Informatik Die große Kraft

Informatiker verändern unsere Welt. Aber das Studienfach schreckt offenbar ab: Die Studentenzahlen gehen zurück, und weiblicher Nachwuchs wird dringend gesucht

Mit »Zuse Z3« fing 1941 alles an. Damals entwickelte Konrad Zuse den ersten programmgesteuerten Rechner. Heute steckt Informatik nicht nur im PC, sondern in fast allem, was der Mensch im Alltag sonst noch so benutzt, sei es sein Handy, sein Auto oder die Spülmaschine. Informatik unterstützt Theologen bei der Textexegese genauso wie Pharmaforscher bei der Medikamentenentwicklung, sie versteckt sich in Heizungen und Hörgeräten, und selbst beim Golfen mischt die Wissenschaft von der systematischen Informationsverarbeitung mit: So können Golfspieler ihren Abschlag verbessern, indem sie ihn rechnergestützt analysieren lassen. In der globalisierten Welt ist Informatik eine allgegenwärtige Kraft, die tagtäglich Produkte und Prozesse verändert – der Innovationstreiber schlechthin, wie Vertreter der Zunft gerne sagen.

Seit ihren Anfängen als Orchideenfach in den 1970er Jahren hat sich die Informatik zu einer der großen Disziplinen gemausert, mit derzeit mehr als 122.000 Studenten.

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Das Studienfach Informatik sei an deutschen Hochschulen »sehr gut aufgestellt und international wettbewerbsfähig«, sagt Stefan Jähnichen, Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI). Absolventen haben immer noch beste Aussichten, auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen – so weist die Bundesagentur für Arbeit in ihrem jüngsten Arbeitsmarktbericht für IT-Fachkräfte auf den anhaltenden Fachkräftemangel in der Branche hin. Umso erstaunlicher ist das Problem, das der Disziplin zunehmend zu schaffen macht. Denn ungeachtet ihrer enormen Bedeutung hat die Informatik ein denkbar schlechtes Image – ausgerechnet bei den Net-Kids, die mit Computern und Internet groß geworden sind, stößt das Fach auf immer weniger Interesse.

Informatik braucht Teamarbeiter, die gerne reden

Seit dem Spitzenjahr 2000, als 38.000 Informatikneulinge an die Universitäten und Fachhochschulen strömten, gingen die Anfängerzahlen in den Keller – 2006 nahmen nur noch rund 29.000 Studierende ein Informatikstudium auf, seit 2007 steigen die Zahlen wieder geringfügig. Die Vertreter der Zunft wissen, dass sie den Einbruch nicht allein der geplatzten Dotcom-Blase anlasten können. Sie sehen vor allem die falschen Vorstellungen von ihrem Fach als Ursache. Informatiker würden nach wie vor mit Hackern und Computer-Nerds verwechselt, also jenen weitgehend als kontaktarm geltenden Zeitgenossen, die – so will es zumindest das Klischee – mit blutleeren Gesichtern und ungewaschenen Haaren Tag und Nacht kaffeetrinkend in irgendwelchen Kellern vor ihren Rechnern sitzen, Codes knacken und Netzwerke manipulieren.

Solche Leute könne die Informatik nicht gebrauchen, sagt Volker Claus, Informatikprofessor an der Universität Stuttgart, und zieht einen Vergleich aus der Autoindustrie heran: Wer Motoren frisiere, könne schließlich noch lange keine neuen Motoren bauen. Für das Zerrbild, so die Experten, sei nicht zuletzt der dürftige Informatikunterricht an den Schulen mitverantwortlich: Dort werde die Informatik, falls sie denn überhaupt stattfinde, entweder aufs reine Programmieren reduziert oder aber mit der Vermittlung von Softwareprogrammen wie beispielsweise PowerPoint oder Excel verwechselt.

Mit dem Kern des Fachs hat beides wenig zu tun. Das Programmieren, etwa bei der Entwicklung von Softwaresystemen, macht nur einen kleinen Teil der Arbeit eines IT-Spezialisten aus. Zu dessen ersten Tugenden sollte neben einem guten Abstraktionsvermögen eine ausgeprägte Kommunikationsfreude zählen. Schließlich entwickeln Informatiker Informationssysteme für Kunden aus den verschiedensten Anwendungsbereichen. Deshalb sollten sie nicht nur deren Probleme gut verstehen, sondern ihre eigenen Lösungsvorschläge so gut wie möglich verständlich machen können. Informatik sei »Teamarbeit pur«, sagt Alexander Wobser, Student der Softwaretechnik an der Stuttgarter Uni; wer das nicht begreife, habe im Job keine Überlebenschancen.

Leser-Kommentare
  1. Ich denke bei Informatik immer an Programmieren, dabei ist das ja grundfalsch. Tatsächlich spielen ja Mathematik und andere Metas eine größere Rolle. Der Ochsentrott, bis man mal wirklich etwas programmiert, führt durch die Theorienlandschaft, die von gelangweilten Professoren vermittelt wird. Evtl wärs es sinnvoller, wie Hacker an die Geschichte dranzugehen. Heißt, an der Maschine rumschrauben, leichtere Programmiersprachen wie Python oder Java zu vermitteln und erst dann mit abstrakteren Dingen weiter zu machen. Eine frühzeitigere Spezialisierung wäre zudem sinnvoll. Nicht jeder Informatikstudent möchte am Ende eine eigene Programmiersprache entwickeln. Eventuell möchte er "nur" Netzwerk- und Webtechnologien entwickeln und braucht vieles von dem, was ihm da vermittelt wird gar nicht.

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    Dann kann er an der FH Informatik studieren, dort ist das Studium deutlich praxisnäher. Niemand wird gezwungen die Theorie an einer Universität zu pauken.

    Ich selbst habe die Theorie bisher zwar fast nie direkt im Beruf gebraucht, beim Einarbeiten in neue Themengebiete tut man sich aber mit den richtigen Grundlagen um einiges leichter.

    • cs
    • 01.06.2009 um 12:07 Uhr

    Also Python ist eine wirklich schicke und mächtige Scriptsprache, die den Einstieg ins Programmieren wirklich erleichtert und später sogar auch noch nützlich ist.

    Aber Java als "leicht" zu bezeichnen ... wenn man dan nur simpelst auf Konsolenebene den User einen String eingeben lassen will, erfordert das gleich einen ziemlichen Aufwand komplexen Codes, der einen Anfänger schier verzweifeln lässt ... weswegen viele Anfängerbücher das Thema lieber gleich komplett ignorieren - oder mit Hinweisen wie "Geht ganz einfach über `nen Input-Stream" abbügeln, ohne das in dem ganzen Werk je was darüber gesagt werden würde, was denn so ein "Stream" eigentlich ist!

    Dann kann er an der FH Informatik studieren, dort ist das Studium deutlich praxisnäher. Niemand wird gezwungen die Theorie an einer Universität zu pauken.

    Ich selbst habe die Theorie bisher zwar fast nie direkt im Beruf gebraucht, beim Einarbeiten in neue Themengebiete tut man sich aber mit den richtigen Grundlagen um einiges leichter.

    • cs
    • 01.06.2009 um 12:07 Uhr

    Also Python ist eine wirklich schicke und mächtige Scriptsprache, die den Einstieg ins Programmieren wirklich erleichtert und später sogar auch noch nützlich ist.

    Aber Java als "leicht" zu bezeichnen ... wenn man dan nur simpelst auf Konsolenebene den User einen String eingeben lassen will, erfordert das gleich einen ziemlichen Aufwand komplexen Codes, der einen Anfänger schier verzweifeln lässt ... weswegen viele Anfängerbücher das Thema lieber gleich komplett ignorieren - oder mit Hinweisen wie "Geht ganz einfach über `nen Input-Stream" abbügeln, ohne das in dem ganzen Werk je was darüber gesagt werden würde, was denn so ein "Stream" eigentlich ist!

  2. Dann kann er an der FH Informatik studieren, dort ist das Studium deutlich praxisnäher. Niemand wird gezwungen die Theorie an einer Universität zu pauken.

    Ich selbst habe die Theorie bisher zwar fast nie direkt im Beruf gebraucht, beim Einarbeiten in neue Themengebiete tut man sich aber mit den richtigen Grundlagen um einiges leichter.

    Antwort auf "Zu wenig praxisnah?"
    • SeppD
    • 28.05.2009 um 10:22 Uhr

    heißt in anderen Ländern Computer Science. Der Unterschied der beiden Begriffe beschreibt die unterschiedliche Herangehensweise an die Materie. -----------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

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    Anderen Sprachen können tatsächlich sehr oft helfen, den Bedeutungsinhalt von Begriffen zu klären.

    Nehmen Sie zum Beispiel im Spanischen den Ausdruck el coñazo - das kann im Deutschen sowohl Mist als auch Nervensäge bedeuten. Sehr erhellend, nicht wahr?

    Anderen Sprachen können tatsächlich sehr oft helfen, den Bedeutungsinhalt von Begriffen zu klären.

    Nehmen Sie zum Beispiel im Spanischen den Ausdruck el coñazo - das kann im Deutschen sowohl Mist als auch Nervensäge bedeuten. Sehr erhellend, nicht wahr?

  3. Anderen Sprachen können tatsächlich sehr oft helfen, den Bedeutungsinhalt von Begriffen zu klären.

    Nehmen Sie zum Beispiel im Spanischen den Ausdruck el coñazo - das kann im Deutschen sowohl Mist als auch Nervensäge bedeuten. Sehr erhellend, nicht wahr?

    Antwort auf "Das Fach Informatik"
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    • SeppD
    • 28.05.2009 um 14:15 Uhr

    LEO ist was Feines! Nur: was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen?

    • SeppD
    • 28.05.2009 um 14:15 Uhr

    LEO ist was Feines! Nur: was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen?

    • SeppD
    • 28.05.2009 um 14:15 Uhr

    LEO ist was Feines! Nur: was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen?

  4. Das mag ja sein. Trotzdem ist es eine Basisfähigkeit, die im Studium auch immer wieder gefordert wird und zu Recht. Ob nun in Betriebsssyteme, Künstliche Intelligenz oder Rechnernetze, in allen Kernfächern werden fortgeschrittene Programmierkenntnisse erwartet, mit denen viele Studierenden mehr zu kämpfen haben als mit den Grundstudiumsmathevorlesungen.

    Anstatt das falsche Mantra runterzubeten, Programmieren spiele nur eine kleine Rolle im Informatikstudium (und -leben), sollte wohl eher vorgehoben werden, was Programmieren wirklich bedeutet und das gerade da Abstraktionsfähigkeit, Formalisierungsvermögen und Teamarbeit essentiell und wichtig ist.

    • cs
    • 01.06.2009 um 12:07 Uhr

    Also Python ist eine wirklich schicke und mächtige Scriptsprache, die den Einstieg ins Programmieren wirklich erleichtert und später sogar auch noch nützlich ist.

    Aber Java als "leicht" zu bezeichnen ... wenn man dan nur simpelst auf Konsolenebene den User einen String eingeben lassen will, erfordert das gleich einen ziemlichen Aufwand komplexen Codes, der einen Anfänger schier verzweifeln lässt ... weswegen viele Anfängerbücher das Thema lieber gleich komplett ignorieren - oder mit Hinweisen wie "Geht ganz einfach über `nen Input-Stream" abbügeln, ohne das in dem ganzen Werk je was darüber gesagt werden würde, was denn so ein "Stream" eigentlich ist!

    Antwort auf "Zu wenig praxisnah?"
    • cattys
    • 01.06.2009 um 16:17 Uhr

    Ein Mensch hat nur begrenzte Kapazitäten: manche sind gut im Umgang mit anderen, einige sind wahnsinnig gut im Abstrahieren, andere wiederum sind gut im Rechnen usw....
    In diesem Artikel wird behauptet, man brauche in der Informatik keine Nerds oder Geeks, keine Menschen die wie Computer denken, echte digital Natives (nicht verwechseln mit den so bezeichneten Web 2.0 Nutzern) eben. Man brauche stattdessen kommunikationsfreudige Menschen für dieses Gebiet.

    Bei solchen Ansichten wundere ich mich nicht mehr, dass die fähigsten Menschen in der Informatik, gezwungen sind sich mit HiWi Jobs in der Forschung an den Universitäten über Wasser zu halten, und andere in meinen Augen Dummschwätzer Zehntausende verdienen weil sie es schaffen, allen vorzugaukeln, sie wären Genies.

    Wer hat diesen Wahn in die Welt, dass nur sozial kompetente Menschen nützlich seien? Ein Mensch der sich gerade nicht so gerne mit anderen austauscht, erbringt eine wesentlich höhere Leistung, weil er seine Aufmerksamkeit auf das Wesentliche beschränkt und nicht dauernd von Meetings etc. abgelenkt wird.

    Aber, und das erlebe ich selbst oft, es gilt nur der Schaumschläger, keiner schaut auf die fleißige Seele die letztendlich alles möglich gemacht hat.

    Traurige Welt, traurig vor allem, dass diese Ansichten nun auch in ureigene Nischenfächer für diese Menschen einfließen und ein technisch hochbegabter aber sozial minderbegabter Mensch nun wohl bald keine Wahl mehr haben wird als eine Lehre zu machen und als Programmierer zu leben.

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