Autotest Reiz der Schiebung

Matthias Stolz, Redakteur beim ZEITmagazin, nimmt im Mazda 5 Abschied von einem uralten Umzugstrauma

Du kriegst die Tür (nicht) zu: Der Mazda 5 mit Schiebetüren

Du kriegst die Tür (nicht) zu: Der Mazda 5 mit Schiebetüren

Die Autos mit Schiebetüren, die mir in meinem Leben bislang begegnet sind, mochte ich nie. Es waren immer Kleintransporter, deren Türen etwas Respekteinflößendes hatten. Meistens stand ein Umzug an, und meistens waren es andere, die mir, wenn es ans Türenschließen ging, zuriefen: »Ich mach die Tür schon zu.« Es ist vielleicht die männlichste Handbewegung im Umgang mit Kraftfahrzeugen: Der Schwung, mit dem man eine schwere Schiebetür schließt, ohne dass es zu sehr rummst, ohne dass Finger leiden und ohne dass die Tür auf den letzten Zentimetern doch stehen bleibt. Ich habe diesen Schwung nie gelernt.

Und dann stand da dieser Mazda, mit Schiebetüren hinten. Ich dachte zuerst: »Oh je. Muss sich ein Pkw wirklich dieses Stilmittel von einem Lkw borgen?« Tatsächlich schienen sich meine Vorbehalte zu bestätigen. Ich zerrte hilflos an der Schiebetür. Dann erst erschloss sich mir, dass ich diese Türen nicht mit Kraft oder Schwung, sondern elektronisch öffnen konnte. Ein leichter Ruck am Griff oder ein Knopfdruck auf der Fernbedienung – und schon schoben sich die Türen ganz von allein auf. Es war eine der schönsten Erfahrungen, die ich bislang mit Autos gemacht habe.

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Eigentlich sind Schiebetüren ja auch ganz schön praktisch, dachte ich. Es ist durchaus angenehm, dass man auf engen Parkplätzen aussteigen kann, ohne dabei fürchten zu müssen, das Nachbarauto zu beschädigen. Noch besser: Mit diesem Auto ist es dem Fahrer möglich, einsteigenden Gästen galant die Tür zu öffnen, ohne im Großstadtgedrängel selbst aussteigen zu müssen. So wird aus einem Autofahrer ein Chauffeur. Wir leben in höflichen Zeiten, dieser Mazda ist ein höfliches Auto. Besonders schön war es, damit Besucher am Bahnhof abzuholen und sie dann damit zu überraschen, dass das parkende Auto schon von Weitem die Türen öffnet.

Dieses Auto – oder ein anderes mit solchen Türen – sei all jenen empfohlen, die Eltern oder Großeltern haben, die sich mit dem Aus- und Einsteigen sonst ein wenig schwertun. Holen Sie sie zum Mutter- oder Vatertag mit diesem Auto ab. Machen Sie einen Ausflug, mit möglichst vielen Ein- und Ausstiegen, eine Schlössertour oder so etwas. Bitten Sie sie, hinten einzusteigen. Und sagen Sie, sobald Ihre Gäste Platz genommen haben: »Ich mach die Tür schon zu.« Dann haben Sie an diesem Tag auch Ihren Spaß.

 
Leser-Kommentare
  1. Hört sich toll an, Schiebetüren!
    Das ist was für die Stadt und dem Parken zwischen zwei schief gestellten Autos, wenn man beim Aussteigen nicht unbedingt einmal Autolack zerkratzen oder eine Beule reinhauen will! Nicht nur für Alte, ich erinnere mich wie oft ich als Kind vorfreudig die Tür aufgerissen habe und Kratzer den Nebenwagen verpasste!
    So, und jetzt nur noch sowas für die Fahrertür und ich bin glücklich!

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  • Serie Autotest
  • Quelle DIE ZEIT, 07.05.2009 Nr. 20
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  • Schlagworte Mazda | Autotest | Auto
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