Pandemie Out of Mexico
Ein Grippevirus breitet sich über den Planeten aus. Auch Deutschland rüstet sich für eine Pandemie. Im Ernstfall werden Bürgerrechte außer Kraft gesetzt
Als man den heiligen Christo de la Salud am vergangenen Sonntag aus der Hauptkathedrale von Mexiko Stadt trug, war klar: Die Lage ist ernst. Mit Mundschutz folgten die Gläubigen der Prozession rund um das Gotteshaus. »Man benutzt ihn nur, wenn ein großes Unglück die Stadt bedroht und viele Menschenleben in Gefahr sind«, erklärt Padre Cuauhtémoc Islas. Erst dreimal habe die Statue des Gekreuzigten die Kirche verlassen – zuletzt Anno 1691. Da wüteten die Pocken in der Stadt.
Steht der mittelamerikanische Staat nun vor einem ähnlichen Notstand? Wer die Fernsehbilder sah, konnte diesen Eindruck gewinnen. Nach dem Ausbruch des neuen Grippevirus AH1N1 wurden Punktspiele der mexikanischen Fußballliga vor menschenleeren Rängen ausgetragen, Schulen geschlossen, die Gotteshäuser blieben leer. Auch im Rest der Welt wächst seit dem vergangenen Wochenende das Unbehagen: Auf japanischen Flughäfen werden die Ankömmlinge mit Wärmedetektoren auf Fieber kontrolliert.
Tatsächlich sind beunruhigende Parallelen zu früheren Seuchezügen zu verzeichnen: Die als »Schweinegrippe« bekannt gewordene Influenza ist vom selben Typus wie die vernichtende Spanische Grippe von 1918/1919, die am Ende des Ersten Weltkriegs 20 bis 50 Millionen Menschen dahinraffte. Und ebenso wie damals scheinen der Influenza bevorzugt junge Erwachsene zum Opfer zu fallen. Die Situation sei riskant, erklärte WHO-Generalsekretärin Margaret Chan, »das Virus besitzt Pandemie-Potenzial«.
Vereinzelt und zunächst fast unbemerkt hatte der neue Erreger in den vergangenen Wochen zugeschlagen. Vermutlich schwelt die Infektion bereits seit März in der mexikanischen Bevölkerung. Erste Fälle der Schweinegrippe registrierten die mexikanischen Behörden offiziell am 2. April in Las Glorias, einem kleinen Dorf im Küstenstaat Veracruz. In der Nähe befinden sich große Schweinezuchtbetriebe der US-Firma Smithfield Foods. Dort soll ein vierjähriger Junge am neuen Virus erkrankt sein – er überlebte. Schon zuvor war es zu einer ungewöhnlichen Häufung schwerer Influenza in der Region gekommen. Dasselbe Virus wie in Las Glorias stellte man bei der Regierungsangestellten Adela María Gutiérrez Cruz fest. Die Frau war am 9. April im 250 Kilometer entfernten Oaxaca mit einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden und starb vier Tage später. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Verdachtsfälle in einem halben Dutzend Bundesstaaten Mexikos.
In Lateinamerika wütet die Grippe aggressiver als in den USA
Inzwischen steigt die Zahl der Opfer dort rasant. Die Behörden des Landes meldeten bis Dienstagabend fast 2000 Grippekranke und mehr als 150 Tote, bei mindestens zwanzig von ihnen wurde die Infektion mit dem neuen Virus vom Typ AH1N1 durch Labortests bestätigt. Und der Erreger breitet sich immer weiter aus. Zunächst kam er im Nachbarland USA an; in Kalifornien rief am Dienstag Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand aus.
In Europa wurde das Virus zuerst in Spanien identifiziert, bei einem jungen Mann, der kürzlich aus Mexiko heimkehrte. Darauf folgten nahezu im Stundentakt Meldungen aus immer mehr Ländern: Infektionsfälle mit dem AH1N1-Erreger wurden in Schottland, Israel, Neuseeland nachgewiesen, Frankreich, Irland, Schweden, Dänemark, Tschechien und die Schweiz meldeten verdächtige Krankheitsfälle. Und auch in Deutschland stehen seit Anfang der Woche Rückkehrer aus Mexiko, die eine erhöhte Temperatur und andere Grippesymptome zeigen, unter Beobachtung.
Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die Weltgesundheitsorganisation WHO schließlich die Pandemie-Risikostufe 4 in Kraft setzte. Sie wird ausgelöst, wenn es zu anhaltenden Mensch-zu-Mensch-Infektionen und örtlichen Grippeausbrüchen kommt, und bedeutet erhöhte Alarmbereitschaft für Mediziner und Gesundheitsbehörden. Richtig ernst wird die Sache allerdings erst von der nächsthöheren Stufe 5 an. Wird diese ausgerufen, heißt das: Die Fachleute sind der Ansicht, dass ein globaler Seuchenzug unmittelbar bevorsteht. Das wäre bereits der Fall, wenn sich die neue Grippe in mindestens zwei Staaten zu einem Flächenbrand auswüchse. Sobald die Seuche in mehreren Weltregionen großflächig grassiert, ist Stufe sechs erreicht – der Pandemiefall.
Wie schlimm steht es also? Müssen wir uns auf eine Grippewelle mit womöglich Millionen Toten einstellen? Die Aussage von WHO-Generaldirektor Keiji Fukuda, eine vollständige Eindämmung des Erregers sei bereits jetzt nicht mehr möglich, klingt bedrohlich. Und auch Fukudas Nachsatz, eine Pandemie sei »nicht unabwendbar« ist nicht unbedingt beruhigend. Jedenfalls hat die WHO – wie schon zuvor die EU – inzwischen eine Reisewarnung für die von den Ausbrüchen betroffenen Regionen ausgerufen; von Reisen in die USA und nach Mexiko wird abgeraten. Rund 9000 deutsche Touristen halten sich derzeit in Mexiko auf Urlaubsreise auf, vielleicht sind es sogar wegen der freien Tage zu Ostern und um den ersten Mai deutlich mehr. Und Urlauber, die sich am letzten Ferientag angesteckt haben, spüren infolge der Inkubationszeit erst eine halbe Woche später die ersten Symptome. Das macht die Übersicht nicht gerade leicht.
Wie gefährlich der neue Erreger tatsächlich ist, bleibt bislang unklar. Warum etwa, so rätseln die Experten, zeigen die angesteckten Opfer in den USA vergleichsweise milde Verläufe, während die neue Grippevariante in Mexiko augenscheinlich sehr viel aggressiver wütet? Vielleicht, so lautet eine Vermutung, waren viele der Todesopfer in Mexiko durch eine normale saisonale Grippe-Infektion bereits geschwächt. Unklar ist auch, wie gefährlich das Virus noch werden kann. Zufällige Mutationen in seinen Genen können es jederzeit verändern; möglicherweise zeigt es seine ganze Aggressivität daher erst in einer zweiten Infektionswelle. Angesichts solch offener Fragen lässt sich nur schwer vorhersagen, ob sich der Erreger weltweit ausbreiten wird und wenn ja, wie schnell.
- Datum 22.05.2009 - 17:16 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
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Das einzige, was die gegenwärtige Grippewelle von den sonst jeden (Nord-)Winter auftretenden Grippewellen unterscheidet, ist ihr atypisch später Beginn - normalerweise geht die Grippesaison im April zu Ende.
Ansonsten handelt es sich aber nach gegenwärtigem Erkenntnisstand weder um ein besonders aggressives, noch um ein überdurchschnittlich ansteckendes Virus. Trotzdem wird die Öffentlichkeit von den Medien schon einmal mental auf den bevorstehenden globalen Katastrophenfall vorbereitet, das Virus könnte ja noch mutieren und zu einem Milliarden dahinraffenden Menschheitskiller werden.
Ich bin kein Virologe und kann daher nicht sagen, wie hoch die Mutationswahrscheinlichkeit bei einer "normalen" Grippe ist... aber nach allem, was ich bis jetzt über Grippeviren erfahren habe, mutieren die Erreger doch ohnehin ständig, weshalb ja auch Jahr für Jahr der Impfstoff neu entwickelt werden muss.
Wird jetzt in Zukunft vorsorglich jedes Jahr von Oktober bis April der Ausnahmezustand ausgerufen? Kommt in Zukunft jeder, der mit Husten und Fieber einen Arzt aufsucht, zwangsweise in Quarantäne? Wird fortan für die Hälfte jedes Jahres das gesellschaftliche Leben aufs Nötigste minimiert, nur weil die Möglichkeit besteht, dass ein Grippevirus mutiert?
Wem nützt eigentlich dieser ganze Hochsicherheitswahn?
"Wem nützt eigentlich dieser ganze Hochsicherheitswahn?"
wer da nicht mal aus sicht einiger eine paranoia entwickelt ,-)
sehr lesenswert folgender artikel, inklusiv leserkommentare:
http://www.heise.de/tp/r4...
man sollte auch mal einen blick auf das datum des artikels werfen.
zugegebenermaßen nicht ganz ernst gemeint:
vielleicht schreib ich mal, inspiriert vom aktuellen tagesgeschehen, eine etwas frei interpretierte neufassung der star wars trilogie episode 1 bis 3:
neuer titel:
"financial wars"
kurze zusammenfassung:
es war einmal in einer weit entfernten galaxie vor langer, langer zeit....
episode 1: die neue hoffnung
nachdem die gilde der banklords in massive schwierigkeiten geriet bahnte sich im galaktischen rat ein vermeintlicher machtwechsel an.
den systembewohnern des westlichen galaxiequadranten erschien die helle seite der macht in form des messianischen ben oubamania .
dieser musste die von seinem vorgänger sith doubelwalker angezettelten kriege gegen die pighater coalition fortsetzen
episode 2: angriff der schweinekrieger
nachdem wohl klar sein dürfte (dank SETI ), dass schweine im weltall nicht nur in unserer galaxie vorkommen, ist die annahme nicht ganz unberechtigt, dass dort ebenfalls intrigen, verrat und kriege vorkommen.
nachdem nun die pighater coalition so langsam jedem galaxiebewohner als feindbild so langsam auf die uxtram (eine frucht aus dem peanutssystem, welche ständig als metapher fürs gemächt herhalten musste) ging zog eine neue gefahr am galaktischen horizont auf.
kleine nanoformatige putzige mitbewohner der durchs weltall vagabundierenden schweinebande suchten nach neuen aufgaben.
da die bewohner der galaktischen mezzo-ebene eigentlich ständig im dauerclinch mit diesen nanorianern standen, schien die aufkommende panik sehr verwunderlich und man vermutete einen anschlag der schweinebande, welche im grunde eigentlich nur arme schweine waren, die auf der flucht vor hungrigen humanoiden durchs weltall hetzten.
episode 3: die rache der krisenmanager
nachdem die nanorianer, mittlerweile auch als phantom der galaxis bezeichnet, an vielen fronten zurückgedrängt werden konnten und der galaktische rat seine sondervollmachten nicht mehr abgeben wollte, fiel so einigen galaktischen bürgern auf, dass es nicht mehr viel freude bereitete, möglichst viele bunte plastikchips zu erwerben.
man muss hier erwähnen, dass diese bunten plastikchips in prägalaktischen äonen für reichlich verwirrung sorgten, da man sie an irgendeinem ort irgendjemand vor die füsse schmiss um anschliessend besitzansprüche jeglicher art zu stellen. die banklords hatten dieses pangalaktische ritual aber schwer in verruf gebracht....
sooo... den schluss verrat ich nicht
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