Wer das Prinzip Werner Sobek verstehen will, sollte sich von dem Schwaben sein Eigenheim zeigen lassen. Mit einem kleinen, verbrauchsarmen Smart Diesel fährt der Architekt und Ingenieur den Besucher von seinem Büro in Stuttgart-Degerloch ein paar Kurven weiter zu einem unscheinbaren Tor, das sich per Fernbedienung öffnen lässt. Dahinter wird man vom Bellen eines großen Hundes und vom lauten Geschnatter zweier ausgewachsener Gänse begrüßt.

Vom Parkplatz führt der Architekt auf einem Steg, der im sorgsam gepflegten Bambusgarten über dem Rasen schwebt, hinab zum Haus: Es ist ein ebenso schlichter wie eleganter dreistöckiger Kubus aus Glas, der einem Steilhang entspringt. Von hier aus hat man einen überwältigenden Blick über Stuttgart – und wer nur ein wenig von der Imaginationskraft des Erfinders Sobek hat, der kann sich hier ganz leicht in die Hollywood Hills träumen.

Drinnen ist vieles von Computern gesteuert, das Haus kann weit mehr, als Jacques Tati in seinem Film Mon Oncle zu fürchten wagte: Die Kühlschranktür öffnet sich auf eine Winkbewegung hin, die Wassertemperatur im Badezimmer wird über Sensoren gesteuert, das Klima in diesem luftigen, an Wänden armen Haus kann je nach Etage kühler oder wärmer eingestellt werden – und das lässt sich sogar vom Computer im Gästehaus aus steuern, in das sich Sobeks erwachsener Sohn dauerhaft zurückgezogen hat.

Die technischen Spielereien seien allerdings nur Beiwerk, sagt der Architekt und wischt ein paar unsichtbare Krümel von der Arbeitsplatte in der Küche. Das Hauptanliegen bei der Planung und dem Bau vor gut einem Jahrzehnt war ein anderes. Das Eigenheim führt den ganzen Ehrgeiz dieses international erfolgreichen Architekten vor, sein Prinzip des Bauens, das er einmal »Triple Zero« genannt hat, dreimal null: Das Haus darf aufs Jahr verteilt null Energie mehr verschwenden, als es selbst durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach und den Wärmetauscher am Boden erzeugen kann. Es soll null Kohlendioxid emittieren.

Und es muss vollständig demontierbar und recyclingfähig sein, sodass irgendwann einmal annähernd null Müll übrig bleibt. Wobei sich die Frage stellt, wer dieses Haus, das von Dutzenden Architekturzeitschriften als ikonisches Wohnhaus des 21. Jahrhunderts gefeiert wurde, je wird demontieren wollen.

Gebäude sind die größten Klimasünder der Welt. Ihr Bau und Abriss, ihr Betrieb und ihre Instandhaltung verbrauchen mehr Ressourcen und sorgen für mehr Emissionen als zum Beispiel der gesamte Transport und Verkehr. Die Gebäude versiegeln die Böden und hinterlassen Unmengen von Schutt und Sondermüll. Wer also den Wunsch verspürt, die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten, der ist mit einem Architektur- oder Bauingenieurstudium nicht schlecht beraten. Die Frage, die immer mehr Vertreter dieser Zünfte umtreibt, lautet: Wie können wir die schmutzigen Gebäude an die Leine nehmen?