Netzkultur Das Netz als Feind
Warum der Intellektuelle im Internet mit Hass verfolgt wird

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Das Netz bietet viele Möglichkeiten, um eigene Beiträge populär zu machen und zu diskutieren. Beiträge im Internet kämpfen ununterbrochen um die Aufmerksamkeit des Lesers
Der Abscheu, der sich im Internet über die letzten Bastionen sachkundiger Meinungsbildung ergießt, hat unverkennbar revolutionären Anstrich: Die in der Existenzkrise befindliche Zeitung ebenso wie ihr Pendant im Netz seien veraltete Machwerke von Oligarchen; Foren, Blogs, selbst Plattformen wie Pirate Bay, über die urheberrechtlich Geschütztes illegal bezogen werden kann, hingegen verkörperten antiautoritäre Freiheit, Gegenöffentlichkeit und seien damit moralisch veredelt. Der unterdrückte Underground fege emanzipatorisch endlich das Establishment hinweg. Geschwindigkeit siege über Behäbigkeit, Spontaneität über Professionalisierung, der Unvergütete über den Honorierten. Ein vom Verlag angestellter Journalist ist gegenüber dem Blogger immer schon im Unrecht – wie einst der Fürst im Ancien Régime gegenüber dem Bürger, der Moral und Fortschritt auf seiner Seite hatte.
Jedem, der wachen Auges durch das Internet streift, ist die antiintellektuelle Hetze in den Kommentaren vertraut, die sich gegen angeblich Sperriges richtet, gegen kühne Gedanken, gegen Bildung überhaupt. Man lese nur jene höhnischen Nutzerbeiträge, die sich als Wurmfortsatz unter einem typischen Feuilletonartikel finden. Leser mit technokratisch verschlüsselten Namen wie muehl500 beklagen regelmäßig »akademisch anmutende Wortakrobatik« und Abgehobenheit eines Artikels. Nicht den Hauch einer Berechtigung hat die Hoffnung, noch auf Leser zu stoßen, die – vielleicht gar leicht verschämt – Unverstandenes als Antrieb begreifen, ihre Bildungs- und Konzentrationsdefizite zu beheben. Ein Autor, der ein bestimmtes Niveau nicht unterschreitet, hat schlechterdings seinen Job nicht gut gemacht, sich einfach nicht durchringen können, sein Schaffen als Dienstleistung für Durchschnittskonsumenten zu begreifen.
Wir leben in einer Übergangsphase. Noch gibt es die Papierzeitung und ihr Pendant im Netz. Die Papierzeitung versammelt den politischen Skandal, Boulevardeskes und das gegenwartsanalytische Feuilletonstück. Letzteres mag vergleichsweise wenig Leser finden, verleiht der Zeitung als Ganzes aber Autorität. Sie wird ernst genommen gerade aufgrund jener Beiträge, die nicht von jedem widerstandslos verdaubar sind. Das Netz jedoch kennt kein Zusammenwirken von Texten unterschiedlichen Anspruchs und Zuschnitts zum höheren Ganzen. Sie befinden sich unterschiedslos im Wettstreit um die Aufmerksamkeit des Lesers: Man gelangt auf Artikel zumeist durch die Eingabe eines Suchbegriffs, seltener aber, indem man gezielt ein bestimmtes Portal aufsucht und sich ausschließlich darin bewegt. Der Reiz des Netzes besteht in der notorischen Aufhebung der geschlossenen Form vom Internetauftritt eines Anbieters, der auf diesen Umstand wiederum reagiert, indem er Beiträge möglichst populär verschlagwortet, damit sie in der Ergebnisliste von Google weit oben auftauchen. Attraktiv ist ein einzelner Beitrag im Internet, wenn er möglichst viele Leser findet. Attraktiv ist ein einzelner Beitrag für die Papierzeitung, wenn er ihr, im Sinne der Mischkalkulation, zu einem ansprechenden Gesamtprodukt verhilft.
Die meisten von Zeitungs- und Magazinverlagen geführten Internetangebote neigen mittlerweile dazu, in bislang ungeahntem Ausmaß leicht Bekömmliches dem argumentationslastigen Stück, die Nachricht der Analyse vorzuziehen. Überschrift und Unterzeile verlangen nach einer hysterischen Zuspitzung. Indes kommt es einer Odyssee gleich, sich durch das Dickicht von Links innerhalb eines Nachrichtenportals zu kämpfen, um noch Kritisches im alten Wortsinne zu finden: Artikel, die sich der Kunst filigraner Beurteilung und Unterscheidung, der gewagten Infragestellung von Sachverhalten widmen.
Der unmittelbar messbare Markterfolg eines Textes im Internet unterliegt jenem massenkulturellen Sog, der seit Anbeginn der Moderne beklagt wird. Intellektualismus überlebte, solange kein Medium zur Hand war, ihn dem nackten Wettbewerb zu unterwerfen. Nun herrscht das Diktat der Mehrheit ausgerechnet im Mantel des Demokratiezugewinns: Breite Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs sei egalitär, ergo sei sie demokratisch. Wer so argumentiert, übt Verrat am formalistischen Kern der Demokratie: Er hat weder die Übertragung von Souveränität auf Vertreter im Blick noch robuste Institutionen, die Partizipation strukturieren und begrenzen. Vielmehr wird das Mehrheitsprinzip nach marktwirtschaftlichem Vorbild geltend gemacht. Es hat sich auf vormals von der Marktlogik geschützte Bereiche wie Wissenschaft, Kunst und Bildung ausgedehnt, die wie feudale, auszumerzende Restbestände traktiert werden.
Es geht vom prinzipiell egalitaristisch strukturierten Netz eine normierende Gewalt aus, deren prägnantester Ausdruck die Bewertung von Serviceleistungen sind. Wer über Google Maps einen Orthopäden in seiner Nähe sucht, dem wird sogleich der Quotient von Beurteilungen über dessen Praxis angezeigt, die, bei Lichte besehen, grob rufschädigend sind. Ein bis fünf Sterne können vergeben werden samt Kommentar: Nur ein Stern von Gaby, da sie trotz Terminabsprache eine halbe Stunde auf die Behandlung warten musste, doch immerhin zwei Sterne von Max, dessen Hüftleiden zwar fachgerecht behoben wurde, doch der Mundgeruch des Arztes sei kaum zu ertragen gewesen usw. »Zehn Deutsche«, sagte Heiner Müller, »sind dümmer als fünf Deutsche.«
Bildungsfeindlichkeit gelangte zuletzt prägnant zur Blüte in den beiden sozialistischen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Sie richteten sich gegen den störrischen, nicht restlos absorbierbaren Intellektuellen, der sich einst seines Einzelgängertums rühmen durfte und als freier Autor oder Journalist sein Auskommen fand, insofern die Universität nicht für ihn sorgte. Schutzlos ist er allerdings, wo ausschließlich die Anzahl seiner Anhänger über seine Relevanz entscheidet. Tödlich wäre es für den Intellektuellen, einzustimmen in den Lobgesang einer bunten Welt von Teilöffentlichkeiten, die eine bislang klar strukturierte, von Institutionen gefilterte Öffentlichkeit ersetzt. Er mag zwar einen feinsinnigen Blog führen, doch seine Minderheitenmeinung ist darin zu schwach, um gehört zu werden – oder gar um lukrativ zu sein.
Man geht indes fehl, den Intellektuellen als bildungshuberischen Besitzstandswahrer aufzufassen, der grimmig den Verfall von Lateinkenntnissen beklagt. Man verengt auch sein Wesen, wenn man ihn als Sprachrohr einer bestimmten politischen Strömung begreift. Vielmehr ist er jener Störenfried, wie ihn José Ortega y Gasset in seinem Aufsatz Der Intellektuelle und der Andere (1940) umriss: »Auf den ersten Blick scheint er ein Zerstörer, man sieht ihn, einem Metzger vergleichbar, stets die Hände voll von Eingeweiden der Dinge. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Intellektuelle kann nicht, auch wenn er es wollte, im Hinblick auf die Dinge Egoist sein. Er macht aus ihnen ein Problem. Das ist das höchste Kennzeichen der Liebe.« Der Intellektuelle wundert sich, wo sich niemand wundert. Er ist, wo er auftritt, ein produktiver Gegner selbst noch des Publikationsorgans, für das er schreibt, das ihm – dem ersten Anschein nach in geradezu widersinniger Weise – den Broterwerb sichert. Sein Blick auf das »Entlegene, der Haß gegen Banalität ... ist die letzte Chance für den Gedanken« (Adorno). Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag. Er stabilisiert Demokratie, indem er sich ihr wesenhaft entzieht.
Bekämpft wird er heute von gleich mehreren Seiten. Von Universitäten, die ihre Professoren durch verschulte Studiengänge zu Referenten des Immergleichen degradieren, von verlagsgeführten Internetzeitungen und E-Book-Verlagen, die ihre sogenannten Contents radikal dem internetspezifischen Marktprinzip unterwerfen dürften, von der Aushöhlung des Urheberrechts, schließlich von einer heraufziehenden Laienkultur, die sich ihrer Unbedarftheit rühmt: vom Kneipier, der einen Blog über den Bundestagswahlkampf führt, über die Verwaltungsfachangestellte, deren Gedichte jeder Verleger aus guten Gründen ignorierte, zum Programmierer, der nach Schichtende den Afghanistankonflikt analysiert. Es eint der Neid die Amateure. Was zu kompliziert scheint, wird verhöhnt. Gemeinschaft soll endlich wieder sein, wo noch Gesellschaft ist. Nichts anderes meinen Heil versprechende Begriffe des Netzes wie »Interaktion«, »Partizipation« oder »E-Community«, die jene Selektionsmechanismen aus der Welt zu schaffen versprechen, auf deren Anerkennung jeder Aufklärungsdiskurs beruht.
Mit zum Plumpesten gehört derzeit die Kritik an Kulturkritik. Der Kulturkritiker, heißt es, habe schon immer in übertriebener Weise vor dem Radio, dem Fernsehen und der Popmusik gewarnt. Tatsächlich hätten die schöne Literatur, das Feuilleton und das Sachbuch bestens überlebt. Gefragt wird nicht: Auf welchem Niveau? Vorausgesetzt wird: Die Geschichte sei von ständig anwachsender Komplexität, sie häufe kulturelle Güter, Medien und Wissensformen unbegrenzt an. Ein flüchtiger Blick in die Vergangenheit lehrt das Gegenteil, er zeugt von regelmäßigen Bildungsbrüchen, die sich mal schleichend, mal abrupt nach Umstrukturierungen des Gemeinwesens und Öffentlichkeitsriten ereignen. Vom 4. Jahrhundert an etwa fristete das Wissen um rhetorische Kompetenz, Dichtkunst und Kunstgewerbe nur mehr ein Schattendasein in Klöstern, fernab jeder breiteren gesellschaftlichen Vermittlung. Werke, die fortan geschaffen wurden, waren über Jahrhunderte Kompilationen, Flickenteppiche diverser Protagonisten, die sich nicht mehr als schöpferische Individuen verstanden. Jenes ungeordnete Wuchern von damals lässt sich heute wieder auf zahlreichen Wikipedia-Seiten bestaunen, die der Redigatur bedürfen, wobei es aber gar nicht mehr in ihrem Wesen liegt, redigiert zu werden. Ein Beitrag im Netz, so die Verheißung, werde in der sogenannten Wissensgesellschaft wertvoller, je mehr Autoren an ihm herumlaborieren, ihn kommentieren, entweihen, seine wohlkomponierte Geschlossenheit aufbrechen, ihn kollektivieren zur flüchtigen Gedankenkolchose. Kooperation und Austausch sind die heiter propagierten Fetische, im Netz wie in Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen, die Muße bekämpfen und intellektuelles Einzelgängertum, da sie für die Volksgemeinschaft nicht verwertbar scheinen.
Verwunderlich ist es nicht, dass der Intellektuelle immer mal wieder in der Geschichte zum Schweigen gebracht wird, wie Ortega sagt. Denn »der Andere«, »der ganz Andere«, der Nichtintellektuelle, ist sein beständiger, ihm zahlenmäßig immerzu überlegener Feind. Der Andere »lebt in einer Welt, deren Dinge ein für alle Male sind, was sie zu sein scheinen«. Ein neues Medium, ein Gedanke, ein technisches Gerät sind dem Anderen schon deshalb gut und erstrebenswert, weil sie sich auf dem Markt durchgesetzt haben – weil sie Zeitgenossenschaft atmen. Der Andere tritt dabei bisweilen durchaus in der Verkleidung des Intellektuellen auf – etwa als digitaler Bohemien, der sein virtuelles Sozialleben verwaltet und ordnet wie die fleißige Hausfrau Staubtücher und Putzgerät. Doch der Andere durchlebt nur den faulen Zauber seiner immerzu toten Gegenwart: »Sein Leben wird immer daraus bestehen, ... die Dinge zu handhaben, zu gebrauchen, sie so gut wie irgend möglich zu seinem Vorteil zu nutzen.« Dem Anderen ist der Intellektuelle ein Schmarotzer. Er ahnt, dass die Beschäftigung des Intellektuellen – das muntere Hinterfragen und Auseinanderlegen seiner Umwelt – kaum als Arbeit aufgefasst werden kann. Der Kalender des Intellektuellen »besteht aus lauter Festtagen… Sein Tageslauf besteht aus lauter Überraschungen. Seine Pupille ist von Staunen geweitet.«
So untüchtig er scheint – er wird nicht aussterben. Der Intellektuelle wird untertauchen wie der Taucher in die Tiefe, er wird Internetrandzonen bewohnen, Foren, die nur von seinesgleichen aufgesucht werden. Wie ja auch die Bullenzüchter der Welt sich heute in geschlossenen Zirkeln austauschen oder die Hebammen über ihr Wirken. Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden. Seine Spur ist eine, die bald schon Wellen glätten.
- Datum 02.06.2009 - 13:57 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2009 Nr. 22
- Kommentare 173
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Mal so ein richtig aufbauendes Stück Kulturpessimismus tut gut! Betonen sollte man noch, dass es natürlich immer Intellektuelle waren, die die Intellektuellenfeindlichkeit gefördert haben. Aber, was soll's? Der Elfenbeinturm ist doch ein gemütlicher Ort - man muss nur auf Applaus verzichten können!
Ich kann diese Tendenz beim besten Willen nicht feststellen.
Was ich allerdings feststelle, daß mit Hilfe von Blogs und Internet die Meinungsvielfalt deutlicher geäußert wird. Und, daß vor allem die einseitige Meinungsmanipulation von bezahlten Autoren unterlaufen wird. Für eine demokratische Meinungsbildung sind unabhängige und vielfältige Informationen notwendig. Nicht umsonst belegt die Politik viele ihrer Entscheidungen mit dem Geheimnisetikett, siehe die verfassungswidrige Bankenhilfe.
Medien, deren Existenz von der Unterstützung der inserierenden Industrie abhängt, können nicht objektiv sein. Und gerade heute, im Zeitalter zunehmender Komplexität brauchen wir unabhängige, auch widersprechende, Informationen. Diese Leistung bringen der derzeitigen Massenmedien nicht. Um ihr eigenes Defizit zu kaschieren, werden die "Laienjournalisten" diffamiert und die Internetöffentlichkeit herabgesetzt. Gerade im Internet äußern sich viele hochintelligente und gebildete Menschen, nur entsprechen ihre Äußerungen oft nicht dem gewünschten Meinungsmainstream.
Intellektuelle werden im Internet nicht mit Hass verfolgt, nur ist für einfache Gemüter deren Denkweise oft auf Grund mangelnder Informationen nicht nachvollziehbar. Der die B--D-Zeitung als einzige Informationsquelle nutzt, darf sich über ein einfaches Weltbild nicht wundern.
Dieser angebliche Hass wird häufig auch von angestellten Meinungsmanipulateuren geäußert, die gesellschaftliche Meinungen manipulieren wollen. Ein Paradebeispiel sind die aktuellen Umfragen zum Sperren unliebsamer Internetangebote (z.B. Kipo oder rechtsextremistischer Seiten) durch Manipulation der Internetinfrastruktur ohne die Möglichkeiten einer demokratischen Kontrolle (s.o. Geheimnisprinzip).
Es geht in dem Artikel hauptsächlich darum, die anderslautenden und vielfältigen Meinungen im Internet abzuqualifizieren, die Motive mit primitivem Hass zu versehen und eine intellektuelle Meinungsführerschaft einiger weniger als erstrebenswert hinzustellen. Immer nach der Devise, wer Ansichten gegen den gewünschten Mainstream äußert, der muß die Intellektuellen hassen und dessen Argumentation soll man nicht ernst nehmen.
mit dem Titel Ihres Kommentars haben Sie sich sicher viel Mühe gegeben ...
mit dem Titel Ihres Kommentars haben Sie sich sicher viel Mühe gegeben ...
Von Intellektuellenfeindschaft im Netz habe ich heute erstmals gehört. Gemerkt hatte ich davon nie etwas, obwohl ich mir einbilde, ein Intellektueller zu sein.
Vielleicht ist der Verfasser ja weniger als Intellektueller, denn als besoldeter Vertreter der Massenmedien zu dem Gefühl gekommen, dass man dergleichen nicht schätzt.
Im Internet nützt es den besoldeten Meinungsmachern der Journaille nichts, die Vertreter einflussreicher Kreise zu sein. Die Journalisten träumen von früher, als man den kritischen Leserbrief in den Papierkorb entsorgen und am nächsten Tag weiterlügen konnte.
Das ist freilich aus. Im Normalfall vergeude ich meine Zeit nicht mehr damit, mich von käuflichen Medien anlügen zu lassen.
Wer liest denn die ZEIT? Im Normalfall Beamte, Lehrer und Angestellte, die aus beruflichen Gründen gezwungen sind, immer die politisch korrekte Auffassung zu allen möglichen Themen haben zu müssen. Die finden sie in der ZEIT und können sie unbesorgt nachplappern. Mehr gibt das Blatt auch nicht her.
Anspruchsvolle Informationen und Diskussionen finden Sie im Internet, wo man bezahlte Pseudointellektuelle der kapitalistischen Lügenpresse freilich nicht mag, kritische Intellektuelle dagegen schon.
(Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik ein wenig sachlicher. Danke. Die Redaktion/jk)
Man muss sich doch über diesen Zusatz wundern:
"Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik ein wenig sachlicher. Danke. Die Redaktion/jk"
Wenn man auf eine Polemik (und nur um eine solche kann es sich bei dem ursprünglichen Beitrag handeln) nicht mehr polemisch antworten darf, ist es um die Diskurskultur freilich schlecht bestellt!
Man muss sich doch über diesen Zusatz wundern:
"Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik ein wenig sachlicher. Danke. Die Redaktion/jk"
Wenn man auf eine Polemik (und nur um eine solche kann es sich bei dem ursprünglichen Beitrag handeln) nicht mehr polemisch antworten darf, ist es um die Diskurskultur freilich schlecht bestellt!
Hass auf Intellektuelle, wenn schon , dann allenfalls ist es eine Ablehnung von denen, die sich von oben herab wahrgenommen fühlen.
Einige der Intellektuellen, finden nur ihre Wortwahl und die ist für viele oft nicht zu verstehen, weil auch deren persönliches Hintergrundwissen zu komplizierten Themen eingeschränkt ist.
Ich persönlich merke das auch manchmal und entsage mich der Teilnahme.
Im übrigen muß ich nicht überall dabei sein und man sollte auch achtgeben, dass man sich nicht selbst überschätzt.
Allerdings fällt man so oft auch auf Schein-Intellektuelle herein, deren Wissen nur daraus besteht, dass sie fleißig irgendwo abschreiben, so sollte man im Internet auch nicht treudoof jedem Wort Glauben schenken.
Ich bleibe dabei.
Hass war und ist hier die falsche Wortwahl, diese Wortwahl war nicht sehr geistreich.
Herzlichst
Orpheus
Lieber Herr Soboczynski,
da Sie ja ein so interlektueller Mensch sind, dürfte Ihnen doch auch mal aufgefallen seien, das sich die Welt regelmässig ändert. Das sind diese Dinge, die Sie so schön als "Staunen" beschrieben haben.
Während des Lesens möge man glauben, da weint sich jemand aus, weil er nicht mehr geliebt wird, weil er seiner Aufgabe entrissen wurde. Nun, Herr Soboczynski, es sei Ihnen versichert, Interlektuelle werden immer einen Platz in der Gesellschaft haben. Aber genauso, wie die Politik das Internet nicht verstanden hat, haben Sie es scheinbar auch nicht verstanden. JEDER darf im Internet sein Wissen (oder Unwissen) zur Verfügung stellen und JA, Kritik (auch ungerechtfertigte) gehört zum Leben dazu. Wenn früher vielleicht nur der Kollege der FAZ über Sie einen Kommentar geschrieben haben mag, so kann das heute auch Tante Frieda aus Klein Kleckersdorf. Das mag manchmal weh tun, andererseits eröffnet es Ihnen aber vielleicht auch neue Eindrücke, wie das "Volk" denkt. Dies nennt man auch "Meinungsfreiheit" (siehe auch GG §5).
Diese Revolution in der Meinungsfreiheit (welche die Politik ja gerne wieder einschränken möchte), hat natürlich auch ihre Kinderkrankheiten. Wir müssen erst noch lernen, eine Art "Medienkompetenz" zu entwickeln. Dieser Prozess wird aber erschwert von einer sich rasant entwickelnden Technologie, welche vieles neues möglich macht, mit dem wir uns aber erst mal beschäftigen und auseinandersetzen müssen. Aber dieser Herausforderung des Lebens werden wir uns stellen müssen.
Mittelfristig wird sich auch das Niveau im Internet wieder anheben.Es wird sicherlich neue Formen von Medien geben und die gute alte Tageszeitung / Wochenzeitung wird wohl verschwinden. Und es wird auch einen Bruch bei dem Thema Kostenlos geben. Wenn keiner mehr davon leben kann, sinnvolle Informationen und Nachrichten zu liefern, wird diese Quelle versiegen. Aber da wir über Kurz oder Lang ohne diese nicht leben können, werden wir Wege entwickeln, das man davon doch wieder leben kann. Dies wird ein wenig dauern, aber es ist wie mit dem Kind und der Herdplatte. Manche wollen halt die Erfahrung des Schmerzes machen, auch wenn man ihnen 100 mal gesagt hat, das es passieren wird.
Den insgeheimen Wunsch, wieder zurück zum alten System zu schwenken, in dem Sie aus Ihrem Verlagshaus heraus die Deutungshoheit über die Welt hatten, den möchten wir aber nicht gehen. Interlektuell per "Erlass", das ist nun vorbei. Ihre Anerkennung müssen Sie sich jeden Tag neu verdienen, so wie die meisten anderen Menschen auch. In diesem Sinne noch einen schönen Tag
Dem kann ich nur voll zustimmen , . .. und mir einen eigenen Kommentar ersparen !
Der Kommentar wird besser nach hinten hin, mit einem wirklich treffenden finalen Absatz. Schade, dass Herr Soboczynski gar nicht so weit gelesen haben wird, weil er in den ersten Zeilen, zum Beispiel der Falschschreibung "Interlektuelle", nur eine Bestätigung seiner Position sehen wird (wie in vielen anderen Kommentaren hier auch). Das bedeutet nicht, dass die Kommentare nicht zuträfen, sondern, dass sich der kritisierte Autor von vorne herein unerreichbar macht gerade für diese Art von Kritik. Die ist ja Teil seines Arguments, sie ist ihm nur Beleg.
Ich muss meinem Vorkommentator in seiner Auffassung in allen Punkten recht geben. Für meine Begriffe eröffnet gerade das Internet dem Intellektuellen die Möglichkeit, sich frei zu entfalten, obgleich dieser für sein Weltbild und seine Gedanken getadelt wird. Die Qualität im Internet wird oft an Blogs festgelegt, die ohnehin darauf ausgelegt sind, dass die eigene Meinung gefördert wird. So machen beispielsweise Intellektuelle mit Sicherheit einen Bogen um Blogs, die weder Hand noch Fuß haben. Stattdessen sehen sich gerade diese bei Online-Publikationen, wie dieser, um und können meist sofort davon profitieren. Wieso? -> Querverweise. Ich kann als wissenshungriger Informationen wesentlich gebündelter konsumieren, da mir diese Informationen unaufgefordert angeboten und angezeigt werden.
Printmedien sind für mich längst nicht mehr das Maß für den Intellekt, sondern vielmehr ein Beleg dafür, dass ich als junger Mensch/Intellektueller in mitten des Wissenswandels groß geworden bin. Ich spreche dabei natürlich vom Internet. Ich lese täglich duzende Artikel auf Online-Publikationen wie "Der Zeit", "FAZ", "Spiegel" und weiteren, von Printmedien unabhängigen, Online-Publikationen. Ich erhalte einen vollkommen anderen Überblick und kann mein Verständnis stets überprüfen und fort- bzw. ausbilden. Begrifflichkeiten oder ganze historische Abschnitte lassen sich ohne Probleme recherchieren. Möglich macht dies das Internet.
Dem kann ich nur voll zustimmen , . .. und mir einen eigenen Kommentar ersparen !
Der Kommentar wird besser nach hinten hin, mit einem wirklich treffenden finalen Absatz. Schade, dass Herr Soboczynski gar nicht so weit gelesen haben wird, weil er in den ersten Zeilen, zum Beispiel der Falschschreibung "Interlektuelle", nur eine Bestätigung seiner Position sehen wird (wie in vielen anderen Kommentaren hier auch). Das bedeutet nicht, dass die Kommentare nicht zuträfen, sondern, dass sich der kritisierte Autor von vorne herein unerreichbar macht gerade für diese Art von Kritik. Die ist ja Teil seines Arguments, sie ist ihm nur Beleg.
Ich muss meinem Vorkommentator in seiner Auffassung in allen Punkten recht geben. Für meine Begriffe eröffnet gerade das Internet dem Intellektuellen die Möglichkeit, sich frei zu entfalten, obgleich dieser für sein Weltbild und seine Gedanken getadelt wird. Die Qualität im Internet wird oft an Blogs festgelegt, die ohnehin darauf ausgelegt sind, dass die eigene Meinung gefördert wird. So machen beispielsweise Intellektuelle mit Sicherheit einen Bogen um Blogs, die weder Hand noch Fuß haben. Stattdessen sehen sich gerade diese bei Online-Publikationen, wie dieser, um und können meist sofort davon profitieren. Wieso? -> Querverweise. Ich kann als wissenshungriger Informationen wesentlich gebündelter konsumieren, da mir diese Informationen unaufgefordert angeboten und angezeigt werden.
Printmedien sind für mich längst nicht mehr das Maß für den Intellekt, sondern vielmehr ein Beleg dafür, dass ich als junger Mensch/Intellektueller in mitten des Wissenswandels groß geworden bin. Ich spreche dabei natürlich vom Internet. Ich lese täglich duzende Artikel auf Online-Publikationen wie "Der Zeit", "FAZ", "Spiegel" und weiteren, von Printmedien unabhängigen, Online-Publikationen. Ich erhalte einen vollkommen anderen Überblick und kann mein Verständnis stets überprüfen und fort- bzw. ausbilden. Begrifflichkeiten oder ganze historische Abschnitte lassen sich ohne Probleme recherchieren. Möglich macht dies das Internet.
hat hier ein Intellektueller selbst ein wenig Neidgefühle, daß das Internet es dem Prekariat so leicht macht ein Statement abzugeben?
Die Verteilung Intellektueller / Nicht-Intellektueller in der Bevölkerung wird mit Einführung des Netzes sich nicht wesentlich geändert haben, lediglich werden jetzt Meinungen/Ansichten/Vorurteile sichtbar, die vorher nur vermutet wurden und lediglich indirekt Einfluß auf Endscheider nahm.
Spannend ist natürlich wie sich diese nun sichtbare "Stimm"ung auf den Kommerz und die Politik auswirkt, was sicher auch zeitnahe Interaktion im Netz mit sich bringt. Ein zweischneidiges Schwert, das sowohl Ängste als auch Hoffnung schürt.
Etwas was die Politik noch nicht richtig begriffen hat und eher die Angst das Motiv im Umgang mit dem Netz bestimmt. Was sich an den hilflosen Attacken (z.B. Sperren bestimmter, unbequemer Seiten) sichtbar macht, damit Sie wieder Kontrolle über die Kommunikation erhalten.
Die Hoffnung ist mehr auf Seiten des Kommerzes und deren Profiteure. Ein Unternehmer ist immer auch ein Pragmatiker und nutzt das Netz, wie er vorher das Radio, das Fernsehen oder die Presse benutzt hat.
Die Presse hat ein Problem. Sie verdient mit der Weitergabe von Informationen Geld. Das Netz stellt Informationen mit ungeheuerlicher Transparenz, kostenfrei aber Ungefiltert zur Verfügung. Hier ist Journalismus, aber kein Wischi-Waschi-, sondern ernsthafter Journalismus gefragt, um diese Datenmengen verständlich aufbereitet an den "mann" zu bringen.
Diese Qualität endscheidet, ob und wie der Intellektuelle und Nicht-Intellektuelle im Netz aufeinander reagieren. Kontroversen werden sofort sichtbar und ermöglichen wiederum eine interaktive Reaktion von Presse, Politik und Handel. Der Plattformbetreiber, hier z.B. die Zeit, ist als Moderator gefragt und wird entsprechend von Usern (früher Zeitungskäufer) hofiert- oder nicht. User von BILD.DE werden sich in Ihrer Zusammensetzung von Usern der ZEIT.DE oder SPIEGEL.DE unterscheiden (hoffe ich zumindest). Es ist also wie im wirklichen Leben, nur schneller und SICHTBARER.
Der Intellektuelle an sich kann mit "Hass" leben, wobei Hass hier bei diesem Artikel vermutlich das falsche Adjektiv ist, er erlebt Off-Line jeden Tag, daß Mitmenschen auf kritische Gedanken eher ablehnend bis wütend reagieren.
Zetti
Wenn man einen Sachverhalt nicht auch einem sechsjährigen vermitteln kann, sondern sich ungetreu Wittgenstein hinter möglichst nebulöser Sprache verstecken muss, dann liegt die Vermutung nahe, eben nicht jener strahlender Intelelle zu sein.
Im übrigen zu verkennen, dass gerade das deutsche Wikipedia sich seine Sympathie über die hohe Qualität der Beiträge verdient, spricht auch Bände.
Wenn "der Intellektuelle" sich versteckt hinter komplizierten Sätzen, um mir zu zeigen, dass er mir überlegen ist, oder gar, um sein Nicht-Wissen zu verstecken, sage ich "Käse - lern erstmal schreiben". Gar zu oft verweisen Autoren auf die Leseunfähigkeit der Leser - sind aber selber unfähig, kompliziertes und komplexes verständlich darzustellen. Nur wenige Autoren sind bereit an sich und ihrem Stil zu arbeiten um komplexe Sachverhalte mit einfachen Worten und kurzen Sätzen aufzubereiten. Vielleicht liegt das daran, dass gerade im Feuilleton viele Autoren nicht informieren wollen, sondern beeindrucken oder Nicht-Wissen verstecken?
Tipp: Lernen Sie Ihre Leserinnen kennen, nehmen Sie deren Bedürfnisse ernst. Ich lese, um informiert zu werden, um zu genießen, um klüger zu werden. Wenn es in Ihren Texten nur um Ihre Bedürfnisse geht (Seht her, wie toll ich bin), verweigere ich die Annahme.
Und erst wenn diese Bedingung erfüllt ist, reden wir über intellektuell, über die Platform, usw. Das sind Nebenkriegsschauplätze.
Sicher, ich habe auch schon öfter geflucht, ob sich XY nicht allgemeinverständlicher ausdrücken kann (öfter beim Lesen von Büchern als von Zeitungen), aber letztendlich kommt auch bei einer guten Erklärung der Leser nicht um eine Verstehensleistung herum. Und manche Sachverhalte lassen sich mit ausgefeilter und eventuell etwas technischer Sprache einfach präziser ausdrücken. Hier wird Vorwissen und Mitdenken vorausgesetzt, das nicht jeder leisten kann oder will. Das ist auch in Ordnung, es muss ja nicht jeder Experte für alles sein oder werden. Ich würde mir nur zuweilen mehr intellektuellen Ehrgeiz bei den Menschen wünschen. Deswegen muss man nicht unbedingt des Kulturpessimismus dieses Artikels in allen Details teilen, das Problem, das die Bedingung für die Schaffung und Verbreitung inhaltlich anspruchsvoller Texte schwieriger werden, ist aber aus meiner Sicht nicht zu leugnen.
Nochmal in verkürzter und allgemeinverständlicher Form:
Texte sollten so schwierig wie nötig und so einfach wie möglich sein. Und wers dann nicht versteht, sollte sich entweder mehr anstrengen oder sich zumindest nicht beschweren.
Sicher, ich habe auch schon öfter geflucht, ob sich XY nicht allgemeinverständlicher ausdrücken kann (öfter beim Lesen von Büchern als von Zeitungen), aber letztendlich kommt auch bei einer guten Erklärung der Leser nicht um eine Verstehensleistung herum. Und manche Sachverhalte lassen sich mit ausgefeilter und eventuell etwas technischer Sprache einfach präziser ausdrücken. Hier wird Vorwissen und Mitdenken vorausgesetzt, das nicht jeder leisten kann oder will. Das ist auch in Ordnung, es muss ja nicht jeder Experte für alles sein oder werden. Ich würde mir nur zuweilen mehr intellektuellen Ehrgeiz bei den Menschen wünschen. Deswegen muss man nicht unbedingt des Kulturpessimismus dieses Artikels in allen Details teilen, das Problem, das die Bedingung für die Schaffung und Verbreitung inhaltlich anspruchsvoller Texte schwieriger werden, ist aber aus meiner Sicht nicht zu leugnen.
Nochmal in verkürzter und allgemeinverständlicher Form:
Texte sollten so schwierig wie nötig und so einfach wie möglich sein. Und wers dann nicht versteht, sollte sich entweder mehr anstrengen oder sich zumindest nicht beschweren.
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