Die Entschuldigung, auf die so viele Leih-, Nach- und Vorlassgeber des Historischen Archivs der Stadt Köln bis heute warten, gibt es immer noch nicht. Denn wer Schuld eingesteht, muss zahlen: Der Stadt liegen bereits zahlreiche Klageandrohungen vor.

Zum ersten Mal seit dem Einsturz des Gebäudes hatte die Stadt am vergangenen Montag ihre Depositare zu einem Informationsabend eingeladen – angeblich, weil es vorher keinen Zugriff auf ihre Daten gab. Die allerdings waren auf einem Zentralserver gespeichert und von der Katastrophe gar nicht betroffen. Offenbar hat die Stadt ihren Leihgebern auch zehn Wochen nach der Katastrophe immer noch nichts zu sagen. Man müsse nun nach vorn sehen, erklärte die Archivleiterin Bettina Schmidt-Czaia, die sich zurzeit vor allem für einen Neubau an alter Stelle einsetzt: »Wir sind jetzt eine Schicksalsgemeinschaft.«

Der Kulturdezernent Georg Quander erntete schallendes Gelächter, als er erklärte, möglicherweise gebe es einen Zusammenhang zwischen den U-Bahn-Arbeiten und dem Einsturz, fehlende Vorsichtsmaßnahmen aber bestritt: »Viele andere Gebäude entlang der Strecke haben auch große historische Bedeutung, sind aber nicht eingestürzt.« 80 Prozent der Bestände seien geborgen, behauptet die Stadt. Leitende Mitarbeiter in der Sortierhalle in Porz sprechen von eher 60 Prozent. Über den Zustand der Archivalien sagt diese Zahl nichts aus. Erst Ende des Monats wird man zu jenen Geröllmassen vordringen, die unterhalb des Grundwasserspiegels liegen.