Virologie Die Fiebermesser der Republik

Am Robert-Koch-Institut koordinieren Epidemiologen den Kampf gegen die Amerikagrippe. Ein Besuch im Lagezentrum

Am Robert-Koch-Institut in Berlin werden Grippeviren erforscht

Am Robert-Koch-Institut in Berlin werden Grippeviren erforscht

Der Patient Deutschland wird in einem Raum mit elf Telefonen und acht Computern betreut. Krankenzimmer braucht man hier keine. Um den Einzelnen kümmern sich die Ärzte draußen vor Ort.

»Wir im Lagezentrum versuchen die ganze Bevölkerung im Blick zu behalten«, sagt Epidemiologe Osamah Hamouda. Er deutet quer durch den Raum auf eine meterhohe Karte an der Wand. Rote Punkte markieren die Stellen, wo in Deutschland am Influenza-Virus AH1N1 Erkrankte liegen.

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Vor Kurzem ist Frankfurt an der Oder hinzugekommen, ein Ehepaar, gerade zurückgekehrt vom Urlaub in Mexiko. Obwohl beide nur schwache Symptome zeigten, wurden sie sofort isoliert. Schnelligkeit, sagt Hamouda, sei bei einer Epidemie das Wichtigste.

Acht Personen arbeiten an diesem Montagmorgen zur Frühschicht im Lagezentrum des Robert-Koch-Instituts (RKI), Standort Weißensee in Berlin. Gabriele Poggensee, Ende 40, Turnschuhe, Handy am Gürtel, sitzt an der Stirnseite der Tische, die in Form eines U einander zugewandt sind. Sie ist heute für die Koordination zuständig, geht von einem Arbeitsplatz zum nächsten, telefoniert, gibt mit heller Stimme Anweisungen im Minutentakt.

Sieben Stunden lang sortiert Poggensee sämtliche Informationen über Influenza AH1N1 – die Schweinegrippe, die von Fachleuten aber korrekter Amerika- oder Mexikogrippe genannt wird (weil dort das Virus erstmals nachgewiesen wurde). Neuigkeiten treffen im Lagezentrum elektronisch und per Telefon ein, oder sie werden persönlich überbracht. »Wenn wir hier den Überblick verlieren, dann hat ihn keiner mehr in Deutschland«, sagt sie.

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