Klimaschutz Grünes Gold

Ecuador und Deutschland schlagen der Welt einen Milliardendeal für den Klimaschutz vor: Rettung der Tropenwälder gegen Zahlung von Geld

Absonderliche Ideen zur Rettung der Regenwälder haben Konjunktur. Deutsche Biertrinker tranken im vergangenen Jahr die Flaschen aus 13,7 Millionen Kästen einer bekannten Biermarke leer und retteten damit 1370 Hektar Tropenwald in Zentralafrika. Monatlich bis zu 15.000 Euro für die Regenwälder spielt die Flatrate des Porno-Portals Fuck for forest ein.

Mit derart symbolischen und halbseidenen Aktionen hält sich die Regierung im südamerikanischen Ecuador nicht auf. Ecuador will 4,8 Millionen Hektar artenreichen amazonischen Regenwald vor Erdölkonzernen und Kahlschlag retten – wenn die Weltgemeinschaft in den kommenden Jahren dafür eine Entschädigung von bis zu zwölf Milliarden Dollar zahlt. Deutschlands Regierung ist der größte Unterstützer dieser weltweit einzigartigen Initiative, die in diesen Wochen in ihre entscheidende Phase tritt.

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Ein Hektar Regenwald beherbergt so viele Baumarten wie Nordamerika

Bereits im Herbst 2007 unterbreitete Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa der Vollversammlung der Vereinten Nationen die Idee, das Ölfeld von Ishpingo-Tambococha-Tiputini nicht auszubeuten – im Tausch gegen zusätzliche Entwicklungshilfe oder einen Schuldenerlass. Auf 190.000 Hektar werden dort bis zu 850 Millionen Barrel Öl vermutet. Gleichzeitig zählt das Regenwaldgebiet am Westrand des Amazonasbeckens – ein Teil des Nationalparks Yasuní, der Unesco-Biosphärenreservat und Weltnaturerbe ist – zu den artenreichsten Regionen der Welt. Ein einziger Hektar Regenwald beherbergt fast so viele Baumarten wie ganz Nordamerika. Waldindianer leben hier noch ohne Kontakt zur Zivilisation – und wären in ihrer Existenz bedroht, wenn internationale Erdölkonzerne die lukrativen Schürfrechte erhielten.

Dabei hat der Countdown längst begonnen. »Es besteht die akute Gefahr, den Wettlauf gegen die Erdöl-Konzessionen zu verlieren«, sagt die entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Ute Koczy: »Dass der Ölpreis jetzt gesunken ist, erhöht den Druck auf Ecuador, neue Fördergebiete möglichst schnell zu erschließen.« Denn das Land, eines der ärmsten in Südamerika, braucht Geld und verdient es vor allem mit Öl. Zwar ist Ecuador noch immer Exportweltmeister für Bananen. Aber auf die entfallen nur ein knappes Zehntel der jährlichen Exporte, 63 Prozent dagegen auf das Öl. 2008 erwirtschaftete Ecuador mit seinen Ausfuhren rund 18 Milliarden Dollar.

Ute Koczy und ihr SPD-Kollege Sascha Raabe brachten den Vorschlag Rafael Correas vor den Bundestag. Der forderte im Juni 2008 auf Antrag von Grünen, SPD und CDU die Bundesregierung einstimmig auf, die Initiative zu unterstützen. »Wir stehen dem Vorschlag grundsätzlich mit Sympathie gegenüber. Auch wenn noch einige Fragen geklärt werden müssten, tendiere ich dazu, es auszuprobieren«, sagt Erich Stather, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Deutschland werde den Milliardendeal »nicht alleine schultern«, sei aber keineswegs nur Mitläufer: »Deutschland ist lead nation in diesem Projekt. Funktioniert das Konzept, verhindern wir in Ecuador eine Katastrophe«, sagt Stather.

Das staatliche Erdölunternehmen Petroecuador, das etwa die Hälfte des Erdöls im Land fördert, hat eingeräumt, dass es entlang der im Land verlaufenden Pipelines bereits jetzt im Jahresschnitt zu 75 Unfällen kommt. Aus geplatzten, defekten und bei Sabotageakten zerstörten Rohren sind schon einige Millionen Barrel Erdöl in das Erdreich und die Flusssysteme gesickert, ein Vielfaches dessen, was einst die havarierten Öltanker Exxon Valdez und Prestige verloren. Seit der Ölkonzern Texaco 1967 erstmals Öl in Ecuador entdeckte, fließen außerdem giftige Bohrabwässer in den Regenwald. Ärzte haben bei den Bewohnern der Gemeinden nahe den Bohrlöchern einen starken Anstieg von Krebserkrankungen festgestellt. »Ecuador muss entscheiden, was es bereit ist für das Erdöl zu opfern«, sagte Rodolfo Barniol, damals Petroecuador-Präsident, schon 2001.

Nun müssen Deutschland und andere Länder überlegen, wie viel ihnen der Umweltschutz in Südamerika wert ist. Was kann als Bemessungsgrundlage für den Tausch »Geld gegen Schutz des Regenwaldes« dienen? Eine Möglichkeit wäre, die Kompensationszahlungen für Ecuador an die zu erwartenden Einnahmeausfälle aus dem nicht geförderten Öl zu koppeln. Allerdings schwankt der Ölpreis ständig. »Man könnte auch den ersparten CO2-Ausstoß zur Grundlage der Bewertung machen«, meint deshalb Stather.

Leser-Kommentare
  1. => "Ein einziger Hektar Regenwald beherbergt fast so viele Baumarten wie ganz Nordamerika." Das muss man sich dabei erstmal klar machen. Ein einziger Hektar im Vergleich zu ganz Nordamerika.

    Irgendwie ist das ein ganz neues Gefühl, wenn die Menschen nicht mehr rechnen, wie lange ihnen das Erdöl noch reicht, sondern von Grund auf sagen, dass sie auf dieses Erdöl verzichten wollen. Das fühlt sich durchaus gut an.
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    Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.

    • Yadira
    • 22.05.2009 um 12:17 Uhr

    Das Problem an der ganzen Geschichte ist, dass das Vorhaben nicht an die Regierung gekoppelt sein darf bzw. wie es verankert wird. Denn evt. bleibt das Erdöl zwar bei entsprechenden Zahlungen noch 10 oder 15 Jahre im Boden, wird aber irgendwann vielleicht doch gefördert. Dann haben die Industrieländer gezahlt und die Regierung x (in der Zukunft) in Ecuador kümmert sich nicht um Umweltschutz und fördert das Öl und kassiert nochmals.
    Also theoretischer Ansatz, über den man sich auch praktisch Gedanken machen sollte, aber auch über die Frage, ob und wenn ja wie man das Umsetzen kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Yadira hat natürlich Recht! Die Idee ist ausgesprochen interessant, ich sehe es aber auch als sehr probelmatisch an, nach welchem Schlüssel berechnet wird, wie viel Geld Ecuador dafür bekommt. Auch der vorgeschlagene Weg über den Emissionshandel ist in dieser Hinsicht problematisch: Mit Emissionsrechten kann gehandelt werden. Wenn die Idee Ecuadors Schule macht, dann erhöht das die Zahl der Emissionszertifikate auf dem Markt erheblich, was deren Gegenwert senkt. Zudem wird der Gegenwert langfristig ohnehin sinken, denn wenn mehr und mehr Unternehmen in moderne Technik investieren, die Emissionen senkt, sinkt die Nachfrage nach den Zertifikaten. Bedeutet: Wenn heute auf die Bezahlung Ecuadors durch Emissionszertifikate gesetzt wird, sind diese u.U. schon in ein paar Jahren nichts mehr Wert und Ecuador hat nichts von dem Deal. Hier kommt Yadiras Kommentar wieder ins Spiel: Regierungen haben schon so ziemlich jegliche Form von Verträgen in den Wind geschossen. Am sichersten kann die nötige Langlebigkeit des Deals gewährleistet werden, indem man dafür sorgt, dass er für Ecuador langfristig profitabel bleibt. Das ist aber nur zu erreichen, wenn die Höhe der Zahlungen für den Erhalt des Regenwaldes stets höher ist als der Ölpreis. Deswegen sollte man meiner Ansicht nach eine tägliche Fördermenge festlegen und entsprechend die Ausbeutungsdauer, bis das Ölfeld leer ist, und Ecuador dann jeden Tag den Gegenewert des tagesaktuellen Ölpreises zzgl. einer kleinen Prämie zahlen. Anders macht es keinen Sinn. Die Frage ist nur: Können und wollen sich Regierungen der sog. 1. Welt angesichts langfristig steigender Ölpreis (peak oil...) auf so einen Deal einlassen? Auch wenn der Regenwald letztlich unbezahlbar ist bin ich da skeptisch.

    Yadira hat natürlich Recht! Die Idee ist ausgesprochen interessant, ich sehe es aber auch als sehr probelmatisch an, nach welchem Schlüssel berechnet wird, wie viel Geld Ecuador dafür bekommt. Auch der vorgeschlagene Weg über den Emissionshandel ist in dieser Hinsicht problematisch: Mit Emissionsrechten kann gehandelt werden. Wenn die Idee Ecuadors Schule macht, dann erhöht das die Zahl der Emissionszertifikate auf dem Markt erheblich, was deren Gegenwert senkt. Zudem wird der Gegenwert langfristig ohnehin sinken, denn wenn mehr und mehr Unternehmen in moderne Technik investieren, die Emissionen senkt, sinkt die Nachfrage nach den Zertifikaten. Bedeutet: Wenn heute auf die Bezahlung Ecuadors durch Emissionszertifikate gesetzt wird, sind diese u.U. schon in ein paar Jahren nichts mehr Wert und Ecuador hat nichts von dem Deal. Hier kommt Yadiras Kommentar wieder ins Spiel: Regierungen haben schon so ziemlich jegliche Form von Verträgen in den Wind geschossen. Am sichersten kann die nötige Langlebigkeit des Deals gewährleistet werden, indem man dafür sorgt, dass er für Ecuador langfristig profitabel bleibt. Das ist aber nur zu erreichen, wenn die Höhe der Zahlungen für den Erhalt des Regenwaldes stets höher ist als der Ölpreis. Deswegen sollte man meiner Ansicht nach eine tägliche Fördermenge festlegen und entsprechend die Ausbeutungsdauer, bis das Ölfeld leer ist, und Ecuador dann jeden Tag den Gegenewert des tagesaktuellen Ölpreises zzgl. einer kleinen Prämie zahlen. Anders macht es keinen Sinn. Die Frage ist nur: Können und wollen sich Regierungen der sog. 1. Welt angesichts langfristig steigender Ölpreis (peak oil...) auf so einen Deal einlassen? Auch wenn der Regenwald letztlich unbezahlbar ist bin ich da skeptisch.

  2. Yadira hat natürlich Recht! Die Idee ist ausgesprochen interessant, ich sehe es aber auch als sehr probelmatisch an, nach welchem Schlüssel berechnet wird, wie viel Geld Ecuador dafür bekommt. Auch der vorgeschlagene Weg über den Emissionshandel ist in dieser Hinsicht problematisch: Mit Emissionsrechten kann gehandelt werden. Wenn die Idee Ecuadors Schule macht, dann erhöht das die Zahl der Emissionszertifikate auf dem Markt erheblich, was deren Gegenwert senkt. Zudem wird der Gegenwert langfristig ohnehin sinken, denn wenn mehr und mehr Unternehmen in moderne Technik investieren, die Emissionen senkt, sinkt die Nachfrage nach den Zertifikaten. Bedeutet: Wenn heute auf die Bezahlung Ecuadors durch Emissionszertifikate gesetzt wird, sind diese u.U. schon in ein paar Jahren nichts mehr Wert und Ecuador hat nichts von dem Deal. Hier kommt Yadiras Kommentar wieder ins Spiel: Regierungen haben schon so ziemlich jegliche Form von Verträgen in den Wind geschossen. Am sichersten kann die nötige Langlebigkeit des Deals gewährleistet werden, indem man dafür sorgt, dass er für Ecuador langfristig profitabel bleibt. Das ist aber nur zu erreichen, wenn die Höhe der Zahlungen für den Erhalt des Regenwaldes stets höher ist als der Ölpreis. Deswegen sollte man meiner Ansicht nach eine tägliche Fördermenge festlegen und entsprechend die Ausbeutungsdauer, bis das Ölfeld leer ist, und Ecuador dann jeden Tag den Gegenewert des tagesaktuellen Ölpreises zzgl. einer kleinen Prämie zahlen. Anders macht es keinen Sinn. Die Frage ist nur: Können und wollen sich Regierungen der sog. 1. Welt angesichts langfristig steigender Ölpreis (peak oil...) auf so einen Deal einlassen? Auch wenn der Regenwald letztlich unbezahlbar ist bin ich da skeptisch.

    Antwort auf "Der Haken an der Sache"
  3. Mein Kommentar dazu (Kopie aus meinem Blog):

    Deutsches NOHIP (Noch'n hirnloses Projekt) für Ecuador: Für Regenwald soll's Kohlen regnen!

    Unter der Überschrift "Klimaschutz. Grünes Gold" berichtet Peter Korneffel in DIE ZEIT vom 20.05.2009:
    "Ecuador und Deutschland schlagen der Welt einen Milliardendeal für den Klimaschutz vor: Rettung der Tropenwälder gegen Zahlung von Geld."

    Ihnen unerfindlich, wieso ein solches Projekt hirnlos sein sollte? Weil es nicht um irgendwelchen Regenwald geht, sondern um ein Erdölhöffiges Gebiet:
    "Bereits im Herbst 2007 unterbreitete Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa der Vollversammlung der Vereinten Nationen die Idee, das Ölfeld von Ishpingo-Tambococha-Tiputini nicht auszubeuten – im Tausch gegen zusätzliche Entwicklungshilfe oder einen Schuldenerlass. Auf 190.000 Hektar werden dort bis zu 850 Millionen Barrel Öl vermutet. Gleichzeitig zählt das Regenwaldgebiet am Westrand des Amazonasbeckens – ein Teil des Nationalparks Yasuní, der Unesco-Biosphärenreservat und Weltnaturerbe ist – zu den artenreichsten Regionen der Welt. Ein einziger Hektar Regenwald beherbergt fast so viele Baumarten wie ganz Nordamerika. Waldindianer leben hier noch ohne Kontakt zur Zivilisation – und wären in ihrer Existenz bedroht, wenn internationale Erdölkonzerne die lukrativen Schürfrechte erhielten."

    Und warum sollte das keine gute Idee sein, den Ecuadorianern Geld zu zahlen, damit sie das Öl im und den Regenwald auf dem Boden lassen?

    Weil sie das nicht tun werden. Jedenfalls längerfristig nicht. Sind das Betrüger? Nehmen die erst unser Geld, und schürfen dann doch nach Erdöl?
    "Ja" zum letzten, "nicht unbedingt" zum vorletzten Satz. Die wollen uns sicher nicht betrügen. Aber wenn Peak Oil kommt, der Ölfördergipfel, und wenn wir dann unsere Opel-Karossen nicht mehr an den Mann und die Frau bringen können, weil kein Sprit für deren Betrieb mehr da ist: da werden Sie staunen, wie WIR die Ecuadorianer auf den Knien anflehen werden, nun bitte, bitte auch diese letzten Ressourcen anzuzapfen.

    Ich vermute mal, dass das Projekt bei uns von jenen FRÜHIPS (also den Anhängern früherer hirnloser Projekte) bejubelt wird, die einst massiv für die Verwendung von Biosprit eingetreten (und dafür von mir kritisiert worden) sind ( http://beltwild.blogspot.... ) (wahrscheinlich diesem insgeheim großenteils auch jetzt noch anhängen: Jatropha soll's nun richten). Und welche nun als AKTHIPS (d. h. als Anhänger aktueller hirnloser Projekte) den (in einem anderen Blott - http://beltwild.blogspot.... - beschauten) Hype um die Elektroautomobile zelebrieren.

    Man muss wohl, um ein realpolitischer Umweltschützer zu sein, so wie die Frommen ihrem Glauben, in diesem Falle der Welt ein sacrificium intellectus darbringen.

    CANABBAIA
    http://beltwild.blogspot....
    Interessen erhellen - sich Widersprüchen stellen

  4. Vorschlag: Gründung eines Welt-Erhaltungs-Ausschusses(WEA) ähnlich Uno oder WHO
    Mit Geldfonds wir Umwelt aufgekauft und unter strenge Verwaltung der allgemeinnützigen WeltenGesellschaft gestellt. Klar! Wälder werden genauso hoch bewertet wie Öl oder Luft und Wasser (vor allem Wasser...)
    Tierarten, Naturschutztparks usw.
    Denn:
    Warum sollten Verschmutzer der Atmosphäre nicht auch Zertifikate bei denen kaufen, die der Welt die Biodiversität erhalten?«, fragt Roque Sevilla im Artikel und trifft den Nagel auf den Kopf.

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