Tag der Arbeit Woran arbeiten Sie gerade, Juli Zeh?Seite 2/2

ZEIT: Hat das Buch eine zentrale Forderung?

Zeh: Ja. Sie richtet sich an den Leser und ist aufklärerisch im klassischen Sinne: Emanzipiere dich von dem, was dir erzählt wird, und denk selber nach. Überlege dir, wie du dein Privatleben gestalten willst oder wie weit du dich gängeln lassen willst in dem Bereich. Wir wollen den Leser bei den Schultern packen, ihn durchrütteln und ihm zurufen: Hallo, hallo, aufwachen!

ZEIT: Sitzen Sie zurzeit acht Stunden lang am Schreibtisch und schütteln den imaginären Leser durch?

Zeh: Nein, nicht so lange. Wir sind jetzt fast fertig mit dem Buch, deshalb sind die letzten Wochen schon etwas ruhiger geworden. Aber es gab auch Phasen, in denen ich 16 Stunden täglich am Computer saß. Am Ende wurde es kompliziert, weil wir auch einen großen Anmerkungsapparat machen mussten. Den werden wir zu weiten Teilen ins Internet stellen und auf einer eigenen Homepage alle Quellen offenlegen – eine unglaubliche Fleißarbeit von vielen Beteiligten.

ZEIT: Schreiben Sie dieses Buch mit der gleichen inneren Verfasstheit wie einen Roman?

Zeh: Das ist ganz, ganz anders. Es fühlt sich geradezu zufällig an, dass beides überhaupt mit Schreiben zu tun hat – das Schreiben ist die einzige Verbindung zwischen den beiden Tätigkeiten. Unser Freiheits-Buch ist ja keine Fiktion, also geht es auch nicht um Ästhetisches, Musikalisches, Sprachverliebtheit, sondern um klare Aussagen. Fiktion schreiben ist für mich etwas sehr Anstrengendes, auch etwas Kontemplatives, bei dem man die Augen nach hinten dreht und in den eigenen Kopf hineinguckt. Ungeheuer egozentrisch. Bei diesem Buch ist es eher ein Austoben nach außen, ein kurzer, stark verdichteter Text von 120 Seiten, vom Stil her nicht so intellektuell-essayistisch, wie man normalerweise hier in Deutschland schreibt, sondern wirklich polemisch. Was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird angegriffen.

Die Schriftstellerin und Juristin, geboren 1974 in Bonn, veröffentlichte zuletzt den Roman »Corpus Delicti«

Die Fragen stellte Christof Siemes

 
Leser-Kommentare
    • Zel
    • 04.05.2009 um 0:27 Uhr

    Spannend ist doch eher die Frage, ob die Leser die Fakten überhaupt als Wirklichkeit begreifen werden? Das Politiker nicht für voll genommen werden, belegen alle Umfragen. Dennoch lehnt sich dagegen niemand auf. Weshalb sollte das also passieren? Nur weil die eigene Meinung dann mit Fakten untermauert wird, ich denke nicht.

    Man muss den Leuten erstmal wieder beibringen, wie man sich gegen etwas auflehnt. Wogegen ist nicht so sehr das Thema, da sind sich ja fast alle einig.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer sind denn DIE LEUTE. Wer sich anmaßt DEN LEUTEN etwas beizubringen, stellt sie genauso "niedrig" wie es LEUTE machen, die sich anmaßen alles zu überwachen....
    Das Volk weiß mittlerweile schon ganz gut was es will und was nicht. Es rebelliert nur nicht. Aber es wird auch nicht einfach schiefen Entscheidungen den Weg freimachen.

    Man kann gerne aufklären (das gestatte ICH den Aufklärern ;-)), aber ohne ÜBERheblichkeit (was ich Frau Zeh nicht unterstelle).

    Wer sind denn DIE LEUTE. Wer sich anmaßt DEN LEUTEN etwas beizubringen, stellt sie genauso "niedrig" wie es LEUTE machen, die sich anmaßen alles zu überwachen....
    Das Volk weiß mittlerweile schon ganz gut was es will und was nicht. Es rebelliert nur nicht. Aber es wird auch nicht einfach schiefen Entscheidungen den Weg freimachen.

    Man kann gerne aufklären (das gestatte ICH den Aufklärern ;-)), aber ohne ÜBERheblichkeit (was ich Frau Zeh nicht unterstelle).

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    Wer sind denn DIE LEUTE. Wer sich anmaßt DEN LEUTEN etwas beizubringen, stellt sie genauso "niedrig" wie es LEUTE machen, die sich anmaßen alles zu überwachen....
    Das Volk weiß mittlerweile schon ganz gut was es will und was nicht. Es rebelliert nur nicht. Aber es wird auch nicht einfach schiefen Entscheidungen den Weg freimachen.

    Man kann gerne aufklären (das gestatte ICH den Aufklärern ;-)), aber ohne ÜBERheblichkeit (was ich Frau Zeh nicht unterstelle).

    Antwort auf "Spannend"

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