Service Learning Gutes tun bringt PunkteSeite 2/2

In Erfurt planen Studenten ihre Projekte selbst. Die 23-jährige Pädagogikstudentin Mandy Singer-Brodowski gehört zum Leistungsteam der AG Nachhaltigkeit. »Wir haben einen Stadtrundgang mit Bürgern veranstaltet und vor Geschäften über die nachhaltige Erzeugung von Lebensmitteln diskutiert«, erzählt sie. Rund 70 Prozent ihrer Zeit investiert sie in ihre ehrenamtliche Arbeit, für die es auch Credit Points gibt. »Der Aufwand lohnt sich«, sagt sie, »denn wir erwerben Schlüsselqualifikationen, zum Beispiel Zeitmanagement.«

Dass Studierende auch fachlich mehr lernen, zeigt eine Umfrage, die der Erziehungswissenschaftler Heinz Reinders aus Würzburg gerade veröffentlicht hat. 116 Studierende wurden befragt, wie sie ihren Wissensstand einschätzen. Nur 31 Prozent der Studenten, die normale Veranstaltungen besucht hatten, waren der Meinung, einen guten Überblick über das Fachgebiet zu haben. Bei denjenigen, die Service-LearningSeminare besucht hatten, waren es 74 Prozent.

Der 29-jährige Martin Hablitzel hat durch Service Learning seinen Traumberuf gefunden. Er studiert Volkswirtschaftslehre in Mannheim und besuchte ein Seminar über Management für Non-Profit-Organisationen. Mit Kommilitonen entwickelte er ein Marketingkonzept für die Mannheimer Lebenshilfe, die ein Wohnheim für behinderte Menschen betreibt. »Vorher haben mich gemeinnützige Vereine nicht so interessiert, jetzt kann ich mir gut vorstellen, später bei der Lebenshilfe zu arbeiten«, sagt er. Die Vorteile von Service Learning schätzt er pragmatisch ein: »Man wird von den Einrichtungen gebraucht und kann besser Kontakte knüpfen als ein normaler Praktikant, der bloß durchgeschleust wird.«

Warum es nicht schon früher mehr Service Learning gab, versteht er nicht. »Die Reform sollte das Studium praxisorientierter machen, aber bis jetzt merkt man davon nichts«, sagt er. Das Seminar hatte sich Martin Hablitzel zufällig ausgesucht, weil es in seinen Stundenplan passte. Manchmal braucht man eben Glück, um etwas zu entdecken.

 
Leser-Kommentare
  1. Dann möchte ich jedoch vorschlagen dem Amtsinhaber nach Entgegennahme von Creditpoints den Zusatz der Ehre vor seinem Amt zu entziehen. Den Punkten wird doch schon genug hinterhergelaufen, warum deshalb denn jetzt noch etwas so kostbares und ehrenvolles den Cedithaien zum futtern geben. Es ist sicherlich eine gute Idee, aber doch bitte nicht mit solchen Anreizen, um so vielleicht dann später die Statistik mit bemerkenswert hohen vorhandenem ehrenamtlichen Engagement zu schmücken?

    Gutes denen die mit dem Herz Dabei sind.

  2. Warum muss man im akademischen Bereich neuerdings alle Praktiken aus den USA unkritisch übernehmen? Ehrenengagement ist schön und gut, aber hat mit akademischer Ausbildung nichts zu tun (daher der Begriff "Ehrenamt").
    Hier wollen einige Unis einfach ihre Lehrverpflichtungen an die Studenten outsourcen, zu Lasten der Ausbildungsqualität und unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit natürlich. Ich würde jedenfalls keinen Absolventen einstellen, der an einer Pudding-Uni sein Pädagogik-Diplom durch das Führen von Stadtrundgängen erworben hat.

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    Warum sollte Service Learning mit akademischer Ausbildung nichts zu tun haben? Ich besuche an der Uni Hamburg auch ein Service-Learning-Seminar.

    Selbstverständlich ist es dort nicht so, dass man dort ein bisschen unmotiviertes soziales Engagement zeigt und dann irgendwie dafür benotet wird. Im Rahmen der Tätigkeit muss eine Forschungsfrage untersucht werden, für deren Beantwortung alle Maßstäbe wissenschaftlicher Arbeit gelten.
    So entwickele ich beispielsweise zusammen mit zwei Kommillitonen und einer Partnerorganisation ein Konzept für ein [ehrenamtliches] studentisches Mentoren- / Nachhilfeprogramm. Den Businessplan für das Programm, den wir als Teil dieser Arbeit aufstellen, werden wir später zusammen mit unserem Partner in die Praxis umsetzen.

    Für sechs Credits - gerade einmal drei Prozent der 180 Credits im Bachelorstudium - haben wir die Möglichkeit, wissenschaftlich zu arbeiten (in einem Umfang der mit dem Aufwand eines anderen Kurses mindestens ebenbürtig ist) und praktische Erfahrungen zu sammeln. Das Ganze dann auch noch zum Wohle der Gesellschaft, was möchte man mehr?

    Warum sollte Service Learning mit akademischer Ausbildung nichts zu tun haben? Ich besuche an der Uni Hamburg auch ein Service-Learning-Seminar.

    Selbstverständlich ist es dort nicht so, dass man dort ein bisschen unmotiviertes soziales Engagement zeigt und dann irgendwie dafür benotet wird. Im Rahmen der Tätigkeit muss eine Forschungsfrage untersucht werden, für deren Beantwortung alle Maßstäbe wissenschaftlicher Arbeit gelten.
    So entwickele ich beispielsweise zusammen mit zwei Kommillitonen und einer Partnerorganisation ein Konzept für ein [ehrenamtliches] studentisches Mentoren- / Nachhilfeprogramm. Den Businessplan für das Programm, den wir als Teil dieser Arbeit aufstellen, werden wir später zusammen mit unserem Partner in die Praxis umsetzen.

    Für sechs Credits - gerade einmal drei Prozent der 180 Credits im Bachelorstudium - haben wir die Möglichkeit, wissenschaftlich zu arbeiten (in einem Umfang der mit dem Aufwand eines anderen Kurses mindestens ebenbürtig ist) und praktische Erfahrungen zu sammeln. Das Ganze dann auch noch zum Wohle der Gesellschaft, was möchte man mehr?

  3. Warum sollte Service Learning mit akademischer Ausbildung nichts zu tun haben? Ich besuche an der Uni Hamburg auch ein Service-Learning-Seminar.

    Selbstverständlich ist es dort nicht so, dass man dort ein bisschen unmotiviertes soziales Engagement zeigt und dann irgendwie dafür benotet wird. Im Rahmen der Tätigkeit muss eine Forschungsfrage untersucht werden, für deren Beantwortung alle Maßstäbe wissenschaftlicher Arbeit gelten.
    So entwickele ich beispielsweise zusammen mit zwei Kommillitonen und einer Partnerorganisation ein Konzept für ein [ehrenamtliches] studentisches Mentoren- / Nachhilfeprogramm. Den Businessplan für das Programm, den wir als Teil dieser Arbeit aufstellen, werden wir später zusammen mit unserem Partner in die Praxis umsetzen.

    Für sechs Credits - gerade einmal drei Prozent der 180 Credits im Bachelorstudium - haben wir die Möglichkeit, wissenschaftlich zu arbeiten (in einem Umfang der mit dem Aufwand eines anderen Kurses mindestens ebenbürtig ist) und praktische Erfahrungen zu sammeln. Das Ganze dann auch noch zum Wohle der Gesellschaft, was möchte man mehr?

    Antwort auf "Warum muss man im"
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    Modelle die einen Ansatz zum zunutzemachen eines anderen Zwecks auch nur im entferntesten enthalten sind eben gefährlich und verschlechtern, wenn auch nur gering des Eigentliche. Das was dem Wohle der Gesellschaft dient hat sicherlich einen weit höheren Wert als ein paar Punkte. Diese eben viel größeren Werte haben es doch nicht nötig nochmals bewertet zu werden.

    Wenn sie 1000 nur befragen is eine Umfrage um sonst weil die mehrheit des volkes wird nich gefragt! Und das nennen sie dann Forschung?

    Modelle die einen Ansatz zum zunutzemachen eines anderen Zwecks auch nur im entferntesten enthalten sind eben gefährlich und verschlechtern, wenn auch nur gering des Eigentliche. Das was dem Wohle der Gesellschaft dient hat sicherlich einen weit höheren Wert als ein paar Punkte. Diese eben viel größeren Werte haben es doch nicht nötig nochmals bewertet zu werden.

    Wenn sie 1000 nur befragen is eine Umfrage um sonst weil die mehrheit des volkes wird nich gefragt! Und das nennen sie dann Forschung?

  4. 4. ......

    Modelle die einen Ansatz zum zunutzemachen eines anderen Zwecks auch nur im entferntesten enthalten sind eben gefährlich und verschlechtern, wenn auch nur gering des Eigentliche. Das was dem Wohle der Gesellschaft dient hat sicherlich einen weit höheren Wert als ein paar Punkte. Diese eben viel größeren Werte haben es doch nicht nötig nochmals bewertet zu werden.

    Antwort auf "Service Learning"
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    Eben diese größeren Werte werden ja auch nicht bewertet. Für die Bewertung ist unwesentlich, in welchem Ausmaße oder in welcher Form sich der jeweilige Student ehrenamtlich engagiert hat. Wichtig ist alleine die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit.

    Dass diese Arbeit einen gesellschaftlichen Mehrwert hat ist dabei ein angenehmer Nebeneffekt. Gleiches gilt für die Tatsache, dass Studenten sich mit sozialem Engagement auseinandersetzen.

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was daran "gefährlich" sein soll. Die Studierenden profitieren aus den im Artikel genannten Gründen und die sozialen Organisationen sowie die Gesellschaft profitieren von der Arbeit der Studenten. Eine klassische Win-Win-Situation - was ist daran verkehrt?

    Im Übrigen ist, den Ergebnissen des Freiwilligen-Surveys [im Auftrag der Bundesregierung] von 2004 zu Folge, mit 35% die Mehrheit aller ehrenamtlich Engagierten einer Gruppe zuzuordnen, die das Survey als "Interessensorientierte" bezeichnet. Das Alleinstellungsmerkmal dieser Gruppe ist, dass "die Tätigkeiten es bevorzugt ermöglichen [sollten], berechtigte eigene Interessen zu vertreten, eigene Probleme zu lösen sowie auch einen beruflichen Nutzen daraus zu ziehen".
    Ist das Engagement dieser Gruppe deshalb schlecht?

    Eben diese größeren Werte werden ja auch nicht bewertet. Für die Bewertung ist unwesentlich, in welchem Ausmaße oder in welcher Form sich der jeweilige Student ehrenamtlich engagiert hat. Wichtig ist alleine die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit.

    Dass diese Arbeit einen gesellschaftlichen Mehrwert hat ist dabei ein angenehmer Nebeneffekt. Gleiches gilt für die Tatsache, dass Studenten sich mit sozialem Engagement auseinandersetzen.

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was daran "gefährlich" sein soll. Die Studierenden profitieren aus den im Artikel genannten Gründen und die sozialen Organisationen sowie die Gesellschaft profitieren von der Arbeit der Studenten. Eine klassische Win-Win-Situation - was ist daran verkehrt?

    Im Übrigen ist, den Ergebnissen des Freiwilligen-Surveys [im Auftrag der Bundesregierung] von 2004 zu Folge, mit 35% die Mehrheit aller ehrenamtlich Engagierten einer Gruppe zuzuordnen, die das Survey als "Interessensorientierte" bezeichnet. Das Alleinstellungsmerkmal dieser Gruppe ist, dass "die Tätigkeiten es bevorzugt ermöglichen [sollten], berechtigte eigene Interessen zu vertreten, eigene Probleme zu lösen sowie auch einen beruflichen Nutzen daraus zu ziehen".
    Ist das Engagement dieser Gruppe deshalb schlecht?

  5. aufmerksam machen, dass service - learning nicht nur Angelegenheit der Studenten ist, sondern mit einigem Erfolg auch an Schulen praktiziert wird.

    Und weit von

    http://de.wikipedia.org/w...

    60 Schulen entfernt sind es inzwischen ein paar Hunderte.

  6. - dieser Umgang mit (Pseudo)Anglizismen. Aber sei's drum.
    Es ist schade dass es den Leuten nicht über die Lippen geht etwas zu sagen wie "Dienst und Lernen". Uuuuh, dienen.. nein wie spießig.. oder schlimmeres. Da muss ein Anglizismus her.
    Solang es schon am sprachlichen "Commitment" (...) scheitert und man die Leute vor allem mit Anrechnungen dazu bewegen kann ist es in meinen Augen eine halbgare Sache.
    Wie auch die Erfahrungen von "Learn and Serve" in Amerika zeigen. Abgesehen davon dass das dort auch unter Studenten nahezu unbekannt ist.

    • .peter
    • 17.05.2009 um 1:33 Uhr

    Credits für Ehrenamt sind immer eine Zweispältige Sache. In Kassel haben wir das für Gremienarbeit an den Fachbereichen ermöglicht, obwohl uns klar war das es zu zwei Ergebnissen führen würde:
    Zum Einen Studierende, die nur das absolut nötigste für ihre Credits machen und somit für die Studiengang keinen nennenswerten Mehrwert bringen.
    Zum Anderen Studierende, die daran Gefallen finden und sich richtig reinhängen.

    Struktur-Reform allein bringt halt nie das Paradies, man kann das Paradies auf Erden aber durchaus weg-strukturieren! Also sollten wir es nutzen, dass die Umstellung auf Bachelor-Master ausdrücklich auch eine Ausbildung außerhalb des Fächer-Kanons fordert (z.B. soziale Kompetenzen und Erfahrungen).

    Was daran allerdings neu sein soll, und warum es ausgerechet "Service Learning" heissen soll ...

  7. Wenn sie 1000 nur befragen is eine Umfrage um sonst weil die mehrheit des volkes wird nich gefragt! Und das nennen sie dann Forschung?

    Antwort auf "Service Learning"

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