Wertvoller Boden Die Haut der Erde

Raubbau und Klimawandel zerstören den Boden. Eine "schwarze Revolution" muss her

Tewolde Berhan Gebre Egziabher ist ein weltweit geachteter Mann. Er bekam wichtige Preise, doch sein Denken, sagt der äthiopische Umweltexperte in gepflegtem Oxford-Englisch, bleibe »bäuerlich, dörflich« geprägt, und gern erzählt er vom Norden des Landes, aus dem er stammt.

Zum Beispiel von der Gastfreundschaft: Jeder Fremde habe Herberge, Speise und am Ende auch noch ein Abschiedsfrühstück bekommen. »Doch danach ließ man ihn nicht gleich gehen«, sagt Tewolde Berhan. »Vorher musste er sich erst auf dem Gelände des Gastgebers diskret verziehen: zum Düngen!« Der ältere Herr kichert leise, dann wird er ernst: »Heute müssen wir erst wieder lernen, dem Boden Respekt zu zollen.«

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Wie Tewolde Berhan fürchten immer mehr Wissenschaftler, »dass sonst die Grundlagen unserer Ernährung gefährdet sind«; ja sie hoffen, dass auf die grüne jetzt die »schwarze Revolution« folgt. Denn im Einsatz für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung konzentrierte sich über Jahrzehnte alle Welt auf die Ertragsoptimierung der wichtigsten Kulturpflanzen, mit Gentechnik oder ohne. Währenddessen lag die Erforschung der darunterliegenden Nahrungsquelle weitgehend brach. Erst seit einiger Zeit gerät der Boden wieder ins Blickfeld; auch beim Kampf gegen den Klimawandel.

Es ist nämlich nicht gut um ihn bestellt. Nach der jüngsten Erhebung verschiedener UN-Institute (Glada Report 5) ist allein von 1981 bis 2003 fast ein Viertel der globalen Landmasse degradiert, das heißt: Die Ertragsfähigkeit hat sich verringert, oder die Flächen haben sich gar in Wüsten verwandelt. Eine Ursache sind Klimaveränderungen, eine andere: landwirtschaftlicher Raubbau. In unterschiedlichem Ausmaß sind bereits 1,9 Milliarden Hektar Land geschädigt, etwa vier Fünftel davon potenzielle Äcker und Weiden. Rund 1,5 Milliarden Menschen fahren wegen schlechter Böden spärliche Ernten ein.

Dem weltweiten Verlust stünden zwar 15,7 Prozent der Böden gegenüber, die durch veränderte Niederschläge oder die Anstrengung von Bauern und Naturschützern neu belebt worden seien, rechnet Luc Gnacadja vor. Der frühere Umweltminister Benins leitet das Generalsekretariat der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) in Bonn. »Aber es reicht nicht«, sagt Gnacadja, »Wir kommen nicht nach.«

Bodendurchlüftung, Gülle und Schichtengrubber sind eben nicht besonders tauglich für politische PR. Erst als Preissteigerungen und Hungeraufstände im letzten Jahr die weltweite Krise der Landwirtschaft offenbarten, gestand selbst die Bush-Regierung Versäumnisse ein. Jetzt finden Stimmen Gehör wie die des Forschers Rattan Lal. In fruchtbarer Erde, sagt er, lägen die Wurzeln für »politische Stabilität, die Qualität der Umwelt, die Beseitigung von Hunger und Armut«.

Mit reichlich Superlativen warnt auch der US-Geologe David Montgomery davor, die »am meisten unterschätzte, am wenigsten gewürdigte und dabei so existenzielle Ressource« weiter zu versiegeln und zu verdichten, zu übernutzen und zu verschmutzen; sie zu behandeln wie »Dreck« – so lautet der Titel seines Buches über sie »Erosion der Zivilisationen«. Viele alte Kulturen seien »weniger zugrunde gegangen als zerkrümelt«, schreibt Montgomery. Auch heute werde die existenzielle Grundlage allen Lebens vielerorts schneller verbraucht, als sie sich neu bilden könne.

Bei der Scholle fällt Städtern eben meist nur Dreck unter den Fingernägeln ein. Einzig die Pedologen schwärmen vom »Wunder« der Fruchtbarkeit. Sie erforschen den Boden, der seit jeher alles verbindet: die Atmosphäre, die Gesteinsdecke, den Wasserkreislauf, die Vielfalt des Lebens.

Auch Raum und Zeit verschmelzen in der »Haut der Erde«, denn über Jahrhunderte haben Regen und Wind die Böden geformt, sie zusammengebaut aus verwittertem Fels, Luft, Wasser, verrotteten Pflanzen und Tieren. In Gemeinschaftsarbeit mit einer unermesslichen Zahl tatkräftiger Untergrundkämpfer: jagender, wühlender, verdauender Ameisen, Termiten, Würmer, Mikroorganismen.

Dass das Erdreich Wasser und Nährstoffe für Gras, Bäume und Kulturpflanzen speichere und ihre Wurzeln Halt in ihm fänden, sei, schreibt David Montgomery, das Ergebnis einer regelrechten »biologischen Orgie«. Dabei werde »alles Tote ins Leben zurückgeführt«: Rinde, Blätter, Tierkadaver und, Erde zu Erde, auch der Mensch. Der Maler Friedensreich Hundertwasser nahm im Humus den »Geruch der Wiederauferstehung … der Unsterblichkeit« wahr.

Wie vielgestaltig sich die Haut rund um den Globus gebildet hat, kann man im niederländischen Wageningen bestaunen. Tausend Profile lagern dort in den Regalen des »Weltbodenmuseums«. Tausend von Tausenden, eine »einzigartige Sammlung«, wie der Leiter Alfred Hartemink schwärmt.

Der viel gereiste Experte koordiniert für das internationale Boden-Informationszentrum ISRIC seit Jüngstem ein Großprojekt: die digitale Weltkarte der Böden. So »tot und begraben« sei deren Erforschung gewesen, sagt Hartemink, dass »grundlegende Daten oft noch aus den 1960er Jahren stammen«. Die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung fördert die neue Orientierungshilfe im Netz mit 18 Millionen Dollar. Die Informationen, die teils aus Satellitenbildern erhoben werden, sollen Forschern und Bauern weltweit Anhaltspunkte darüber liefern, mit welchen Mitteln sie die Fruchtbarkeit ihrer lokalen Böden gezielt verbessern können.

Braune Cambisol-Querschnitte stehen in den Wageninger Vitrinen und tonreiche Vertisole; Böden aus Westsamoa, der Eifel, Simbabwe. An einem Profil, das in der spanischen Extremadura gestochen wurde, sind die Folgen extremer Erosion zu erkennen, wie weltweit in ausgeräumten Landschaften oder an gerodeten Steilhängen: Dünn und steinig ist die obere Schicht, die Haut der Erde ist schuppig und schrundig geworden.

Das Muster daneben entstammt einer chinesischen Halbwüste, die verschwenderischer Bewässerung ausgesetzt war. Die Verdunstung hat schneeweiße Salzkrusten an die Oberfläche steigen lassen. Von Syrien bis in die USA sind Tausende von Hektar derart geschädigt, oft wegen falsch gelenkter Subventionen. Auch bei Monokulturen oder unter dem Druck gewichtiger Landmaschinen geht vielen Böden die Puste aus.

Solche Ermattung sei zwar durch den oft übermäßigen Einsatz von Kunstdünger lange verdeckt worden, sagt Tewolde Berhan. Doch diese Strategie ähnele, wenn man sie allein verfolge, »der Einnahme von Aspirin gegen Kopfschmerzen: Sie beseitigt nur die Symptome, und am Ende ist der Kranke zu schwach, als dass Medikamente noch wirken könnten«. Übrig bleiben Badlands, als Folge kurzfristigen Denkens.

Neben solcher Wohlstandsverwahrlosung entspringt der Mangel an Nährstoffen und Mineralien in tropischen Böden meist dem Gegenteil: Unterdüngung. Vor allem auf dem alten afrikanischen Kontinent fehlen 85 Prozent der Böden Stickstoff, Phosphat und Kalium. Pro Hektar werden im Durchschnitt nur acht Kilo Mineraldünger eingesetzt, im Vergleich zu 93 Kilo weltweit.

Dahinter steckt der Teufelskreis der Armut: Bauern ernten zu wenig, als dass sie die Mittel für Dünger erwirtschaften könnten; zugleich fehlen ihnen Kraft und Wissen, um die Fruchtbarkeit natürlich zu erhöhen. Damit sie nicht ins Bodenlose fallen, nütze daher zunächst nur chemische Nachhilfe, meint Alfred Hartemink in Wageningen. Jüngst haben denn auch Bundesregierung und EU, Weltbank und mehrere Stiftungen Versorgungsprogramme mit Dünger für Afrika aufgelegt.

Doch die Sache hat einige Haken. Zum Beispiel ist der Markt für Mineraldünger so angespannt, »dass eine Milliardenspritze für Entwicklungsländer die Preise noch weiter hochtreiben würde«, urteilt Rudi Buntzel-Cano vom Evangelischen Entwicklungsdienst. »Allein zwischen 2007 und 2008 stiegen sie um 250 Prozent.« Auch deshalb gewinnt die Bodenforschung an Terrain. Überall müssen neue Wege gefunden werden, die Fruchtbarkeit zu erhöhen.

Zumal der Produktionsdruck auf die Böden steigt. Neben den Nahrungsmitteln für eine wachsende und anspruchsvollere Weltbevölkerung sollen auch noch nachwachsende Rohstoffe gedeihen. Angesichts möglicher Knappheiten wird schon »Peak Soil« beschworen, in Anspielung auf Peak Oil, den Fördergipfel, der den Anfang vom Ende des billigen Erdöls bedeutete.

Damit nicht genug: Ausgerechnet die Böden im Süden sind zunehmend Unwettern und Dürren als Folgen des Klimawandels ausgesetzt. Umso weniger kann der Chef des Wüstensekretariats verstehen, »dass der Eisbär auf seiner schmelzenden Scholle mehr Aufmerksamkeit erregt als die vielen Menschen, die wegen schlechter Böden hungern«. Klimadiplomaten, Energie- und Agrarexperten, meint Luc Gnacadja, verharrten »jeder in seinem Elfenbeinturm«. Deshalb würden komplexe Zusammenhänge, aber auch viele Chancen in der Klimapolitik übersehen.

Je nach Art, wie die Bauern den Boden bearbeiten, tragen sie zur Emission von Kohlendioxid und der noch aggressiveren Klimagase Methan und Lachgas bei. Insgesamt ist die Landwirtschaft für 15 Prozent der CO₂-Emissionen verantwortlich, hinzu kommen 15 Prozent durch Entwaldung und den Umbruch von Grünland und Mooren. Denn Böden speichern Kohlenstoff, weltweit doppelt so viel wie die globale Vegetation und die Atmosphäre zusammen.

Allein in Europa sind 70 Milliarden Tonnen CO₂ in der Erde gebunden; »eine riesige Menge«, staunte jüngst der EU-Umweltkommissar. Wenn nur ein geringer Teil dieser Klimagase frei werde, sagt Stavros Dimas, dann werde das alle übrigen Einsparanstrengungen bei der Lebensweise der Industriegesellschaften zunichte machen.

Umgekehrt könnten aber die Bewahrung und neue Einlagerung von Kohlenstoff im Erdreich den Klimawandel sogar abmildern – und zugleich die Fruchtbarkeit erhöhen. Seit der letzten Sitzung in Bonn wird daher auch bei den UN-Klimaschutzverhandlungen über den Boden geredet. In ihrem Rahmen könnten Gelder mobilisiert werden, damit eine bodenschonende Feldarbeit in Entwicklungsländern zugleich Hunger und Klimawandel bekämpft.

Ansätze dafür gibt es viele, von Ägypten bis Indien haben Dorfgemeinschaften vorgemacht, wie Steinwälle die Erosion eindämmen, Sträucher und Bäume über die Jahre organische Materie in den Boden bringen, Fruchtfolgen Stickstoff binden und mit ihrem reichen Wurzelwerk dazu beitragen können, dass die Feuchtigkeit länger gespeichert bleibt. So sind schon Wüstengebiete wieder ergrünt. Solche Initiativen würden bisher nicht ausreichend gefördert, kritisiert der Weltagrarbericht IAASTD.

Erwartungsgemäß blüht auch bei diesem Thema der grundsätzliche Streit zwischen »konventionell« und »bio«. Die Intensivlandwirte argumentieren, sie könnten auf weniger Raum höhere Erträge erzielen und dadurch den Umbruch neuer Ackerflächen verhindern. Viele von ihnen beginnen, ohne Pflug zu arbeiten, um Energie zu sparen.

Ökobauern indes nehmen für sich in Anspruch, dass ihre Anbauweise bis zu 20 Prozent weniger CO₂ emittiert; vor allem, weil sie keinen Kunstdünger verwenden und mehr Humus aufbauen. Die Erträge, sagt Paul Mäder vom Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), seien zwar geringer – aber nur in gemäßigten Breiten, nicht in den Tropen.

Einen Dämpfer bekamen die Ökobauern dennoch: durch eine Untersuchung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Klimaschädlich sind demnach auch Biorinder, die ausgedehnte Weideflächen brauchen; umso mehr, wenn die Tiere, wie oft in Norddeutschland, auf trockengelegten Moorböden stehen. Wichtig fürs Klima wäre es daher, plädiert der Auftraggeber der Studie, Foodwatch-Chef Thilo Bode, Moore wieder zu vernässen und als CO₂-Senken zu nutzen.

An der Universität Greifswald versuchen Wissenschaftler, den Konflikt zwischen Bauern und Klimaschützern im Sumpfland zu mildern. Erlen, Schilf und Torfmoos zum Beispiel könnten in rekultivierten Mooren als Energiepflanzen wirtschaftliche Erträge bringen.

Amerikanische und deutsche Forscher experimentieren darüber hinaus mit sogenannter Biokohle. In den Ackerboden gebracht, bindet sie dauerhaft CO₂ und kann die Erträge ohne Dünger erhöhen, weil Nährstoffe und Wasser besser gespeichert werden. Noch stecken diese Experimente in den Anfängen; die Kohle, im Idealfall aus Pflanzenresten und Abfällen gewonnen, muss biochemische Prozesse durchlaufen, die noch zu klären sind.

Doch Haiko Pieplow vom Bundesumweltministerium erwartet eine »Schlüsselinnovation des Jahrhunderts« – vor allem wenn die Schwarzerde Teil eines regionalen Stoffstrommanagements werde.

Eine wichtige Komponente in einem solchen Kreislauf könnten auch Fäkalien sein. Sie würden dann fruchtbarer als in großen Kläranlagen entsorgt: indem sie den Weg zurück auf den Acker finden, zwar zuvor in Hightechanlagen gefiltert – aber letztlich ganz ähnlich wie in Tewolde Berhans Dorf in Äthiopien.

 
Leser-Kommentare
  1. Herzlichen Dank, Frau Grefe, dass Sie erneut

    - im Einklang mit Ihrem Buch DER GLOBALE COUNTDOWN -

    eine neue DIMENSION der NEUEN AUFKLÄRUNG für den notwendigen BEWUSSTSEINSWANDEL in die öffentliche Aufmerksamkeit rücken!

    Weiter so mit dem gründlich recherchierten wohltuenden Qualitätsjournalismus !

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    • otto_B
    • 09.05.2009 um 10:15 Uhr

    ..... und wie unter diesen Prämissen das System der "nachwachsenden Rohstoffe" bei uns dasteht, wäre dann auch nochmal zu sehen. ..... bzw. zu sehen ist es ja - es müßte nur Subventionen, und sonstige Dschungel gelichtet werden.
    Die Bedienung einer Ökostrom-Klientel aus Maisfeldern heraus, das ist kein zukunftsfähiger Weg. Begründet mit der Einsparung der einen Ressource, wird der beschleunigte Verbrauch der anderen in Gang gesetzt. Nur, daß es bisher die Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis nahm. Auch der Verweis auf "Knut" im Artikel ist sehr treffend für die selektive Aufmerksamkeit der medial vermittelten Öffentlichkeit.
    Die Realtät ist komplexer als das simple Gegeneinander von Atom und Sonnenblume. Wenn überhaup NAWARO, dann nur bodenschonend, und man blicken den begrenzten Potentialen ins Auge.

    • otto_B
    • 09.05.2009 um 10:15 Uhr

    ..... und wie unter diesen Prämissen das System der "nachwachsenden Rohstoffe" bei uns dasteht, wäre dann auch nochmal zu sehen. ..... bzw. zu sehen ist es ja - es müßte nur Subventionen, und sonstige Dschungel gelichtet werden.
    Die Bedienung einer Ökostrom-Klientel aus Maisfeldern heraus, das ist kein zukunftsfähiger Weg. Begründet mit der Einsparung der einen Ressource, wird der beschleunigte Verbrauch der anderen in Gang gesetzt. Nur, daß es bisher die Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis nahm. Auch der Verweis auf "Knut" im Artikel ist sehr treffend für die selektive Aufmerksamkeit der medial vermittelten Öffentlichkeit.
    Die Realtät ist komplexer als das simple Gegeneinander von Atom und Sonnenblume. Wenn überhaup NAWARO, dann nur bodenschonend, und man blicken den begrenzten Potentialen ins Auge.

    • otto_B
    • 09.05.2009 um 10:15 Uhr

    ..... und wie unter diesen Prämissen das System der "nachwachsenden Rohstoffe" bei uns dasteht, wäre dann auch nochmal zu sehen. ..... bzw. zu sehen ist es ja - es müßte nur Subventionen, und sonstige Dschungel gelichtet werden.
    Die Bedienung einer Ökostrom-Klientel aus Maisfeldern heraus, das ist kein zukunftsfähiger Weg. Begründet mit der Einsparung der einen Ressource, wird der beschleunigte Verbrauch der anderen in Gang gesetzt. Nur, daß es bisher die Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis nahm. Auch der Verweis auf "Knut" im Artikel ist sehr treffend für die selektive Aufmerksamkeit der medial vermittelten Öffentlichkeit.
    Die Realtät ist komplexer als das simple Gegeneinander von Atom und Sonnenblume. Wenn überhaup NAWARO, dann nur bodenschonend, und man blicken den begrenzten Potentialen ins Auge.

    • Colón
    • 09.05.2009 um 12:18 Uhr

    Frau Gräfe,

    Sie machen mir wieder Hoffnung auf bessere ZEITen. Um die Böden und ihre Struktur kümmern sich ausdauernd Fachleute im Verborgenen. Dabei muss doch hier dringlich in die Forschung und in Infrastrukturmaßnahmen investiert werden, weit über die bisherigen Gelder hinaus. Ihr Artikel ist gut geschrieben und lehrreich. Danke dafür.

    Eine kleine Anmerkung: Die Bodenarten, die Sie im Text erwähnten, die sollten sich auch in der sehr hilfreichen und durchdachen Galerie Online finden lassen. "Cambisol-Boden" = "Braunerde", bleibt ungeklärt.

    Weiter so, gegen die ökologische Alexithymie, diese globale Gefühlsblindheit.

    Grüße

    Christoph Leusch

  2. Wenn man in Deutschland gravierende Beispiele der ignoranten und leichtsinnigen Zerstörung der für unser Überleben unverzichtbaren Haut der Erde sehen will, sollte man in die Magdeburger Börde, das Gebiet mit den besten Böden Deuschlands, fahren. Hier werden unter Sanktionierung der CDU/SPD-Regierung des Bundeslandes Sachsen-Anhalt großflächig beste Ackerflächen für wahnsinnige Straßenverkehrs- oder Industrieprojekte, die nur der Straßenbaulobby helfen bzw. neue Produktionsüberkapazitäten schaffen (anstatt vorhandene Industrieflächen dafür zu nutzen), zerstört und damit der Nahrungsmittelproduktion entzogen.

    Natürlich verteidigt und rechtfertigt die landesregierung diese Wirtschaftspolitik vehement und spielt dabei geschickt mit der Karte "Schaffung neuer Arbeitsplätze und Wirtschaftsaufschwung".

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    • Manul
    • 09.05.2009 um 14:30 Uhr

    Allein schon dieses Beispiel zeigt, woran es eigentlich beim Bodenschutz krankt, nämlich am vernünftigen Abwiegen zwischen dem, was machbar ist und dem was aus ökologischer Sicht sinnvoll wäre und da wir in einem System der kurzfristigen Gewinne leben, interessiert niemand, dass die kurzfristigen Gewinne langfristig einen viel grösseren (auch ökonomischen) Schaden anrichten.

    Ökologie wird deshalb noch so lange ein Schattendasein fristen, so lange wir keine Wirtschaft haben, die sich an langfristigen Ergebnissen orientiert. Eigentlich wäre jetzt sogar die beste Zeit dafür, wo sich auch unter sozialen Gesichtspunkten zeigt, dass dieses Quartalsdenken der Ökonomen ein Nähboden für allelei Krisen ist, nur diejenigen, die heute an den Trögen sitzen, haben nicht das geringste Interesse etwas daran zu ändern, sie profitieren ja schliesslich davon. Und so werden sie sich auch nicht genieren die Zukunft unserer Enkel zu versaufen, denn was nichts kostet, ist auch nichts wert...

    • Manul
    • 09.05.2009 um 14:30 Uhr

    Allein schon dieses Beispiel zeigt, woran es eigentlich beim Bodenschutz krankt, nämlich am vernünftigen Abwiegen zwischen dem, was machbar ist und dem was aus ökologischer Sicht sinnvoll wäre und da wir in einem System der kurzfristigen Gewinne leben, interessiert niemand, dass die kurzfristigen Gewinne langfristig einen viel grösseren (auch ökonomischen) Schaden anrichten.

    Ökologie wird deshalb noch so lange ein Schattendasein fristen, so lange wir keine Wirtschaft haben, die sich an langfristigen Ergebnissen orientiert. Eigentlich wäre jetzt sogar die beste Zeit dafür, wo sich auch unter sozialen Gesichtspunkten zeigt, dass dieses Quartalsdenken der Ökonomen ein Nähboden für allelei Krisen ist, nur diejenigen, die heute an den Trögen sitzen, haben nicht das geringste Interesse etwas daran zu ändern, sie profitieren ja schliesslich davon. Und so werden sie sich auch nicht genieren die Zukunft unserer Enkel zu versaufen, denn was nichts kostet, ist auch nichts wert...

    • Manul
    • 09.05.2009 um 14:30 Uhr

    Allein schon dieses Beispiel zeigt, woran es eigentlich beim Bodenschutz krankt, nämlich am vernünftigen Abwiegen zwischen dem, was machbar ist und dem was aus ökologischer Sicht sinnvoll wäre und da wir in einem System der kurzfristigen Gewinne leben, interessiert niemand, dass die kurzfristigen Gewinne langfristig einen viel grösseren (auch ökonomischen) Schaden anrichten.

    Ökologie wird deshalb noch so lange ein Schattendasein fristen, so lange wir keine Wirtschaft haben, die sich an langfristigen Ergebnissen orientiert. Eigentlich wäre jetzt sogar die beste Zeit dafür, wo sich auch unter sozialen Gesichtspunkten zeigt, dass dieses Quartalsdenken der Ökonomen ein Nähboden für allelei Krisen ist, nur diejenigen, die heute an den Trögen sitzen, haben nicht das geringste Interesse etwas daran zu ändern, sie profitieren ja schliesslich davon. Und so werden sie sich auch nicht genieren die Zukunft unserer Enkel zu versaufen, denn was nichts kostet, ist auch nichts wert...

  3. ist die Intelligenz, die uns trägt und erhält, obwohl wir sie eher mit Fäkalien in Verbindung bringen als dass wir genügend wertschätzen würden.

    Matthias Claudius sagt dazu

    "So sind wohl manche Sachen,
    Die wir getrost belachen,
    Weil unsre Augen sie nicht sehn."

    Nicht nur am meisten Kohlenstoff ist im Boden, sondern auch die meisten lebendigen Lebewesen, die dort ihre Arbeit tun, die meiste DNA und RNA, die meisten Proteine.

    Wenn Haiko Pieplow vom Bundesumweltministerium eine »Schlüsselinnovation des Jahrhunderts« erwartet, wenn die Schwarzerde Teil eines regionalen Stoffstrom-Managements werde, kann ich dazu nur sagen, dass wir eine weltweite Infrastruktur der Biomasse brauchen, genauso wie eine weltweite Infrastruktur des Wassers und der Luft brauchen: ein weltweites Stoffstrom-Management. Milliarden von Menschen können und werden dadurch wieder Arbeit und Würde finden. Das das in uns Menschen durchaus angelegt ist, zeigen die vielen Schrebergärtner, die aus öden Bahndämmen kleine Paradiese gemacht haben.

    • Crest
    • 09.05.2009 um 17:49 Uhr

    Hydrokultur und Hydroponik.

    Das ist für romantische Seelen nicht befriedigend. Zugegeben. Aber schauen Sie sich einmal in Ihrer Wohnung um. Keine Pflanze in Hydrokultur im Wohnzimmer links? Vielleicht eine im Büro? Und überlebt hat sie bisher auch?

    Nun ich möchte Ihnen Ihre Vorlieben nicht "madig" machen. Aber Sie kennen ja meine Ansicht, dass man die Welt nicht immer ganzheitlich sehen sollte.

    Herzlichst Crest

  4. und konkreten Angaben. Es ist zu hoffen, dass wenigstens ein Teil davon im Alltag umgesetzt wird. Den Entwicklungsländern die Leviten zu lesen wäre aber wenig glaubwürdig, wenn wie die jahrzentelange Fehlentwicklung in Europa und USA betrachten. Kunstdünger in Trockenzonen zu liefern finde ich weniger sinnvoll, als für eine korrekte Bearbeitung ( an Arbeitskräften fehlt es meist nicht) und vor allem Bewässerung zu sorgen. Gekoppelt mit Hilfe gegen Landflucht.
    Wie sie wissen sind Länder wie China daran, in Ländern wie Zimbabwe u.a. regelrechte Agrar-Enklaven aufzubauen, wo Chinesen angesiedelt werden. Die Ernte wird dann direkt nach Saudi Arabien oder China verschifft. Das Volk hungert derweil.
    Einheimische Bauern haben weder das Wissen noch das Geld, um mehr als eine karge Substistenzwirtschaft zu betreiben.
    Deshalb muss man klar wissen, ob es sich um Nahrungsmittel für Einheimische oder eine spekulative Landwirtschaft für den Weltmarkt handelt, bevor man in solchen Ländern eingreift.

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