Immobilienkrise Wie ausgebombtSeite 3/3
»Unsere Heimat hat sich in einen Slum verwandelt«, klagt ein Anwohner, der lange vor dem Bauboom hergezogen war. Im vergangenen Jahr hat der Sheriff Marihuana-Plantagen in hundert Häusern ausgehoben. »Eingerichtet von Drogenkartellen aus Miami und bewacht von illegalen Einwanderern, die damit ihre Schmuggler bezahlen«, erzählen sich die Anwohner.
Lehigh Acres hatte einmal als Rückzugsort für Ruheständler angefangen, doch später wurde daraus eine Heimat für Familien der Mittelschicht. Angezogen durch die Arbeitsplätze, die im Boom entstanden. Der Boom ist jetzt weg, die Arbeitsplätze auch, dafür haben soziale Probleme Einzug gehalten. Charlotte Rae Nicely sorgt sich vor allem um die Kinder. »In der Ferienzeit fällt die Schulspeisung weg, und viele Familien haben kein Geld für Lebensmittel«, sagt die Leiterin der Sozialeinrichtung Lehigh Community Services. Nach der Pleite mehrerer Bauunternehmer und Massenentlassungen bei Finanzinstituten in der Region hat sich die Zahl der Bedürftigen verdoppelt, die bei ihrer Organisation um ein Paket mit Grundnahrungsmitteln bitten.
Manche können ihre Stromrechnung nicht zahlen, und die Elektrizitätsgesellschaft droht, ihnen den Strom abzudrehen. Die Zahl derer, die ihre Hypothek nicht mehr bedienen können und denen die Bank mit dem Rauswurf droht, nimmt zu. Wer nicht bei Familie oder Freunden unterschlüpfen kann, lebt im Auto.
Was für eine bittere Ironie: ein Bauboom, der Obdachlosigkeit gebracht hat. »Ich weiß von Familien, die auf dem Wal-Mart-Parkplatz übernachten«, berichtet Rae Nicely. Viele in Lehigh Acres hofften auf den Präsidenten: Im Februar sollte er der Gemeinde einen Besuch abstatten, um Werbung für sein Konjunkturprogramm zu machen, doch dann reichte die Zeit für den Stopp nicht. Andere setzen auf die Bürgergesellschaft, organisieren Aufräumaktionen mit Freiwilligen, Bürgerpatrouillen und Nachbarschaftsgrillabende.
Aber vielleicht ist das ja auch alles nur ein Zwischentief. Ein Tiefschlag auf dem Weg von Lehigh Acres zu einem blühenden Wohn- und Wirtschaftsstandort. So sieht das wenigstens Joseph Whalen. Der 37-jährige Chef der örtlichen Handelskammer hat ebenfalls große Pläne für den Standort. Er will Stadtrecht erwerben, er will die Infrastruktur ausbauen, er will noch mehr Leute anlocken, wenn die Wirtschaft erst wieder läuft. »In knapp 50 Jahren hat sich unsere Bevölkerung mehr als vervierfacht«, sagt Whalen. In seinen Augen eine Trumpfkarte. »Wir wachsen schneller als der Rest des Landes, und wir haben Platz!«, wirbt er. Der Kammerchef ist sich sicher: Bei Floridas nächstem Boom werde Lehigh Acres zu den Gewinnern gehören.
- Datum 24.05.2009 - 14:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2009 Nr. 22
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... sind ein Grund, die ZEIT zu kaufen. Ein detailliertes, gut recherchiertes Portrait der faktischen Ausmaße der Krise in den Vereinigten Staaten. Von wenigen Meldungen über Zeltstädte ist bislang in Deutschland wenig davon bekannt, wie hart die Immobilienkrise die US-Wirklichkeit erwischt hat.
Dass mit der Kreditkartenblase dort das nächste Chaos schwant, das noch weit mehr Menschen durch Zwangsmaßnahmen mittellos machen wird, bleibt hier zwar unerwähnt - der Bericht liefert aber einen bildlichen Bericht der Folgen, die drohen.
... sind nur eine Spitze vom Eisberg. Konsequenterweise kann man auch weiter denken:
Mit dem wilden Herumgekaufe von Immobilien haben die Leute auch weitere Sachen gekauft. Autos. Kühlschränke. Küchen. Werkzeuge. Vieles davon aus unserer geliebten heimischen Produktion oder besser: Marke. So wurden wir dann Exportweltmeister...
Anders: Immerhin haben uns die Amerikanier mit ihrem Kaufrausch ein sorgenfreies Leben ermöglicht. Jetzt, wo sie als Kunden weggefallen sind, stehen wir ziemlich blöde da. Der deutsche Michel kauft ja schon langen nicht mehr "deutsch" - sondern eher China. Geht zwar schnell kaputt, hält nix - ist aber billig.
Da stehen wir doch mit unserer Wirtschaft vor dem Problem: wo kommen die Kunden her? 82 Millionen Hansels müssen dringend ernährt werden. Und Hartz IV für alle ist irgendwie auch kein Plan...
Optimismus her?
Der Beitrag ist eine gute Beschreibung der Lage vor Ort, nur bei der Analyse zeigt er Anflüge von Schwäche und Betriebsblindheit:
"Was für eine bittere Ironie: ein Bauboom, der Obdachlosigkeit gebracht hat"
Es ist keine bittere Ironie, das ist die systematische Ausplünderung per Kredit der normalen Bürger zum Wohle derer, die sowieso schon alles hatten.
Der Anblick der Zeltstädte, denen ein paar Meilen weiter Millionen Geisterhäuser folgen, müsste doch jedem klarmachen, dass hier kein Knappheits-, sondern ein gewaltiges Verteilungsproblem gen Himmel stinkt.
Müsste.
war ich in Florida, einschliesslich Miami. Wochenlang, dreimal seit Oktober letzten Jahres.
Wenn dieser Bericht von Frl. Heike nicht eine Uebertreibung erster Ordnung ist, weiss ich nicht, was so etwas sein sollte.
[...] Aus einem Berg (und das ist die wirkliche schlechte Wirtschaft) wird (immer, wenigstens immer hier) Mt Everest gemacht. Leider. Wahrscheinlich mit Absicht.
[Gekürzt, bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]
[Text entfernt, bitte argumentieren Sie sachlich und verzichten Sie auf Beleidigungen/ Redaktion; svb]
[Text entfernt, bitte argumentieren Sie sachlich und verzichten Sie auf Beleidigungen/ Redaktion; svb]
Aber es wird alles besser sein. Das ist der Unterschied zwischen Florida und Antalaya.
[Text entfernt, bitte argumentieren Sie sachlich und verzichten Sie auf Beleidigungen/ Redaktion; svb]
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