Kapitalismus Wir könnten auch andersSeite 6/6
Weil eine solche Schwundwährung also permanent an Wert verliert, kann man, wenn man sie verleiht, kaum Zinsen verlangen. Weshalb ein Unternehmen, das sie sich ausleiht, nicht zu permanentem Wachstum gezwungen ist. Es kann glücklich stagnieren.
Inzwischen gibt es allein in Deutschland 28 Regionalwährungen, etwa 30 weitere sind in Planung. Es sind kleine Mikrokosmen entstanden, in denen etwas weniger Renditedruck herrscht. Im Vergleich zu den Milliarden von Euro, die sich bundesweit im Umlauf befinden, aber sind sie nicht weiter relevant. Man kann sich schwer vorstellen, dass sich mithilfe solcher Währungen eine ganze Volkswirtschaft organisieren ließe. Einerseits.
Andererseits kann sich auch niemand ausmalen, wie die Erde es aushalten soll, wenn in ein paar Jahrzehnten neun Milliarden Menschen auf ihr leben, die alle ein Auto besitzen.
Die große Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler interessieren diese Fragen nicht. Lieber rechnen sie in komplizierten Modellen vor, wie sich das Wachstum beschleunigen ließe. Einer, der seit Langem schon anders denkt, ist der Wirtschaftsprofessor Hans-Christoph Binswanger von der Universität St. Gallen, einer Schweizer Elitehochschule. Binswanger wurde im Jahr des vorletzten großen Crashs geboren, 1929, er ist längst emeritiert, hat aber nie aufgehört zu forschen. Er ist der geistige Vater der Ökosteuer und gilt weltweit als einer der bedeutendsten nichtmarxistischen Wachstumskritiker.
Als ersten Schritt, den Wachstumszwang zu mildern, schlägt Binswanger vor, Aktiengesellschaften in Stiftungen zu verwandeln. Der Opel-Mutterkonzern General Motors zum Beispiel wäre dann noch immer in privater Hand. Aber er stünde nicht mehr unter einem solchen Expansionsdruck, wie ihn heute Kapitalgeber aus der ganzen Welt auf die Vorstände der Aktiengesellschaften ausüben.
Auch Stiftungen müssen vernünftig wirtschaften. Aber sie müssen nicht 25 Prozent Rendite erzielen, wie sie der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, als Ziel vorgab. Wobei man davon ausgehen kann, dass Ackermann den daraus resultierenden Wachstumszwang durchaus verstanden hat. Er hat vor Jahren seine Doktorarbeit bei Binswanger geschrieben, der Titel: Der Einfluß des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen. Eine theoretische Analyse.
Genau diesen Einfluss des Geldes will Binswanger reduzieren. Den Chiemgauer findet er interessant. Er aber geht weiter: Durch die Regionalwährungen wird das Geld ein wenig privatisiert. Binswanger will es verstaatlichen.
Um das zu verstehen, muss man in der Geschichte zurückgehen. Noch vor Jahrhunderten war Geld gleichbedeutend mit: Münzen. Wer viel Geld besaß, also schwer zu schleppen hatte, gab es einer Bank und bekam dafür einen Zettel, auf dem der entsprechende Wert notiert war. Eine Banknote. Weil die Scheine viel praktischer waren als die schweren Münzen, kursierten die Zettel bald als allgemeine Zahlungsmittel. Das Problem war, dass niemand kontrollieren konnte, wie viele Zettel die Banken unters Volk mischten. Nur so viele, wie sie Goldmünzen besaßen, oder viel mehr? Wie viel waren die Zettel tatsächlich wert?
Das unkontrollierte Wachsen der Geldmenge hatte erst ein Ende, als überall auf der Welt staatliche Zentralbanken eingeführt wurden. Die gibt es heute noch. Und noch immer sind sie die Einzigen, die Geld drucken dürfen, mit kleinen Ausnahmen wie den Regionalwährungen. Der Staat also kontrolliert die Menge der Banknoten, die im Umlauf sind. Nur spielen Banknoten heute keine Rolle mehr. Sie machen nur noch sieben Prozent des Geldes aus. Den großen Rest bekommt man nie zu Gesicht, er existiert nur auf EC-Karten, Kontoauszügen und Computermonitoren.
Dieses sogenannte Buchgeld aber wächst heute so unkontrolliert wie früher das Zettelgeld. Je mehr Kredite die Banken ausgeben, desto mehr Geld gibt es auf der Welt. Und je mehr Geld es gebe, sagt Binswanger, desto stärker müsse die Wirtschaft wachsen. Oder sie breche zusammen, so wie jetzt. Dazwischen ist nicht viel.
Binswanger greift nun auf ein Konzept zurück, das einst von dem Amerikaner Irving Fisher, einem der bedeutendsten Ökonomen des frühen 20. Jahrhunderts, begründet und von dem Deutschen Joseph Huber weiterentwickelt wurde: das Vollgeld.
Nach diesem Ansatz erhielte die Zentralbank die Kontrolle über das Buchgeld. Die Banken würden die Girokonten nur noch verwalten, ähnlich wie heute die Wertpapierdepots. Für die Durchschnitts-Meyers würde sich dadurch nichts ändern, die Banken aber könnten nicht mehr nahezu unbgrenzt Kredite vergeben. So könnte die Zentralbank, glaubt Binswanger, das Wirtschaftswachstum verringern, ohne dass das System gleich zusammenbricht.
Ein garantiertes Grundeinkommen für alle, ein neues Geldsystem, ein anderes Unternehmensrecht: Eine solche Skizze einer funktionsfähigen, wachstumsfreien Marktwirtschaft wirkt aus heutiger Sicht ziemlich realitätsfern. Vielleicht wird sie es auch bleiben. Gut möglich aber, dass es dieser Skizze ergehen wird wie den Zeichnungen, die Leonardo da Vinci Ende des 15. Jahrhunderts vorlegte. Spiralförmige, an einer langen Stange montierte Scheiben waren darauf zu sehen und ein rundes Brett, das einer Sitzplatte glich. Die Skizze wirkte wie eine seltsame Fantasterei, und lange Zeit blieb sie das auch. Mehr als 400 Jahre lang. Dann, Anfang der 1930er Jahre gelang es zwei Franzosen, so ein komisches Gerät zu bauen, damit abzuheben und in der Luft zu bleiben.
Der erste Hubschrauber der Welt.
- Datum 05.09.2009 - 21:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2009 Nr. 22
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Ich begann zu lesen und erwartete einen der typischen Kommentare, die zu Revisionismus aufrufen, den Weg zurück zur sozialen Marktwirtschaft predigen und sich mit grundsätzlicher Analyse und Kritik weitestgehend zurückhalten. Stattdessen wird hier durchaus Grundsätzliches thematisiert.
Zentraler Punkt: Unser Wirtschaften ist Selbstzweck und hat keineswegs den Zweck, Bedürfnisse zu befriedigen. Letzteres ist vielmehr Beiprodukt.
Wie weit die Flugzeug-Metapher trägt, bleibt allerdings fraglich, denn der Wirtschaftshubschrauber, der hier beworben wird, scheint doch einige für den Kapitalismus zentrale Prinzipien nicht in Frage zu stellen. Der Vorschlag sagt eher: Lasst uns weiter Kapitalisten sein, aber irgendwie ohne - zumindest übermäßige - Mehrwertproduktion.
Freilich kann ein Artikel, der in der ZEIT erscheint, harschere Kritik in den Mund nehmen. Ganz sicher richtig und erinnernswert ist aber folgendes:
"Es ist nicht der Durchschnitts-Meyer, der das Wachstum braucht. Es ist auch nicht die Arbeitsgesellschaft. Es ist der Kapitalismus selbst."
Uchatius schreibt: "Das unkontrollierte Wachsen der Geldmenge hatte erst ein Ende, als überall auf der Welt staatliche Zentralbanken eingeführt wurden. Die gibt es heute noch."
Weder die Zentralbank der Zentralbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ, noch die US-FED sind "staatlich":
BIZ: "Aktionäre sind Zentralbanken und trotz der neuen Statuten existieren immer noch einige Privataktionäre."
FED: "... ist das Federal Reserve System teils privat und teils staatlich strukturiert".
Das "Öffentliche" darf getrost als Feigenblatt tituliert werden, da wir, der Souverän, von der Mitwirkung völlig ausgeschlossen sind.
Sämtliche Macht sollte in einem demokratischen Gemeinwesen durch freie und öffentliche Wahlen legitimiert sein, die Geldmacht ist es sicher nicht. Es ist auch nicht anzunehmen, daß die 400 reichsten Familien der Erde, die allein über mehr als 50% des globalen "Vermögens" gebieten, freiwillig ihren Platz räumen.
_______________________________________________________
Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
Uchatius schreibt: "Das unkontrollierte Wachsen der Geldmenge hatte erst ein Ende, als überall auf der Welt staatliche Zentralbanken eingeführt wurden. Die gibt es heute noch."
Weder die Zentralbank der Zentralbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ, noch die US-FED sind "staatlich":
BIZ: "Aktionäre sind Zentralbanken und trotz der neuen Statuten existieren immer noch einige Privataktionäre."
FED: "... ist das Federal Reserve System teils privat und teils staatlich strukturiert".
Das "Öffentliche" darf getrost als Feigenblatt tituliert werden, da wir, der Souverän, von der Mitwirkung völlig ausgeschlossen sind.
Sämtliche Macht sollte in einem demokratischen Gemeinwesen durch freie und öffentliche Wahlen legitimiert sein, die Geldmacht ist es sicher nicht. Es ist auch nicht anzunehmen, daß die 400 reichsten Familien der Erde, die allein über mehr als 50% des globalen "Vermögens" gebieten, freiwillig ihren Platz räumen.
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Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
Ein wirklich sehr schöner Artikel, doch das wort "Wachstum" wird generell in den Köpfen falch verstanden und Falch Definiert, "Wachstum" kann in Verschiedenen Formen definiert und Umstrukturiert werden, ob Ökonomisch Ökologisch oder Capitalistich. Sehr sinnvoll ist der Gedanke mit dem "Grundeinkommen", statt vierzig stunden zwanzig stunden, nur hätte es sich besser gelesen wen sie die Finanzierung dazu geschrieben hätten "dazu muss der Meyer je nach Qualifikation und Können jederzeit einsatz bereit sein, das kann Soziale und Handwerkliche tätigkeiten sein". Das Streben sollte also die Gemeinschaft sein und nicht das Einzelne, was Opel Falch macht ist Opel strebt einen Wachstum nach "mehr Autos produzieren und Verkaufen" was einem Schneeball system gleich kommt, den irgendwan ist schluss. Bedenken sie an einem alten Sprichwort ein einer allein kann kein bündel zweig brechen aber Gemeinsam hätte man genug Kraft dafür, Meiner meinung nach ist "Wachstum" Kein Fortschritt, Fortschritt währe es das streben nach anders Denken und Alternative Wege zu Wagen im sinne von Pionier geist, Bedenken sie die Erfindungen die die Welt verändert haben wie Telefon Fernseher oder Ähnliche beispiele, und wenn diese Fortschritte sich auch noch mit der Ökologie verträgt dan ist man schon auf dem richtigen weg.
Vor ein paar Wochen habe ich noch mit meinen Eltern diskutiert, was denn die Alternative ist, wenn weder Kommunismus, noch Kapitalismus in ihrer Umsetzung funktionieren. Ein sehr mutiger Artikel über eine mögliche Alternative zu bereits gescheiterten Systemen?
ein interessanter und zum Nachdenken anregender Artikel, ohne Zweifel. Doch ich habe Einwände, von denen ich hoffe, dass sie jemand widerlegen kann.
Der Artikel legt nahe, dass die post-wachstums-phase zum Greifen nahe ist (weil wir genügend Waschmaschinen haben) und dass es an einem Systemfehler des Kapitalismus liegt, dass wir die Kurve nicht kriegen.
Vielleicht stimmt aber beides nicht. Vielleicht erkennt man eine post-wachstums-phase daran, dass die kapitalistisch selbstregulierten Zinsen wie auch die Renditen seriöser Anlageformen so niedrig werden, dass der Renditedruck nachlässt. Natürlich wird es auch dann Anlageformen mit hoher Rendite geben um zu belohnen, dass die Anleger ein höheres Risiko eingehen. Und natürlich wird es auch dann Leute geben, die im Bewerten von Risiken besser sind als andere und die dafür vom System belohnt werden (was man nicht immer mit Bosheit kommentieren sollte).
Warum sind wir noch nicht so weit? Weil unser Wohlstand (i.S. von Waschmaschinendichte) auf zwei wackeligen Füßen steht: zum einen wurde und wird er finanziert durch einen technologischen und logistischen Vorsprung vor Ländern mit deutlich niedrigerem Lohnniveau. Zum anderen haben wir Schulden angehäuft, obwohl die demographische Entwicklung diese Schulden immer weniger Steuerzahlern aufbürdet. Daraus folgt: Kapital geht dorthin, wo das Rendite / Risikoverhältnis am günstigsten ist, und das kann durchaus im Ausland sein. Außerdem sparen die Leute zurecht, weil sie ahnen, dass sie sich nicht auf bessere Zeiten verlassen können.
wir haben keinen mangel an gütern; weder an nahrung, autos oder waschmaschinen. wenn wir wollten, könnten wir doch die produktion hochfahren und jeden haushalt der welt mit nahrung, autos und 3 waschmaschinen ausstatten... sofern das geld dafür da wäre, d.h. gleichverteilt!
ein weiteres phänomen ist doch auch, dass wir 5-10% arbeitslosigkeit haben. das wirtschaftliche system scheint an produzenten keinen bedarf mehr zu haben o_O
hier ist doch etwas faul!
wir haben keinen mangel an gütern; weder an nahrung, autos oder waschmaschinen. wenn wir wollten, könnten wir doch die produktion hochfahren und jeden haushalt der welt mit nahrung, autos und 3 waschmaschinen ausstatten... sofern das geld dafür da wäre, d.h. gleichverteilt!
ein weiteres phänomen ist doch auch, dass wir 5-10% arbeitslosigkeit haben. das wirtschaftliche system scheint an produzenten keinen bedarf mehr zu haben o_O
hier ist doch etwas faul!
Aber:
Nach dem Ende von Feudalsystem, Theokratien etc. ist (neben flächendeckender Volksverdummung) das Zinssystem die letzte Herrschaftsstruktur, mit der einige wenige Macht über ganze Völker ausüben können.
Deshalb wird das Zinssystem niemals freiwillig aufgegeben werden.
Ich verstehe nicht, was neu oder mutig an diesem Artikel sein soll.
Ob wir auf Wachstum verzichten können? Nein selbstverständlich nicht, oder wir finden uns damit ab, dass 2/3 der Menschheit nicht genug zu essen hat und auch kein unseren Vorstellungen sozial verantwortbare Existenz.
Was ist denn Wachstum anderes als die Schaffung von Wohlstand und Existenzgrundlage?
Der Unterschied der hier gezogen wird, kapitalistisches Wachstum, ökologisches Wachstum etc. ist überhaupt keiner.
Richtig ist, das reines Mengenwachstum auf Dauer ein Problem darstellt, das kann nicht die Antwort auf die Überbevölkerung des Planeten sein.
Was wir brauchen ist qualitatives Wachstum.
Das Problem dabei ist nur, dass sich ein solches Wachstum weder planen noch verordnen lässt. Man kann bestenfalls günstige Rahmenbedingungen dafür schaffen, denn qualitatives Wachstum entsteht durch Erfindergeist und Genie, es ist nicht organisierbar.
Wir sollten uns aber darüber klar sein, das in einem solchen Falle unser Sozialstaat weitgehend in Frage gestellt werden muss, denn er schafft den Ausgleich weitestgehend durch Mengenwachstum zu Lasten qualitativen Wachstums, denn nur Quantität ist steuerbar und Absicherungsinstrumente des Sozialstaates sind gleichzeitig Wettbewerbsnachteile für Erfinder und Genies.
Qualitatives Wachstum, also Wachstum das die Effizienz erhöht, ist wohl auf Dauer die einzige Chance, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Die aktuelle ökologische Förderung ist aber primär ökonomisch quantitativ, sie trägt zur Streckung der Probleme bei, insofern könnte sie vorübergehend hilfreich sein, bleibt aber selbst Teil des Problems.
Jede echte ökologische Maßnahme setzt zwingend ökonomische Effizienz voraus.
Dieser Satz gilt nicht umgekehrt, das liegt daran, dass Ökonomie in einem größeren nicht wirtschaftlichen Zusammenhang steht und damit die Ökonomie als eine Teilmenge dieses größeren Zusammenhangs für sich Ökologie nicht benötigt.
Es ist also leichter und schneller mögliche durch ökonomische Wachstum die Menschheit satt zu bekommen, als unter Einbeziehung der Ökologie. Was nichts anders bedeutet, als das ein Mindestmass an ökonomischen Erfolg Voraussetzung ist, damit ökologisches Wachstum überhaupt möglich wird.
Wir tun uns allerdings sehr schwer die Disziplin aufzubringen dieses Grundbedürfnis nicht durch Mengenwachstum zu erreichen, das zwar schnelles Wachstum verspricht und auch schafft, aber sowohl krisenanfällig ist, wie auch ökologisch bedenklich. Doch sagen sie das mal dem Opelarbeiter, der demnächst vielleicht seinen Job verlieren müsste!
Berthold Grabe
> oder wir finden uns damit ab, dass 2/3 der Menschheit nicht genug zu essen hat
das ist doch blödsinn. wir haben genug nahrungsmittel um die gesamte menschheit zu ernähren (siehe Jean Ziegler: "Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."). was wir haben ist ein verteilungsproblem an geld und nahrung. die 3. welt sitzt in einer schuldenfalle, aus der sie ohne schuldenerlass nicht mehr rauskommt. aber wenn wir das machen, wird unser wirtschaftssystem zusammenbrechen. diese abhängigkeit ermöglicht es uns auch die 3. welt auszubeuten, um uns billigste nahrung zu beschaffen, die halt über die halbe erdkugel geschifft wird. nebeneffekt ist, dass dort die lokale bevölkerung hungert und unsere eigenen bauern und landschaftserhalter verschwinden.
... und dann erst posten; bitte.
So wie jetzt gehts nicht weiter Punkt!
Wir brauchen keine Bedenkenträger mehr
- keine Rechenmaschinen, die sich erst bewegen,
wenn jemand ihnen garantiert, dass ihr armes Leben 'genauso' weitergehen wird wie bisher...
> oder wir finden uns damit ab, dass 2/3 der Menschheit nicht genug zu essen hat
das ist doch blödsinn. wir haben genug nahrungsmittel um die gesamte menschheit zu ernähren (siehe Jean Ziegler: "Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet."). was wir haben ist ein verteilungsproblem an geld und nahrung. die 3. welt sitzt in einer schuldenfalle, aus der sie ohne schuldenerlass nicht mehr rauskommt. aber wenn wir das machen, wird unser wirtschaftssystem zusammenbrechen. diese abhängigkeit ermöglicht es uns auch die 3. welt auszubeuten, um uns billigste nahrung zu beschaffen, die halt über die halbe erdkugel geschifft wird. nebeneffekt ist, dass dort die lokale bevölkerung hungert und unsere eigenen bauern und landschaftserhalter verschwinden.
... und dann erst posten; bitte.
So wie jetzt gehts nicht weiter Punkt!
Wir brauchen keine Bedenkenträger mehr
- keine Rechenmaschinen, die sich erst bewegen,
wenn jemand ihnen garantiert, dass ihr armes Leben 'genauso' weitergehen wird wie bisher...
Nun, auch wenn ich einen Aspekt vermisst habe, ist dieser Essay sehr bedenkenswert. Wer in den letzten Jahren Bewerbungsgespräche geführt hat und weiss, wie sehr man sich verbiegen muss, um selbst für ein, mitunter noch nichteinmal bezahltes, Praktikum dann doch nicht genommen zu werden, ahnt, dass dieses System krank ist und eine Alternative überfällig.
Erst recht nachdenklich macht mich, dass 1/3 aller Studenten Betriebswirtschaft studieren.
Gewiss, BWLer sind nicht nur in höheren Mangemantetagen und im Controlling gefragt, man braucht sie auch in Banken und Versicherungen. Aber wenn 1/3 aller Akademiker im Wesentlichen Geldströme verwalten sollen, woher kommen diese Geldströme, wer benötigt sie, wem nutzten sie?
Ingenieure und Naturwissenschaftler entwickeln, konstruieren, überwachen, Ärzte heilen, Gesellschafts- und Sozialwissenschaftler schreiben, produzieren Schöngeistiges, aber BWLer?
Auch frage ich mich, wie es sein kann, dass man als ausgebildeter Naturwissenschaftler (selbstverständlich mit Einserabitur und mehreren Fremdsprachen), kaum eine Lücke mehr findet und sich fragen muss, ob es Zeit ist, sich damit abzufinden, die berufliche Zukunft dauerhaft in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder gar an einer Supermarktkasse o.ä. zu suchen.
Doch ein Aspekt wurde mir nicht ausreichend beleuchtet: Der Wachstumsbegriff.
Wirtschaftswachstum entsteht dann, wenn man nachher in der Summe der Volkswirtschaft mehr Buchwerte hat als zuvor, wobei Ausbuchungen nicht gegengerechnet werden.
Baue ich etwa ein Haus, so ist dies ein volkswirtschaftlicher Gewinn und damit Teil des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr, im nächsten Jahr ist es Bestand und kommt in der Bilanz nicht mehr vor. Baue ich eine neue Heizung oder bessere Fenster ein, so trägt dies wiederum zum Wachstum bei.
So weit, so logisch.
Doch wie bekomme ich maximales Wachstum aus meinem Haus?
Ganz einfach, indem ich es in Brand stecke. Unlogisch?
Das alte Haus wird abgeschrieben, ausgebucht, ganz ohne Negativwachstum, der Brandsachverständige hat etwas zu tun, braucht Stifte, Papier etc., gut für's Wachstum. Der Neubau des Hauses ist erst recht ein großer Wachstumseffekt und auch das lokale Möbelhaus profitiert.
Toll, nicht? Ihr wollt Wachstum, brennt Eure Städte nieder! Und nicht ist besser für das Wachstum als ein Krieg.
Dieser Wachstumsbegriff ist offenkundiger Unsinn, wird aber leicht modifiziert bis heute verwendet.
So ist es auch fünfmal Wachstum, eine natürliche Ressource wie Erdöl zu fördern, zu raffinieren, zu transportieren, weiter zu verkaufen und schließlich beim Kavaliersstart vor der Ampel zu verheizen.
Dass die natürliche Ressource, mit der man vielleicht auch Medikamente oder hochwertige petrochemische Produkte hätte erzeugen können, für immer verloren ist, stört das Wachstum ebenso wenig wie die Folgewirkung für das Weltklima.
Danke für Ihren sehr nachdenkenswerten Artikel.Ja, Sie haben vollkommen Recht, es ist schon ein Indiz für eine Fehlentwicklung, wenn ein Drittel aller Erstsemester ein Studium der BWL beginnen.Aber dafür gibt es mehrere Gründe.Ich denke, ein naturwissenschaftliches Studium ist in der Regel viel anspruchsvoller, aber im Übigen wirken auch die Kräfte des Marktes.Wobei ausgebildete Ingenieure doch wohl Mangelware sind und ein Ingenieurstudium gute Chancen bietet, einen anspruchsvollen und gut dotierten Arbeitsplatz zu bekommen.
Aber um zur Fragwürdigkeit des Wachstumsbegriffs zu kommen.:Inzwischen wurde der Begriff des qualitativen Wachstums geprägt, der gegenüber dem quantitativen Wachstum zu bevorzugen ist.In einem endlichen System, das unsere Erde ausmacht, kann es kein unbegrenztes quantitatives Wachstum geben. Wer soll aber entscheiden, wo qualitatives Wachstum entstehen soll? Die Entscheidung des Was der Produktion trifft in der Marktwirtschaft zum einen der Verbraucher, aber beeinflusst durch die Werbeindustrie.Die Politik greift ein durch Aufklärung, Steuerpolitik und Subventionen. Die Bedeutung der Reduktion der Klimakiller ist uns allen gegenwärtig.Aber welche Instrumente der Umsteuerung im globalen Ausmass können in demokratischen, freien Gesellschaften angewandt werden? Und wie wird den Bedürfnissen der vielen Armen in der Welt Rechnung getragen? Wer setzt die Prioritäten?Und wieviel Zeit haben wir überhaupt noch zur Lösung der existentiellen Fragen unseres Lebensstil, der auf den Prüfstand gehört.
>In der JUgendzeitschrift meiner Tochter war jetzt ein Bericht über Inselbewohner nordöstlich von Australien, die ihre kleinen Inseln verlassen müssen, weil der Meeresspiegel immer höher gestiegen ist und ihre Brunnen versalzt und ihre Felder überspült hat. Ein paar tausend Menschen sind gezwungen, sich woanders eine Heimat zu suchen und sie sollen auch noch selbst für ihre Umsiedlung bezahlen, obwohl sie dafür gar kein Geld haben und wer nimmt sie auf?Und das ist vermutlich erst der Anfang dessen, was unsere Art zu wirtschaften an Problemen hervorruft und Menschen trifft, die überhaupt nicht zu den Verursachern zählen.
"Toll, nicht? Ihr wollt Wachstum, brennt Eure Städte nieder! Und nicht ist besser für das Wachstum als ein Krieg."
Man muss ihn nur verlieren.
Danke für Ihren sehr nachdenkenswerten Artikel.Ja, Sie haben vollkommen Recht, es ist schon ein Indiz für eine Fehlentwicklung, wenn ein Drittel aller Erstsemester ein Studium der BWL beginnen.Aber dafür gibt es mehrere Gründe.Ich denke, ein naturwissenschaftliches Studium ist in der Regel viel anspruchsvoller, aber im Übigen wirken auch die Kräfte des Marktes.Wobei ausgebildete Ingenieure doch wohl Mangelware sind und ein Ingenieurstudium gute Chancen bietet, einen anspruchsvollen und gut dotierten Arbeitsplatz zu bekommen.
Aber um zur Fragwürdigkeit des Wachstumsbegriffs zu kommen.:Inzwischen wurde der Begriff des qualitativen Wachstums geprägt, der gegenüber dem quantitativen Wachstum zu bevorzugen ist.In einem endlichen System, das unsere Erde ausmacht, kann es kein unbegrenztes quantitatives Wachstum geben. Wer soll aber entscheiden, wo qualitatives Wachstum entstehen soll? Die Entscheidung des Was der Produktion trifft in der Marktwirtschaft zum einen der Verbraucher, aber beeinflusst durch die Werbeindustrie.Die Politik greift ein durch Aufklärung, Steuerpolitik und Subventionen. Die Bedeutung der Reduktion der Klimakiller ist uns allen gegenwärtig.Aber welche Instrumente der Umsteuerung im globalen Ausmass können in demokratischen, freien Gesellschaften angewandt werden? Und wie wird den Bedürfnissen der vielen Armen in der Welt Rechnung getragen? Wer setzt die Prioritäten?Und wieviel Zeit haben wir überhaupt noch zur Lösung der existentiellen Fragen unseres Lebensstil, der auf den Prüfstand gehört.
>In der JUgendzeitschrift meiner Tochter war jetzt ein Bericht über Inselbewohner nordöstlich von Australien, die ihre kleinen Inseln verlassen müssen, weil der Meeresspiegel immer höher gestiegen ist und ihre Brunnen versalzt und ihre Felder überspült hat. Ein paar tausend Menschen sind gezwungen, sich woanders eine Heimat zu suchen und sie sollen auch noch selbst für ihre Umsiedlung bezahlen, obwohl sie dafür gar kein Geld haben und wer nimmt sie auf?Und das ist vermutlich erst der Anfang dessen, was unsere Art zu wirtschaften an Problemen hervorruft und Menschen trifft, die überhaupt nicht zu den Verursachern zählen.
"Toll, nicht? Ihr wollt Wachstum, brennt Eure Städte nieder! Und nicht ist besser für das Wachstum als ein Krieg."
Man muss ihn nur verlieren.
Zitat : Zu den wichtigsten Aufgaben eines Finanzvorstands gehört es, die Schulden seines Unternehmens zu verwalten. Nahezu jedes große Unternehmen muss sich Geld leihen, um Geld zu verdienen. Es braucht den Kredit, um Arbeiter zu bezahlen, Maschinen zu betreiben, Autos zu bauen. Hinterher, wenn die Autos verkauft sind, werden die Schulden beglichen.
Fakt ist aber, auch wenn die Konzerne gute Umsätze und Gewinne machen, die Schulden werden so gut wie nie zurück gezahlt. Es kommt sogar oft genug vor, dass Firmen mit bis zu etlichen Milliarden Euro Schulden tilgen könnten, aber den Aktionären zu liebe sogar noch ein paar Millarden Schulden zusätzlich aufnehmen, um saftige, aber völlig unnötig hohe Dividenden auszuzahlen, welche die Substanz der Unternehmen aushöhlen. Und wenn es nicht die Dividenden sind, dann sind es unnötige Übernahmeversuche wie bei Porsche -> Volkswagen, Schaefler -> Conti, Daimler Benz -> Chrysler oder BMW -> Rover. Firmen verbrennen unnötig Geld, weil der Staat dem keinen Riegel vorschiebt. Hohe Verschuldung der Firmen hat auch ihre Ursache in den guten Abschreibungsmöglichkeiten und damit in der Steuervermeidung. Der Staat treibt die Unternehmen geradezu mit seinen Gesetzen in die Verschuldung und damit in den Wachstumszwang. Die Zinsen der Verschuldung werden automatisch in die Preise aller Produkte eingepreist. Der Normalbürger wird so nicht nur mit hohen Steuern, sondern auch mit hohen Produktpreisen belastet und zahlt doppelt für verfehlte Wirtschaftspolitik. FDP und CDU haben diese Zusammenhänge noch nicht begriffen. Unternehmen wie Opel gehen darum an der Unfähigkeit von Politikern wie Guttenberg zu Grunde.
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