Kolumne Wörterbericht

Momentum

Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München sagte, nachdem Jürgen Klinsmann abgesetzt worden war, es sei »ein Momentum eingetreten, wo wir psychologische Barrieren beiseite räumen mussten«. Wer meint, Momentum sei eine sprachliche Unbeholfenheit, Karl-Heinz Rummenigge habe Augenblick oder schlicht Moment sagen wollen, statt ungelenk Momentum, der irrt. Allerlei meint nämlich Letzteres. Momentum bezeichnet ein Verfahren aus der sogenannten Chartanalyse, die Börsenkurse vorhersagen soll, in der Neuroinformatik wird er für einen Sachverhalt verwendet, der zu kompliziert ist, um ihn hier verwegen auszubreiten. Verwendet wird Momentum aber vor allem in Amerika: In den dort vorherrschenden Ballsportarten meint Momentum das Stück Glück, das den Ball in den Basketballkorb taumeln oder einen Spieler den geschickten Schritt machen lässt. Rummenigge sagte also hässlich verschlüsselt: Es sei ein Glücksfall, dass jetzt endlich der Zeitpunkt eingetreten sei, dass man den Verein neu ordnen könne. Womöglich war ihm der amerikanische Einfluss des Trainers von Anbeginn an entsetzlich auf den Geist gegangen, und er rächte sich in verbaler Vereinnahmung eines Klinsmann-Worts. Der Augenblick mag verweilen, das Momentum vergeht. Adam Soboczynski

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