DIE ZEIT: Herr Paech, wie lange können wir noch wachsen?

Niko Paech: 15 Jahre.

ZEIT: Und dann geht die Welt unter?

Paech: Nein, die ökologischen Wachstumsgrenzen kann man nicht genau benennen. Die hängen davon ab, ab wann die Menschen Erlebnisse wie den Hurrikan Katrina, der New Orleans zerstörte, nicht mehr aushalten. Es gibt aber auch eine ökonomische Grenze des Wachstums. Die werden wir früher erreichen als die ökologische.

ZEIT: Welche Grenze ist das?

Paech: Unser auf Wachstum angelegtes Industriemodell als Ganzes braucht Rohstoffe. In den vergangenen Jahrzehnten waren alle Energieträger und anderen Materialien extrem billig und scheinbar unendlich verfügbar. Das ist vorbei. Der Ressourcenhunger von Aufsteigernationen wie Indien, China, Brasilien oder Südafrika treibt die Preise der Rohstoffe nach oben. Das ist unumkehrbar. Sollte sich die Weltwirtschaft erholen und die Wachstumsrate der Ressourcennachfrage weiterhin höher sein als die Wachstumsrate der Fördermengen, kollabiert das auf Fremdversorgung basierende Wohlstandsmodell.

ZEIT: Welche Folgen hat das?

Paech: Die Internationale Energieagentur hat im vergangenen Herbst erstmals prognostiziert, dass der Preis für ein Barrel Rohöl bald bei über 200 Dollar liegen wird. Das ist ein Paukenschlag, den wegen der Finanzkrise nur niemand wahrgenommen hat. Ein so hoher Ölpreis bedeutet, dass nicht nur Benzin und Kerosin, sondern auch alle Produkte so teuer werden, dass es der Wirtschaft schwerfallen wird, noch zu wachsen. Bundespräsident Horst Köhler hatte schon recht, als er in seiner Berliner Rede sagte, wir müssten das Wachstums-Postulat überdenken.