DIE ZEIT: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, nach elf Jahren in der Opposition ist die FDP heute so stark wie nie. Finden die Liberalen ihre wahre Bestimmung in der Opposition?

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Die FDP kann beides, Regierung und Opposition. Die Oppositionsjahre haben wir zur Selbstvergewisserung genutzt. Wir sind gewachsen, selbstbewusster geworden, eigenständig. Jetzt wollen wir regieren.

ZEIT: Was unterscheidet die FDP 2009 von der FDP aus dem Jahr 1998?

Leutheusser: Wir haben heute ein deutlich schärferes Profil und ein anderes Selbstverständnis. Die Grundrechte und die Wirtschaftspolitik sind die beiden Säulen, die zusammen die Identität der FDP ausmachen.

ZEIT: Aber das scharfe Profil droht durch eine Regierungsbeteiligung wieder verwässert zu werden.

Leutheusser: Natürlich muss man in einer Regierung Kompromisse eingehen. Aber: Für die FDP wird entscheidend sein, unsere Positionen in hohem Maße in einen Koalitionsvertrag wiederzufinden. In allen Bereichen, nicht nur in der Wirtschaftspolitik.

ZEIT: Die FDP ist auch deshalb so erfolgreich, weil sie sich in der Krise als die wahre CDU positioniert. Wie frustrierend ist das für Sie als Galionsfigur des Bürgerrechtsflügels?

Leutheusser: Die Dominanz der Finanz- und Wirtschaftspolitik liegt an der aktuellen Krise. Es ist doch ganz natürlich, wenn die Angst der Menschen, ihre Arbeit und damit die Selbstbestimmung für ihr eigenes Leben zu verlieren, im Zentrum steht. Trotzdem: Bürgerrechtsthemen wie der Datenschutz waren in der Bevölkerung noch nie so verankert wie heute.

ZEIT: Wirklich? In Zeiten von Facebook und StudiVZ ist Datenschutz doch ein Thema von gestern.