Finanzberater »Brutal viel Geld verdienen«Seite 5/5

Die Riester-Rente ist ein Konjunktur-programm für die Finanzberater

Während die DVAG als der CDU nahestehend gilt, kann man dem AWD eine Nähe zur SPD attestieren. Im Wahlkampf 1998 finanzierte AWD-Chef Carsten Maschmeyer eine 600.000 Euro teure Kampagne für Gerhard Schröder: »Ein Niedersachse muss Kanzler werden.« Schröders Regierungssprecher Béla Anda ist seit April 2006 Kommunikationschef des AWD. Und gerade hat der Ex-»Wirtschaftsweise« Bert Rürup, SPD-Mitglied, als Chefökonom bei dem Finanzdienstleister angeheuert. Neben der personellen Nähe gibt es auch eine finanzielle Verbindung: In den Jahren 2004 bis 2006 spendete die DVAG 436.150 Euro an die CDU. Auch andere Banken und Versicherer gaben großzügig, mehr als zehn Millionen Euro in zehn Jahren flossen an Parteien. Die Firmen konnten es sich leisten. Vor allem die Riester-Rente war ein Konjunkturprogramm für die Finanzbranche.

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Der DVAG-Gründer hat inzwischen auch eine gute Presse. Im August 2008 nahm ihn das manager magazin auf die Titelseite. Die unglaubliche Karriere des Reinfried Pohl: Deutschlands bester Verkäufer , stand da. Von der Nummer wurden mehr als 162000 Exemplare verkauft, im Vormonat waren es 136.000 und im folgenden 125.000. Tatsächlich kaufte die DVAG 25.000 Exemplare des Heftes, wie die Manager Magazin Verlagsgesellschaft auf Anfrage bestätigt. »Eine Zusage oder Absprache« habe es vorher aber nicht gegeben. »Auch uns, den Vertrieb, hat die Nachfrage der Vermögensberatung überrascht«, sagt Vertriebschef Stefan Buhr. Der Verlag weist per Druckrechnung nach, dass er einen Nachdruck von 28.000 Exemplaren hat anfertigen lassen.

Auch für Plaschka war die DVAG lange eine Erfolgsstory. Doch dann wollte er mit seiner Anwerbeoffensive zu hoch hinaus.

Auf eine Zeitungsanzeige hin melden sich 40 Bewerber. Plaschka investiert Zeit und Geld, er lässt das eigene Geschäft schleifen und bezahlt die protzigen Grundseminare für neue Bewerber. »Einen auf dicke Hose machen gehört auch zum Geschäft«, sagt er. Nach einem halben Jahr ist keiner der Bewerber mehr dabei. Und die Anfänger haben kaum Provisionen gebracht. »In diesen Monaten habe ich 20.000 Euro Privatgeld verbrannt«, sagt Plaschka. Dass ausgerechnet ihm das geschah. Dem Umsatzbullen.

 
Leser-Kommentare
  1. Habe das selber mal bei einem Seminar AWD erlebt. Rumportzen bis zum abwinken, und ständiges einpeitschen, wie geil es doch sei, ordentlich viel Geld zu verdienen. Und jeder Seminarteilnehmer musste selbstverständlich diese Formel als seine Motivation wiedergeben. Mein hingemurmeltes "ich wollt mir das hier einfach mal anhören" hat für einige ungläubige Gesichter gesorgt. Das Ganze kam mir fast so wie eine Sektenveranstaltung vor. Gläubige des schnöden Mammon. Wenn ich jetzt diesen Artikel darüber lese, wie schwer der Ausstieg ist, wenn man erst einmal mitgemacht hat, dann bin ich froh, dass es bei diesem einen Abend geblieben ist.

  2. Es ist schon Grass, dass in der heutigen Zeit Unternehmen und Menschen nach ganz oben kommen, in dem Sie über Leichen gehen und sehr viele Anleger um Ihre Altersvorsorge und Ihr Kapital bringen.

    Der Artikel spiegelt genau wieder, wie es bei solchen Unternehmen zugeht.

    Ich bin auch in jungen Jahren bei solch einer Firme gelandet, meine ganze Existenz ist kaputt, weil mir Jahrelang das große Geld versprochen worden ist. Auf der einen Seite bin ich auch selbst daran schuld, aber das hochrangige Politiker solche Firmen unterstützen oder sogar im Vorstand sitzen, finde ich eine ziemliche Frechheit.

    Aber so funktioniert nun mal das System in Deutschland!!

    In dem Artikel steht, dass man die Anlagen und Versicherungen vergleicht und natürlich immer was besseres findet. Das ist schon komisch, das dieser Verein aber nur eine Versicherungsgesellschaft vertritt.

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    nur dahin, wo schon was ist. Deshalb wundert es mich nicht, dass Spitzenpolitiker im Aufsichtsrat sitzen. Umsonst machen die das nicht.
    Was meinen Sie, 20.000 euros im Monat so nebenbei ? Aber das ist eben das kapitalistische System ( heute heisst das freie Marktwirtschaft ). Man muss immer andere fuer sich arbeiten lassen.

    nur dahin, wo schon was ist. Deshalb wundert es mich nicht, dass Spitzenpolitiker im Aufsichtsrat sitzen. Umsonst machen die das nicht.
    Was meinen Sie, 20.000 euros im Monat so nebenbei ? Aber das ist eben das kapitalistische System ( heute heisst das freie Marktwirtschaft ). Man muss immer andere fuer sich arbeiten lassen.

  3. Wollte mich noch bei dem Schreiber Tobias Romberg bedanken. Ich hoffe Sie bleiben bei diesem Thema am Ball und bringen noch mehr Wahrheiten an die Öffentlichkeit, damit besagte Firmen nicht mehr in dieser Art tätig bleiben können.

    Forschen Sie genau nach, holen SIe sich Hilfe von ehemaligen geprellten Strukis und Kunden, damit werden Sie vielen Menschen helfen.

    • Herr-M
    • 08.05.2009 um 19:38 Uhr
    4. ....

    Ich habe mal vor ca 15 Jahren so eine Rekrutierungsschulung der DVAG mitgemacht. Jedenfalls die ersten beiden Termine, dann hat’s mir gereicht.
    Es wurde so brutal unverhohlen qan dieGier der Leute apelliert, dass ich total angewidert war.
    Auch davon, dass ich offensichtlich der einzige war, den das anwiderte.
    Es wurde gar nicht erst groß so getan als wenn die zu verkaufenden Finanzprodukte für den Käufer gut wären.
    Damals wurde auch erklärt wie b.z.w. woher die Finanzprodukte kommen.
    Also das läuft (zumindest t.w.) so: die bekannte, „seriöse“ Versicherung X entwickelt ein Produkt, von dem ihre Verkäufer in einem bestimmten Zeitraum (beispielhaft) 1000000 Stück verkaufen sollen. Jetzt verkaufen die aber nur 700000.
    Um den forecast noch zu erreichen werden nun die restlichen 300000 im Paket an die freien Finanzdienstleister verkauft. Und deren Verkäufer können dann den Schrott weiterverkaufen und noch an den Kunden bringen.
    Völlig übel fand ich vor allem, dass ganz klar und ohne Scham darauf gedrängt wird, Freunde und Bekannten diesen Müll zu verkaufen oder sie gleich als Verkäufer zu rekrutieren.
    das Ganze wirkte auch auf mich wie die Veranstaltung einer Sekte.
    Aber noch immer bin ich fast mehr darüber entsetzt, wie leicht und schnell, ohne den Hauch eines eigenen Nachdenkens und Hinterfragen, sich alle (!) begeistern ließen. Wie schnell man die Gier in jemanden wecken kann dass er bereit ist, jeden Anstand über Borad zu werfen, selbst Freunde und Familienangehörige (ja die soll man natürlich auch versorgen mit den tollen Finanzprodukten) zu bescheißen.

    • TDU
    • 08.05.2009 um 20:03 Uhr

    Sieht man ab von den konkreten Streitfragen, zu der der zwischenzeitlich dem Alkohohl Verfallene mit Sicherheit beigetragen hat, die seit Jahrzehnten in Deutschland übliche Kritik an den auf Eigeninitiative setzenden Firmen.

    Der Vertreter ist in Deutschland, anders als der in den USA wo diese Art Geld zu verdienen gang und gäbe ist, allgemein verachtet wie der Basarhändler auf einem orientalischen Markt "Der will ja nur Geld vedienen" hieß und heisst es immer, als ob das der Beamte oder ein andere Angestellter, Rechtsanwalt oder Arzt, Handwerker usw. nicht will und vor allen Dingen muss.

    Wieso daraus automatisch auf die Qualität des Produktes geschlossen werden kann , war mit immer ein Rätsel. Es müssten so ziemlich alle Leistungen minderwertig sein.

    Die angesprochene Anstachelung zur Gier hat mich bei einigen Seminaren allerdings auch abgestossen, ein Porsche mit 660 PS interessiert mich nur technisch und ästhetisch. Vielleicht ist das aber auch ein deutsches Phänomen, denn Geld vedienen wollen ist in Deutschland böse, wenn man es ausspricht.

    Da aber nicht alle im öffentlichen Dienst arbeiten können und feste Jobs zu anständigen Konditionen immer rarer werden, sollte man junge Menschen bei aller berechtigten Kritik erst mal ermutigen, die es wagen, sich auf eine selbständige Existenz einzulassen oder ihr Einkommen aufbessern wollen. Chefs verdienen immer mehr als ihre Angestellten. Und nicht jeder kann studieren, Handwerker werden oder im Gesundheitsbereich tätig sen. Dennoch, ohne Fachwissen wird es heute nicht mehr gehen.

    Man muss sehen, wie in Deutschland politikerseits mit Selbständigen umgegangen wird, und man weiss, woran man ist.

    Und wer in seiner Branche oder in der Politik richtig etwas vermasselt, wieviel Chancen hat der wohl noch, wenn er nicht zu den "Bullen" gehört?

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    Der Vertreter ist in Deutschland, anders als der in den USA wo diese Art Geld zu verdienen gang und gäbe ist, allgemein verachtet wie der Basarhändler auf einem orientalischen Markt "Der will ja nur Geld vedienen" hieß und heisst es immer, als ob das der Beamte oder ein andere Angestellter, Rechtsanwalt oder Arzt, Handwerker usw. nicht will und vor allen Dingen muss.

    Ich stimme Ihnen zu!

    Sicher gibt es in dieser Branche schwarze Schafe - aber wo gibt es die nicht? Die Gehälter der ganz oben in der Struktur Sitzenden erscheinen mir unverschämt - aber wo ist der Unterschied zu Josef Ackermann versus Bankangestellte? Da liegen ebenfalls Lichtjahre dazwischen.

    Ich habe im unmittelbaren Umfeld Menschen, die in einem solchen Strukturvertrieb arbeiten (keiner der hier genannten). Das sind weder Betrüger noch Abzocker, sie drücken ihren Kunden nichts Unnützes aufs Auge, sondern investieren manchmal unverschämt viel Zeit und Benzin in Beratung, nur damit der Kunde nachher die Riester-Rente wegen 3 € weniger woanders abschließt und zwar nicht selten mit einem hämischen "das-geschieht-dir-Recht" gegenüber dem Berater.

    Der Vertreter ist in Deutschland, anders als der in den USA wo diese Art Geld zu verdienen gang und gäbe ist, allgemein verachtet wie der Basarhändler auf einem orientalischen Markt "Der will ja nur Geld vedienen" hieß und heisst es immer, als ob das der Beamte oder ein andere Angestellter, Rechtsanwalt oder Arzt, Handwerker usw. nicht will und vor allen Dingen muss.

    Ich stimme Ihnen zu!

    Sicher gibt es in dieser Branche schwarze Schafe - aber wo gibt es die nicht? Die Gehälter der ganz oben in der Struktur Sitzenden erscheinen mir unverschämt - aber wo ist der Unterschied zu Josef Ackermann versus Bankangestellte? Da liegen ebenfalls Lichtjahre dazwischen.

    Ich habe im unmittelbaren Umfeld Menschen, die in einem solchen Strukturvertrieb arbeiten (keiner der hier genannten). Das sind weder Betrüger noch Abzocker, sie drücken ihren Kunden nichts Unnützes aufs Auge, sondern investieren manchmal unverschämt viel Zeit und Benzin in Beratung, nur damit der Kunde nachher die Riester-Rente wegen 3 € weniger woanders abschließt und zwar nicht selten mit einem hämischen "das-geschieht-dir-Recht" gegenüber dem Berater.

    • inuit
    • 08.05.2009 um 20:33 Uhr

    ...gerochen und damit glück gehabt.

    mir wurde auch vor zig jahren ein gespräch von bekannten aufgezwungen:
    "nein es ginge nicht um versicherungen und weiteres blablabla"

    aber genau darum ging es und es wurde auf der wohl schon bekannten "ja" argumentationsschiene versucht.
    habe mich dann durch argumente rausgewunden, wurde dann trotzdem überredet einen lehrgang zu machen.
    habe den lehrgang dann abgesagt, da ich glücklicherweise kein adäquates outfit hatte und die gebühr in den wind geschossen.

    es blieb nicht beim letzten mal, dass mich irgendwelche finanzfuzzies(tschuldigung, aber wie soll man 1/7 gebildete nervensägen sonst nennen?) versucht haben, zu überreden.

    als antwort gebe ich dann zum besten:
    "krawatten ekeln mich an, porsche fahren ist sowas von kacke und beim arbeiten mach ich mir gern die hände dreckig" anschließend nen tiefen schluck astra und die verschluckte kohlensäure schlagartig wieder aus dem mund entweichen lassen.
    dies hat immer funktioniert.
    die jungs haben mich in ruhe gelassen.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Nicht populär aber ehrlich..! Weiter so..

    • keox
    • 09.05.2009 um 1:55 Uhr

    Ist nicht Rürup - dieser Mensch, der als Wirtschaftsweiser mit eigener Rente den HerrenDamen zur Verfügung stand - mittlerweile auch beim AWD gelandet?

    Eine läßliche Sünde, in dem Alter stellt sich mancher nicht gern um.

    Und man trifft ja wirklich genug obskure Gestalten aus früheren Zeiten. Das der Gehaltscheck jetzt ´ne andere Unterschrift trägt, who cares.

    Außerdem findet auch Merkel, es sei »ein klassisches Konzept der sozialen Marktwirtschaft«

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