Vitamin C Das goldene PulverSeite 4/4

1984 steht dann in der Zeitschrift Shooting Industry zu lesen: »Achtung, Waffenladenbesitzer. Machen Sie in Ihren Regalen und im Schaufenster Platz für die Ankunft von Golden Powder. Und was ist Golden Powder? Es ist eine brandneue Treibladung, die anstelle von Schwarzpulver verwendet werden kann.« Noch zwei Jahre später zählt Roche in einem internen Bericht zahlreiche Verwendungsideen auf: Golden Powder könne als Schießpulver eingesetzt werden, als Raketentreibstoff, für Feuerwerke und ähnlich brisante Zwecke. Nur preislich kann das goldene Pulver mit dem schwarzen nicht konkurrieren; 1990 schließlich bricht Roche die Forschungen ab.

Vitamin C aber bleibt der Stoff der tausend Möglichkeiten. Am 28. Februar 2007 titelt die Berliner Zeitung: »Iss dich brav! In England bekommen Gefangene jetzt Vitamine, damit sie bessere Menschen werden.« Die Häufigkeit von antisozialem Verhalten, so berichtet die Zeitung über die von Forschern der Oxford University durchgeführten Versuche in drei britischen Gefängnissen, sei bei den Probanden im Vergleich zur Kontrollgruppe, die keine Nahrungsergänzungsmittel erhielt, um 26 Prozent gesunken.

Die Hoffnung, dass Vitamine »antisoziales Verhalten« zum Verschwinden bringen können, ist allerdings keineswegs neu. So stand schon anlässlich einer amerikanischen Studie zur Jugendkriminalität 1942 in der Wissenschaftszeitschrift Science zu lesen: »Geistige Fähigkeit und moralische Haltung gehen Hand in Hand. Je intelligenter ein Kind, umso geringer ist seine Neigung zum Betrügen, Lügen, Stehlen oder zu anderweitigen Vergehen gegen die menschliche Ordnung. Da eine reichliche Versorgung mit Vitaminen die menschliche Intelligenz zu erhöhen vermag, besteht demnach die Aussicht, auf diese Weise die ethische Einstellung zu fördern.«

In anderen Worten: Die Welt wird klüger und besser mit jedem Tag – dank Vitamin C.

Der Autor ist Historiker und arbeitet an der Universität Bielefeld, die Autorin ist Medienwissenschaftlerin und Journalistin; sie lebt in Bielefeld. Mehr zum Thema in Beat Bächis Buch »Vitamin C für alle! Pharmazeutische Produktion, Vermarktung und Gesundheitspolitik 1933–1953«, das dieser Tage erscheint (Chronos Verlag, Zürich; 280 S., 24,– €)

 
Leser-Kommentare
  1. Udo Pollmer (Das Eule) berichtet von Skorbutfällen bei Säuglingen in USA, nachdem die schwangeren Mütter hohe Dosen Vitamin C geschluckt hatten. Der mütterliche Körper schaltete auf Ausscheidung um. Als die Kinder zur Welt kamen, tat ihr Stoffwechsel das, was er im Mutterleib gelernt hatte: Vitamin C umgehend wieder auszuscheiden. Quelle Buch Prost Mahlzeit

    In den USA werden Kleinkinder mit Vitaminen überhäuft. Bereits über 50 Prozent bekommen regelmäßig Vitamintabletten, zusätzlich zu angereicherten Lebensmitteln, Getränken und Flaschennahrung. Welche Probleme das mit sich bringt, haben Pädiater in Washington an über 8000 Kleinkindern aufgezeigt: Ihren Ergebnissen zufolge korrelierte die Einnahme von Multivitaminpräparaten mit der Häufigkeit von Lebensmittelallergien, wobei es unerheblich war, ob die Kinder Brust- oder Flaschennahrung bekommen hatten. Je früher die Vitamingabe erfolgte, desto größer fiel das Risiko aus: In den ersten sechs Monaten erhöhten Vitaminsupplemente bei schwarzen Kindern die Asthmarate und bei den Flaschenkindern zusätzlich die Allergiehäufigkeit. Die Autoren vermuten einen ursächlichen Zusammenhang und verweisen auf In-vitro-Versuche, wonach Vitamine die Differenzierung von Immunzellen beeinflussen können.

    Quelle: Milner JD et al: Early infant multivitamin supplementation is associated with increased risk for food allergy and asthma. Pediatrics 2004/114/S.27-32

    Axel Ebert

  2. So ein Schmarren!

    Ich bin keineswegs leichtgläubig, aber ich nehme Vitamin C-Brausetabletten in der kälteren Jahreszeit seit Jahrzehnten sowohl vorbeugend, wie auch dann, falls mich jemand doch einmal mit Viren(Schnupfen etc.) angesteckt hat.
    a) Ich kann dem Vitamin C durchaus bestätigen, dass es mir erstens hilft, das Immunsystem zu stärken, um nicht so sehr anfällig für Erkältungen und Infektionen zu sei, zweitens, dass es mir im Falle einer doch erfolgten Infektion hilft, besser und effizienter mit der Infektion fertig zu werden!
    b) ein sehr guter Freund von mir, der jahrelang immer im November/Dezember infektionsanfällig und erkältet war, hat seit etwa 5 Jahren auf meinen Rat hin in diesen Monaten regelmäßig vorbeugend Vitamin-C-Brausetabletten genommen - seither war er in diesen Monaten kein einziges Mal mehr krank!
    Mag es auch kein Wundermittel sein: mir - und auch meinem Freund - hat es IMMER geholfen!!!
    HV, Wien!

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    *lach* so bekommt der begriff eine neue bedeutung.
    aber wenns hilft ist es letzten endes ja egal woher die hilfe kommt.

    ich, um beim betrachten von einzelfällen zu bleiben, bekomme auf extra vitamin C dosen immer nur verdauungsprobleme und magenschmerzen.

    *lach* so bekommt der begriff eine neue bedeutung.
    aber wenns hilft ist es letzten endes ja egal woher die hilfe kommt.

    ich, um beim betrachten von einzelfällen zu bleiben, bekomme auf extra vitamin C dosen immer nur verdauungsprobleme und magenschmerzen.

  3. *lach* so bekommt der begriff eine neue bedeutung.
    aber wenns hilft ist es letzten endes ja egal woher die hilfe kommt.

    ich, um beim betrachten von einzelfällen zu bleiben, bekomme auf extra vitamin C dosen immer nur verdauungsprobleme und magenschmerzen.

    Antwort auf "Vitamin C"
  4. 1) Unsere aktuelle Nahrung ist mittlerweile so denaturiert, dass es praktisch gar nicht mehr möglich ist, die wirklich erforderlichen Mengen von Vitamin C zu sich zu nehmen. Eine zusätzliche Einnahme von Vitamin C wird neben einer ausgewogenen Ernährung deswegen immer bedeutender.

    2) Unser Darm ist mittlerweile durch schlechte Ernährung so verschlackt, dass es dem Körper bei Vitaminen und Nährstoffen gar nicht mehr möglich ist, diese über die Darmzotten in ausreichender Menge aufzunehmen. Werden sehr grosse Mengen an Vitamin C bei geschädigtem Darm oral aufgenommen (und welcher Darm ist heutzutage nicht geschädigt?) verpufft hier natürlich ein Anteil. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung mit einer chronisch entzündlichen Darmproblematik, die ich aber definitiv und ohne Umschweife mit einer intravenösen Hochdosis Vitamin C Therapie bestens und ohne Nebenwirkungen in den Griff bekommen habe. Was die Schulmedizin in Jahren nie leistete.

    3) Die allgemein propagierten empfohlenen Tagesmengen an Vitamin C sind viel zu niedrig! Es gilt als erwiesen, dass die vom Körper in Stress und Krankheitssituationen benötigte Menge ein vielfaches der empfohlenen Tagesmengen überschreitet. Die vielfältigen zunehmenden Belastungen in der heutigen Zeit sind Stress pur für unseren Körper

    4) Vitamin C dient mit als Hauptaktivator des Immunsystems, das ist unumstritten...

    Es ist sicher kein Wundermittel. Bedenklich finde ich es aber, wenn die wahre Bedeutung heruntergespielt wird...

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