Zwischen der staatlichen Abwrackprämie und den dringend benötigten Investitionen in die Bildung gibt es in diesen Tagen zwei wesentliche Unterschiede. Erstens: Der gesamtgesellschaftliche Nutzen leistungsfähiger Hochschulen ist durch zahllose Studien und den gesunden Menschenverstand nachgewiesen – die Wirkung der Prämie ist es nicht.

Zweitens: Die Prämie, nach ihrer Aufstockung fünf Milliarden Euro schwer, hat die Große Koalition im Rekordtempo durchgewinkt, nach dem Motto: Nur nicht kleckern in der Krise. Den 6,2 Milliarden Euro teuren Hochschulpakt II hingegen, vielleicht die wichtigste bildungspolitische Investition für das nächste Jahrzehnt, hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) unter Haushaltsvorbehalt gestellt, und auch seine Länderkollegen winkten zunächst ab: kein Geld – wegen der Krise.

Letzteres mag sogar stimmen angesichts der Großzügigkeit, mit der Bund und Länder in bislang zwei Konjunkturpaketen vor allem die Automobilwirtschaft bedacht haben. Doch das Signal, das von Steinbrücks Bremsmanöver ausgeht, kommt nicht nur einer dramatischen öffentlichen Abwertung der Bildungspolitik und ihrer Vertreter gleich. Es ist auch eine Selbstentblößung des Finanzministers und der Kanzlerin, die ihn zweifelsohne unterstützt: Mehr Geld für Unis, so ihre durchschaubare wie klägliche Rechnung, bringt weniger Wählerstimmen als die Gunst mächtiger Gewerkschaften, allen voran der IG Metall, die man sich über mehr Geld für Opel, Volkswagen & Co erkaufen kann. Umgekehrt gilt für Steinbrück und Merkel offenbar: Die Studenten von morgen, für die der Hochschulpakt 275000 neue Studienplätze schaffen soll, können heute keinen Aufstand machen.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Hilfen für die abgestürzte Wirtschaft sind richtig, das gilt auch und gerade für die zusätzlichen Mittel, die durch das zweite Konjunkturpaket vom Januar in die Sanierung von Schulen und Hochschulen fließen sollen. Auch hier war allerdings die Zweckbestimmung der Milliarden – jeder Euro geht in Aufträge für die Bauwirtschaft – und nicht etwa der Ort ihrer Verwendung ausschlaggebend für ihre Bewilligung.