Spielen Schach
Ein guter Freund aus Bamberg war zusammen mit seiner Frau in Aachen, um der Diplomüberreichung an seinen jüngsten Sohn beizuwohnen und bei dieser feierlichen Gelegenheit in der Ansprache des Rektors Folgendes hören zu dürfen: »Wir sind eine Eliteuniversität – natürlich schaffen das nicht alle. Aber die können ja immer noch Jura studieren.« Vermutlich richteten diese einfühlsamen Worte etwaige Betroffene wieder auf, meinen Freund, Direktor des Amtsgerichts, erheiterten sie jedenfalls prächtig.
Dabei wusste schon Ludwig Thoma: »Er war Jurist – und auch sonst von geringem Verstande!« Dieser Makel wird gemeinhin Schachspielern nicht attestiert. Obwohl…
Als der polyglotte Jurist Ossip Bernstein, vor 80 Jahren einer der stärksten Schachmeister der Welt, eine Auszeichnung der französischen Juristenkammer erhielt, meinte deren Vorsitzender: »Wir schätzen Dr. Bernstein außerordentlich, obgleich er Schachspieler ist!«
Gata Kamsky aus der Sowjetunion war einer der stärksten Spieler der Welt, bevor er in die USA emigrierte, das Schachspiel verstauben ließ und Jura studierte. Vor einigen Jahren kehrte er zu den 64 Feldern zurück und erreichte jetzt sogar das Kandidatenfinale zur Weltmeisterschaft gegen den Bulgaren Veselin Topalov. Dieses verlor er allerdings, weil er in der fünften Partie einen für Meister seiner Klasse riesigen Bock schoss – sollte ihm in diesem Moment etwa sein Juristengen einen Streich gespielt haben? Wie bestrafte Topalov, der nun gegen Anand um die WM spielt, als Weißer den letzten Zug Kamskys Sc6–b4?
Helmut Pfleger
Lösung aus Nr. 18:
Nach welchem schwarzen Zug war Weiß rettungslos verloren? Es war 1…Le5!, wonach die schwarze Mattkombination nicht mehr zu verhindern ist. Weiß versuchte noch 2.Db6, um aber nach dem Damenopfer 2…Dxh2+! wegen 3.Kxh2 Th4 matt aufzugeben
- Datum 27.04.2009 - 15:26 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
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