In der Ulrike-Meinhof-Straße ist fluffiger Elektropop zu hören. Richtung Osten, Höhe Platz der Republik, weht ein Mix aus Datscha-Ska und Dub herüber, bis die Erde am Ende der Leninallee unter 160 bpm erbebt, ein megawattstarkes Raunen aus turmhohen Trance-Boxen, das erst nahe der Straße der bedingungslosen Kapitulation, jenseits der letzten Zelte, verhallt.

Zwei Dingen kann man bei Fusion, dem postmodernsten Musikfestival im Land, kaum entgehen: der Politisierung und dem Sound. Eine Schar linker Kulturaktivisten aus Berlin und Hamburg entdeckten 1997 auf der Suche nach viel, viel Platz für die Vereinigung aller Klänge einen russischen Militärflugplatz in Küstennähe. In einem Dutzend begrünter Hangars und ringsum entwickelten sie eine ganz neue Partyemulsion: Reichlich Techno, dazu Jazz, HipHop, House, Pop, Folk, Alternative, Heavy, Salsa und sogar Punk, der konfrontative Gegenentwurf zur drolligen Farbenlehre des Rave.

Fusion ist eben Attribut, nicht bloß Name. So kann man auf einer Bühne schon mal die Mathrocker Dyse vor den rappenden Puppetmastaz, nach ein paar LoFi-Bastlern aus Belgien erleben, während nebenan Fettes Brot und Anne Clark für Massenauflauf sorgen. Dazu Licht- und Blumenspiele, Theater, Kino, Kunst, Pillen – ein Impressionsgewusel wie aus einem Burroughs-Roman.

Trotz 45.000 Gästen versteht sich Fusion als Familientreffen mit zutiefst unkommerzieller Note. Die Einnahmen fließen ins vereinseigene Gelände, die Versorgung ist vegan und sponsorenfrei. »Ferienkommunismus« nennen das die Macher, fordern selbstregulierten Drogenkonsum und nicht weniger als den Weltfrieden. Zumindest für ein Wochenende im Juni.

25. – 28. Juni in Lärz, an der A24 zwischen Berlin und Hamburg, www.fusion-festival.de