Steueroase Der böse Onkel

In der Schweiz reagiert man auf Steinbrück schweigend, schmollend oder schreiend. Auslachen sollte man ihn!

Natürlich ist er ungerecht. Es ist nicht richtig, dass Peer Steinbrück die Schweiz für ihre Steuerpolitik geißelt – und kein Wort darüber verliert, dass es wohl selten ein Land auf der Welt gibt, das ein so vorbildliches Geldwäsche-Gesetz hat.

Natürlich ist er ein Machtpolitiker, der gerne gegen unten tritt und gegen oben den Bückling macht. Es ist nicht richtig, dass Peer Steinbrück im Zusammenhang mit der Schweizer Steuerpolitik das Wort »kriminell« gebraucht – und kein Wort darüber verliert, dass etwa die USA und Großbritannien um einiges größere Steuerschlupflöcher kennen als die älteste Demokratie der Welt.

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Natürlich lenkt er von seinen eigenen Problemen ab. Es ist nicht richtig, dass Peer Steinbrück das Land in der Mitte Europas mit der vermeintlichen »Steueroase« Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, vergleicht – und nichts sagt über die Gründe für die Massenauswanderung seiner Landsleute. In Deutschland liegt die Steuerbelastung des durchschnittlichen Angestellten bei 52 Prozent seines Einkommens. Das ist eine Zahl, die Steinbrück wirklich Sorgen machen müsste – weil sie den Gemeinsinn und die Freiheit des Einzelnen gefährdet. Wer kann, der geht. Oder bringt sein Geld über die Landesgrenzen. Stattdessen stellt der Finanzminister schlaumeierischen Nachbarländern nach, um vielleicht, eines Tages, ein bisschen Fluchtgeld zurückzubekommen. Bis dahin will er den Spitzensteuersatz in Deutschland anheben. Packt man so ein Übel bei der Wurzel?

Und trotzdem sagen die Erdbeben, die jeder Nebensatz von Peer Steinbrück in der Schweiz auslöst, mehr über den Zustand der Eidgenossenschaft aus als über die Doppelzüngigkeit eines deutschen Säckelmeisters im Dauerwahlkampf und in finanzieller Rücklage.

Man hat kein Rezept gefunden, mit Steinbrück angemessen umzugehen

Die Schweizer haben auf Steinbrücks Aussagen in drei Varianten reagiert: schweigend, schmollend oder schreiend. Wenn ein Parlamentarier oder, wie letzten Sonntag, die sehr rechte Tessiner Tageszeitung Il Mattino mit einer Hitler-Fotomontage die Nazikeule auf Steinbrück niedersausen lassen, dann ist dies Ausdruck totaler Hilflosigkeit – und mangelnder Argumente.

Auch die offizielle Schweiz hat bis heute kein Rezept gefunden, mit den Anwürfen Steinbrücks angemessen umzugehen. Sinnbildlich für die Unfähigkeit steht das widersprüchliche Verhalten von Bundespräsident Merz: Er hat eine Einladung für ein Berliner OECD-Treffen im Juni erst rigoros ausgeschlagen, um dann wieder kleinlaut zuzusagen. Hoffentlich hat ihm jemand die jüngste Ausgabe des Spiegels gezeigt, in der der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker der Schweizer Politik vormacht, wie man hätte reagieren müssen: durchaus scharf im Ton, kompetent in den Gegenargumenten.

Peitsche! Indianer! Afrika! Warum wird darüber nicht gelacht?

Wie also konnte es passieren, dass die Schweiz von einem einzigen ausländischen Politiker derart in die Ecke gedrängt wurde?

Leser-Kommentare
  1. Vielleicht...könnte Sie, Herr Teuwsen, damit aufhören, in der Schweiz diesen hanebüchenen Blödsinn einer Steuerbelastung eines durchschnittlichen Angestellten in Deutschland von 52 Prozent seines Einkommens zu verbreiten!

    Vielleicht setzten Sie sich einfach mal mit dem Thema Steuerprogression in Deutschland auseinander, schließen Ihre Bildungslücke oder verzichten vielleicht künftighin ganz darauf, über Dinge zu schreiben in denen Sie derartig ahnungslos sind.

    http://de.wikipedia.org/w...

    Für alle, die es noch nicht wissen:

    Der Eingangsteuersatz ist bei 14 Prozent, der Spitzensteuersatz (!) bei 45 Prozent des Einkommens. Wie man da auf einen durchschnittlichen Satz von 52 Prozent kommen kann...

    Herr Teuwsen, schön, dass sie gerne schreiben. Nur - um Himmels Willen - recherchieren Sie zuerst!!!

  2. Redaktion

    Es ist ja schön, dass man in diesem Forum anonym bleiben kann, sehr geehrte Malicia. Ich muss Ihnen aber leider sagen, dass Sie Unrecht haben. Laut einer Anfang der Woche publizierten OECD-Studie liegt die durchschnittliche Steuerbelastung inkl. Sozialabgaben (was auch Steuern sind) in Deutschland bei 52 Prozent. Damit ist die Belastung eines deutschen Arbeitnehmers die dritthöchste aller OECD-Länder.

    mit freundlichen Grüßen

    Peer Teuwsen

  3. ...sehr geehrter Herr Teuwsen,

    halten leider Sie hartnäckig an Ihrem Irrtum fest.

    Sozialabgaben sind keine Steuern und waren es noch nie!

    Sollte es dazu eine neue Theorie des Lehrstuhls "EsistsowiesoallesdasGleiche" von Professor Schwarzistgleichweiß und seiner Assistentin Dr. Obenistunten geben - lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

    Die OECD Studie macht diese Unterscheidung übrigens ebenfalls...

    Die FAZ zitiert zudem Folgendes aus jener Studie:

    "So fallen in Deutschland bei einem Single mit einem Jahresgehalt von rund 63.000 Euro mit 53,7 Prozent die höchsten Abzüge durch Steuern und Sozialbeiträge an."

    Das heißt...die gesamten Sozialbeiträge aller anderen Arbeitnehmer sind deutlich niedriger...wieder ist kein Durchschnitt von 52 Prozent in Sicht.

    http://www.faz.net/s/Rub0...

    und

    http://www.faz.net/s/Rub0...

    Also nicht mal einschließlich der Sozialabgaben stimmt offenbar Ihre Zahl!

    Ergo:

    Erstens sind demnach Ihre Zahlen nicht korrekt und zweitens werfen Sie Steuern und Sozialabgaben durcheinander.

    Und ein Schweizer Bürger, der das in der "Zeit Schweiz" liest, wird wahrscheinlich auf die von Ihnen postulierten 52 Prozent Steuerbelastung des durchschnittlichen Angestellten (auf dem Schaubild der OECD in der FAZ sind das 42,7 für den Single, für alle anderen deutlich weniger!) noch ca. 20 Prozent fiktive Sozialabgaben aufrechnen.

    Und dieses Ergebnis ist definitiv falsch, weil viel zu hoch.

    Zum Punkto Anonymität: Mailadresse und Name ist der Zeit-Redaktion bekannt...also kann ich Ihnen die Thematik gerne bei einer Tasse Kaffee nochmals erklären, wenn Sie das denn wollten :-).

    Mit freundlichen Grüßen

    Malicia

    • Buker
    • 29.05.2009 um 13:59 Uhr

    schön, dass man sich an solchen Formulierungen aufhängen kann. Leider ändert das aber nichts an der grundsätzlichen Richtigkeit der Kernaussagen dieses Artikels...

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