Ökologie Noch ein Klimasünder

Klimaanlagen im Auto heizen die Erde so stark auf wie der weltweite Flugverkehr. Abhilfe ist möglich – wenn die PS-Branche nicht mauert

Krisenzeiten sind Zeiten des Aufbruchs. Dieser Erkenntnis scheint sich die Autoindustrie nicht länger verschließen zu wollen. Mit Spritsparmodellen und mit der Ankündigung von Elektrofahrzeugen mühen sich viele Hersteller, den Ruf des ewigen Umweltsünders abzuschütteln und gestärkt aus der Krise herauszukommen. Doch tatsächlich schlittert die PS-Branche bereits in die nächste Katastrophe. Es ist eine Klimakatastrophe der besonderen Art – mit dem Zeug dafür, die Produzenten als unbelehrbare Fortschrittsverweigerer dastehen zu lassen.

Es geht um Klimaanlagen, die heute zur Serienausstattung von fast jedem Auto gehören. Die bisher gebräuchliche Technik trägt unnötig zur Erderwärmung bei. Deshalb hat die EU sie in neuen Fahrzeugtypen von 2011 an verboten. Es gibt Alternativen; die Autohersteller haben versprochen, sie zu nutzen. Tatsächlich zögern sie. Mittlerweile ist es fast ausgeschlossen, dass die Massenfertigung rechtzeitig, in gut anderthalb Jahren, starten kann; Fachleute veranschlagen dafür eine Vorlaufzeit von drei Jahren. Der Autoindustrie droht eine Blamage.

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Schon einmal hat sich die Branche blamiert. 1998 sagten die europäischen Autohersteller zu, den Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) bei neu zugelassenen Pkw bis Ende 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. Der Öko-Schwur wurde gebrochen. Jetzt droht ein ähnliches Trauerspiel um die Klimaanlagen. Sämtliche Hersteller würden selbstverständlich die zukünftigen Anforderungen einhalten, teilte ihr europäischer Dachverband (ACEA) mit. Der deutsche Branchenverband (VDA) versprach sogar, seine Mitgliedsfirmen hätten sich für die von Umweltschützern besonders favorisierte Kühltechnik mit einem natürlichen Kältemittel entschieden; sie gingen damit »weltweit in Führung«.

Inzwischen rudern die Verbandsfunktionäre zurück. Die Frist bis zum Stichtag 2011 sei »knapp«, heißt es beim VDA. Thomas Wetzel, Professor am Institut für Thermische Verfahrenstechnik in Karlsruhe und einer der besten Kenner der Materie, sagt, sie sei »sehr knapp«. Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, spricht bereits von einem »Wortbruch« der Autoindustrie.

In den heute üblichen Autoklimaanlagen zirkulieren einige Hundert Gramm eines Kältemittels, das die Bezeichnung R134a trägt. Anders als die früher gebräuchliche Substanz zerstört R134a zwar nicht mehr die Ozonschicht und trägt auch deutlich weniger zur Erderwärmung bei. Ein Kilogramm des fluorierten Kohlenwasserstoffs heizt die Erde aber immer noch 1400-mal so stark auf wie ein Kilogramm Kohlendioxid. Der unheilvolle Effekt stellt sich zwar nur ein, wenn das Kältemittel aus der Klimaanlage entweicht. Wegen der Vibrationen beim Fahrbetrieb ist das jedoch normal. Klimaanlagen werden so laut Umweltbundesamt zu »echten Klimasündern«. Umgerechnet erhöhen sie die Fahrzeugemissionen um 7 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Im Laufe eines Fahrzeuglebens wird daraus locker eine Tonne.

Gemeinsam heizen die inzwischen mehr als 400 Millionen Klimaanlagen in der weltweiten Fahrzeugflotte die Erde dermaßen auf, dass sich sogar schon der Weltklimarat (IPCC) ausführlich mit ihnen beschäftigt hat. Nach den Recherchen der Forscher steuern die Kältemittel-Leckagen aus Autoklimaanlagen ungefähr so viel zum Treibhauseffekt bei wie der gesamte Flugverkehr: rund zwei Prozent.

Leser-Kommentare
  1. down.

    Es ist immer wieder "erfrischend" zu sehen, dass ab einer bestimmten Herrschaftskaste ein wirkliches Denken nicht mehr statt findet. Meine Sympathie gilt immer mehr kleinen, mittelstänidschen Unternehemn, die den grossen etablierten vielleicht ein wenig in die Suppe spucken.

    Danke für den informativen Artikel!

    • Rellem
    • 18.05.2009 um 15:55 Uhr

    Hallo
    Hier ein kleiner Kommentar zum Thema.
    http://cicero.de/97.php?i...
    Gruss
    Rene

  2. Leute,
    jetzt muss aber endlich mal schluss sein. Gott, dann heizen wir das Klima eben auf.
    Ist mir immer noch lieber, als dass ich in meinem Auto zu Tode schwitzen muss.
    Wir können uns doch nicht jede Errungenschaft von den Treehuggern madig machen lassen.

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    Es geht nicht darum Klimaanlagen zu verbieten, sondern darum andere Typen von Klimaanlagen, die bereits entwickelt und verfügbar sind einsetzen zu müssen.

    Es geht nicht darum Klimaanlagen zu verbieten, sondern darum andere Typen von Klimaanlagen, die bereits entwickelt und verfügbar sind einsetzen zu müssen.

  3. Hier ein Bericht des Spiegel aus dem Jahr 2005, als noch keine Internetzensur den Leser verblödete.

    http://www.spiegel.de/wis...

    • bierus
    • 18.05.2009 um 16:59 Uhr
    5. klasse

    Herr Vorholz, Sie können jederzeit die Klimaanlage ihres Autos, so Sie denn eines haben, abschalten. Wenn Sie sich dann bei hochsommerlichen Temperaturen nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren können steht nur zu hoffen, daß Sie nur gegen einen Laternenpfahl fahren und nicht gegen einen anderen Verkehrsteilnehmer. Sie können natürlich auch den ICE nehmen, da können Sie die Klimaanlage weder abschalten noch regulieren. Apropos, womit werden eigentlich Züge gekühlt?

  4. Es geht nicht darum Klimaanlagen zu verbieten, sondern darum andere Typen von Klimaanlagen, die bereits entwickelt und verfügbar sind einsetzen zu müssen.

    Antwort auf "Leute, jetzt muss aber"
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    Natürlich geht es exakt darum, andere Klimaanlagen zu nutzen, statt Klimaanlagen zu verbieten. Das wird schon im ersten Absatz des Artikel klar.

    Aber mal ehrlich - wodrüber sollten sich all die Schimpfer über die "Öko-Diktatur" denn noch aufregen wenn sie plötzlich anfingen, von Artikeln mehr als die Überschrift und vielleicht die Unter-Überschrift zu lesen?

    Natürlich geht es exakt darum, andere Klimaanlagen zu nutzen, statt Klimaanlagen zu verbieten. Das wird schon im ersten Absatz des Artikel klar.

    Aber mal ehrlich - wodrüber sollten sich all die Schimpfer über die "Öko-Diktatur" denn noch aufregen wenn sie plötzlich anfingen, von Artikeln mehr als die Überschrift und vielleicht die Unter-Überschrift zu lesen?

  5. Natürlich geht es exakt darum, andere Klimaanlagen zu nutzen, statt Klimaanlagen zu verbieten. Das wird schon im ersten Absatz des Artikel klar.

    Aber mal ehrlich - wodrüber sollten sich all die Schimpfer über die "Öko-Diktatur" denn noch aufregen wenn sie plötzlich anfingen, von Artikeln mehr als die Überschrift und vielleicht die Unter-Überschrift zu lesen?

    • bierus
    • 18.05.2009 um 19:00 Uhr
    8. also

    Ich bin des Lesens durchaus kundig. Daher ist mir auch nicht entgangen, dass sich der Autor u.a. über die Tatsache mokierte, dass Klimaanlagen den Verbrauch des Fahrzeugs erhöhen, weil sie nun mal (ebenso wie ihre Verwandten, die Kühlschränke) Energie verbrauchen.

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