Studium Sport ist eine Wissenschaft!Seite 3/3

Der hat vor allem mit der neuen Generation von Forschern zu tun, die weniger Berührungsängste haben, die ihr Profil international aufstellen, Sprachen lernen, auf Englisch publizieren und für die Anerkennung der deutschen Sportwissenschaft auf internationaler Ebene sorgen sollen.

Dass die Sportwissenschaft durchaus optimistische Töne verbreiten kann, lässt sich auf europäischer Ebene beobachten: An der Spitze des European College of Sports steht seit vier Jahren ein Deutscher, der Freiburger Professor Albert Gollhofer. Aber genau dieser sieht die Entwicklung der Sportwissenschaft sehr kritisch. Sein Urteil: Viele der wissenschaftlichen Arbeiten entsprächen nicht den gängigen methodischen wie inhaltlichen Standards von wissenschaftlichen Arbeiten: »Solange wir auf diesem Niveau publizieren, werden wir nie mehr als nur Juniorpartner der restlichen Wissenschaften sein, da bringt auch das ganze Vernetzen nichts.«

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Gollhofer und das Freiburger Institut selbst haben Grund, zufrieden zu sein: Besonders bei der Beurteilung der Forschung schneidet sein Institut im Ranking hervorragend ab. Auch die Studenten sind zufrieden mit dem Sportstudium in Freiburg. Einer Bewertung der Universität durch die Studenten misst Gollhofer jedoch keine zu große Bedeutung bei, denn er glaubt: »Bei so einer Bewertung geht es weniger um die Lehre, sondern mehr um den Standort.« Im sonnigen Freiburg mit dem angrenzenden Schwarzwald ließe es sich eben gut Sport studieren, ist seine Meinung.

Ebenfalls zur Spitzengruppe bei der Forschungsreputation gehört die Tübinger Universität. Gute Karten bei den Studenten hat die Universität Bayreuth. Keine gute Beurteilung bekam die Universität Marburg.

Fragt man Ralf Laging, Professor in Marburg, nach den Ursachen, fallen ihm zuerst die Sportstätten im Außenbereich ein, diese würden aber noch in diesem Sommer renoviert. Auch bei den Forschungsgeldern, die die Fakultät erhält, gehört die Universität zur Schlussgruppe. Wirklich erklären kann Laging das Ergebnis nicht, mit der Arbeit seines eigenen Teilbereiches ist er zufrieden: »Natürlich könnten einige meiner Kollegen mehr wissenschaftliche Projekte anstoßen, ich bin aber mit meiner Forschung mehr als ausgelastet.«

Die Premiere der Deutschen Sportwissenschaft beim CHE-Ranking wird also – ganz unabhängig von den einzelnen Ergebnissen – Diskussionen an den einzelnen Standorten verursachen - und natürlich auch über sie. Der Wissenschaft kann dies nur guttun.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Nach fünf Jahren Sportstudium habe ich mir über diesen Artikel verwundert die Augen gerieben.
    Zur Begriffsbestimmung Sport: wir sprechen im Grunde von Bewegung.In welchem Rahmen diese stattfindet ist eine andere Frage.Historisch betrachtet entwickelte sich der moderne Sport aus den sog."sports" der englischen Oberschicht, die im Laufe der Zeit immer mehr Verbreitung in der Gesellschaft fanden. Bis zur Organisation in Vereinen mit gegenseitigem Wettkampf.
    "Sport" meint also die Bewegung im Wettbewerb in unter vorher festgelegte Regeln gestellten Organisationsrahmen.
    Ich kann da keine originäre Wissenschaft erkennen. Sport ist vielmehr eine Bindestrich-"Wissenschaft":"Und zu gut darf die Zusammenarbeit mit anderen Fächern dann auch wieder nicht funktionieren, denn hinter jeder erfolgreichen Kooperation lauert schon die nächste Gefahr für die Sportwissenschaft..."
    Man kann nur von der Psychologie,Pädagogik/Didaktik&Soziologie des Sports sprechen,nie von Sport als Wissenschaft an sich. Von daher kann man auch das Trinkverhalten dreißigjähriger Männer in Kneipen wissenschaftlich untersuchen, es macht dieses noch nicht zur Wissenschaft! Analog kann Sport als unter Regeln gestellte und in Wettbewerb ausgeführte Bewegung allenfalls wissenschaftlich betrachtet werden.Bewegung und Gesundheit korrelieren,das weiß jeder,auch ohne Wissenschaft!

    Rettung und Anerkennungsgewinn wäre ein Wandel hin zur Bewegungswissenschaft,in der der Sportrahmen nur ein Teilaspekt dieser Wissenschaft ist!

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