DesignstudiumBöse Kaugummis

Warum ein Wuppertaler Student Wrigley & Co den Kampf ansagte von Christian Fuchs

Der Kampf gegen Kaugummi auf den Straßen ist für Diplomand Sonntag noch nicht verloren

Der Kampf gegen Kaugummi auf den Straßen ist für Diplomand Sonntag noch nicht verloren  |  © Marcus Sonntag

DIE ZEIT: Sie haben Ihre Abschlussarbeit in Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Wuppertal über den Kaugummi geschrieben. Dieser soll, so behaupten Sie zumindest, »das größte Reinigungsproblem in europäischen Metropolen« sein. Was haben Sie denn gegen Kaugummis?

Marcus Sonntag: Gar nichts, ich kaue selbst sehr gern mal einen. Aber den entsorge ich danach auch sachgerecht. Es ist doch lästig, wenn Kaugummis auf die Straße gespuckt werden. Das bestätigt jeder, der schon mal einen an der Schuhsohle hatte. Mir sind die vielen Flecken auf den Fußwegen der Innenstädte aufgefallen. Für die Städte sind Kaugummis ein riesiges Reinigungsproblem.

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ZEIT: Weshalb?

Sonntag: Jeder Kaugummi muss einzeln mit einer Heißdampfmaschine entfernt werden, das dauert zwei Minuten und kostet bis zu drei Euro – pro Kaugummirest. Insgesamt kommen da 900 Millionen Euro für die deutschen Städte pro Jahr zusammen. Einige Kommunen haben den Kampf bereits aufgegeben. Sie bestrafen die Spucker nur noch mit Bußgeldern um die 25 Euro.

ZEIT: Sie haben ein anderes Konzept?

Sonntag: Ich möchte vorbeugend kommunizieren, mit Spaß und Humor. Ich will die Leute überraschen. Neben 163 Plakat-Ideen benutze ich auch ungewöhnliche Kommunikationskanäle: Eine Idee ist, Zebrastreifen in Kaugummistreifen zu verwandeln, indem man die Recyclinginformationen von der Verpackung eins zu eins auf den Zebrastreifen malt. Oder ich bringe die Linien eines Basketballfeldes im Kleinen vor einem Mülleimer an. Damit wird die Aufmerksamkeit auf den Eimer gelenkt. Mir ist aufgefallen, dass Städte immer häufiger versuchen, die Müllbehälter farblich ins Stadtbild zu integrieren, da übersieht man den Abfalleimer aber schnell.

ZEIT: Haben Sie keine Sorge, dass die 380 Seiten Ihrer Arbeit nur Theorie bleiben?

Sonntag: Nachdem ich mit meinem Diplom einige Preise gewonnen habe, sind die Stadtwerke Wuppertal an meinen Ideen interessiert. Gerade hat mich auch die Berliner Stadtreinigung eingeladen, um meine Ideen dort vorzustellen.

Interview: Christian Fuchs

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Leserkommentare
  1. Vielleicht schafft es die Firma Wrigley oder eine andere innovative Kaugummifirma ja eines Tages, den "sich-selbst-auflösenden Kaugummi" auf den Markt zu bringen.

    Zwar sind ewig haltbare Kaugummis ganz nützlich, das eine oder andere Loch zu stopfen, aber insgesamt gesehen sind sie doch ein Ärgernis - ein unnötiges, noch dazu.

    aj

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  • Schlagworte Bußgeld | Diplom | Euro | Humor | Verpackung | Arbeit
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