Klimaschutz Grünes GoldSeite 2/2
Ecuadors Umweltministerium hat bereits angeregt, dass der mit der Nichtausbeutung des Öls vermiedene CO2-Ausstoß in den Emissionshandel eingehen soll. Das Berliner Entwicklungshilfeministerium finanzierte entsprechende internationale Studien. Ende April wurden der Regierung in Quito von einer niederländischen Consulting-Firma zwei Expertisen vorgelegt, die bei der Klärung der Frage weiterhelfen sollen, ob präventiv vermiedene CO2-Emissionen auf dem europäischen Markt für Emissionen überhaupt verkäuflich wären. Zum anderen sollen sie aufzeigen, ob das Projekt mit anderen internationalen Abkommen kompatibel wäre.
Venezuela drängt: Das Land will Öl aus Ecuadors Naturpark
»Warum sollten Verschmutzer der Atmosphäre nicht auch Zertifikate bei denen kaufen, die der Welt die Biodiversität erhalten?«, fragt Roque Sevilla, Präsident des für das Projekt zuständigen Direktoriums. Beim Verbrennen der gesicherten Ölreserven im potenziellen Ölfördergebiet entstünden laut Sevilla 410 Millionen Tonnen CO2. »Setzt man preislich das Äquivalent der normalen Kohlendioxid-Zertifikate an, so können wir Yasuní-Garantiezertifikate für vier bis zwölf Milliarden Dollar verkaufen«, sagt Sevilla. »Indien, China und die USA kommen am Emissionshandel nicht vorbei. Und Konzerne wie Hoechst oder Daimler sollen in Zukunft entscheiden können, ob sie normale oder ecuadorianische Zertifikate an der Börse in Leipzig kaufen.«
Diese neue Variante des Schadstoffhandels wäre ein Tauschgeschäft zwischen den Klimaverschmutzern in den Industrienationen und den Bewahrern des Äquatorgürtels. Die Erlöse sollen in einen international kontrollierten Fonds fließen. Dessen Zinsen wolle Ecuador, so Sevilla, nicht nur im Yasuní-Gebiet einsetzen, sondern damit alle 40 staatlichen Schutzgebiete des Landes fördern, insgesamt 4,8 Millionen Hektar Tropenwald. Der Fonds selbst bliebe unangetastet. »Dadurch haben die Käufer der Zertifikate ein ganz geringes Risiko«, wirbt der Ecuadorianer.
Hat dieser Vorschlag eine Chance? 2007, als Raffael Correa erstmals vor die UNO trat, war die Reaktion noch sehr verhalten. Inzwischen aber gibt es positive Antworten auch aus dem EU-Parlament und aus London. Michail Gorbatschow, Prinz Charles und die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú unterstützen die ecuadorianische Initiative. Für Mai plant Roque Sevilla eine Reise nach Berlin, wo er auf die erneute Zustimmung des Bundestags hofft.
Unterdessen hat Ecuador gewählt. Rafael Correa ist als Präsident bestätigt worden. Einerseits erhöht das die Chance, dass Ishpingo-Tambococha-Tiputini unberührt bleibt. Andererseits wächst der Druck der Ölindustrie. »Correa wird langsam unruhig, auch sein venezolanischer Kollege Hugo Chávez drängt«, sagt Sevilla. Venezuela plant in Ecuador den Bau einer neuen Raffinerie. Und will dafür das Öl aus dem Regenwald.
- Datum 30.07.2009 - 15:27 Uhr
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- Serie Klima
- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2009 Nr. 22
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=> "Ein einziger Hektar Regenwald beherbergt fast so viele Baumarten wie ganz Nordamerika." Das muss man sich dabei erstmal klar machen. Ein einziger Hektar im Vergleich zu ganz Nordamerika.
Irgendwie ist das ein ganz neues Gefühl, wenn die Menschen nicht mehr rechnen, wie lange ihnen das Erdöl noch reicht, sondern von Grund auf sagen, dass sie auf dieses Erdöl verzichten wollen. Das fühlt sich durchaus gut an.
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Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.
Das Problem an der ganzen Geschichte ist, dass das Vorhaben nicht an die Regierung gekoppelt sein darf bzw. wie es verankert wird. Denn evt. bleibt das Erdöl zwar bei entsprechenden Zahlungen noch 10 oder 15 Jahre im Boden, wird aber irgendwann vielleicht doch gefördert. Dann haben die Industrieländer gezahlt und die Regierung x (in der Zukunft) in Ecuador kümmert sich nicht um Umweltschutz und fördert das Öl und kassiert nochmals.
Also theoretischer Ansatz, über den man sich auch praktisch Gedanken machen sollte, aber auch über die Frage, ob und wenn ja wie man das Umsetzen kann.
Yadira hat natürlich Recht! Die Idee ist ausgesprochen interessant, ich sehe es aber auch als sehr probelmatisch an, nach welchem Schlüssel berechnet wird, wie viel Geld Ecuador dafür bekommt. Auch der vorgeschlagene Weg über den Emissionshandel ist in dieser Hinsicht problematisch: Mit Emissionsrechten kann gehandelt werden. Wenn die Idee Ecuadors Schule macht, dann erhöht das die Zahl der Emissionszertifikate auf dem Markt erheblich, was deren Gegenwert senkt. Zudem wird der Gegenwert langfristig ohnehin sinken, denn wenn mehr und mehr Unternehmen in moderne Technik investieren, die Emissionen senkt, sinkt die Nachfrage nach den Zertifikaten. Bedeutet: Wenn heute auf die Bezahlung Ecuadors durch Emissionszertifikate gesetzt wird, sind diese u.U. schon in ein paar Jahren nichts mehr Wert und Ecuador hat nichts von dem Deal. Hier kommt Yadiras Kommentar wieder ins Spiel: Regierungen haben schon so ziemlich jegliche Form von Verträgen in den Wind geschossen. Am sichersten kann die nötige Langlebigkeit des Deals gewährleistet werden, indem man dafür sorgt, dass er für Ecuador langfristig profitabel bleibt. Das ist aber nur zu erreichen, wenn die Höhe der Zahlungen für den Erhalt des Regenwaldes stets höher ist als der Ölpreis. Deswegen sollte man meiner Ansicht nach eine tägliche Fördermenge festlegen und entsprechend die Ausbeutungsdauer, bis das Ölfeld leer ist, und Ecuador dann jeden Tag den Gegenewert des tagesaktuellen Ölpreises zzgl. einer kleinen Prämie zahlen. Anders macht es keinen Sinn. Die Frage ist nur: Können und wollen sich Regierungen der sog. 1. Welt angesichts langfristig steigender Ölpreis (peak oil...) auf so einen Deal einlassen? Auch wenn der Regenwald letztlich unbezahlbar ist bin ich da skeptisch.
Yadira hat natürlich Recht! Die Idee ist ausgesprochen interessant, ich sehe es aber auch als sehr probelmatisch an, nach welchem Schlüssel berechnet wird, wie viel Geld Ecuador dafür bekommt. Auch der vorgeschlagene Weg über den Emissionshandel ist in dieser Hinsicht problematisch: Mit Emissionsrechten kann gehandelt werden. Wenn die Idee Ecuadors Schule macht, dann erhöht das die Zahl der Emissionszertifikate auf dem Markt erheblich, was deren Gegenwert senkt. Zudem wird der Gegenwert langfristig ohnehin sinken, denn wenn mehr und mehr Unternehmen in moderne Technik investieren, die Emissionen senkt, sinkt die Nachfrage nach den Zertifikaten. Bedeutet: Wenn heute auf die Bezahlung Ecuadors durch Emissionszertifikate gesetzt wird, sind diese u.U. schon in ein paar Jahren nichts mehr Wert und Ecuador hat nichts von dem Deal. Hier kommt Yadiras Kommentar wieder ins Spiel: Regierungen haben schon so ziemlich jegliche Form von Verträgen in den Wind geschossen. Am sichersten kann die nötige Langlebigkeit des Deals gewährleistet werden, indem man dafür sorgt, dass er für Ecuador langfristig profitabel bleibt. Das ist aber nur zu erreichen, wenn die Höhe der Zahlungen für den Erhalt des Regenwaldes stets höher ist als der Ölpreis. Deswegen sollte man meiner Ansicht nach eine tägliche Fördermenge festlegen und entsprechend die Ausbeutungsdauer, bis das Ölfeld leer ist, und Ecuador dann jeden Tag den Gegenewert des tagesaktuellen Ölpreises zzgl. einer kleinen Prämie zahlen. Anders macht es keinen Sinn. Die Frage ist nur: Können und wollen sich Regierungen der sog. 1. Welt angesichts langfristig steigender Ölpreis (peak oil...) auf so einen Deal einlassen? Auch wenn der Regenwald letztlich unbezahlbar ist bin ich da skeptisch.
Yadira hat natürlich Recht! Die Idee ist ausgesprochen interessant, ich sehe es aber auch als sehr probelmatisch an, nach welchem Schlüssel berechnet wird, wie viel Geld Ecuador dafür bekommt. Auch der vorgeschlagene Weg über den Emissionshandel ist in dieser Hinsicht problematisch: Mit Emissionsrechten kann gehandelt werden. Wenn die Idee Ecuadors Schule macht, dann erhöht das die Zahl der Emissionszertifikate auf dem Markt erheblich, was deren Gegenwert senkt. Zudem wird der Gegenwert langfristig ohnehin sinken, denn wenn mehr und mehr Unternehmen in moderne Technik investieren, die Emissionen senkt, sinkt die Nachfrage nach den Zertifikaten. Bedeutet: Wenn heute auf die Bezahlung Ecuadors durch Emissionszertifikate gesetzt wird, sind diese u.U. schon in ein paar Jahren nichts mehr Wert und Ecuador hat nichts von dem Deal. Hier kommt Yadiras Kommentar wieder ins Spiel: Regierungen haben schon so ziemlich jegliche Form von Verträgen in den Wind geschossen. Am sichersten kann die nötige Langlebigkeit des Deals gewährleistet werden, indem man dafür sorgt, dass er für Ecuador langfristig profitabel bleibt. Das ist aber nur zu erreichen, wenn die Höhe der Zahlungen für den Erhalt des Regenwaldes stets höher ist als der Ölpreis. Deswegen sollte man meiner Ansicht nach eine tägliche Fördermenge festlegen und entsprechend die Ausbeutungsdauer, bis das Ölfeld leer ist, und Ecuador dann jeden Tag den Gegenewert des tagesaktuellen Ölpreises zzgl. einer kleinen Prämie zahlen. Anders macht es keinen Sinn. Die Frage ist nur: Können und wollen sich Regierungen der sog. 1. Welt angesichts langfristig steigender Ölpreis (peak oil...) auf so einen Deal einlassen? Auch wenn der Regenwald letztlich unbezahlbar ist bin ich da skeptisch.
Mein Kommentar dazu (Kopie aus meinem Blog):
Deutsches NOHIP (Noch'n hirnloses Projekt) für Ecuador: Für Regenwald soll's Kohlen regnen!
Unter der Überschrift "Klimaschutz. Grünes Gold" berichtet Peter Korneffel in DIE ZEIT vom 20.05.2009:
"Ecuador und Deutschland schlagen der Welt einen Milliardendeal für den Klimaschutz vor: Rettung der Tropenwälder gegen Zahlung von Geld."
Ihnen unerfindlich, wieso ein solches Projekt hirnlos sein sollte? Weil es nicht um irgendwelchen Regenwald geht, sondern um ein Erdölhöffiges Gebiet:
"Bereits im Herbst 2007 unterbreitete Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa der Vollversammlung der Vereinten Nationen die Idee, das Ölfeld von Ishpingo-Tambococha-Tiputini nicht auszubeuten – im Tausch gegen zusätzliche Entwicklungshilfe oder einen Schuldenerlass. Auf 190.000 Hektar werden dort bis zu 850 Millionen Barrel Öl vermutet. Gleichzeitig zählt das Regenwaldgebiet am Westrand des Amazonasbeckens – ein Teil des Nationalparks Yasuní, der Unesco-Biosphärenreservat und Weltnaturerbe ist – zu den artenreichsten Regionen der Welt. Ein einziger Hektar Regenwald beherbergt fast so viele Baumarten wie ganz Nordamerika. Waldindianer leben hier noch ohne Kontakt zur Zivilisation – und wären in ihrer Existenz bedroht, wenn internationale Erdölkonzerne die lukrativen Schürfrechte erhielten."
Und warum sollte das keine gute Idee sein, den Ecuadorianern Geld zu zahlen, damit sie das Öl im und den Regenwald auf dem Boden lassen?
Weil sie das nicht tun werden. Jedenfalls längerfristig nicht. Sind das Betrüger? Nehmen die erst unser Geld, und schürfen dann doch nach Erdöl?
"Ja" zum letzten, "nicht unbedingt" zum vorletzten Satz. Die wollen uns sicher nicht betrügen. Aber wenn Peak Oil kommt, der Ölfördergipfel, und wenn wir dann unsere Opel-Karossen nicht mehr an den Mann und die Frau bringen können, weil kein Sprit für deren Betrieb mehr da ist: da werden Sie staunen, wie WIR die Ecuadorianer auf den Knien anflehen werden, nun bitte, bitte auch diese letzten Ressourcen anzuzapfen.
Ich vermute mal, dass das Projekt bei uns von jenen FRÜHIPS (also den Anhängern früherer hirnloser Projekte) bejubelt wird, die einst massiv für die Verwendung von Biosprit eingetreten (und dafür von mir kritisiert worden) sind ( http://beltwild.blogspot.... ) (wahrscheinlich diesem insgeheim großenteils auch jetzt noch anhängen: Jatropha soll's nun richten). Und welche nun als AKTHIPS (d. h. als Anhänger aktueller hirnloser Projekte) den (in einem anderen Blott - http://beltwild.blogspot.... - beschauten) Hype um die Elektroautomobile zelebrieren.
Man muss wohl, um ein realpolitischer Umweltschützer zu sein, so wie die Frommen ihrem Glauben, in diesem Falle der Welt ein sacrificium intellectus darbringen.
CANABBAIA
http://beltwild.blogspot....
Interessen erhellen - sich Widersprüchen stellen
Vorschlag: Gründung eines Welt-Erhaltungs-Ausschusses(WEA) ähnlich Uno oder WHO
Mit Geldfonds wir Umwelt aufgekauft und unter strenge Verwaltung der allgemeinnützigen WeltenGesellschaft gestellt. Klar! Wälder werden genauso hoch bewertet wie Öl oder Luft und Wasser (vor allem Wasser...)
Tierarten, Naturschutztparks usw.
Denn:
Warum sollten Verschmutzer der Atmosphäre nicht auch Zertifikate bei denen kaufen, die der Welt die Biodiversität erhalten?«, fragt Roque Sevilla im Artikel und trifft den Nagel auf den Kopf.
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