Gesellschaftskritik Geliehenes Glück

Die Schauspielerin Sarah Jessica Parker erfüllt sich ihren Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutter

Das Schicksal ist ungerecht. Manche Frauen werden ungewollt schwanger. Manche Frauen werden auch gewollt nicht schwanger. Manche Frauen sind zu alt, um Kinder zu bekommen, und adoptieren deshalb eines. Manche Frauen sind nicht zu alt, um Kinder zu bekommen, aber der Körper weigert sich trotzdem, eines zu empfangen. Sie lassen sich künstlich befruchten. Manche Frauen könnten Kinder empfangen, sie aber nicht austragen. Sie mieten sich eine Leihmutter. Manche Frauen können Kinder empfangen und austragen, aber nehmen eine Leihmutter, weil sie ihren Körper nicht der Schwangerschaft aussetzen wollen. Andere sind homosexuell und wollen sich nicht dem Zeugungsakt aussetzen. Auch sie greifen gerne zu künstlicher Befruchtung und/oder Leihmutter.

Die amerikanische Schauspielerin Sarah Jessica Parker, 44, und ihr Mann Matthew Broderick, 47, haben schon ein Kind, aber für die nächsten beiden (es sollen Zwillinge sein) trotzdem eine Leihmutter genommen. Sind Leihmütter am Ende nicht nur ein Ausweg aus der Not, sondern auch einfach praktisch? Sarah Jessica Parker hat nämlich für den Fall, dass Alter oder Arbeitsbelastung weiteren Schwangerschaften Hindernisse entgegensetzen könnten, schon vor Zeiten einen kleinen Vorrat von Eizellen einfrieren lassen. Diese sind nun aufgetaut, mit Spermien des Ehemanns befruchtet und der, wie man hört, schon einschlägig erfahrenen Leihmutter eingepflanzt worden. Sie soll dafür rund 23.000 Euro genommen haben, was sich durchaus preiswert anhört.

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Das Merkwürdige an all den Versuchen, dem naheliegenden Weg zur Adoption auszuweichen und auf die Möglichkeiten der modernen Medizin zu setzen, ist der offenbar brennende Wunsch nach genetischer Reproduktion. Woher die Verzagtheit? Trauen sich die prospektiven Eltern nicht zu, ein fremdes Kind nach ihrem Bilde, nach ihrem Humor, ihrer Stimme, Gesten, mit ihrer Liebe und ihren Gewohnheiten zu bilden?

Der moderne Mensch liebt das Schicksal nicht. Er will Herr des Verfahrens bleiben. Was sich nicht von selbst einstellt, wird gekauft. Manches spricht dafür, dass der moderne Mensch eine wesentliche Qualität des Schicksals unterschätzt. Sie besteht darin, dass man ihm alles, was man sonst allein tragen müsste, aufladen kann. Um diese Entlastungsfunktion des Schicksals nutzen zu können, muss man sich allerdings mit Manipulationsversuchen zurückhalten. Sonst fällt alles Unglück, das man bei der Jagd nach dem Glück erzeugt, auf einen selbst zurück.

 
Leser-Kommentare
  1. sollten wir uns gegen jeden Eingriff in die Natur wenden. Wir in Deutschland tolerieren diverse Formen von Hilfe, die Paare nutzen können.
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    Dieses Paar nun lebt in einem Land, in dem Leihmutterschaft erlaubt ist und auch genutzt wird, wie andere Formen, Kinder zu bekommen ebenfalls, die bei uns nicht erlaubt sind und Paare in andere Staaten reisen lassen, um ihrem Wunsch die Erfüllung für viel Geld folgen zu lassen. Wer will es ihnen verwehren?
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    Angeblich hat diese Familie andere Möglichkeiten versucht und es gibt nebenbei keinen Hinweis, dass die Eizellen eingefroren wurden, um Figur- oder Terminproblemen aus dem Weg zu gehen. Ich würde davon ausgehen, dass es die einzige Chance für dieses Paar ist und eine Adoption für sie wie für viele andere ebenfalls nicht denkbar ist.
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    Wieso also einen solch spitzen Artikel, der andere Formen des hier Machbaren ausnimmt? Ich finde das sehr inkonsequent, wenn ich auch nicht zu solchen Mitteln greifen wollte.

    • giobio
    • 20.05.2009 um 21:57 Uhr

    Die Überschrift passt ja auch schon nicht zum Text: Hier erfüllt sich nicht nur die Schauspielerin einen Wunsch, sondern das Paar erfüllt sich diesen, sofern der Mann auf dem Foto der Vater des ungeborenen Kindes ist.

  2. Wenn ich das richtig verstehe, hat Sarah Jessica Parker entschieden, dass sie Zwillinge (nicht "ein Kind", da wird direkt mal mit festgelegt, dass es Zwillinge sein sollen) haben möchte, will diese aber nicht selbst austragen. Sie hat vor Jahren schon diesen Schritt vorbereitet. - So etwas bleibt mir unbegreiflich. Die Möglichkeit zu einer natürlichen Geburt ist oder war offensichtlich da. Warum also diesen planmäßigen, dekatenden Umweg über eine Leihmutter?!

  3. Natur, Natur..... heißt das Motto.

    Und das ist nicht verkehrt. Es hat schon Sinn, wenn die Natur nicht will, daß jemand keine Kinder oder keine Kinder mehr bekommen kann. (Erhöhtes Risiko von Fehlgeburten, Kinder mit Behinderungen, )

    Wird die Natur zum Angelpunkt einer Entscheidung für oder gegen die Fortpflanzung eines Menschen, dann impliziert dies für Homosexuelle auch die Kinderlosigkeit, ähnlich wie für Menschen, die aufgrund irgendwelcher Defizite keinen Partner finden Es gibt kein Recht und auch keine Pflicht auf bzw. zur Fortpflanzung; es gibt nur eine Chance dazu. Eine Frau mit 44 Jahren hat sich mal für ihre Karriere entschieden, dafür ist bei verspäteter Wahrnehmung dieser Chance mitunter ein Preis zu zahlen (wie z.B. Sophia Loren, die auch ein behindertes Kind hat).

    Mittlerweile ganz leicht die Natur aufgrund des Fortschritts in der Medizin zu überlisten und - im Bild eines gläubigen Menschen zu bleiben - ein bißchen Gott zu spielen und Kinder in der Retorte zu zeugen, in einer anderen Person heranwachsen und austragen zu lassen. Alles wegen der Selbstverwirklichung der Eltern als deren höchste und letzte Errungenschaft.

    Nur: ob dies dem Interesse eines Kindes entspricht, da habe ich meine Zweifel. MAn sollte, bevor man urteilt, sich fragen, ob man selber ein in-vitro-Kind sein möchte, das von einer Leihmutter ausgetragen wurde. Ich für meine Person, bin diesbezüglilch zu einem Nein gelangt.

    • bediuk
    • 21.05.2009 um 1:44 Uhr

    Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen. Es ist geradezu abscheulich, mit welcher Selbstverständlichkeit wir mit dem Leben spielen und es zur tanzenden Puppe hinter gezogenen Fäden werden lassen. Ein Kind mit 44? Zwillinge? Was hätten sie gern, Jungs oder Mädels? Blond, brünett oder lieber rothaarig? Soweit kommt's noch! Und wenn es dann kurzfristig doch nicht in die "Lebensumstände" passt, gibt's ja immer noch die Abtreibung... Selbstsucht, soweit das Auge reicht!

    • Makati
    • 21.05.2009 um 9:28 Uhr

    Ich glaube, Sie haben noch nicht verstanden, dass Männer und Frauen gleichberechtigt, aber nicht gleich sind. Werden sie nie sein, können sie nie sein.
    Ja, es ist etwas Anderes, ob eine Frau sich erst mit 44 für ein Kind entscheidet oder ein Mann. Das ist simple Biologie.
    Frauen sind nicht immer die Leidtragenden von Männern. Dies Argument ist stets die letzte Rettung der selbsternannten Frauenverteidigerinnen.

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    "Ja, es ist etwas Anderes, ob eine Frau sich erst mit 44 für ein Kind entscheidet oder ein Mann. Das ist simple Biologie."

    - Es ist augenscheinlich ein biologistisches Dogma - angewandt einseitig auf die weiblichen Menschen -, da die Reproduktionsfähigkeit mithilfe der Medizin durchaus bis in die späten 60er eines Frauenlebens erhalten werden können. Wurde - wie in diesem Fall angeblich - eine eingefrorene Eizelle genommen, dürften die Dinge ähnlich liegen wie bei der Samenspende. Und ich finde es abenteuerlich, dass die Gesellschaft immer so tut als ob Männer bis zu ihrem Lebensende zeugungsfähig seien. Natürlich nehmen auch ihre Chancen zur Zeugung eines gesunden (!) Kindes ab im Laufe der Zeit. Und darüber hinaus sind so einige ältere Herren ohne medizinische Hilfsmittel ja gar nicht mehr in der Lage zum "Beischlaf" - was dann ja auch eine natürliche Zeugung ausschliesst.
    -----------------------------------------------------------------
    "Shareholder-Value ist die blödeste Idee der Welt"
    Ex-Manager Jack Welch über sein eigenes Konzept, nach dem Firmen nur zum Nutzen der Aktionäre handeln sollen

    "Ja, es ist etwas Anderes, ob eine Frau sich erst mit 44 für ein Kind entscheidet oder ein Mann. Das ist simple Biologie."

    - Es ist augenscheinlich ein biologistisches Dogma - angewandt einseitig auf die weiblichen Menschen -, da die Reproduktionsfähigkeit mithilfe der Medizin durchaus bis in die späten 60er eines Frauenlebens erhalten werden können. Wurde - wie in diesem Fall angeblich - eine eingefrorene Eizelle genommen, dürften die Dinge ähnlich liegen wie bei der Samenspende. Und ich finde es abenteuerlich, dass die Gesellschaft immer so tut als ob Männer bis zu ihrem Lebensende zeugungsfähig seien. Natürlich nehmen auch ihre Chancen zur Zeugung eines gesunden (!) Kindes ab im Laufe der Zeit. Und darüber hinaus sind so einige ältere Herren ohne medizinische Hilfsmittel ja gar nicht mehr in der Lage zum "Beischlaf" - was dann ja auch eine natürliche Zeugung ausschliesst.
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    "Shareholder-Value ist die blödeste Idee der Welt"
    Ex-Manager Jack Welch über sein eigenes Konzept, nach dem Firmen nur zum Nutzen der Aktionäre handeln sollen

  4. Apropos Nachteile/Benachteiligung: Dann sollte man auch die möglichen Nachteile und Abhängigkeiten der "austragenden" Frauen bzw Leihmütter sehen.

    Spinnt man diese Entwicklung weiter, könnte man sich eine Kommerzialisierung der Schwangerschaft und Geburt vorstellen, als dass moderne, finanziell leistungsstarke Ehepaare/Frauen die Schwangerschaft outsourcen. Und vergleicht man dann nüchtern mit anderen Branchen (z.B. Haushaltshilfe), dann könnten sich mitteleuropäische Paare künftig z.B. Frauen aus Niedriglohnländer als Dienstleister aussuchen. Na ja es gäbe wohl noch etliche Fragen und Probleme wie z.B.

    - Psychologische und körperliche Folgen für die Leihmütter (um viel Einkommen erzielen, wären mehre Leihmutterschaften pro Leihmutter wahrscheinlich)
    - verzichten Leihmütter evtl. auf eigene Kinder
    - Ist das dann neuer "Beruf" oder Perspektive für jüngere, meist mittellose Frauen und eine normale Dienstleistung (samt Mehrwertsteuer)?

    Also ich weiß nicht so recht, ich sehe die Sache doch recht skeptisch und in Fällen, wo Paare auf natürlichem Wege Kinder bekommen können oder konnten, eigentlich schon etwas dekadent.

    Antwort auf
  5. Hier sind die Bedingungen von Anfang an klar. Je älter eine Frau wird, desto risikobehafteter ist die Verwirklichung eines Kinderwunsches. Verzichte ich in jungen Jahren darauf meinen Kinderwunsch zu erfüllen, vermindert sich die Erfüllungschance mit jedem Jahr, das ins Land geht. Als Frau weiß ich das.

    Es ist, Verzeihung, dämlich, das mit der Karriere der Männer zu vergleichen. Männer müssen diese Frage nicht beantworten, die Chance Mutter zu werden, ist für Männer ziemlich niedrig.

    Damit Männer für Kinder zu Hause bleiben können, müssten die Frauen erst mal Kinder bekommen. Die Frauen müssen lernen Dinge zu fordern, die realistischerweise möglich sind. Alles geht eben nicht – aber merken tut frau das leider oft, wenn es zu spät ist.

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