DIE ZEIT: Herr Grönemeyer, Sie wurden mit Ihrer Forderung nach einem menschlichen, ganzheitlichen Umgang mit dem Patienten berühmt. Eine Banalität. Ist Ihr Erfolg Ausdruck des Versagens Ihrer Branche?

Dietrich Grönemeyer: Das Gesundheitswesen kümmert sich nur noch um Kostenfragen, kaum mehr um den Menschen und um den Stellenwert der Medizin als Kulturgut. Es ist ein Erbe, das wir mitbringen seit Adam und Eva, ein Verhältnis zu uns selbst. Das ist in Vergessenheit geraten. Wir verlieren den Menschen aus den Augen. Das ist ein Versagen.

ZEIT: Auf dem Sie aufbauen können.

Grönemeyer: Das man nicht mehr länger hinnehmen darf.

ZEIT: Erschreckt es Sie nicht, dass Sie mit einer solchen Banalität solchen Erfolg haben?

Grönemeyer: Von Erfolg möchte ich nicht sprechen. Außerdem ist die Wahrheit nie banal, nicht für einen Aufklärer. Zum Beispiel sind 80 Prozent der Rückenschmerzen nicht auf einen Bandscheibenvorfall, sondern auf Muskelverspannung zurückzuführen – das weiß aber kaum jemand. Mein Anliegen ist es, schwierige Sachzusammenhänge verständlich zu machen, nicht zu banalisieren.

ZEIT: Haben Sie sich Feinde gemacht durch Ihre Banalitäten?