Unternehmer: »Die Menschen machen das Geschäft«
In früheren Krisen waren Massenentlassungen schnell beschlossen. Heute halten Firmen ihre Mitarbeiter länger.
Es sind Tage der Abrechnung. Nun offenbaren die Buchhalter, wie es der deutschen Wirtschaft in den ersten Monaten des Jahres ergangen ist. Wie tief die Unternehmen in der Weltwirtschaftskrise stecken. Das Hamburger Solarunternehmen Conergy etwa hat im ersten Quartal 70 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet als im Jahr zuvor. Adidas macht praktisch keinen Gewinn mehr, Metro derbe Verluste, und andere werden folgen. Noch diese Woche nennen der Sportmodehersteller Puma, der Chemiekonzern Lanxess und die Deutsche Telekom ihre Zahlen. Eine Vorhersage, wie es weitergeht, wie das Jahr enden wird, wagen nur wenige.
Dass Jobs dabei verloren gehen, war zu erwarten. Dass es nicht Hunderttausende sind, grenzt an ein kleines Jobwunder – ein Jobwunder, dass der Wissenschaftler Horst Wildemann nicht allein mit der Kurzarbeit erklären mag. Wildemann lehrt Unternehmensführung und Produktion an der Technischen Universität München. Zugleich begleitet er einige Dutzend Firmen als Berater. »Momentan überlegen alle: Welche Struktur muss ich mir leisten, um sofort loslegen zu können, wenn es wieder aufwärts geht?«, sagt Wildemann. »Meine Wahrnehmung ist: Auch Unternehmen, die 40 Prozent Umsatzrückgang haben, halten ihre Belegschaft und vereinbaren lieber vorübergehende Lohnkürzungen.« Im Vergleich zu vorangegangenen Rezessionen dächten »viele Unternehmer und Manager weiter in die Zukunft«.
Im Abschwung der Jahre 2002 bis 2005 begann der Jobabbau schneller, er war gleich der Normal-, nicht der Sonderfall. Heute ist das anders. Die Stammbelegschaften werden geschützt, was durch Zeitarbeit und Subunternehmertum leichter geworden ist. Doch das ist es nicht allein. In vielen Fällen hat sich auch die Haltung der Chefs verändert.
Eine wesentliche Ursache nennt Robert Bauer, der Vorstandsvorsitzende von Sick, einem Hersteller von Sensoren: »Vor allem mittelständische Unternehmen wissen, wie teuer der Personalaufbau in den vergangenen Jahren war. Und weil die Deutschen altern, spricht alles dafür, die Mitarbeiter und ihr Know-how zu halten. Das höre ich auch von den meisten meiner Kunden.« Mit seinen Sensoren, die eine wichtige Rolle in der Automatisierung spielen, hat Sick im vergangenen Jahr einen Umsatz von fast 740 Millionen Euro erwirtschaftet. Danach ging es rasant bergab, aber Bauer sagt, dass in einzelnen Märkten die Auftragseingänge schon wieder über den Umsätzen liegen. »Wir wollen die Krise mit der Stammmannschaft meistern, solange es irgendwie geht. Denn die Menschen machen das Geschäft. Maschinen und Geld sind nur Hilfsmittel.« Bauer erinnert an die Rezession der neunziger Jahre. Damals trennten sich viele Unternehmen rasch von Ingenieuren und Technikern – was unerwartet langfristige Folgen hatte: Studienanfänger mieden mit einem Mal technische Berufe, woraus ein Mangel entstand, den die Branche bis heute spürt und der sie vorsichtig macht.
Andere Unternehmen halten ihre Mitarbeiter, weil sie fest davon überzeugt sind, dass ihr Geschäft nur vorübergehend zurückgeht. Südchemie aus München gehört dazu. Vorstandschef Günter von Au sieht keine Anzeichen dafür, dass seine Chemikalien seltener gebraucht werden. Sie dienen dazu, Flüssigkeiten und Öle zu reinigen, Gussformen zu festigen, Papier und vieles mehr herzustellen. »Weder mittel- noch langfristig müssen wir unsere Strategie ändern, Krise hin oder her. Das Erdöl geht irgendwann zu Ende, wir müssen CO₂ vermeiden, wir müssen Wasser und Luft reinigen, wir müssen Alternativen für Stoffe finden, die jetzt auf Erdöl basieren. Wir müssen Elektrofahrzeuge bauen. Und weil wir diesen Trends mit unseren Produkten längst folgen, denken wir, aus dieser Krise als Gewinner herauszukommen.«
In diesem Jahr sinkt der Umsatz von Südchemie zwar unter 1,2 Milliarden Euro und damit unter den des Vorjahres, und weil es die Möglichkeit gibt, arbeiten in einigen Sparten rund 400 Mitarbeiter kurz; andere Tochtergesellschaften aber wachsen unbeirrt. Hier bedient die Südchemie grundlegende Bedürfnisse in Schwellenländern: »Es gibt einen Zusammenhang zwischen wachsendem Wohlstand und dem Bedarf an pflanzlichen Ölen. In den Entwicklungs- und Schwellenländern wie China wird derzeit viel Öl aus tierischen Fetten durch Pflanzenöl ersetzt, das mit unseren Produkten gereinigt wird. Sonst würde es innerhalb von zwei Wochen ranzig.«




weil es aus Angst vor der "Linken" bei den kommenden Wahlen ein teures Wahlgeschenk gibt. Die Verlängerung der Kurzarbeit bei weitgehender Übernahme der Sozialabgaben durch die Bundesagentur. Die Angst geht bei den Politikern der etablierten Parteien und den Unternehmen um.
Gewiss existieren industrielle Strukturen, die mehr Fragen beantworten als aufwerfen. Dennoch hätte auch Wildemann darüber Auskunft zu geben, weshalb sich Managements und Beschäftigte im Verein weit überwiegend für Letzteres entscheiden und sich damit riesige Berge an Arbeit aufhalsen, die aber nie bestiegen werden können und schließlich die Entscheidung in der Zahlungsunfähigkeit münden muss. Zur völligen Groteske geraten solche Entscheidungen, die Pleite mit ganzer Kraft anzustreben, wenn Politiker und/oder Gewerkschafter bei dann kreisendem Pleitegeier außerdem so genannte Schutzschirme für Arbeitsplätze verlangen, anstatt von Managements und Beschäftigten zu fordern, sich andere industrielle Strukturen zu wählen.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Manager zwischen Konjunkturkrise und Strukturkrise unterscheiden können. Ein "weiter so" schiene mir in einigen Branchen (z.B. Autos, Banken) grob fahrlässig.
Zum Nachdenken: Ich habe mir gerade einen neuen Server für 400 Euro gekauft. Ein leistungsmäßig vergleichbares Rechenzentrum hätte 1988 ca. 20 Mio. Euro gekostet.
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