Uhrenindustrie Der Uhren-BauerSeite 3/3

Jedes Jahr, wenn die Kühe von der Alm getrieben werden, ist er dabei. Auch wenn der vierstündige Fußmarsch ihm Probleme bereitet und seine Lunge rasselt. Biver will immer durchhalten, nie aufgeben. Er will vor den Bauern nicht als feiner Pinkel dastehen, der sich nichts zumutet. Biver hat sein Leben im harten Aufstieg verbracht. Er stammt aus der Mittelschicht, sein Vater hatte ein Schuhgeschäft in Luxemburg. Die 18.000 Franken, mit denen Biver einst die Marke Blancpain kaufte, musste er sich selbst zusammensparen. Biver lebt mit dem Gefühl, jede Leistung erbringen zu können.

In jüngeren Jahren lief er Marathon. Nicht nur um dabei zu sein – sondern um zu gewinnen. Wer mit Jean-Claude Biver einen Tag verbringt, stellt sich irgendwann die Frage, um welche Dampfmaschine es bei ihm eigentlich geht: die, die er am Handgelenk seines Freundes Piguet entdeckte – oder die, die in seiner eigenen Seele stampft. Und immer weiterwill und niemals stoppt. Selbst wenn sie ihn zu überfahren droht.

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Glaubt man ihm, hat er gerade erst so richtig mit der Arbeit angefangen. Nicht Biver, der Uhrenmanager, sondern Biver, der Bauer. Aus der Milch seiner Kühe lässt er nämlich Käse machen, und darüber kann er genauso lange reden wie über Uhren. Der Schweizer Käse sei eine verkannte Delikatesse: Die Blumen, die eine Kuh mit dem Gras der Alm zu sich nehme, mache sich im Geschmack bemerkbar. Im Unterschied zum Käse aus Holland, wo die Kühe im Stall Kraftfutter kauten. Schweizer Käse habe einen feinen, blumigen Geschmack.

Leider ist der Käsemarkt am Boden. Weil Biver aber keine Lust hat, seinen Käse für wenige Euro pro Kilo zu verkaufen, verschenkt er ihn lieber – 6000 Kilo im Jahr. Die erstklassigen Restaurants, die er gerne damit bedenkt, fühlen sich geehrt und loben den Biver-Käse in den höchsten Tönen. In einem kulinarischen Führer sei er schon zum besten Käse der Schweiz erklärt worden, sagt Biver stolz. "Wenn mir irgendwann mal 20 Euro pro Kilo geboten werden, fange ich an, ihn zu verkaufen." Und wieder hätte er mit einer Geschichte ein Luxusprodukt geschaffen.

Die Biver-Maschine stoppt niemals, auch nicht am Abend. Nach einem langen Arbeitstag empfängt der Hublot-Chef noch Besuch aus dem Kanton Wallis. Es ist eine Abordnung von einem Dutzend Männern, die ihm eine junge Kuh schenken. Als Dank für einen Vortrag, den Biver vor einiger Zeit über eine bessere Vermarktung des Wallis gehalten hat.

Für seine Gäste organisiert Jean-Claude Biver ein Raclette-Essen. Er redet einen ganzen Abend über Käse, lobt das Wallis. Und die Kuh, die ihm an diesem Abend geschenkt wird. Es ist eine Sorte, die in großen Höhen lebt und sich von dürrem Gras ernähren kann. "Eine Kampfkuh", sagt Biver. Das gefalle ihm: Sie werde jetzt in seiner Herde die Führung übernehmen.

Am Ende des Abends spendiert der Hublot-Chef eine Flasche Wein. Es ist ein Château d’Yquem, mehr als hundert Jahre alt – und Tausende Euro wert. Biver sammelt französischen Süßwein wie diesen. Aber irgendwann müsse er ihn ja auch trinken, sagt er. Es ist alles für den Moment.

 
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