Cool in der Krise
Was ist aus der German Angst geworden?
Mitten in der Wirtschaftskrise regen sich die Deutschen nicht mehr auf als die Bürger anderer Nationen auch. Die Lust an der Apokalypse ist ihnen vergangen

© Sean Gallup/Getty Images
Unbeschwert – trotz Krise: Die Deutschen jammern weniger
Wie deutsch sind wir eigentlich noch? »Deutsch«, das war doch immer das ungeliebte Wort für ungeliebte Eigenschaften, für Größenwahn und Krisenangst, für mörderisches Pathos und feige Sentimentalität. »Wenn der Deutsche beginnt, Angst zu haben, wenn sich ihm die geheimnisvolle deutsche Angst ins Gebein schleicht, dann erst erregt er Schrecken und Mitgefühl. Und gerade dann wird der Deutsche gefährlich.« Das schrieb der italienische Schriftsteller Curzio Malaparte 1944 in seinem Roman Kaputt, und er wusste, wovon er redete, denn sein Vater war Deutscher.
So ist es ja immer gewesen, dass die Deutschen entweder andere das Fürchten lehrten oder sich vor sich selber fürchteten. Nun merken wir, dass etwas sich verändert hat; das heißt, die anderen merken es. Roger Cohen, der Berlin-Korrespondent der New York Times, schrieb kürzlich in der Süddeutschen: »Die Welt steht Kopf – die Lage ist fürchterlich, aber die Deutschen sind glücklich!«
Das ernsthaft zu behaupten wäre eine kleine Übertreibung, denn natürlich machen sich die Deutschen Sorgen wegen der Wirtschaftskrise, sie fürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes, sie erwarten eine Minderung ihrer Einkünfte. Aber internationale Umfragen zeigen, dass sie mit solchen Ängsten durchaus nicht an der Spitze der befragten Nationen stehen, sondern im Mittelfeld. Auf die Frage nach den dringlichsten öffentlichen Aufgaben nannten 57 Prozent der Deutschen im Jahr 2009 das Thema Arbeitslosigkeit, 2008 waren es 53 Prozent, 1998 aber 86 Prozent. Dass es mit der Wirtschaft insgesamt eher abwärts gehe, vermuteten im vergangenen April 61 Prozent, im März waren es noch 70 Prozent gewesen.
Man kann die Solidität einzelner Umfragen mit Fug bezweifeln, aber nicht bezweifeln lässt sich, dass sie nicht das geringste Indiz für Radikalisierungen, gleich welcher Art, enthalten. Es müssten sich ja, aller historischen Erfahrung nach, ökonomische Krisenerfahrungen in einem sichtbaren Zulauf zu radikalen Parteien äußern. Nichts davon ist zu sehen. Zwar gibt es, vor allem in den neuen Bundesländern, einen harten Kern neofaschistischer Antidemokraten, aber erstens ist der in Frankreich oder Italien nicht kleiner, zweitens gab es ihn schon vor der Krise, und dass er jetzt wachsen wird, ist keineswegs ausgemacht.
Es sieht so aus, als müssten die Deutschen ihr Bild von sich revidieren. Vielleicht sind wir gar nicht mehr so deutsch, wie wir glauben. Die netteste Form des deutschen Klischees findet sich im Märchen von der klugen Else, die in den Keller geht, um für ihren Verlobten Hans einen Krug Bier zu zapfen, und, als sie über dem Fass eine schwere Hacke hängen sieht, zu weinen und zu klagen anfängt: »Wenn ich den Hans kriege, und wir kriegen ein Kind, und das ist groß, und wir schicken das Kind in den Keller, dass es hier soll Bier zapfen, so fällt ihm die Hacke auf den Kopf und schlägt’s tot.« Ja, diese Zukunftsangst und Gegenwartsflucht, diese selbstquälerische Unfähigkeit zum Genuss, diese Lust an der Sorge: All das kommt uns bekannt vor, und es passt in dieses Land der dicken Sparbücher und Leitz-Ordner mit Versicherungspolicen.
Aber es stimmt nur zur Hälfte. Erinnern wir uns an die Fußballweltmeisterschaft 2006. Als die ersten schwarz-rot-goldenen Fahnen von den Balkonen und aus den Autofenstern flatterten, sank manch Älterem das Herz in die Hose, ihn ergriff die Furcht vor einem teutonischen »Wir sind wieder wer«. Aber dazu ist es nicht gekommen, glücklicherweise, und die Welt erlebte die Deutschen als ein Volk freundlicher Hedonisten.
Wie kam das? Erste Vermutung: Die Angst aller Ängste, die Angst vor Krieg und Vernichtung, hat sich vermindert. Dieses Land lebt seit 65 Jahren im Frieden. Dass er halten würde, danach sah es lange nicht aus. 1948/49 Berliner Luftbrücke, 1953 Aufstand in Ost-Berlin, 1956 Sues-Krise und Ungarn-Aufstand, 1961 Bau der Berliner Mauer, 1962 Kuba-Krise, 1967 Sechstagekrieg. Jedes Mal hatte man das Gefühl, gleich komme es zum großen Schlag, sei alles endgültig vorüber. Ich erinnere mich, wie meine Mutter weinend rief: »Es gibt Krieg!« (das war 1956), und wie Speiseöl gebunkert wurde. Und dann, als die Deutschen sich anstrengten, sich als ein ganz normales Volk darzustellen, indem sie die »heiteren Spiele« von München (1972) veranstalteten, da kam wie eine Rache des Schicksals der Terrorangriff auf die israelische Delegation.
Das Seltsame ist nun, dass die nachfolgende Generation, die den Krieg nicht mehr selber erlebt hatte, die Kriegsangst der Eltern in andere Angstgebiete verlagerte, ins Waldsterben, ins »Ende des Wachstums«, in die Nachrüstung, in den »Atomtod«, in die ökologische Katastrophe. Von heute aus gesehen, kann man sagen, dass die Grünen an ihrem Anfang vor allem eine Angstpartei gewesen sind. Die apokalyptischen Sehnsüchte erreichten ihren Höhepunkt 1983, als The Day After in die deutschen Kinos kam. Er schildert die Fiktion, sowjetische Flugzeuge hätten Würzburg angegriffen, woraufhin die Automatik des atomaren Schlags und Gegenschlags in Gang kommt. Der Film war erbärmlich, aber er traf das Lebensgefühl nicht weniger Menschen. Die Evangelische Akademie Hofgeismar veranstaltete damals eine Tagung mit dem Titel Freizeit in der Endzeit, wo Vorträge über Themen wie Apokalyptisches Erbe – apokalyptische Gegenwart gehalten wurden.
Das Ausland beobachtete diese hysterischen Erscheinungen mit wachsender Verwunderung, es entstand der Begriff der German angst. Dass diese Angst sich in Aggression verkehren könnte, war keine irreale Gefahr. Der »deutsche Herbst«, der 1977 den Höhepunkt des Terrors der RAF brachte, hatte gezeigt, welch tödliche Energien das teutonische Erbe noch immer hervorbringen konnte.
Man soll nie sagen, etwas sei ein für alle Mal vorbei, aber ein unbefangener Blick auf die Gegenwart lehrt, dass die alte Mechanik aus Angst und Aggression schwach geworden ist. Natürlich gibt es immer wieder Gegenbeweise, aber in der jetzigen Wirtschaftskrise geschah es nicht in Deutschland, dass Banker oder Manager attackiert wurden, sondern in England und Frankreich.
Die »sozialen Unruhen«, obwohl Gesine Schwan vor ihnen gewarnt hat, sind bislang nicht eingetreten, und es gibt auch keine Voraussetzungen dafür, wenn man darunter eine levée en masse versteht. Die Masse – als unheimliches Tier, als politisch explosive Macht – ist, wenn auch nicht verschwunden, so doch vom allgemeinen Prozess der Individualisierung geschwächt worden. Die Versammlung von Attac-Anhängern oder von Gegnern der Castor-Transporte wird man nicht Masse nennen können. Es sind immer nur gesellschaftliche Teilmengen, die ihr soziale oder kulturelle Herkunft und bestimmte Ziele gemeinsam haben.
Was immer man von der jüngeren Generation weiß, sie scheint sich wieder einer »skeptischen« zu nähern, wie Helmut Schelsky 1957 eine ganz andere Generation genannt hat. Durchaus engagiert für soziale Fragen, keineswegs gleichgültig gegenüber der Erderwärmung oder dem Raubbau an natürlichen Ressourcen, ist sie doch insofern skeptisch, als sie relativ enttäuschungsresistent scheint, wenig berührt von Heilsversprechungen. Ihre Entpolitisierung wird zuweilen beklagt, aber man darf nicht vergessen, dass dies nur die Kehrseite einer durchaus pragmatischen Haltung ist, die sich weniger am Begriff der Menschheit berauscht und eher den Menschen im Blick hat.
Deutschland hat sich verändert. Was gab es nicht für Befürchtungen, als die Wiedervereinigung den Deutschen über Nacht in den Schoß fiel! Manche erwarteten die Wiederkehr des alten preußischen Ungeistes, andere einen »linken Wilhelminismus«, wieder andere die »Berliner Republik«, was immer das heißen sollte. Stattdessen trat etwas ein, mit dem niemand gerechnet hatte: Normalisierung.
Sie hat sich in der Hauptsache nicht, was man hätte befürchten können, mit Überheblichkeit und Geschichtsvergessenheit gepaart. Von der rechtsradikalen Minderheit abgesehen, ist die deutsche Schuld Teil des kollektiven Selbstbildes, gerade auch in der jüngeren Generation. Inkarnation dieser Normalisierung ist zweifellos die Kanzlerin. Dass eine Person von derart sprödem Charme, sozusagen das wandelnde Augenmaß, in diesem Land eine gewisse Beliebtheit erringen konnte, ist ebenfalls ein Zeichen des Wandels.
Die Deutschen heute sind nicht neurotischer oder hysterischer als andere Völker. Insofern sind sie gar nicht mehr richtig deutsch – in dem alten, aufgeladenen Sinn. Sie sind wieder, was sie ursprünglich waren, ein bunter, uneinheitlicher Haufen, jetzt aber gemischt aus Protestanten, Katholiken und Muslimen, aus Bayern, Preußen, Polen und Türken. Im Hass gegen die Fremden zeigen sich noch Reste der alten Mentalität, das ist leider wahr. Aber Fremdenhass ist keine deutsche Besonderheit. Dies ist vielleicht das Auffälligste: dass der ewige deutsche Wahn, etwas Besonderes sein zu wollen oder zu müssen, verschwunden ist.
Das Einzige, was man noch deutsch an uns nennen muss, ist das alte Selbstmisstrauen, das jetzt wieder unkt: Wartet nur ab, wenn die Krise erst richtig spürbar wird, dann wird man sehen… Wir werden sehen. Man sollte sich aber, nur um recht zu behalten, nicht wünschen, dass es hart auf hart kommt.
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- Datum 17.5.2009 - 21:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 14.05.2009 Nr. 21
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Die Zukunftsgefahren die im "Atlas der Globalisierung" aufgelistet sind und behandelt werden:
http://www.monde-diplomat...
sollten unsere berechtigten Sorgen auslösen. Eine gesunde Angst - keine Panik -
kann zum Motor eines zukunftsfähigen und damit "weisen" Handelns werden.
Gefährlich sind die Manipulateure der Angst, die - auch in der ZEIT - steuern, wann wir Angst haben sollen und wann nicht:
- zur Bankenrettung: ja, da sonst die Weltwirtschaft abstürzt
- vor der Weltwirtschaftskrise: Nein (Herr Schieritz) : Danken wir dem Staat, wenn er nicht eingegriffen hätte, wäre alles viel schlimmer gekommen.
- vor der Kernenergie: keinesfalls (Herr Joffe), da man sie für die nächsten Jahrhunderte
völlig im Griff hat und die Gefahren alle überschaut, wie bei der Bankenkrise
- vor den Atomwaffen und den anderen Todes-Mitteln: nein, denn sie sichern ja unsere Sicherheit und die Arbeitsplätze
- usw. usw.
Auf jeden Fall sollten wir uns nicht auch noch die "gesunde Angst" verteufeln und die berechtigten Sorgen nicht vernebeln lassen.
Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sie verhindert vernünftige Lösungen. Angst essen Seele auf. Ohne Seele sind keine vernünftigen Entscheidungen zu treffen. die Besessenheit von Angst verhindert Kreativität.
Angst kommt von Enge, von Engstirnigkeit, von fehlenden Handungsspielräumen, von fehlender Freiheit.
Nicht Sorge sollte unser Leben bestimmen sondern Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Hoffnung ist begründet. Uns geht es gut.
Der Physiker, Philosoph, Friedensforscher und Universalgelehrte Carl Friedrich von Weizsäcker spricht von einer "Vernunft der Affekte" , zu denen auch die Angst gehört: Affekte können Gefahren wahrnehmen und darauf reagieren:
Sie werden sich erinnern, dass bei dem verheerenden TSUNAMI viele Tiere aus ANGST (GESPÜR, AHNUNG) also aus dem Affekt heraus flüchteten: sehr "vernünftig" !
Ihr Vertrauen in die Vernunft und in den Verstand ehrt Sie, allerdings verkennen Sie die Eigendynamik komplexer historischer Prozesse:
Glauben Sie dass irgend jemand 1933 oder auch 1939 "vernünftig/rational" geplant oder gedacht hat, wo die Welt 1945 stehen wird: Einschließlich der Hiroshima-Uran-Atombombe und Nagasaki-Plutonium-Atombombe ? Alles "vernünftig"/rational ?
Haben Sie wirklich keine Angst, dass Israel den Iran bombadieren könnte ?
Sie vertrauen völlig darauf, dass die Vernunft von selbst siegen wird und wir uns zurücklehnen können ?
Immanuel Kant lässt sich an Rationalität und Vernunft kaum übertreffen,
aber sein Vertrauen in die menschliche Vernunft war nicht so blind.
Also: Hoffentlich bekommen wir genügend "vernünftige Angst" = Furcht vor der Klimakatastrophe, vor dem Irrsinn der Waffenverbreitung, vor den Rückwirkungen der Armut, so dass wir die vernünftigen Lösungen wenigstens ansteuern !
Das neue Spießbürger wählt grün und liest taz.
Mal davon abgesehen, dass ich es für einen intellektuellen Stunt halte, Attac und Castor in einem Atemzug zu nennen, bin ich kein Deutscher - ich bin Hamburger.
Und als solcher "erg trots erop dat steds meer Nederlanders naar Hamburg komen omdat ze van onz en onze plaatsje houden. Iets verklaarbaars natuurlijk. Want we weten wat het betekent met water te leven."
Da könnt ihr alle noch so bunt sein.
Eine Übersetzung ins Deutsche wäre schön. Dass wir Deutsche dazulernen können.
es gibt hiervon ja auch die friedlich-wohlorganisierte Variante. Das ist schon wahr. Und die ist eben viel besser als die chaotisch-kriegerische Vision, die letztlich keiner will. Ersteres könnte aber als kleinster gemeinsamer Nenner akzeptiert werden. Die Gefahren wurden, auch von der Presse und den Medien (wohl) schon damals nicht so genau beschrieben. Wie wir heute gesagt bekommen, gab es schon auch ein paar weitere kritische Kalte-Kriegs-Situationen, wo es schon zu einem heißen (End-)Krieg hätte kommen können. Man hatte dies zunächst wohl nur nicht mitgeteilt. (Zumindest ist dies im Osten so gewesen.) Freu'n wir uns des Lebens - auch wenn alles ist vergebens...
Hallo Tobias
Ich glaube nicht, dass der Mensch gleichzeitig so mächtig und so dumm ist, dass er diesen schönen Planeten vernichtet. Wohl kann er ihn x-fach atomar zerstören, aber selbst Nordkorea wird das nicht tun - Obama und die Russen schon gar nicht. Das sind doch Horrormärchen.
Nein. Der Mensch ist nicht mächtig und dumm, sondern mächtig und intelligent. Nur wenige neigen zum Selbstmord. Und die sind krank.
Nutzen wir unsere Intelligenz für den Frieden und für ein gutes Leben. Bringen wir die Intelligenz durch Bildung zum Wachsen.
Gruss
"Wenn die ganze Welt in Panik ausbricht, nur einer nicht, dann entgeht ihm vielleicht der Ernst der Situation."
So scherzt man in Amerika, doch Ernst beiseite, so schlimm wie 1930 ist die Situation tatsächlich nicht. Die Zentralbanken der Welt haben aus der damaligen Krise gelernt und treffen diesmal entsprechende Vorkehrungen. Gefährlich sind lediglich die Politiker -- durchweg Laien -- die angesichts der Krise tatsächlich Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen erwägen, wo nur massive Steuersenkungen und Stimulationsprogramme Abhilfe schaffen können.
Gut dass wir die Komiker und sonstigen Hofnarren noch haben. Diese Wirtschaftskrise ist nur noch mit Humor zu ertragen. Sonst geht das Abendland wirklich noch unter. Halten wir durch mit unserem Humor. Überstehen wir die Krise mit einem Lächeln - einem Lächeln über die armen reichen Manager. Nach der Krise brauchen wir den Humor nicht mehr. Da sind wir wirklich glücklich.
Ob und wieviel Angst die Deutschen - übrigens auch Menschen anderer Nationen - haben, ist vor allem eine Frage der Formulierung.
Ich wette, wenn ich auf eine bestimmte Art frage, werden die Menschen mir letztlich auf das Gleiche SO oder SO antworten. Und dabei lügen sie selbstverständlich nicht. Ja, sie widersprechen sich unter Umständen noch nicht einmal wirklich, sondern haben nur auf ASPEKTE geantwortet.
Die meisten Menschen merken doch gar nicht, wie sie schon bei Umfragen manipuliert werden. Oder man berausche sie nur vorher ein wenig visuell oder akustisch. Was glauben Sie wie anders-verschieden die Antworten von einer auf die andere Stunde bereits ausfallen würden.
Angst-haben ist doch keine Krankheit. Ein seelischer Defekt! ... Doch, sicher, es gibt auch Angstneurosen (aber die sind hier nicht gemeint). Man könnte aber auch ebenfalls dann anführen, dass es so etwas wie Schönschwätzwahn gibt oder die Pathologie des Schwach-Sinnes, der weder über ausreichende Information verfügt, noch Phantasie, noch Interesse und allein schon deshalb "angstfrei" ist, weil sein Horizont halt sich mit völlig anderen Dingen des Lebens beschäftigt - durchaus kompetent, aber sehr eingegrenzt.
Angst wie auch nicht Angst zu haben, kann in BEIDEN FÄLLEN je nach Individuum, Lage, Frage, aktueller Befindlichkeit, Information usw. usw. eine Frage von gesunder Intelligenz sein, eine Frage politischer oder gesamtgesellschaftl. Tumbheit, mangelnder Phantasie oder tatsächlich auch Krankheit sein.
Meine "Angst" im Sinne einer Sorge beispielsweise wird vermutlich nur von einer äußerst kleinen Minderheit geteilt und käme vermutlich in keiner Umfrage so vor: Angst vor weiter sich umgreifender Dummheit, die das Zepter immer fester in die Hände bekommt - obschon die intelligenten ALternativen in jedem Volk durchaus reich vorhanden sind.
Ich würde ja gerne dagegen halten- ich bin nur in einem Punkt anderer Meinung: Die Sache mit der Dummheit. Die ist immer gegeben und die unterscheidet sich m.e. in prinzipiell in 2 große Gruppen:
- Dummheit mangels oder falscher Informationen
- Dummheit mangels Intellekt oder Faulheit
Beide Gruppen sind auf Ihre Weise manipulierbar.
Gruppe 1 ist einfach und läuft uns permanent über den Weg wie zum Beispiel bei Rumsfeld vs NATO, Kinderpornografie vs Internet oder einfach nur der "moderne" Wahlkampf oder "embettet" Journalismus. Hier reicht meist falsche, bzw, manipulierte Wahrheit aus, um eine Endscheidung in "meinem" Sinne zu erreichen.
Gruppe 2 scheint einfacher, ist es aber nicht. Um in einer Gruppe den Anteil der Personen zu erhöhen die zu Faul zum Nachdenken sind, bzw die nie gelernt haben "intellektuell" zu sein, erfordert langfristige Planung und zum Teil richtig Geld um den tatsächlichen "Intellektuellen" ein so gemütliches Pöstchen zu verschaffen, daß dieser eingelullt wird.
Dummheit wird nie das Zepter schwingen, aber bei richtiger Manipulation der Dummen werden diese das Zepter "gerne" in die Hände Ihres Schlächters geben.
Davor sollte man Angst haben und notfalls mit zivilen Ungehorsam dagegen vorgehen, oder sich zumindest mit einmischen wie jetzt bei v.d.Leyen vs. Internet und seine Stimme bereits im Vorfeld geltend machen. Solange es noch geht.
https://epetitionen.bunde...
Zetti
Nein. Man MUSS keine Angst haben um als intelligent angesehen zu werden. Es darf keine Pflicht zu Angst und Sorge geben um als verantwortlich zu gelten. Man DARF auch glücklich und angstfrei sein. Man darf sich die Folgen des Klimawandels intellektuell am A...vorbei gehen lassen wenn das dem eigenen Wohlbefinden dient - Hauptsache man lässt das alte Auto in der Garage und baut sich eine Solaranlage. Es wäre doch schön,wenn wir auch in D. in 20 Jahren mediterranes Klima hätten...:-)
das sind aber die Älteren, die tun es wohl nach wie vor. Aber die bestimmen nicht mehr dermaßen Alltag und Medien. Zum Glück.
Immer wenn ich auf Welt.de oder anderen Nachrichtenseiten abstruse Kommentare sehe (die springen einem wenn man einen Artikel liest am unteren Ende der Seite ja meist leider direkt in's Auge vor lauter Ausrufezeichen und Großbuchstaben) dann sind diese mit "muß" geschrieben (alte Rechtschreibung) und geben auch was Wortwahl angeht eher Anlaß einen Autor der Generation 40+ zu vermuten. Ganz ohne dass ich Linguistiker bin..
und ich begegne nach wie vor im Supermarkt älteren Herrschaften die an der Kasse mit sächsischem Akzent über "die da oben" und die Preise jammern und sich mit einem "kann man nix machen" verabschieden - nein wie lebensfroh und vergnügt.
Ich hab' ein Buch von einem amerikanischen Spezi gezeigt bekommen, was für Ausländer geschrieben wurde von einem in Deutschland lebenden Ausländer - also der "Blick von Außen". Da durchzieht das ganze Werk die Feststellung dass Jammern und Meckern einfach zur deutschen Mentalität gehört, zum normalen "socialising". Die Briten unterhalten sich über's Wetter, die Deutschen jammern gemeinsam. Und man solle darüber nicht irritiert sein wenn wohl genährte, gut gekleidete, gepflegte Menschen die an einem sonnigen Tag in einem gemütlichen Straßencafe sitzen nichts besseres zu tun haben als eine ganze Stunde lang en Detail aufzuzählen "warum" in Deutschland einfach alles furchtbar ist. Die Deutschen seien so.
Nun, offenbar nicht mehr. Aber auch darauf wird reagiert, man wirft meiner Generation deswegen ja wechselweise Oberflächlichkeit, Ignoranz oder Hedonismus vor (als ob es was anrüchiges wäre einfach die wenigen Tage auf Erden genießen zu wollen, "trotz" der im Lamento vorgetragenen Abendnachrichten).
Ganz klar, die Sorgen der älteren sollten nicht die Sorgen der Jüngeren sein... Die Argumente ebenfalls nicht...
Mit einem gepflegten Hedonismus ist es aber auch nicht getan. Dies geht generell nur so lange gut wie man autonom überleben kann, was heute einfacher zu bewerkstelligen ist als früher. Nicht nur ältere kann das Schicksal so treffen das Hilfe von 2ten oder 3ten nötig ist um nicht "zu verrecken"...
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“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Jetzt erst mal aufsteh'n, duschen und 'n Kaffee machen
das Ganze vergessen oder einfach drüber lachen
aber wie hat der Freak gestern richtig gesagt?
die Dinge laufen falsch, auch wenn sich keiner beklagt
er sagt: die Menschen vertragen mehr, als sie zu sagen wagen
aber auf die Dauer schlagen ihnen Dinge auf den Magen
doch anstatt andern Menschen in den Magen zu hau'n
wird alles schön geschluckt und beim Versuch es zu verdau'n
musste er ganz einfach kotzen und da sind wir beim Problem:
obwohl sich alles um uns dreht, bleiben wir hier oben steh'n
in der Bewegung liegt die Kraft, habt ihr das nicht gerafft
der Stillstand ist der Tod und der geschieht massenhaft
wir alle sind dabei und selber so dicht dran
und der Typ klinkt sich aus, weil er es nicht ertragen kann
er spricht von Menschen, die verrecken in den Straßen, in den Ecken
direkt vor andern Menschen, die erschreckt zurückschrecken
oder aber weitergeh'n, weil sie es gar nicht seh'n
nicht hör'n, nicht fühl'n und erst recht nicht versteh'n
da ist einer am Krepier'n und liegt in seinem Kot
doch die Leute, die ihn ignorier'n, sind schon lange tot
sitzt der Penner in der Ecke, dann sieh ihn Dir an
es könnte ich sein, vielleicht bist Du es irgendwann
doch uns're Bäuche sind zu voll und uns're Köpfe zu leer
der Typ resigniert und er hat keine Hoffnung mehr
doch dann kommt seine Theorie und seine Augen werden groß
denn der Gedanke an das Ende lässt ihn nicht mehr los
was wir zum Leben brauchen, wird sich gegen uns stell'n
ich denk noch: Alter locker bleiben, mach mal keine Wellen
er springt auf und zeigt zum Himmel, sagt: von dort wird es kommen
ich versuch was zu erkennen, doch ich sehe zu verschwommen
und dann dreht er sich zu mir und sagt: Du wirst es noch erleben
und ich frage ihn: was? - Es wird Regen geben
[Anm.: Bitte beachten Sie die hier geltenden Regeln bezüglich Copyright. Großflächiges Kopieren fremder Texte wird hier nicht gewünscht, beschränken Sie sich stattdessen bitte auf den Link zur Quelle und eine kurze Zusammenfassung in eigenen Worten. Danke. /Die Redaktion pt.]
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