Demokratie 220 Jahre Bundesrepublik DeutschlandSeite 3/3

Besonders schön und traurig ließ sich das 2007 am 200. Geburtstag Robert Blums erleben. Blum, der brillante Republikaner und vor Bismarck das politische Idol des Bürgertums (und der Arbeiterschaft!), war nach seiner Ermordung durch das Habsburger-Regime am 9. November 1848 in Wien von ganz Europa zum Märtyrer der Freiheit verklärt worden. Nichts davon ist geblieben, nichts davon wird noch erinnert. Es gab keine Stunde, keine Minute des Gedenkens – weder im Rat von Köln, seiner Vaterstadt, noch im Berliner Bundestag. Es gab keine Rede unseres redeseligen Bundespräsidenten, nicht einmal die winzige Ehre eines Sonderpostwertzeichens ward Blum zuteil. Auch in den Medien Schweigen. Die große liberale Süddeutsche Zeitung füllte just an seinem Geburtstag ihre Geschichtsseite mit einem Aufsatz »zum hundertjährigen Bestehen des Norwegischen Ruderclubs in Berlin«.

Die Republik hat gesiegt. Ihre Geschichte, die Geschichte ihres langen Kampfes aber wird öffentlich missachtet. Das ist rätselhaft. Das ist schade, vor allem für die Zukunft. Denn ob es ein Sieg für immer ist, »steht«, mit Marie Luise Kaschnitz zu sprechen, »noch dahin«. Wir wollen es hoffen, wissen aber auch, dass die menschliche Dummheit die einzige Ressource auf Erden bleibt, die wahrhaft unerschöpflich ist.

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Leser-Kommentare
  1. ... in die Thematik einführenden Artikel.

    Was mir hier bei solchen Artikeln stets fehlt, sind Hinweise zu weiterführender Literatur.

    Und eine Aussage zur Weimarer Republik wie "Ihre kulturellen und gesellschaftspolitischen Leistungen stehen in der deutschen Geschichte einzig da." hört sich zwar nett an, kommt aber ohne jede inhaltliche Unterfütterung etwas lahm daher.

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