen Kindern überfordert fühlt. Im Gegenteil, sagt Juul bei jeder Gelegenheit, selbst den besten Eltern unterliefen täglich zwanzig Fehler. Der schlimmste Fehler aber sei der Wunsch nach Perfektion.
Doch Juul will nicht nur theoretische Vorträge halten, sondern echte Hilfe leisten, das ist typisch für ihn, und das ist das Besondere an diesem Wochenendseminar in München. Deshalb bittet er jetzt die Eltern und die Kinder nach vorn, jede Familie einzeln und nacheinander, damit sie von ihren Problemen erzählen. Und so sitzt da vorn nun Brigitte, 52 Jahre alt, Innenarchitektin, und sagt: »Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, dass die Anna so schlecht in der Schule ist.«
Anna ist ihre Tochter, 16 Jahre alt. In ein paar Jahren soll sie Abitur machen. Das hoffen die Eltern. Die Wirklichkeit ist: Die Lehrer beschweren sich. Anna verweigert den Unterricht. Ihre Leistungen werden immer schlechter. Es kann sein, dass sie von der Schule fliegt.
Was sollen die Eltern jetzt tun?
Jesper Juul fragt Anna, wie sie die Sache sieht. Sie sagt, sie schaffe die Schule schon, aber nur, wenn die Mutter aufhöre, sie zu kontrollieren, wenn sie die Verantwortung ihr überlasse. Sie sagt: »Ich hasse es, wenn mir jemand was vorschreibt.«
Juul stellt weitere Fragen, an die Eltern, an die Tochter, sie reden fast eine Stunde lang. Er spricht vom Vertrauen, das man seinem Kind entgegenbringen müsse. Der Vater erzählt, sie hätten ausgemacht, dass Johanna sich selbst darum kümmere, morgens zeitig aufzustehen, »trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen, in ihr Zimmer zu gehen und zu sagen, dass langsam Zeit ist«.
Juul macht eine Pause, dann sagt er: »Bei Ihnen ist die Eltern-Kind-Beziehung vorbei.« Er hat ein hübsches Bild dafür. Er sagt: »Lange sind Sie zu Anna gekommen und haben gesagt: Hier sind deine Vitamine, die musst du essen. Jetzt sagt Anna: Nein danke, ich brauche keine Vitamine mehr.«
Eltern, die weiter Eltern bleiben wollen. Mütter, die sich ärgern, dass ihre Kinder sie als Dienstmädchen sehen. Väter und Töchter, die sich ständig anschreien. Es sind die täglichen Probleme, um die es an diesem Wochenende in München geht, nicht die großen Katastrophen eines jungen Lebens, nicht Drogensucht, Bulimie oder Kriminalität. Solche Dinge würde man in einer halben oder ganzen Stunde Gespräch nicht zu fassen kriegen, sagt Juul. Er sei nur hier, um Rat anzubieten für Familien, in denen die Eltern oft jahrelang glauben, auf einem guten Weg zu sein, bis sich plötzlich eine Kluft auftut. Auf der einen Seite stehen dann sie, die Eltern, auf der anderen die Kinder, die keine Kinder mehr sein wollen.
In den Gesprächen mit den Familien erzählt Juul auch von sich selbst. Wie er mit 16 seine Eltern verließ, Seemann wurde und erst Jahre später zurückkehrte und studierte. Wie seine alte Mutter in ihm noch heute keinen Erwachsenen sieht, sondern einen Jungen. Wie er selbst als junger Vater seinen Sohn angebrüllt habe, weil er glaubte, er könne ihn damit zum Gehorsam zwingen.
Juul sucht oft nach neuen Sätzen, neuen Vergleichen, letztlich aber sagt er immer wieder dasselbe: Kinder brauchen Eltern, die der Überzeugung sind, sie, die Kinder, seien in Ordnung, so wie sie sind. Die offen ihre Meinung ausdrücken, vielleicht auch ihre Missbilligung, die aber nie das Vertrauen in ihre Kinder verlieren. Die potenzielle Schulversagerin Anna zum Beispiel, die so viel Wert auf Autonomie legt, werde ihre Eltern vielleicht noch sehr nötig haben, sagt Juul. Dann, wenn sie wirklich von der Schule fliege, dann werde sie eine Familie brauchen, die zu ihr hält.
Die Familie: Sie hat sich sehr verändert in den vergangenen Jahrzehnten. Die Männer bestimmen nicht mehr über das Leben der Frauen und die Eltern nicht mehr über das Leben der Kinder. Sie schlagen sie kaum noch. Aber sie wollen ihnen auch nicht alles erlauben. Denn man muss doch Verbote aussprechen, Grenzen setzen, sonst tanzen einem die Kinder ja auf der Nase herum. Oder etwa nicht?
Die Macht des Stärkeren ist geschwunden in den Familien, dafür ist die Macht der Unsicherheit gestiegen. An dem Seminarwochenende in München ist das vor allem in den Pausen zu spüren, wenn die Mütter und die Väter beisammenstehen und einander zwischen zwei Butterbrezeln von ihrem Alltag erzählen. Da fällt der Satz: »Man weiß ja gar nicht mehr, was richtig ist im Umgang mit den Kindern.« Und man hört den Titel eines Buches. Lob der Disziplin heißt es, geschrieben von Bernhard Bueb, dem ehemaligen Direktor des Internats Salem, der behauptet, Kinder brauchten vor allem eine harte Hand, die sie führt.
Jesper Juul weigert sich, die Disziplin zu preisen. Er sagt, Kinder würden nicht durch Anweisungen und Strafen erzogen, sondern durch das, was ihnen die Eltern vorleben. »Die Art, wie sie miteinander umgehen, wie sie Konflikte und Streit austragen, das ist es, was erzieht.« Auch das ist wieder so eine simple Weisheit, die aber offenbar heute vielen Eltern nicht mehr präsent ist, weshalb Jesper Juul sie ihnen wieder in Erinnerung rufen will.
Wenn er genug gereist ist, genug Seminare abgehalten hat, kehrt er zurück nach Odder, einer dänischen Kleinstadt südlich von Aarhus. Hier wohnt er im einzigen Penthouse der Stadt, gebaut auf dem Dach des Kempler Institute of Scandinavia, das er lange Zeit geleitet hat. Gegründet hatte Juul es vor dreißig Jahren gemeinsam mit dem amerikanischen Psychiater Walter Kempler, der ihn beeindruckt hat und bestärkt in dem Ziel, Familientherapeut zu werden.
Er sei kein akademischer Kopf, sagt Jesper Juul an einem grauen Frühlingsvormittag in Odder. Er ist mit seinen Ideen doch Praktiker durch und durch. Deshalb ist das Kempler Institute auch keine Forschungs-, sondern eine Bildungs- und Beratungseinrichtung, die in Skandinavien großes Renommee genießt. Erzieher, Lehrer, Psychologen oder Sozialarbeiter können hier Kurse im Umgang mit Kindern und Familien belegen.
Juul selbst hat das, was er zu wissen glaubt, weniger an Instituten oder Fakultäten gelernt als vor allem draußen in der Welt, in ungezählten Gesprächen mit Müttern, Vätern und Kindern, mit wohlhabenden dänischen Familien hat er ebenso gearbeitet wie mit kroatischen Flüchtlingsfamilien, die alles verloren hatten. Und all dieses Wissen fließt nun in seine Kurse und das Familylab ein – und muss auch immer wieder neu den privaten Praxistest bestehen.
Denn Jesper Juul hat einen kleinen Enkel, zweieinhalb Jahre ist er alt. Abgesehen davon, dass er sich wie jeder Großvater über den Nachwuchs freue, sagt Juul, habe es ihn neugierig gemacht, endlich das anwenden zu können, was er anderen so oft geraten habe. Bei seinem Sohn sei er viel zu jung und ahnungslos gewesen.
Kürzlich saß er nun mit seinem Enkel beim Essen, und der Kleine spuckte alles, was ihm nicht schmeckte, wieder aus und schmierte es auf den Tisch. »Genau wie mein Sohn, als er klein war«, sagt Juul. Den hatte er damals noch angeschrien, hatte geschimpft, er solle die Reste gefälligst auf dem Teller liegen lassen, und hatte damit erreicht, dass der Junge einen Wutanfall bekam. Jetzt sagte er ganz ruhig zu seinem Enkel: »Ich will, dass du das Essen auf den Teller zurücklegst, wenn es dir nicht schmeckt. Machst du das für mich?«
Und, wie hat der Kleine reagiert? »Er hat es tatsächlich zurückgelegt«, sagt Jesper Juul lächelnd. Und so, wie er das sagt, hat man das Gefühl, dass er, der unzählige Eltern beraten hat, sehr stolz ist darauf, sich diesmal auch selbst vernünftig verhalten zu haben.
- Datum 1.5.2009 - 10:58 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
- Kommentare 17
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Danke. Endlich mal eine an praktisch-vernünftige Gegenposition zu den vielen retro-autoritativen Vorschlägen à la Winterhoff aber auch ZEIT-Autorin Susanne Gaschke, wie auf die angebliche Schwäche von Eltern, die nicht mehr erziehen und Kindern, die sich angeblich auf EGO-Trips befinden oder kleine Tyrannen seien, geantwortet werden kann.
Schade nur, dass solche Hilfestellungen nie bei denen ankommen, die sie wirklich nötig hätten. Die schauen sich dann doch lieber an, wie irgendwelche Assozialen von der Supernanny vorgeführt werden.
Eine Frau liegt gemütlich auf dem Sofa und liest. Plötzlich dröhnt laute Musik aus dem Nebenzimmer – ihr Mann hat die Anlage schon wieder bis zum Anschlag aufgedreht. Die Frau geht zu ihm, sie schreit: »Wie oft soll ich dir noch sagen, dass mich der Krach nervt, dafür darfst du heute Abend keine Sportschau gucken!« Strafe muss sein, denkt sie sich, sonst lernt der das nie.
Dann dürfte man wohl sagen sie haben sich auseinandergelebt und sind auf dem niedrigsten gemeinsamen Teiler angekommen! Kleingeister ohne jemals ein gemeinsames Interesse gehabt zu haben. Eine Scheidung wäre von Vorteil, da
sie eventuelle Exzesse Gerichtlicher und Körperlicher art verhindert. Solange das im Anfangsstadium passiert. Da ist nichts schlechtes dabei, das ist einfach, Menschlich, kompliziert wird es erst, wenn Kinder mit darin verwickelt werden, dann geht es nicht so einfach.
Die Frau liegt auf dem Sofa, ha ha wieso liegt sie da hat sie denn keine Arbeit zu erledigen? Musik dröhnt aus dem Nebenzimmer! Muss denn der Mann nicht sein Auto zu waschen? Den Leuten ist es wohl zu langweilig in unserer Gesellschaft. Die haben wohl zuviel Geld und zuwenig Aufgaben?
Bei Adresszusendung werde ich das sehr schnell ändern! Dann lernen sie mal das richtige Leben kennen.
Und das immer die Eltern schuld sind, dafür braucht man keine Doktoren oder Professoren, sondern nur normalen Verstand. Ein Blick auf das Fernsehprogramm und unsere Politiker reicht wohl aus.
Ich glaube Sie haben das Beispiel am Anfang des Artikels irgendwie anders verstanden als ich. .... ;-)
Ihr Kommentar klingt durch und durch satirisch - versuche ich ihn ernst zu nehmen fällt es mir schwer ihm zu folgen.
Ich glaube Sie haben das Beispiel am Anfang des Artikels irgendwie anders verstanden als ich. .... ;-)
"Kinder sind vollwertige Menschen. Sie müssen nicht erst durch Strafen und Verbote zurechtgebogen werden" sagt Jesper Juul, und so ist es. Doch dieser Satz besagt nicht weniger als das Ende eines zweitausend Jahre alten Irrwegs, den wir "Erziehung" nennen und den Kant 1803 so beschrieb: "Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.
Kant irrte. Mensch wird man durch Geburt, nicht durch Erziehung. Noch nie wurde aus einem Menschenkind ein Pferd, ein Esel, eine Graugans ..., weil es nicht "erzogen" worden wäre. Wie irrational unser Denken und Handeln im Umgang mit Heranwachsenden ist, zeigt sich an diesem Beispiel. Nicht einmal der sonst doch so scharfsichtige und scharfsinnige Kant nahm wahr, welchen Unsinn er da verzapfte, der seitdem zur Maxime allen pädagogischen Denkens und Handelns und zur ideologischen Grundlage aller Diktaturen des 20. Jahrhunderts wurde, die ja - genau betrachtet - Erziehungsdiktaturen waren.
Das Kind als von Anfang an vollwertigen Menschen annehmen und einfach mit ihm zusammen Tag für Tag leben, ohne aus ihm irgendetwas machen zu wollen - das ist die Lösung.
Ich glaube sie irren mindestens ebenso.
Menschen brauchen Erziehung. Nicht jeder ist in der Lage selbst bestimmt ohne jegliche äußere Richtungsgabe Richtiges vom Falschen zu unterscheiden. Diese Menschen werden dann die "einfachen Lösungen" bevorzugen. Einfache Lösungen wie Gewalt und kurzfristige Erfolge auf Kosten anderer. Denn was für mich richtig ist, muss nicht zwangsläufig auch für die Gemeinschaft in der ich lebe richtig sein.
Kultur ist was den Menschen ausmacht. Das ist was Kant sagen will. Es braucht Erziehung um dem Menschen die über Hunderte von Generationen erworbenen kulturellen Erkenntnisse zu vermitteln die aus einem sprachfähigen egoistischen Lebewesen ein Mitglied einer Gesellschaft macht.
Unsere Kultur baut auf das Miteinander. Miteinander zu leben statt gegeneinander ist eine Erkenntnis die der Mensch über Jahrhunderte lernen musste. Siehe Platon der sich dazu einige Gedanken gemacht hat.
Jesper Juul sagte: "Kinder sind vollwertige Menschen. Sie müssen nicht erst durch Strafen und Verbote zurechtgebogen werden" - aber das besagt nicht, dass es keine Erziehung geben muss oder darf.
Erziehung ist, wenn ich meinem Kind das richtige Handeln vorlebe, wenn ich mit ihm über seine Erfolge und Misserfoge rede und gemeinsam mit ihm über Möglichkeiten diskutiere, wie die Misserfolge beim nächsten mal vermieden werden können.
Und das ich mein Kind als vollwertigen Mensch akzeptiere, seine Meinung ernst nehme, seine Würde achte.
Das ist Erziehung (zugegeben: Sehr vereinfacht und sehr kurz dargestellt.)
Aber sich jetzt zurückzulehnen und zu denken / sagen: "Erziehung ist unnötig!" kann sicher nicht richtig sein und war gewiss nicht dass Ziel von Jesper Juul.
Ich glaube sie irren mindestens ebenso.
Menschen brauchen Erziehung. Nicht jeder ist in der Lage selbst bestimmt ohne jegliche äußere Richtungsgabe Richtiges vom Falschen zu unterscheiden. Diese Menschen werden dann die "einfachen Lösungen" bevorzugen. Einfache Lösungen wie Gewalt und kurzfristige Erfolge auf Kosten anderer. Denn was für mich richtig ist, muss nicht zwangsläufig auch für die Gemeinschaft in der ich lebe richtig sein.
Kultur ist was den Menschen ausmacht. Das ist was Kant sagen will. Es braucht Erziehung um dem Menschen die über Hunderte von Generationen erworbenen kulturellen Erkenntnisse zu vermitteln die aus einem sprachfähigen egoistischen Lebewesen ein Mitglied einer Gesellschaft macht.
Unsere Kultur baut auf das Miteinander. Miteinander zu leben statt gegeneinander ist eine Erkenntnis die der Mensch über Jahrhunderte lernen musste. Siehe Platon der sich dazu einige Gedanken gemacht hat.
Sie schreiben: "Menschen brauchen Erziehung. "
Sie verwechseln "lernen" mit "erziehen": Menschen lernen, sie werden nicht erzogen. Das Entscheidende geschieht im Kopf des Heranwachsenden, nicht in dem des Erziehers.
Das ist inzwischen unbestrittener Stand sowohl der Säuglings- und Kleinkind- wie der Gehirnforschung.
Alles andere ist zweitausend Jahre alte spekulative Ideologie, die im Alltag wenn überhaupt, dann nur zufällig die erwünschten Ergebnisse brachte.
Das Problem: (Erziehungs-)Gläubige sind argumentativ nicht erreichbar.
Sie schreiben: "Kultur ist was den Menschen ausmacht."
Es ist die Fähigkeit zu lernen und sich seiner Umwelt anzupassen, was den Menschen ausmacht, zu lernen in einem viel größen Ausmaß als alle uns bekannten anderen Lebewesen.
Sie schreiben: "Das ist was Kant sagen will." Ich halte mich an das, was Kant gesagt hat, und nehme an, dass er durchaus in der Lage war, sich angemessen auszudrücken.
Und das, was er gesagt hat, ist schlicht Unsinn:
1. Mensch wird man durch Geburt. Das zu leugnen, scheint mir nicht diskussionswürdig.
2. Durch die Auseinandersetzung mit der Kultur, in die ein Mensch hineingeboren wird, wird er
- sozial zum Europäer, zum Inuit, zum Tuareg ....
- ideologisch zum Christen, zum Moslem, zum Buddhisten ...
Sie schreiben: "Siehe Platon der sich dazu einige Gedanken gemacht hat." Platon war ein totalitärer Denker, wie Sie unschwer schon nach wenigen Seiten aus "Politeia" oder "Nomoi" ersehen können - kein Vorbild für ein demokratisches Staatswesen, eher schon für das China von Mao Tse-tung.
Sie schreiben: "Menschen brauchen Erziehung. "
Sie verwechseln "lernen" mit "erziehen": Menschen lernen, sie werden nicht erzogen. Das Entscheidende geschieht im Kopf des Heranwachsenden, nicht in dem des Erziehers.
Das ist inzwischen unbestrittener Stand sowohl der Säuglings- und Kleinkind- wie der Gehirnforschung.
Alles andere ist zweitausend Jahre alte spekulative Ideologie, die im Alltag wenn überhaupt, dann nur zufällig die erwünschten Ergebnisse brachte.
Das Problem: (Erziehungs-)Gläubige sind argumentativ nicht erreichbar.
Sie schreiben: "Kultur ist was den Menschen ausmacht."
Es ist die Fähigkeit zu lernen und sich seiner Umwelt anzupassen, was den Menschen ausmacht, zu lernen in einem viel größen Ausmaß als alle uns bekannten anderen Lebewesen.
Sie schreiben: "Das ist was Kant sagen will." Ich halte mich an das, was Kant gesagt hat, und nehme an, dass er durchaus in der Lage war, sich angemessen auszudrücken.
Und das, was er gesagt hat, ist schlicht Unsinn:
1. Mensch wird man durch Geburt. Das zu leugnen, scheint mir nicht diskussionswürdig.
2. Durch die Auseinandersetzung mit der Kultur, in die ein Mensch hineingeboren wird, wird er
- sozial zum Europäer, zum Inuit, zum Tuareg ....
- ideologisch zum Christen, zum Moslem, zum Buddhisten ...
Sie schreiben: "Siehe Platon der sich dazu einige Gedanken gemacht hat." Platon war ein totalitärer Denker, wie Sie unschwer schon nach wenigen Seiten aus "Politeia" oder "Nomoi" ersehen können - kein Vorbild für ein demokratisches Staatswesen, eher schon für das China von Mao Tse-tung.
für's Leben lernen. Die Erziehung eines Kindes ist Lehren. Es ist das Vermitteln von Werten, von Moral, von sozialem Verhalten. In erster Linie wird dies vermittelt durch eigenes Vorbild, im Weiteren durch das Hinweisen auf Fehlverhalten, durch das Lernen lassen aus eigenen Fehlern, durch das Rat geben bei Entscheidungen und durch das Aufmerksammachen auf die Belange der Mitmenschen und das eigene Geradestehen für Missverhalten. Ein Mensch kann sich nicht zu einem sozialen Wesen entwickeln, wenn ihm dies nicht durch Bezugspersonen vorgelebt wird, er nicht angewiesen wird. Ich kann mit meinem Kind nicht in einer gleichberechtigten Partnerschaft von Beginn an zusammenleben, ich bin in erster Linie Elternteil und erst in zweiter Freund. Zum Miteinanderleben müssen Regeln aufgestellt und eingehalten werden, und zwar auf beiden Seiten. Es ist meine Aufgabe, dies meinem Kind zu vermitteln. Moralvorstellungen, soziales Verhalten sind einem Menschen mitnichten in die Wiege gelegt. Er entwickelt sich erst durch die Gemeinschaft um ihn herum zu einem sozialen Wesen. Dieses Miteinander funktioniert nur auf der Basis von Regeln und Konsequenzen. Ein Kind wird lernen müssen, sich mit diesen Regeln zu arrangieren. Sonst enden wir da, wo es in den 70ern schon mal hingehen sollte: bei der antiautoritären Erziehung, die klar gescheitert ist.
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