Mondlandung Die da obenSeite 5/5
Er ist es auch in den Werkstätten des Raumfahrtzentrums, wo die Zukunft des Mondes vage sichtbar wird. An einem vergrößerten Apollo-Raumschiff wird dort gearbeitet, einem, in dem vier Menschen Platz finden sollen. Und Zweckbauten für den Mond nehmen bereits Gestalt an, aus Plastik und Sperrholz noch, aber schon in Originalgröße, einer davon röhrenförmig, der andere an eine Zwiebel erinnernd und beide eine Ahnung davon vermittelnd, wie erste Siedler in der Mondwüste überleben sollen. Es ist ja die erklärte Absicht der Amerikaner, abermals zum Mond zu fliegen, schon in naher Zukunft. Aber in wie naher Zukunft – das bleibt offen. Als Antrieb für das Projekt Constellation gibt es nicht mehr das erbitterte Ringen mit einer rivalisierenden Supermacht. Und deshalb auch keinen nationalen Impuls. Schon gar nicht in einer Zeit, in der die Energien des Landes absorbiert sind durch die Finanz- und Wirtschaftskrise. Und so fliegt das neue Mondschiff irgendwie schwerelos im Vakuum.
Den USA bleibt nur, um internationale Kooperation zu betteln. Weshalb ihnen auch diesmal an rückhaltloser Offenheit gelegen ist. Ich werde in einen Hangar geführt, in dem ein eindrucksvolles Wohnmobil mit dem Nasa-Wappen und zwei aus dem Heck hängenden Raumanzügen steht. Es ist eigentlich kein Modell. Es sei einsatzbereit für Fahrten auf dem Mond, wird mir gesagt. Ob ich es steuern wolle?
Klar, will ich! Und so sitze ich plötzlich im Fahrerstand eines elektrisch angetriebenen Lunar Truck, navigiere das Fahrzeug mithilfe einer Art Joystick und rumple, gedanklich, über kahle Ebenen mit nichts als öden Kratern, einer hinter dem anderen.
Mit solchen Worten hatte Buzz Aldrin den Mond in einem Interview beschrieben, das er mir vor einigen Jahren gegeben hatte. Gottverlassen, hatte er hinzugefügt, sei ein angemessenes Wort. Wir hatten uns nicht nur über das abschreckende Mondterrain unterhalten, sondern auch über die Veränderung der politischen Landschaft auf der Erde durch den Erfolg von Apollo. Die Mondrakete N1 der Konkurrenz in Moskau, vergleichbar mächtig wie Wernher von Brauns Saturn V, hatte sich als untauglich erwiesen, und Aldrin hatte einen Zusammenhang zwischen dem Scheitern der Russen im All und dem Umstand hergestellt, dass sich in dieser Zeit erste Risse im Sowjetimperium gebildet hatten und die Magie der Sowjetideologie in der Dritten Welt laufend an Kraft verloren hatte. Und auch darüber hatte er reflektiert, dass, andererseits, der Kraftakt der Apollo-Missionen in Amerika einen Innovationsschub auslöste. Das Land übernahm die Führerschaft der weltweiten technologischen Revolution. Kommunikationstechnik, Medizintechnik, Computerelektronik, Werkstoffentwicklung sind Stichwörter.
Ich habe mich auf meiner Reise zurück ins Jahr des Mondes 1969 noch einmal mit Aldrin verabredet, wenn auch nur zum privaten Small Talk. Sorry, kein Interview diesmal, hatte er gemailt und hinzugefügt, er arbeite an einem Buch, und sein Verlag habe ihm Redeverbot auferlegt. Also nicht einmal ein verwertbares Zitat zur Verschwörungstheorie. Aber brauchte ich es wirklich? Aldrins Meinung ist in einem Protokoll der Polizei von Beverly Hills nachzulesen. Der Mondfahrer hatte sich eines besonders schlagkräftigen Arguments bedient. Im Jahr 2002 war das, als ihm in Beverly Hills ein Filmemacher namens Bart Sibrel in den Weg getreten war, ihn einen Betrüger genannt und gegeifert hatte: "Sie sind der, der behauptet hat, auf dem Mond herumgelaufen zu sein – und Sie haben es nicht getan." Auf die Bibel solle er schwören, dass er nicht lüge. Doch Aldrins Hand war zu keiner Bibel gegangen, sondern in Sibrels Gesicht gefahren. Es war, im Internet auf Video zu besichtigen, eine rechte Gerade ans Kinn.
Buzz Aldrin, mittlerweile auch schon 79 Jahre alt, bewohnt mit seiner Frau Lois in Los Angeles eine Suite in einem luxuriösen Hochhaus am Wilshire Boulevard. Wir plaudern über alles Mögliche, nur nicht über den Mond. Immerhin diese eine Frage muss erlaubt sein: Was seine Gefährten von damals heute machten, wie sie heute lebten? Well, sagt Aldrin, Armstrong verbringe seine Zeit, soviel er wisse, auf seiner Farm in Ohio. Und Collins? Der angle vermutlich in Florida. Es hört sich nicht so an, als habe die Reise zum Mond die drei Astronauten zu mehr als Weggefährten auf Zeit gemacht. Vielleicht sogar: LOS, Loss Of Signal.
Aldrins Ego – verletzt? Er ist nicht der Erste gewesen, der den Mond betreten hat. Die zwanzig Minuten, die er, der Kopilot, nach Armstrong, seinem Commander, auf dem Zielstrich ankam, wird er nicht aufholen können. Was nützt es ihm, dass bei allen vorausgegangenen Aktivitäten im Weltraum es nie der Commander war, der von Bord ging, wenn sogenannte Weltraumspaziergänge anstanden? Es war immer der Kopilot. Und Aldrin war sogar der Weltrekordinhaber, was solche Ausflüge anging. In Aldrins Vita ist vermerkt, dass er nach seiner Rückkehr zur Erde in ein schwarzes Loch fiel, in dem er Zuflucht beim Alkohol suchte. Weil er auf dem Mond zurücktreten musste? Nachdenklich hatte mir Aldrin geantwortet, als ich mit ihm noch über den Flug sprechen durfte, dass es sehr schwer geworden wäre, »sich all den Leuten zu stellen, die gefragt hätten, ob ich nicht auch den Eindruck hätte, eine unzulässige Bevorzugung vor meinem Commander erhalten zu haben«. Aber ohnehin, dem ersten Schritt werde zu viel Bedeutung beigemessen. Die Landung, das seien 99 Prozent der Mission gewesen – das verbleibende Prozent, der Ausstieg, sei leichter zu schaffen gewesen als, ja, eben, ein Weltraumspaziergang.
Ob er jene beneide, die nach ihm kommen und eigene Erfahrungen auf einem anderen Gestirn machen werden? Auch das hatte ich Aldrin gefragt. Jetzt, bereits auf dem Weg zurück nach Deutschland, lese ich seine Antwort noch einmal nach.
"Ich weiß nicht, warum ich sie beneiden sollte, unsere Stunde in der Geschichte kam, und wir waren da. Andere werden ihre Stunde haben. Lindbergh hatte die seine, und die Wright-Brüder hatten die ihre. Es wäre schön, aus dem Blickwinkel eines Emeritus große Entdeckungsreisen im All mitverfolgen zu können und sich zu erinnern, immer von Neuem."
- Datum 11.09.2009 - 06:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 07.05.2009 Nr. 20
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Die Mondlandung von Apollo 11 ist für viele Menschen mindestens gleichrangig mit der Entdeckung des amerikanischen Kontinents fast 500 Jahre zuvor. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass die Geldgeber des genuesischen Seefahrers sechs Monate warten mussten, bevor sie von der Entdeckung erfuhren. Im Falle von Apollo 11 sahen die Steuerzahler mit einer Verzögerung von lediglich 1,3 Sekunden, wofür Ihre Milliarden ausgegeben wurden. Von daher ist es ein fast schon beängstigender Zufall, dass der Ingenieur, dem die Leitung des Mondlandeprojekts oblag, mit Vornamen Christopher Columbus hiess. Ich darf in diesem Zusammenhang auch auf ein aktuelles Buch zu diesem Thema verweisen: Grinsted, Daniel (2009): Die Reise zum Mond - Zur Faszinationsgeschichte eines medienkulturellen Phänomens zwischen Realität und Fiktion (Berlin: Logos Verlag). Hierin wird die Mondlandung von Apollo 11 vor ihrem kulturhistorischen Hintergrund betrachtet und als Medienereignis par excellence untersucht.
als es Nixon gelang den Vietnamkrieg zu beenden, den Kennedy angezettelt hatte und die Space-Cowboys aus den 60gern 100 Milllliarden USD für eine bemannte Landung auf einem um die Erde kreisenden Gesteinsbrocken locker machen konnten, sicher spannend, aber einfach verfrüht, heute haben da kleine Sonden ihre Fingerchen in den Mondboden gegraben und man weiss mehr.
vorbehaltlos.
Nicht nur, dass sie in den richtigen Situationen "ihre Emotionen ausschalten" konnten. Auch, weil sie in den richtigen Situationen ihre Emotionen "einschalten" konnten: Doch Aldrins Hand war zu keiner Bibel gegangen, sondern in Sibrels Gesicht gefahren. Es war, im Internet auf Video zu besichtigen, eine rechte Gerade ans Kinn. (Treffend in jeder Hinsicht: Jedes andere Argument wäre ins "Leere" gegangen.)
Herzlichst Crest
Als ich 20 war wäre ich jederzeit bereit gewesen, mich in eine Blechschachtel zu setzen und mich mit etwas über 40.000 km/h mit einer v.Braunschen Rakete zum Mond schiessen zu lassen. Später denkt man dann, das es nicht unbedingt sein muss, aber OK wars eigentlich.
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