Technik im Alltag Das kontrollierte Feuerwerk

Laptops werden zu Langläufern. Das neue MacBook Pro verspricht acht Stunden Akkubetrieb. Die Energiedichte wird zum Sicherheitsrisiko

Immer längere Akkulaufzeiten: Das neue MacBook Pro verspricht ganze acht Stunden Betrieb

Immer längere Akkulaufzeiten: Das neue MacBook Pro verspricht ganze acht Stunden Betrieb

Am Anfang zeigt sich das Gerät noch etwas unentschieden. Frisch gestartet, mit vollgeladenem Akku, stellt der Laptop zunächst nur mäßige 6 Stunden Arbeitszeit in Aussicht. Nach einiger Zeit aber pendelt sich die Batterieanzeige auf genau 8 Stunden und eine Minute ein. Das ist wirklich üppig. Nur ein paar dürftig ausgestattete Minirechner wie der EeePC von Asus, die mit schwachbrüstigen Prozessoren auskommen und kein DVD-Laufwerk besitzen, sind ähnliche Langläufer. Einen ganzen Arbeitstag also will mir das dicke MacBook Pro mit einem Bildschirm so groß wie ein Teetablett ohne Nachschub aus der Steckdose zu Diensten sein. Aber wer will über die Dauer einer Zugfahrt von Flensburg bis München nur Texte verfassen? Also schiebe ich die DVD Fluch der Karibik in das optische Laufwerk. Der Film ist stromfressende 2 Stunden und 17 Minuten lang.

Doch das MacBook Pro verspricht nicht nur eine unvergleichlich lange Akku-Laufzeit, sondern auch eine besondere Langlebigkeit der Batterie. Normalerweise halten die Energiespeicher der Laptops nur drei Jahre, dann machen sie schlapp. Der neue Apple-Akku soll dreimal so lang leben und 1000 Ladezyklen aushalten. Wie schafft Apple das?

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Peter Spiess muss es wissen. Er ist Spezialist für Batteriemanagement am Erlanger Fraunhofer-Institut. Sehr schnell wird klar, dass Akkumulatoren Sensibelchen sind. »Früher hat man die Spannung der Batterie überwacht, den Strom und die Temperatur, das war’s«, sagt Spiess. Es kam lediglich darauf an, den Akku nicht zu überladen und nicht zu tief zu entladen, denn das verkürzt die Lebensdauer der Energiespeicher. Diese Akkus gaben gern schon nach einem Jahr ihren Geist auf.

Die grobe Behandlung war schon deshalb suboptimal, weil Laptop-Akkus keine Einzelwesen sind, sondern sich aus einem ganzen Rudel Batteriezellen zusammensetzen – im Apple-Rechner sind es acht Zellen. Weil es Fertigungstoleranzen gibt, will jede Zelle wie eine Diva individuell umhegt werden. »Die eine nimmt die Ladung schneller an, die andere weniger schnell«, sagt Spiess. Die eine Batterie muss in der Nähe des zentralen Mikroprozessors schwitzen, die andere Batterie darf ihre Elektronen am kühlen Gehäuseblech abgeben, das tut ihr gut und lässt sie länger leben. Im MacBook Pro erhält jede Zelle die ihr gebührende Aufmerksamkeit. Sobald eine Einheit geladen ist, wird sie vom Netz genommen, und die anderen dürfen weiter laden. Zellsymmetrierung heißt das Verfahren.

Der Haltbarkeit wäre damit gedient – wenn es nur den Benutzer nicht gäbe. Der Computerbenutzer ist der natürliche Feind des Akkus. Kommt er im Büro oder zu Hause an, hängt er gleich den Rechner an das Netzteil. »Ein Akku, der dauernd zu 100 Prozent geladen ist, altert schneller«, sagt Spiess. Der Akku möchte gern 70 bis 80 Prozent Ladung – und dann bitte noch im Kühlschrank liegen. Auch den anderen Normalfall, dass nach ein paar Minuten Ladung der Laptop schon wieder abgeklemmt und in ein Meeting getragen wird, schätzt der Energiespeicher gar nicht. Ständige Teilent- und -beladungen lassen jeden Akku bald alt aussehen.

Und sie bringen die Steuerelektronik durcheinander. Die verliert den Überblick darüber, wie viel Restkapazität noch im Energiespeicher steckt. Deshalb gleicht die Prognose, wie lange das Ding auf der Fahrt nach München mit der DVD im Laufwerk durchhält, der Trefferwahrscheinlichkeit des Wetterberichts. Für genauere Vorhersagen über die Restbetriebsdauer wäre es am besten, die Akkus zu eichen, das heißt sie einmal leerlaufen zu lassen und dann vollzuladen. Der Computer würde am liebsten mal zwei ungestörte Stunden am Stück haben, um einen vollen Lade-/Entladezyklus zu fahren. Dann könnte er dem Benutzer auch mit einer etwas genaueren Prognose dienen. Doch wer wollte sich da festlegen?

Leser-Kommentare
  1. reine Mac Werbung - auch wenn was wahres drinsteckt.

    Und so nebenbei - ich kriege aus nur 6 zellen bei meinem Vaio etwa 4-4,5 Stunden Betrieb aus 80% Ladung.

    Bei 100% würde ich entsprechend 5-5,5 Studen oder mehr bekommen - bei 6 Zellen.

    Da sehen die 8 Studen auch nicht mehr so spektakulär aus.

  2. http://www.spiegel.de/wis...

    in Kombination mit der Rennaissance der drahtlosen Übertragung von Strom ergeben sich da sehr interessante Zukunftsszenarien.

    • carol
    • 03.05.2009 um 17:27 Uhr

    fast immer wenn ich durch die sicherheitsschleuse vom flughafen will, muss ich nach hinten und einen bombendetektor-wischtest machen, weil ich soviel elektrokram mit mir rumschleppe.

    letztes mal meinte ich (nach dem test) zum beamten, das kontrolle eh nix bringt, weil ja selbst mein laptop akku voller energie ist. der hat mich nicht verstanden.

    es gibt soviele möglichkeiten. kann denn ein röntgengerät die lithiummenge messen? ein detektor spricht anscheinend darauf zB nicht an. aber egal, ich möchte hier keine anleitungen bringen. aber jemand der sich damit auseinandersetzt und ein wenig gedanken macht kann die wahnsinngsten sachen machen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich wage mal zu bezweifeln ob diese wischtest generell so viel detektieren wie gesagt wird. Wenn ich eine bombe baue sollte ich wohl auch noch das Geld haben den Sprengstoff ordentlich zu versiegeln.
    Wenn akkus verboten würden blieben die Fluggäste weg, sonst wären sie wohl schon längst verboten.
    In my humble Opinion sind die Sicherheitskontrollen eh Säbelrasseln.
    Die effektivste Bombe ist am besten am Montag Morgen um acht in der Menschenmenge VOR der Sicherheitskontrolle zu zünden.

    ich wage mal zu bezweifeln ob diese wischtest generell so viel detektieren wie gesagt wird. Wenn ich eine bombe baue sollte ich wohl auch noch das Geld haben den Sprengstoff ordentlich zu versiegeln.
    Wenn akkus verboten würden blieben die Fluggäste weg, sonst wären sie wohl schon längst verboten.
    In my humble Opinion sind die Sicherheitskontrollen eh Säbelrasseln.
    Die effektivste Bombe ist am besten am Montag Morgen um acht in der Menschenmenge VOR der Sicherheitskontrolle zu zünden.

  3. Zitat: "Im MacBook Pro stecken maßgeschneiderte rechteckige Lithium-Ionen-Batterien."

    Das stimmt nicht. Es handelt sich um Lithium-Polymer-Zellen, die eine höhere Energiedichte haben als konventionelle Lithium-Ionen-Akkus. Das ist neben der intelligenten Steuerung gerade der Gag bei dem Macbook.

    Zitat Apple: "Built-in 95-watt-hour lithium-polymer battery"

  4. ich wage mal zu bezweifeln ob diese wischtest generell so viel detektieren wie gesagt wird. Wenn ich eine bombe baue sollte ich wohl auch noch das Geld haben den Sprengstoff ordentlich zu versiegeln.
    Wenn akkus verboten würden blieben die Fluggäste weg, sonst wären sie wohl schon längst verboten.
    In my humble Opinion sind die Sicherheitskontrollen eh Säbelrasseln.
    Die effektivste Bombe ist am besten am Montag Morgen um acht in der Menschenmenge VOR der Sicherheitskontrolle zu zünden.

    Antwort auf "letztens am flughafen"
  5. trotzdem kein MacBook Pro. Und wenn der Akku bis übermorgen läuft.

  6. gut geschriebener Artikel ( der charmante Karibikpirat muß eine gewisse inspirierende Wirkung hinterlassen haben...) .

  7. Zitat: "Das stimmt nicht. Es handelt sich um Lithium-Polymer-Zellen, die eine höhere Energiedichte haben als konventionelle Lithium-Ionen-Akkus."

    Ihre Ausführung ist zwar korrekt - die Bezeichnung als Lithium-Ion Akkumulator (wie im Artikel) ist dennoch nicht falsch, da die Lithium-Polymer Akkumulatoren lediglich eine verbesserte Weiterentwicklung der Li-Ion Technologie ist, bei der das Elektrolyt nicht flüssig ist und statt dessen eine Folie auf Polymerbasis verwendet wird. Deswegen heissen diese Akkus im Englischen korrekterweise auch "Lithium-ion polymer batteries".

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