Geschichtsklitterung: Spion Kempowski
Der amerikanische Germanist Alan Keele gab bekannt, dass der damals 18-jährige Walter Kempowski tatsächlich mit dem amerikanischen Geheimdienst zusammengearbeitet habe
Vielleicht ist es ein erstes Vorzeichen dafür, dass in Deutschland die Gesinnungsdebatten gelassener geführt werden können, als es in den letzten 60 Jahren unter Bedingungen des Kalten Kriegs und seiner Verwerfungen der Fall war. Tatsächlich könnte es sein, dass zum ersten Mal in Deutschland ein Schriftsteller Gegenstand einer Enthüllung wird, und alle nehmen diese Enthüllung mit zeitgeschichtlichem Interesse, aber ohne moralischen Furor hin. Die Rede ist von Walter Kempowski, der vor zwei Jahren gestorben ist. Kempowski saß als junger Mann acht Jahre in Bautzen ein wegen »angeblicher« Spionage für die Amerikaner, wie es stets hieß. Nun hat der amerikanische Germanist Alan Keele, der mit Kempowski befreundet war, auf einem Kongress zu Ehren des Schriftstellers in Rostock öffentlich gemacht, dass dieses »angeblich« die Sachlage nicht richtig beschreibt. Aus den Akten des CIC, der Vorgängerorganisation der CIA, gehe hervor, dass der 18-jährige Kempowski tatsächlich mit dem amerikanischen Geheimdienst zusammengearbeitet habe.
Über seine Haftzeit im »gelben Elend« schrieb Kempowski nach seiner Entlassung den eindrucksvollen Roman Im Block. Ist also wieder einer der Schriftsteller-Heroen der alten Bundesrepublik bei der Geschichtsklitterung erwischt worden? Kempowskis gelegentliche Dienste für die Amerikaner waren keine Überzeugungstaten, sie brachten ihm und seiner Familie kleine materielle Vorteile ein. Warum hat er dann später nie frei darüber gesprochen? Er habe, so vermutet Alan Keele, seinen ebenfalls inhaftierten Bruder Robert und dessen Status als politischer Häftling nicht gefährden wollen. Das klingt glaubwürdig. Kempowski ist jetzt also nicht mehr das gänzlich grundlose Diktatur-Opfer. Alan Keeles Enthüllung mischt etwas mehr Grau dem Schwarz-Weiß dieser Lebensgeschichte bei, und das heißt: etwas mehr Wirklichkeit. Kempowskis kleine Geschichtsklitterung in den Kämpfen der Zeit aber macht sein großes Werk weniger glatt und noch substanzieller.





Das geht aus dem Artikel überhaupt nicht hervor. Eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Geheimdienst würde übrigens aus Kempowski ja einen richtigen Widerstandskämpfer machen!
Der Artikel ist ganz schlecht. Mangold sagt weder, was Kempowski getan hat noch dass Keele die "Enthüllung" bereits aus den Romanen herausgelesen hat. Mehr dazu (auch von Prof. Keele zu diesem Rummel) hier: http://begleitschreiben.t...
Welchen bahnbrechenden Roman mit dem Titel Im Bau soll Kempowski den geschrieben haben? Ist hier Im Block gemeint?
Man könnte somit nach dem Sachgehalt der anderen "Fakten" fragen, die im Artikel angeführt werden. Dirk Hempel hat es zum Glück in der FAZ (sic!) schon getan.
Das ganze ein Armutszeugnis für die gegenwärtige Literaturkritik in früher so respektablen Zeitungen wie DIE ZEIT und FAZ - so gräulich und abscheulich.
Hartmut Mirbach
Lieber Harmir,
haben Sie vielen Dank für den Hinweis. Der Fehler ist nun korrigiert.
Beste Grüße,
David Hugendick
ZEIT ONLINE Literatur
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David Hugendick
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