AWD Schneller sein als die anderen

Stefan Mauer heuerte beim Finanzdienstleister AWD an. Ein Erfahrungsbericht über seine ersten Schritte in der Vertreterwelt

Als der Pilot vollen Schub auf die Triebwerke gibt und die Beschleunigung mich in den Sitz drückt, ist meine Entscheidung gefallen: Ich werde aussteigen. Nicht aus diesem Flugzeug, mit dem ich in Urlaub fliege, sondern bei einem der größten Finanzberater Deutschlands. Beim AWD. Dabei bin ich noch gar nicht lange dabei.

»Gerade am Anfang müssen Sie Gas geben, um als Finanzberater erfolgreich zu sein. Wie bei einem Flugzeugstart.« Das hat Gerhard Wolf (Name geändert) mir wieder und wieder gesagt. Er war in den vergangenen drei Monaten mein Mentor. Und noch nie hat eine Organisation und ihre Art zu denken mich so schnell in ihren Bann gezogen.

Anzeige

Meine Zeit beim AWD beginnt mit einem seltsamen Bewerbungsverfahren. Zwei Stunden nachdem ich ein Formular im Internet ausgefüllt habe – Student kurz vor dem Diplom, an Finanzen interessiert, zielstrebig, günstig und fleißig, sucht Job –, höre ich die Stimme von Gerhard Wolf am Telefon. »Sie haben sich beworben, und wir möchten Sie kennenlernen. Kommen Sie doch nächsten Montag in mein Büro, und bringen Sie Ihren Lebenslauf mit.«

»Sonst nichts?«

»Sonst nichts.«

Das Vorstellungsgespräch ist ein Kaffeeklatsch, bei dem mein künftiger Chef mit mir über seine Familie, sein Haus, sein Auto und mein Interesse an Börsenkursen und spekulativen Investments plaudert. »Ich würde Ihnen etwas abkaufen, das ist erst mal das Wichtigste. Alles Weitere entscheidet unser Test für Führungskräfte«, lautet das Fazit nach fast zwei Stunden. Ich bekomme noch den Rat: »Ab jetzt ziehen Sie am besten immer ein weißes Hemd mit Krawatte an. Daran erkennt man uns.«

Als ich zum ersten Mal das Kölner Hauptquartier des AWD betrete, ist die Präsentation bereits in vollem Gange. Es geht um Geld. Nicht das der Anleger, sondern das der Berater. Die Beispiele sind beeindruckend: 400 Euro im Monat verdient man hier wohl schon, ohne wirklich zu arbeiten, sechsstellige Einkommen pro Monat scheinen nur eine Frage der Zeit zu sein.

Die meisten der 25 Mitbewerber sind Mitte bis Ende 20 und kommen wie ich von der Uni oder haben eine Ausbildung gemacht und gearbeitet. Die Gespräche auf dem Flur handeln meistens von der Anfahrt oder dem Wetter. Kaum einer scheint sich mit Finanzen auszukennen. Ich rede mit einem jungen Fitnesstrainer. »Die Ausbildungsstelle bei AWD ist meine große Chance«, sagt er. Dann unterhält er sich mit seiner »Führungskraft« über eine Geschichte aus einem Motivationsbuch, das er am Tag vorher gelesen hat: Zwei Männer wollen vor einem Bären fliehen. Während der eine schon läuft, bindet der Zweite sich noch die Schuhe. »Du musst schneller sein als der Bär, hör auf, deine Zeit zu verschwenden«, ruft der Erste. »Nein, ich muss nur schneller sein als du«, erwidert der Zweite. Der junge Mann und sein Mentor lachen. Jeder hier steht unter den Fittichen eines erfahrenen AWD-Mitarbeiters, der in den kommenden Monaten viel Zeit investieren wird, um seinen Schützling zu einem Finanzvermittler auszubilden. Auch meine Führungskraft ist anwesend. »Wir brauchen Mitarbeiter, die wirtschaftlich denken und andere überzeugen können«, sagt Wolf. »Sie sollten eine soziale Ader haben, aber keine zu starke. Wir wollen schließlich auch Geld verdienen.«

Leser-Kommentare
  1. guter artikel, vielen dank!

    fazit: für geld macht der mensch wirklich alles, , sogar seine beste freunde mit finanzgedöhns belästigen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • keox
    • 09.05.2009 um 22:48 Uhr

    Man will uns ja das Unabänderliche unserer geknechteten Existenz seit jeher weis machen.

    Partygebildete gebildete Lügner erzählen dann gern die Gesichte vom Menschen, der des Menschen Wolf sei.

    Nichts ist falscher. Wölfe sind sehr soziale Wesen.

    Menschen eigentlich auch, es sei, sie werden durch Räuberbanden stranguliert.

    • my_way
    • 10.05.2009 um 23:39 Uhr

    ich hab mal für Geld einen Freund die Steuererklärung gemacht. bin ich jetzt auch ein Beölästiger?

    • keox
    • 09.05.2009 um 22:48 Uhr

    Man will uns ja das Unabänderliche unserer geknechteten Existenz seit jeher weis machen.

    Partygebildete gebildete Lügner erzählen dann gern die Gesichte vom Menschen, der des Menschen Wolf sei.

    Nichts ist falscher. Wölfe sind sehr soziale Wesen.

    Menschen eigentlich auch, es sei, sie werden durch Räuberbanden stranguliert.

    • my_way
    • 10.05.2009 um 23:39 Uhr

    ich hab mal für Geld einen Freund die Steuererklärung gemacht. bin ich jetzt auch ein Beölästiger?

  2. Der größte Vorteil daran, dass diese Menschen (schein-)selbständig arbeiten ist, dass die ARGE niemanden zwingen kann, so einen Job anzunehmen.

    Grüße
    Hinterfrager

    • Manu84
    • 09.05.2009 um 21:59 Uhr

    Hört sich doch gut an...ich stehe auch kurz vor meinem Studienabschluss und würede da gerne anfangen. Zumindest für kurze zeit... bis ich die Begrüßungsparty mit meinen Freunden zusammen versoffen habe! Hehe.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das rentiert sich leider nicht wirklich, wenn man sich die Timeline mal anschaut... Mehr als 5 Wochen bis zur Party, und das für €1000?

    "Wir wollten uns geistig duellieren, aber du kamst ohne Waffen!"

    Das rentiert sich leider nicht wirklich, wenn man sich die Timeline mal anschaut... Mehr als 5 Wochen bis zur Party, und das für €1000?

    "Wir wollten uns geistig duellieren, aber du kamst ohne Waffen!"

    • keox
    • 09.05.2009 um 22:48 Uhr

    Man will uns ja das Unabänderliche unserer geknechteten Existenz seit jeher weis machen.

    Partygebildete gebildete Lügner erzählen dann gern die Gesichte vom Menschen, der des Menschen Wolf sei.

    Nichts ist falscher. Wölfe sind sehr soziale Wesen.

    Menschen eigentlich auch, es sei, sie werden durch Räuberbanden stranguliert.

    Antwort auf "guter artikel, vielen"
  3. auch noch wallraffen lassen, zeigt doch das es sich jetzt wirklich endgültig eingebürgert hat, das der Staat letztendlich die Zeche für den letzten Spieler, Betrüger und Puffgänger bezahlt, solange er "BANK" auf seinem Namensschild führt und somit "Systemimmanent" ist.

  4. Das rentiert sich leider nicht wirklich, wenn man sich die Timeline mal anschaut... Mehr als 5 Wochen bis zur Party, und das für €1000?

    "Wir wollten uns geistig duellieren, aber du kamst ohne Waffen!"

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Manu84
    • 16.05.2009 um 15:02 Uhr

    Ja, stimmt leider, hab ich nicht mitberechnet. Schade!

    • Manu84
    • 16.05.2009 um 15:02 Uhr

    Ja, stimmt leider, hab ich nicht mitberechnet. Schade!

  5. auch die deutsche Vermögensberatungs AG ist so ein, ich möchte fast sagen sektenähnlicher, Laden. Ich bin da mal durch Zufall hingekommen und konnte genauso, wie der Autor des Artikels, erfahren, was deren Maschen sind. Da wird geblendet und schöngeredet, wo es nur geht, damit der Kunde sein Geld bei denen anlegt, um letztliche satte Provisionen zu bekommen. Wie schon richtig dargestellt verdienen die über einem am besten. Ich kann nur jedem raten, beruflich wie aus Kunden sicht, die Finger von solchen Firmen zu lassen und sich lieber ein bisschen selbst zu bilden, um sich über die Qualität von Finanzprodukten selbst ein Bild machen zu können.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • my_way
    • 10.05.2009 um 23:38 Uhr

    und dann lerne ich gleich noch Medizin, damit ich mich selbst behandeln kann. Lerne Steuerrecht um meine Steuern selbst zu machen. Lernbe KFZ Mechaniker um mein Auto selbst zu reparieren.....

    Was haben Sie gelernt. Mach ich auch gleich noch und sie dazu mal arbeitslos.

    So ein Blödsinniger Ratschlag.

    • my_way
    • 10.05.2009 um 23:38 Uhr

    und dann lerne ich gleich noch Medizin, damit ich mich selbst behandeln kann. Lerne Steuerrecht um meine Steuern selbst zu machen. Lernbe KFZ Mechaniker um mein Auto selbst zu reparieren.....

    Was haben Sie gelernt. Mach ich auch gleich noch und sie dazu mal arbeitslos.

    So ein Blödsinniger Ratschlag.

  6. Ich kann den Zweck des Artikels noch nicht erfassen.
    Ist da jetzt ein Start in die Selbständigkeit missglückt? (wie bei vielen anderen Selbständigen auch)
    Wurde jemand falsch beraten und betrogen (bzw. belogen wie aktuell von windigen Bankberatern)
    Ist der Porsche vom Coach zu laut? Die Zeit mit Freunden vergeudet?
    Worum geht es hier eigentlich? Und vor allem, wer bezahlt den Schreiber: STEFAN MAUER für einen solchen Bericht? Fragen über Fragen...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service