Rektoren Die Leiden der Leiter

Viel mehr Arbeit, kaum mehr Geld: Warum unseren Schulen die Rektoren ausgehen

Würde ein Banker die Leitung seines Geldinstituts übernehmen, für eine Handvoll Euro mehr? Wohl kaum. Von Grundschullehrern wird Vergleichbares erwartet. Da muss es nicht wundern, dass Bewerber auf Rektorenstellen recht selten sind. Von Lehrermangel ist in jüngster Zeit ja viel die Rede, wann er kommt, ob er überhaupt kommt. Dabei wird oft übersehen, dass der an anderer Stelle längst da ist: dass viele Grund- und Hauptschulen ohne Rektoren auskommen müssen.

So sind etwa in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, rund 300 Rektorenstellen für Grund- und Hauptschulen nicht besetzt, heißt es beim Verband Bildung und Erziehung (VBE). Bundesweit sind es über tausend. Besserung ist nicht in Sicht. Allein in Nordrhein-Westfalen werden bis 2016 über zwei Drittel der Schulleiter an Grundschulen pensioniert. Udo Beckmann ist Bundesvorsitzender des VBE. Fragt man ihn nach den Gründen für den Rektorenmangel, bekommt man eine lange Antwort. Da ist zum einen die hohe Arbeitsbelastung. Den Schulen wird immer mehr Eigenverantwortung übertragen. Im Prinzip eine gute Sache, der Haken dabei ist, dass die Rektoren für die zusätzlichen Aufgaben kaum zusätzliche »Leitungszeit« bekommen, sie also entsprechend vom Unterricht befreit werden. 28 Stunden sollen Lehrer an Grundschulen in NRW unterrichten, der Rektor wird bei einer 200 Schüler zählenden Schule für 8 bis 10 Stunden freigestellt, um alle anfallenden Verwaltungs- und Leitungsaufgaben zu erledigen. »Das ist zu wenig«, sagt Beckmann. Auf den Schultern der Rektoren lastet so zu viel: Sie sollen die innovative Kraft der Schule sein, müssen Personalpolitik betreiben, sollen Qualitätsgarant sein und unterrichten. »Ein Schulleiter, der versucht, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, hat mindestens eine 50-Stunden-Woche«, sagt der VBE-Vorsitzende.

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Zum anderen ist da die vergleichsweise geringe Bezahlung. So verdient ein Schulleiter einer durchschnittlichen Grundschule mit 200 Schülern gleich viel wie ein Gymnasiallehrer im Eingangsjahr. Und lediglich rund 500 Euro brutto mehr im Monat als ein Grundschullehrer. Ist die Schülerzahl geringer, ist auch die Zulage geringer, das können im Extremfall nur 50 Euro netto mehr im Monat sein.

Eine verfehlte Einstellungspolitik in den 1980er und 1990er Jahren trägt ihr Übriges dazu bei. So fehlen heute Lehrer im mittleren Alter – die eigentlich die typischen Bewerber für Leitungspositionen wären. Das Schulministerium NRW führt einen weiteren Grund für den Bewerbermangel an: den besonders hohen Teilzeit- und Frauenanteil an Grundschulen.

Das ändert aber nichts daran, dass es manchmal schlicht am Nötigsten mangelt. So haben manche Schulen nur ein bis zwei Tage in der Woche eine Sekretärin, in der übrigen Zeit landen die Anrufe beim Rektor. Und es kommt schon mal vor, dass Schulleiter für den Hausmeister einspringen, erzählt Hans-Gerd Scheidle, VBE-Mitglied und Rektor an einer Grundschule bei Dortmund.

Da wundert es nicht, dass manche Stellen bis zu zehn Mal ausgeschrieben werden müssen, bevor sich ein Kandidat bereitfindet. Und das gilt nicht nur für Brennpunktschulen.

Leser-Kommentare
  1. "Das ändert aber nichts daran, dass es manchmal schlicht am Nötigsten mangelt. So haben manche Schulen nur ein bis zwei Tage in der Woche eine Sekretärin, in der übrigen Zeit landen die Anrufe beim Rektor. Und es kommt schon mal vor, dass Schulleiter für den Hausmeister einspringen, erzählt Hans-Gerd Scheidle, VBE-Mitglied und Rektor an einer Grundschule bei Dortmund."

    - Also: erstmal Sekretärinnen und Hausmeister einstellen!
    So als einfache Maßnahme für den Anfang.

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    "Shareholder-Value ist die blödeste Idee der Welt"
    Ex-Manager Jack Welch über sein eigenes Konzept, nach dem Firmen nur zum Nutzen der Aktionäre handeln sollen

  2. Mit Geld hat es zumindest in Bayern nichts zu tun. Da wird jeder eingestellt der laufen kann und das Staatsexamen bestanden hat. Und jeder Lehrer wird in Bayern nach wie vor verbeamtet, und es gibt auch keine Pläne das zu ändern. Ein Oberstudienrat verdient in Bayern 6.000 Euro im Monat - das sind Fachbereichsleiter. Wieviel die Rektoren verdienen weiss ich nicht, aber weniger wird es mit Sicherheit nicht sein. Dies ist ein ordentliches Einkommen, ohne Wenn und Aber.
    Aber, trotz allen Abwerbungskampagnen von Lehrern aus dem Norden, können viele Stellen schlicht nicht besetzt werde. Nicht aus Geld sondern aus Lehrermangel. Woran das im Einzelnen liegt, ganz ehrlich, ich weiss es nicht. Man kann niemand zum Lehramtsstudium zwingen und ich bin mir sicher, Artikel wie diese gibt es ja regelmäßig in der ganzen Presse, dass dieses negative Bild was in der Öffentlichkeit inzwischen über den Lehrerberuf vorherrscht muss ein Hauptgrund dafür sein. Zur Lösung gehört es also auch mit dermaßen undifferenzierten Berichterstattungen aufzuhören. Die Artikel lassen sich ja meist in zwei Kategorien einteilen: die einen fordern schlicht mehr Geld, die anderen den kompletten Systemwechsel. Beide vergessen dabei dass Unterricht und Schulleben mit den Lehrern steht und fällt. Diese brauchen eine gute Ausstattung und Bezahlung, ja. Die gibt es aber wie gesagt in Süddeutschland. "Dennoch" gibt es viele unbesetzte, weil nicht besetzbare, Lehrerstellen. Es liegt also offenbar nicht nur am Geld sondern auch am Image des Lehrerberufes sowie der Wertschätzung die ihm entgegen gebracht wird. Es gibt schlicht und ergreifend viele fanatische Eltern die denken ihr Nachwuchs müsse "hochbegabt" sein und alles dem widersprechende ist die "Schuld" der Schule. Es muss die letzten 30 Jahre einen unfassbaren evolutionären Sprung in der menschlichen Genetik gegeben haben so wie jedes Jahr kontinuierlich die Zahl der Eltern steigt die bei Psychologen die Hochbegabtheit des eigenen Nachwuchses bestätigt haben wollen - so werden Faulheit oder schlicht mangelnde Eignung für's Gymnasium in "intellektuelle Unterforderung" umgemünzt. Das nur als Beispiel. Eltern müssen mit den Lehrern Hand in Hand arbeiten, und diese nicht als Gegner sehen. All das kann man nicht kaufen, und der Staat kann hier auch nichts machen. Und da sind wir an einem Punkt an dem wir oft in Deutschland sind: die Leute sind nur dann für Veränderungen solange es "jemand anders" betrifft, man die Verantwortung bzw. "Schuld" delegieren kann. Geht es um Selbstreflexion und Hinterfragen von eigenem Handeln fährt sofort eine Feuerschutzwand hoch.

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    Ich bin selber Lehrer und kann bestätigen, dass - zumindest die verbeamteten Kollegen - recht ordentlich verdienen. Auf 6000 Euro kommen jedoch auch Oberstudienräte in Bayern nicht. Dieses werden i.d.R. nach A14 bezahlt, was ohne Zulagen in der Höchststufe (mit Anfang 50) ohne Zulagen etwa 4500 Euro ergibt. Trotzdem ist es richtig, dass sich auf Funktionsstellen häufig nicht gerade die geeignetsten Lehrer bewerben. Ich glaube ebenfalls nicht, dass sich dieser Zustand durch eine Erhöhung der Bezüge ändern lässt. Meiner Erfahrung nach widerspricht die eher formalen und organisatorischen Tätigkeiten eines Abteilungs- oder Schulleiters eher dem beruflichen Selbstbild der meisten Kolleginnen und Kollegen.

    Ich bin selber Lehrer und kann bestätigen, dass - zumindest die verbeamteten Kollegen - recht ordentlich verdienen. Auf 6000 Euro kommen jedoch auch Oberstudienräte in Bayern nicht. Dieses werden i.d.R. nach A14 bezahlt, was ohne Zulagen in der Höchststufe (mit Anfang 50) ohne Zulagen etwa 4500 Euro ergibt. Trotzdem ist es richtig, dass sich auf Funktionsstellen häufig nicht gerade die geeignetsten Lehrer bewerben. Ich glaube ebenfalls nicht, dass sich dieser Zustand durch eine Erhöhung der Bezüge ändern lässt. Meiner Erfahrung nach widerspricht die eher formalen und organisatorischen Tätigkeiten eines Abteilungs- oder Schulleiters eher dem beruflichen Selbstbild der meisten Kolleginnen und Kollegen.

  3. Ich bin selber Lehrer und kann bestätigen, dass - zumindest die verbeamteten Kollegen - recht ordentlich verdienen. Auf 6000 Euro kommen jedoch auch Oberstudienräte in Bayern nicht. Dieses werden i.d.R. nach A14 bezahlt, was ohne Zulagen in der Höchststufe (mit Anfang 50) ohne Zulagen etwa 4500 Euro ergibt. Trotzdem ist es richtig, dass sich auf Funktionsstellen häufig nicht gerade die geeignetsten Lehrer bewerben. Ich glaube ebenfalls nicht, dass sich dieser Zustand durch eine Erhöhung der Bezüge ändern lässt. Meiner Erfahrung nach widerspricht die eher formalen und organisatorischen Tätigkeiten eines Abteilungs- oder Schulleiters eher dem beruflichen Selbstbild der meisten Kolleginnen und Kollegen.

    Antwort auf "Kein Allheilmittel"
  4. Ich kann das Problem nicht nachvollziehen.

    Wozu um alles in der Welt leisten wir uns in Deutschland eigentlich den Beamtenstatus bei Lehrern? Wenn es hier tatsächlich um hoheitliche Aufgaben geht, wird einfach einer von den Beamten dazu "abkommandiert"!

    Dieser absurde Status muss doch zu IRGENDWAS nützlich sein...

    "Die Lehrer müssten mindestens 50 Stunden pro Woche arbeiten, wenn sie eine Rektorenstelle annehmen."

    Wenn ich sowas lese, kann ich nur lachen! In der Wirtschaft, in der es tatsächlich so etwas wie einen Arbeitsmarkt gibt, ist das die "brutale" Realität - da muss man noch nicht mal in einer leitenden Position sein. Und sich zu beschweren, dass man dann als Rektor auf das ohnehin üppige Gehalt nicht noch ordentlich was draufbekommt ist m.E. Jammern auf verdammt hohem Niveau!

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    • Anonym
    • 26.05.2009 um 13:54 Uhr

    ... diesen schmarrn höre von der brutalen Realität in der ach so freien Wirtschaft ... naja.

    Bei Licht besehen gibt es wohl hier wie dort Leutchen die sich gerne
    mal die E*** schaukeln - da ist diese ewige Beamtenschelte ziemliches Schmalspurdenken!

    Über die Beamten wird ja immer gern und viel gemault - meistens von Leuten die keine Ahnung haben!

    Und den Oberstudienrat mit 6000 Euro den zeigen Sie mir mal bitte.
    Die gültigen Besoldungstabellen sind ja kein Geheimnis (so wie bei den Gehältern in der ach so brutalen und noch freieren Wirtschaft).
    Besoldungstabellen kann sich jeder ergooglen (wenns dafür im Oberstübchen reicht).

    • Anonym
    • 26.05.2009 um 13:54 Uhr

    ... diesen schmarrn höre von der brutalen Realität in der ach so freien Wirtschaft ... naja.

    Bei Licht besehen gibt es wohl hier wie dort Leutchen die sich gerne
    mal die E*** schaukeln - da ist diese ewige Beamtenschelte ziemliches Schmalspurdenken!

    Über die Beamten wird ja immer gern und viel gemault - meistens von Leuten die keine Ahnung haben!

    Und den Oberstudienrat mit 6000 Euro den zeigen Sie mir mal bitte.
    Die gültigen Besoldungstabellen sind ja kein Geheimnis (so wie bei den Gehältern in der ach so brutalen und noch freieren Wirtschaft).
    Besoldungstabellen kann sich jeder ergooglen (wenns dafür im Oberstübchen reicht).

  5. Mag sein, dass in der Wirtschaft oft ähnlich lange Arbeitszeiten (50 Std.) vorherrschen. Sicherlich gibt es auch hier nicht immer einen Lohnausgleich oder die Möglichkeit, Überstunden abzubauen.
    Auf der anderen Seite kenne ich genügend Beispiele für Jobs in leitender Position und mit ähnlicher Verantwortung, in denen die Bezahlung eben deutlich über dem Gehalt eines Rektors liegt.

    • Anonym
    • 26.05.2009 um 13:54 Uhr

    ... diesen schmarrn höre von der brutalen Realität in der ach so freien Wirtschaft ... naja.

    Bei Licht besehen gibt es wohl hier wie dort Leutchen die sich gerne
    mal die E*** schaukeln - da ist diese ewige Beamtenschelte ziemliches Schmalspurdenken!

    Über die Beamten wird ja immer gern und viel gemault - meistens von Leuten die keine Ahnung haben!

    Und den Oberstudienrat mit 6000 Euro den zeigen Sie mir mal bitte.
    Die gültigen Besoldungstabellen sind ja kein Geheimnis (so wie bei den Gehältern in der ach so brutalen und noch freieren Wirtschaft).
    Besoldungstabellen kann sich jeder ergooglen (wenns dafür im Oberstübchen reicht).

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