Lange wurden sie belächelt – die Professoren in Turnhosen und Trainingsjacken. Ihr Studium wurde als "Robinson-Club mit Scheinvergabe" verspottet, ihr ganzer Stolz, die Sporthochschule in Köln, als "größte Freizeitanstalt Deutschlands". Nicht viel besser war der Ruf ihrer Studenten. Durchtrainierte Oberkörper, Muskelshirts und knappe Sprinterhöschen – die Sportstudenten schienen sich vor allem um eines zu kümmern: das Stählen ihres Körpers. Doch das Image als Spaßstudium tat der Attraktivität des Faches bis heute keinen Abbruch. Jahr für Jahr bewerben sich zahlreiche Abiturienten an den sportwissenschaftlichen Instituten von Kiel über Köln bis nach Freiburg. Doch die wenigsten können ihr Studium ohne die entscheidende Hürde aufnehmen: den berüchtigten und gefürchteten Sporteignungstest.

Ein bis zwei Tage lang wird gelaufen, geschwommen, gestoßen und natürlich geschwitzt. Manchmal sind es Sekunden oder Millimeter, die über den Studienplatz entscheiden. Im Wintersemester 2007/08 ergatterten 2992 Bewerber einen Studienplatz. Allesamt sind sie sportlich, der Frauenanteil liegt bei etwa 50 Prozent, zwei Drittel möchten Lehrer werden. Doch so beliebt das Fach bei den Studenten ist, so stiefmütterlich wird es von den anderen Fachbereichen behandelt. Ein Dilemma.

Zu wenig Wissenschaft, zu viel Sport ist der unausgesprochene Vorwurf, der durch die Universität geistert: Professionalisierte Hobbysportler und Sportlehrer, ist das alles, was die deutsche Sportwissenschaft hervorbringen kann? Nein, sagen die Vertreter des Faches. Es tue sich etwas auf den universitären Sportplätzen, in den Laboren und Forschungszentren. "Wir sind dabei, das Image des Turnhosen-Professors loszuwerden", sagt Frederik Borkenhagen von der Vereinigung Deutscher Sportwissenschaft (dvs). Genau dies wollen Borkenhagen und die Vertreter des Faches auch durch die erstmalige Teilnahme am CHE-Hochschulranking signalisieren: Die Sportwissenschaft ist auf dem Weg zu einer anerkannten Wissenschaft, die Institute sind bereit zum Wettbewerb untereinander, und sie wollen sich systematisch der Öffentlichkeit präsentieren.

70 Standorte, 300 Professoren und 27000 Studenten

Bei der Beurteilung der Sportwissenschaft wirbt Borkenhagen um Verständnis für die noch sehr junge Disziplin. Was die Sportwissenschaft brauche, sei Zeit, sagt er: Zeit um auf dem wissenschaftlichen Terrain Fuß zu fassen. Erst in den siebziger Jahren etablierte sich das Fach an den deutschen Hochschulen. Bis dahin konzentrierten sich die Universitäten auf die Ausbildung von Sportlehrern, eine systematische, institutionalisierte Auseinandersetzung mit Fragen rund um den Sport gab es nicht. Erst als sich der Sport zu einem Massenphänomen entwickelte, begann man das Fach langsam auch als eine wissenschaftliche Disziplin an den Universitäten zu begreifen. Insgesamt fast 300 Professuren, rund 27.000 Studenten an 70 Standorten gibt es zurzeit in der Bundesrepublik, keine schlechte Bilanz für die knapp vierzigjährige Geschichte der Sportwissenschaft. Sie ist bei Weitem kein Orchideenfach, und dennoch – "Abgesehen von der Sporthochschule in Köln definiert keine Universität ihr Profil über Sportwissenschaft", sagt Wolfgang Schlicht, Direktor des Instituts für Sport- und Bewegungswissenschaft und Prorektor für Lehre und Weiterbildung an der Universität in Stuttgart.

Wenn er über die Geschichte der Sportwissenschaft spricht, benutzt er das Bild des Kampfes, um zu erklären, was sein Fach in den vergangenen Jahren ausgefochten hat. Einen Kampf um Anerkennung und wohl auch die Überwindung eines Minderwertigkeitskomplexes gegenüber den alteingesessenen Traditionsfächern. Und sie schlage sich tapfer, werden die Professoren und wissenschaftlichen Vertreter des Faches nicht müde zu wiederholen.

Was aber machen die Schönsten und Sportlichsten unter den Studenten eigentlich den ganzen Tag? Im Vorlesungsverzeichnis finden sich Kurse wie rhythmische Sportgymnastik, Stabhochsprung II oder Exkursionen wie "Kanu und Windsurfen" in Dänemark. Also doch: ein Spaßstudium? Borkenhagen protestiert: Wer ein Seminar in Stabhochsprung belege, der trainiere nicht nur den Sprung, sondern lerne auch etwas über Motorik oder darüber, welche Muskeln besonders beansprucht würden. Die zentrale Frage sei: Wie vermittele ich Sport und Bewegung an bestimmte Zielgruppen? Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, brauche man Kenntnisse aus anderen Fächern, aus dem Marketing zum Beispiel, der Pädagogik oder der Psychologie. Die Sportwissenschaft sei, sagt Borkenhagen, ein "Gebilde von Natur- bis Geisteswissenschaften".

Sportmanagement, Sportpsychologie oder Sportinformatik heißen die neusten Fächer. Ein besonderer Boombereich sei der des Gesundheitssports – Sport als Prävention von Krankheiten, sagt Borkenhagen. Genau in dieser Interdisziplinarität liegt für Bernd Strauß, Präsident des dvs, die Antwort auf die Fragen: Wie schafft es die Sportwissenschaft, sich auf der universitären Spielwiese durchzusetzen, wie verschafft sie sich Anerkennung bei den anderen Fakultäten?