AutoindustrieWeil es Italiener sind?

Fiat will mit Opel und Chrysler eine starke Autoallianz schmieden – und stößt trotz guter Argumente auf großen Argwohn

Man braucht schon viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass aus den geldverbrennenden Opel-Werken, dem hoch verschuldeten Fiat-Konzern und dem insolventen US-Hersteller Chrysler ein starker Autoriese gebildet werden könnte. Sergio Marchionne hat diese Fantasie.

Was dem Fiat-Chef fehlt, ist das nötige Geld. Marchionne will seine Vision eines neuen transatlantischen Autokonzerns mit deutschen Milliardenbürgschaften verwirklicht sehen. In dieser Woche war er in Deutschland auf Werbetour.

Er hat gute Argumente, aber er stößt auf Argwohn und Ablehnung. Die Financial Times Deutschland nannte Marchionne einen »Heiratsschwindler«. Man unterstellt dem Italiener, er habe es nur auf deutsche Technik und deutsches Geld abgesehen. Dahinter steckt ein Vorurteil gegenüber einer Autofirma, die lange Zeit nicht für Qualität stand. Dahinter steckt auch ein Ressentiment gegenüber einem Land, das den Unternehmer Silvio Berlusconi – einen Mann, der Privates, Geschäftliches und Politisches nicht zu trennen vermag – dreimal zum Ministerpräsidenten gewählt hat. Und der nennt die Opel-Allianz jetzt einen »Traum für alle Italiener«.

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Ein Investor für Opel, der kein Staatsgeld braucht, wird noch gesucht

Bei den Opelanern sind es nicht nur Vorurteile, sondern auch Erfahrungen, die sie gegen Fiat einnehmen. Die beiden Unternehmen haben von 2000 bis 2005 zusammengearbeitet, und bei Opel hat man diese Zeit in schlechter Erinnerung behalten. Die Ingenieure in Rüsselsheim fühlen sich denen in Turin technisch überlegen.

Heute fürchten sie bei Opel, nach einer amerikanischen Stiefmutter bald einer italienischen ausgeliefert zu sein. Dabei ist doch größtmögliche Unabhängigkeit das erklärte Ziel. Die Opelaner blenden aber nicht nur den Umstand aus, dass sie als Tochterfirma eines amerikanischen Konzerns über Jahrzehnte gut gefahren sind. (Ohne den Einstieg von General Motors hätte Opel schon die Weltwirtschaftskrise von 1929 nicht überlebt.) Sie verschließen die Augen auch vor der Tatsache, dass der Autobauer auf sich gestellt keine Überlebenschance hat. Opel kann sich weder komplett von General Motors lösen, noch kommt das Unternehmen ohne neue Partner und Investoren aus. Opel muss weiter Personal abbauen und, über kurz oder lang, auch Werke schließen. Daran führt nur ein Weg vorbei, und der ist mit Subventionen gepflastert. Es gibt heute auf der Welt Autofabriken, die für eine Produktion von 90 Millionen Fahrzeugen im Jahr ausgelegt sind. Aber nur halb so viele werden 2009 auch Käufer finden.

Fiat-Chef Marchionne kennt das Problem der Überkapazitäten genau. Und er liegt auch richtig in seiner Analyse, dass Fiat und Opel eine bessere Chance im internationalen Wettbewerb hätten, wenn sie künftig ihre Modelle auf einer gemeinsamen Plattform bauen würden. Beide Hersteller sind auf kleinere und mittlere Autos spezialisiert und konkurrieren bislang miteinander. Was aus Sicht der Opel-Arbeitnehmer ein Argument gegen den Zusammenschluss mit Fiat ist, das ist industriell gesehen eines dafür. VW macht vor, wie man mit großen Stückzahlen und vielen Marken Milliarden an Kosten einspart.

So verwegen, wie er klingt, ist der Plan des Sergio Marchionne also nicht. Er ist auch nicht unlauter, weil er mit Steuergeldern rechnet. Man darf ja nicht vergessen, dass sich bislang weltweit kein Investor gefunden hat, der Opel kaufen wollte, ohne dass ihm der deutsche Staat dabei hülfe. Die Autofirma ist alles andere als eine begehrte Braut. Diese Erkenntnis sollte bei allen Beteiligten, die Vertreter der Arbeitnehmer eingeschlossen, für eine gewisse Demut sorgen.

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