Kirchen Vergesst die Ökumene!

Ein Appell zum Evangelischen Kirchentag. Solange Papst Benedikt die Protestanten nicht anerkennt, hilft nur eins: den Dialog aufzukündigen.

Es ist lange her (in Bonn regierte Helmut Schmidt), doch die Szene im erzbischöflichen Palais zu München hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis geprägt: An einem späten Oktobervormittag empfing Kardinal Joseph Ratzinger die evangelistische Schwester des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter, die auf ihrer Deutschlandreise zu begleiten ich die Ehre und das Vergnügen hatte. Ruth Carter Stapleton, die schöne, gescheite, tolerante und meist weltlich heitere Dame hatte den Wunsch geäußert, den – neben dem Rebellen Hans Küng – prominentesten katholischen Theologen der Bundesrepublik kennenzulernen.

Die Audienz war, das ließ sich nicht übersehen, vom geistlichen Hof mit einigem Aufwand inszeniert worden. Ein Spalier von jüngeren Klerikern säumte die prächtige Treppe, und droben im Empfangssaal versammelte sich eine Gruppe von Prälaten im Halbkreis hinter dem Sessel des Hausherrn und den beiden zierlichen Stühlchen für die Gäste. Der Erzbischof begrüßte die elegante amerikanische Christin freundlich und gemessen. Ihrem Begleiter hielt er mit zerstreuter Selbstverständlichkeit den Ring zum Kuss entgegen (eine Geste, die rasch in einen flüchtigen Händedruck verwandelt wurde). Ruth Carter berichtete dem Hausherrn lebhaft von der »charismatischen Bewegung«, der sie zugehörte, und sie versuchte sein Interesse mit dem Hinweis zu wecken, dass jene born again -Welle, die damals die Vereinigten Staaten überschwemmte (ihren Bruder im Weißen Haus nicht ausgenommen), keineswegs nur ein protestantisch-baptistisches Ereignis sei; die Bewegung habe fast ein Viertel der Katholiken Amerikas ergriffen, und man könne von einem ökumenischen Charakter der frommen Wiedergeburt sprechen.

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Die Reaktion des Kardinals war kühl. Er wiegte skeptisch das Haupt und sprach von der Problematik eines nur gefühlsbetonten, theologisch unkontrollierten Schwärmertums. Er höre es mit Bedenken, dass auch die Katholiken drüben gegen solch emotionale Überwältigungen nicht gefeit seien. Das kleine Kolleg, das uns zuteil wurde, bezeugte die hohe Intellektualität des einstigen Tübinger Professors. Aber sie ließ kein Gespräch zu, das den Namen verdiente. Die klare Zurückweisung der amerikanischen Verirrungen schien dem Oberhirten, der hernach in Rom als Präsident der Glaubenskongregation zum mächtigsten unter den Kurienkardinälen aufstieg, wichtiger zu sein als die Erkundung einer ihm fremden Glaubenswelt.

Ruth Carter bemerkte später mit einem sacht ironischen Lächeln, nun wisse sie endlich, was gemeint sei, wenn von den princes of the church die Rede sei. Der intellektuelle Hochmut des Kirchenfürsten blieb ihr nicht verborgen. Der Begleiter aber hatte seine protestantische Prägung selten so klar empfunden, seit er dem väterlichen Pfarrhaus entwachsen war. Es ermutigte ihn freilich nicht, dass die Begegnung mit den grauen lutherischen Oberkirchenräten am Nachmittag von bleierner Langeweile war. Ruth Carter erholte sich von jener deprimierenden Erfahrung erst am Abend bei einem Krug Bier auf dem Oktoberfest.

Mein Vater, der Dekan in Nürtingen, war kein furioser Antipapist. Im Gegenteil: Der Kirchenkampf mit den Nazis hatte ihn davon überzeugt, dass die beiden großen Konfessionen zusammenwachsen müssten, um der gottlosen braunen Barbarei zu widerstehen. Beim Antritt seines Amtes machte er, gegen alle Tradition, auch dem katholischen Geistlichen im Städtchen seine Aufwartung. Zur Entsetzung seiner Gemeinde nahm er gewisse Formen der lutherischen Liturgie wieder auf, trug zu Weihnachten und zu Ostern bunte Stolen überm schwarzen Talar, ja er schlug nach dem Segen am Ende des Gottesdienstes gar das Kreuz, was einem Skandal gleichkam.

Der Sohn, von aller Theologie weit entfernt, nahm aus der nazistischen Heimsuchung – die den Vater mit der Verhaftung bedroht, einen Vetter in den Kerker geworfen, einen Bruder der Mutter zum Tod im Gestapo-Gefängnis verurteilt hatte – immerhin die Überzeugung mit, dass die Ökumene eine Notwendigkeit sei, der aus dem Martyrium der Männer und Frauen des Widerstandes erwachse. Außerdem gab es keinen Zweifel, dass die Kirchen nach dem Millionenmord allen Anlass hätten, ihr Verhältnis zum Volk des Alten Testamentes zu ändern.

Helmuth Graf Moltke, der intellektuell produktivste Kopf des Widerstandes, hatte mit klarem Bedacht den Jesuitenpater Alfred Delp neben den beiden protestantischen Theologen Eugen Gerstenmaier und Harald Poelchau in den innersten Zirkel seines Kreisauer Braintrust gezogen. Die Gründung der Christlich-Demokratischen Union erfüllte nach 1945 immerhin die Weisung, die unselige politische Spaltung der Konfessionen zu überwinden (für die sich heute keine Seele mehr interessiert). Bis zu einem gewissen Grad war auch die Wandlung des Verhältnisses der Sozialdemokratie zu den Kirchen, das historisch eher von Fremdheit, wenn nicht von Feindseligkeit bestimmt war, eine Frucht des Widerstandes. In der Zusammenarbeit der kirchlichen Hilfswerke im Kampf gegen die Not und in den Projekten sozialer Reformen gedieh eine Art »pragmatischer Ökumene«. Die Veränderung der konfessionellen Landkarte durch den Einstrom von Millionen Flüchtlingen legte die gemeinsame Nutzung der Gotteshäuser nahe. Ökumenische Gottesdienste und Trauungen begannen zur Gewohnheit zu werden, zumal nach der Gründung des Sekretariats für die Förderung der Christlichen Einheit durch den so menschlichen Papst Johannes XXIII., der das Zweite Vatikanische Konzil zur Förderung der Ökumene ermutigte – wie es ihm sein Vertrauter Roger Schutz, der Gründer und Prior der ökumenischen Ordensgemeinschaft von Taizé, nahegelegt hatte. Johannes nannte seine Bewegung »einen kleinen Frühling«, der Millionen meist junger Pilger in den Gottesdiensten und ihren Gesprächen mit den Brüdern ökumenische Realität erleben ließ.

Leser-Kommentare
  1. Sehr geehrter Herr Harpprecht,

    ganz gewiss lesen sich Ihre persönlichen Erinnerungen interessant, und sie werden, mindestens wenn man als Leser passende Vor-Urteile mitbringt, ihre Wirkung kaum verfehlen. Doch dort, wo Sie sich auch nur ansatzweise auf das Feld der Theologie wagen (von der Sie, nach eigener Aussage und durchaus erkennbar, "weit entfernt" sind), drängen sich einige Rückfragen geradezu auf. Wer, wie Sie, Polemik nicht zu scheuen scheint, wird mir sicher nachsehen, wenn es dabei aus dem Wald in ähnlicher Weise zurückschallt.

    Ihre theologisierenden Ausführungen lassen leider einige Missverständnisse erkennen, die, weit verbreitet, womöglich auch ein Hindernis im ökumenischen Gespräch (das mir sehr wichtig ist) sein könnten.

    (1) Da ist zunächst die unübersehbare Tendenz, alles und jedes, was von katholischer Seite gesagt und getan wird, als primär an die Adresse der 'Kirchen der Reformation' grichtet aufzufassen. Lassen Sie mich nur ein Beispiel herausgreifen: das leidige Thema der päpstlichen Unfehlbarkeit. Ich fürchte sehr, dass Papst Pius IX., seine Mitarbeiter und die Teilnehmer des Vaticanum I allenfalls sekundär oder tertiär an die Protestanten gedacht haben, als sie die Dogmatisierung der Unfehlbarkeit in Angriff nahmen, und auch dann kaum in der von Ihnen anscheinend unterstellten Weise. Sicher war und hat das Dogma aber keine originäre anti-protestantische Spitze. Die Adressaten waren vielmehr innerkatholische.
    Dass Protestanten das zugespitzte Verständnis des Papsttums, das sich im Dogma artikuliert, gleichwohl als Ökumenehindernis verstehen, mag man ja nachvollziehen können, darf man aber im Ernst als Gesprächsvoraussetzung einfordern, der Partner möge doch zunächst einmal sein eigenes Selbstverständnis aufgeben, damit ein Gespräch überhaupt möglich werden kann?

    Dasselbe gilt, nebenbei bemerkt, auch für Fragen des Abendmahls- bzw. Eucharistieverständnisses.

    (2) Natürlich sind Sie bei Ihrer Forderung nicht nur gänzlich unbekümmert darum, dass das Unfehlbarkeitsdogma innerkatholisch vielleicht theoretisch, aber kaum praktisch relevant ist. Diese Unbekümmertheit hat wohl am ehesten mit Unwissen zu tun (mit dem Sie freilich nicht allein stehen). Oder sollten Sie wissen, dass das Dogma bisher ein einziges Mal angewandt worden ist? Sollten Sie gar den Wortlaut nachgelesen und darüber nachgedacht haben, was Gegenstand und Inhalt des Dogmas ist? Mir scheint nicht so. Kenntnisse wären ja nur hinderlich, wenn es zu polemisieren gilt; sie würden aber vielleicht zu mehr Respekt gegenüber dem katholischen Partner im ökumenischen Gespräch führen, Sie daran hindern, unsäglich oberflächlich und hochmütig von "jener hochmütigen Dummheit" zu sprechen. (Leider findet sich aber die Einschätzung, Katholiken oder doch ihre Kirche seien nicht nur hochmütig, sondern vor allem auch dumm, bei nicht wenigen Protestanten, - meist, wie bei Ihnen, geboren aus Unkenntnis.)
    Oder sollten Sie sich vor Abfassung Ihres Beitrags gar mit dem tatsächlichen Status der inkriminierten Karfreitagsfürbitte befasst haben - was hat dieses Problem übrigens mit Ökumene zu tun, außer dass es als Munition für Polemik taugt? - oder damit, weshalb die Katholiken der eucharistischen Gemeinschaft eine andere Bedeutung zumessen als die Protestanten? Sollten Sie sich bemüht haben, zu verstehen, weshalb für die katholische Seite (übrigens ganz im altkirchlichen Sinn) die eucharistische communio Ziel und Ausdruck verwirklichter Kirchengemeinschaft ist, nicht aber ihr Anfang oder gar Mittel zum Zweck der Ökumene? Mir scheint nicht so. Aber weshalb sollten Sie auch, wenn schon klar ist, dass es sich nur um 'Dummheiten' handeln kann und den Versuch, den Protestantismus herabzuwürdigen?

    (3) Weshalb legen Protestanten eigentlich so großen Wert darauf, als 'Kirche' im katholischen Verständnis 'anerkannt' zu werden? Ging und geht es der Reformation denn nicht maßgeblich um ein anderes Kirchenverständnis? So gesehen, sollten Sie befriedigt registrieren, dass Sie von katholischer Seite nicht für deren Begriff von Kirche vereinnahmt werden. Aus theologischen Gründen wollen die 'Kirchen der Reformation' niemals Kirchen im katholischen (und auch orthodoxen) Sinn sein, und das ist natürlich ihr/Ihr gutes Recht. Oder meinen Sie vielmehr, Bedingung für Ökumene sei, dass die Katholiken ihr Kirchenbild endlich an das der Reformation (oder an das, das sich seitdem auf Ihrer Seite entwickelt hat) anpassen, dass wir uns Ihr Kirchenbild zu eigen machen, kurz: endlich unsere historische 'Dummheit' einsehen und die Reformation nachholen? Wäre es nicht ein wenig viel verlang, das Zustandekommen eines Dialogs davon abhängig zu machen, dass einer der Gesprächspartner zunächst einmal seine Position aufgibt? Viel verlangt - und am Ende langweilig.

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    Lieber Bruno,
    jedenfalls zeigt Herr Harprecht eine größere Kenntnis der katholischen Theologie, als Sie umgekehrt Kenntnis evangelischer Theologie zeigen. Deshalb ein Versuch der Aufklärung:

    1) Das Unfehlbarkeitsdogma war wohl tatsächlich nicht gegen die reformatorischen Kirchen gerichtet. (Aber auch nicht nur nach innen, sondern im Antimodernistenstreit gegen den modernen Säkularismus. Dies nur am Rande.) Tatsächlich aber war eines der Kernthemen der Reformation die Bestreitung der Unfehlbarkeit von Konzilien und das Postulat der prinzipiellen Fehlbarkeit aller Menschen. (Vgl. Luther auf dem Reichstag zu Worms) Im Lichte dieser Tatsache ist die Unfehlbarkeit einer einzelnen Person in Glaubensfragen in der Tat ein Hindernis für die Ökumene. Denn sie zu akzeptieren würde bedeuten, die Autorität dieser Person über den eigenen Glauben zu akzeptieren. Und ja, man kann verlangen, dass diese Anmaßung aufgegeben wird.

    2) Die Leibliche Himmelfahrt Marias ist jenes einziges Dogma, das unter dem Unfehlbarkeitsdogma verkündet wurde. (Es wurde übrigens rückwirkend auch noch auf die unbefleckte Empfängnis Marias - nicht Jesu - angewandt.) So ein Dogma ist aus protestantischer Sicht eine Torheit, aber in der Tat kein Hindernis für die Ökumene. Die hinter der Verkündung stehende Vorstellung der Unfehlbarkeit des römischen Lehramtes aus oben genannten Gründen schon.
    Übrigens: Das Abendmahl ist auch nach lutherischer Sicht Ausdruck und Kriterium verwirklichter Kirchengemeinschaft. Der Unterschied besteht darin, dass nach lutherischem Verständnis diese Gemeinschaft an der kirchlichen Basis längst bestehen kann. Die Katholische Kirche hingegen bindet die Kirchengemeinschaft und die Eucharistie an ihr Verständnis vom kirchlichen Lehramt in apostolischer Sukzession. Nach Rom dürfen Lutheraner und Katholiken nicht gemeinsam Abendmahl feiern, weil sie die lutherischen Bischöfe nicht anerkennen.
    Die neu-alte Karfreitagsfürbitte ist - neben ihrem Status als riesige kirchenpolitische Dummheit - vor allem ein Rückschritt hinter die dogmatische Konstitution "Lumen Gentium" des Zweiten Vatikanums. Dieses räumte die Möglichkeit des Heils außerhalb der römischen Kirche ein. Und ist deshalb auch für die Ökumene von Bedeutung.

    3) Wenn das Bestreiten der Kirchlichkeit sich nur auf "Kirche im Katholischen Sinne" bezöge, hätten Sie recht. Aber die katholische Kirche bestreitet der evangelischen, "Wahre Kirche Jesu Christi" zu sein. Dialog kann nur auf gleicher Augenhöhe stattfinden.

    4) Ich verkneife mir alle Anmerkungen über peinliche theologische Unkenntnis...

    5) Trotzdem hätte ich Herrn Harpprecht zu widersprechen, weil ein Abbruch des Gesprächs dem römischen Lehramt mehr Bedeutung zubilligte, als ihm aus evangelischer Sicht zukommt.

    --

    "Dialektik ist das Talent, sich selbst zu widersprechen und auch noch stolz darauf zu sein."
    - Konrad Adam

    Ein Polemik freies "Dominus vobiscum", Bruno71!
    Sie fragen "Weshalb legen Protestanten eigentlich so großen Wert darauf, als 'Kirche' im katholischen Verständnis 'anerkannt' zu werden?"
    Tue ich gar nicht. Es ist mir nämlich Wurscht, ob der katholische Bischof von Rom das Evangelische als "Kirche" oder sonstwie bezeichnet. Es geht um den Inhalt dieser Position und die dürfte klar sein: Nur die Katholische Kirche zählt, der Rest ist bestenfalls zweitklassig. Ein Beispiel vom und am Rande: Konvertiert ein Protestant, wird er vom katholischen Pfarrer erneut getauft, da er es aus katholischer Sicht noch nicht ist. Konvertiert ein Katholik, gilt er in der evangelischen Kirche als bereits getauft.
    Der Amtsnachfolger von Pfarrer Karol Józef Wojtyła als katholischer Bischof von Rom, Herr Professor Josef Ratzinger, ist einer der brilliantesten theologischen Köpfe des zwanzigsten Jahrhunderts. Er müsste einfach zwei Dinge als gleichwertig anerkennen, nämlich die evangelische Taufe und das Abendmahl. Dann wäre der größte Schritt bereits getan.
    Zugegeben, ich träume gerade. Denn leider zeigt die Art, wie Benedikt über die Protestanten redet, nämlich so gut wie gar nicht, zeigt, dass hier kein Dialog gewünscht ist. Bereits aus diesem Grunde ist es folgerichtig, so lange zu warten, bis die Katholiken hier zu Gesprächen auf Augenhöhe bereit sind.
    Bei so mancher Erstkommunion ist ein Elternteil als Ketzer, vulgo Protestant, bloß geduldeter Zuschauer. Bei so mancher Konfirmation traut sich der katholische Elternteil nicht zum Abendmahl, sein Priester könnte es ja erfahren und müsste (oft gegen das eigene Gewissen) Sanktionen ergreifen. Das ist es, was immer noch Kirchengemeinden und Familien in Schwierigkeiten bringt.
    Summa Summarum: Die katholische Seite muss endlich ihre Arroganz ablegen und anerkennen, dass hier gleichwertige Institutionen miteinander reden. Vorher ist Ökumene zwecklos.

    Lieber Bruno,
    jedenfalls zeigt Herr Harprecht eine größere Kenntnis der katholischen Theologie, als Sie umgekehrt Kenntnis evangelischer Theologie zeigen. Deshalb ein Versuch der Aufklärung:

    1) Das Unfehlbarkeitsdogma war wohl tatsächlich nicht gegen die reformatorischen Kirchen gerichtet. (Aber auch nicht nur nach innen, sondern im Antimodernistenstreit gegen den modernen Säkularismus. Dies nur am Rande.) Tatsächlich aber war eines der Kernthemen der Reformation die Bestreitung der Unfehlbarkeit von Konzilien und das Postulat der prinzipiellen Fehlbarkeit aller Menschen. (Vgl. Luther auf dem Reichstag zu Worms) Im Lichte dieser Tatsache ist die Unfehlbarkeit einer einzelnen Person in Glaubensfragen in der Tat ein Hindernis für die Ökumene. Denn sie zu akzeptieren würde bedeuten, die Autorität dieser Person über den eigenen Glauben zu akzeptieren. Und ja, man kann verlangen, dass diese Anmaßung aufgegeben wird.

    2) Die Leibliche Himmelfahrt Marias ist jenes einziges Dogma, das unter dem Unfehlbarkeitsdogma verkündet wurde. (Es wurde übrigens rückwirkend auch noch auf die unbefleckte Empfängnis Marias - nicht Jesu - angewandt.) So ein Dogma ist aus protestantischer Sicht eine Torheit, aber in der Tat kein Hindernis für die Ökumene. Die hinter der Verkündung stehende Vorstellung der Unfehlbarkeit des römischen Lehramtes aus oben genannten Gründen schon.
    Übrigens: Das Abendmahl ist auch nach lutherischer Sicht Ausdruck und Kriterium verwirklichter Kirchengemeinschaft. Der Unterschied besteht darin, dass nach lutherischem Verständnis diese Gemeinschaft an der kirchlichen Basis längst bestehen kann. Die Katholische Kirche hingegen bindet die Kirchengemeinschaft und die Eucharistie an ihr Verständnis vom kirchlichen Lehramt in apostolischer Sukzession. Nach Rom dürfen Lutheraner und Katholiken nicht gemeinsam Abendmahl feiern, weil sie die lutherischen Bischöfe nicht anerkennen.
    Die neu-alte Karfreitagsfürbitte ist - neben ihrem Status als riesige kirchenpolitische Dummheit - vor allem ein Rückschritt hinter die dogmatische Konstitution "Lumen Gentium" des Zweiten Vatikanums. Dieses räumte die Möglichkeit des Heils außerhalb der römischen Kirche ein. Und ist deshalb auch für die Ökumene von Bedeutung.

    3) Wenn das Bestreiten der Kirchlichkeit sich nur auf "Kirche im Katholischen Sinne" bezöge, hätten Sie recht. Aber die katholische Kirche bestreitet der evangelischen, "Wahre Kirche Jesu Christi" zu sein. Dialog kann nur auf gleicher Augenhöhe stattfinden.

    4) Ich verkneife mir alle Anmerkungen über peinliche theologische Unkenntnis...

    5) Trotzdem hätte ich Herrn Harpprecht zu widersprechen, weil ein Abbruch des Gesprächs dem römischen Lehramt mehr Bedeutung zubilligte, als ihm aus evangelischer Sicht zukommt.

    --

    "Dialektik ist das Talent, sich selbst zu widersprechen und auch noch stolz darauf zu sein."
    - Konrad Adam

    Ein Polemik freies "Dominus vobiscum", Bruno71!
    Sie fragen "Weshalb legen Protestanten eigentlich so großen Wert darauf, als 'Kirche' im katholischen Verständnis 'anerkannt' zu werden?"
    Tue ich gar nicht. Es ist mir nämlich Wurscht, ob der katholische Bischof von Rom das Evangelische als "Kirche" oder sonstwie bezeichnet. Es geht um den Inhalt dieser Position und die dürfte klar sein: Nur die Katholische Kirche zählt, der Rest ist bestenfalls zweitklassig. Ein Beispiel vom und am Rande: Konvertiert ein Protestant, wird er vom katholischen Pfarrer erneut getauft, da er es aus katholischer Sicht noch nicht ist. Konvertiert ein Katholik, gilt er in der evangelischen Kirche als bereits getauft.
    Der Amtsnachfolger von Pfarrer Karol Józef Wojtyła als katholischer Bischof von Rom, Herr Professor Josef Ratzinger, ist einer der brilliantesten theologischen Köpfe des zwanzigsten Jahrhunderts. Er müsste einfach zwei Dinge als gleichwertig anerkennen, nämlich die evangelische Taufe und das Abendmahl. Dann wäre der größte Schritt bereits getan.
    Zugegeben, ich träume gerade. Denn leider zeigt die Art, wie Benedikt über die Protestanten redet, nämlich so gut wie gar nicht, zeigt, dass hier kein Dialog gewünscht ist. Bereits aus diesem Grunde ist es folgerichtig, so lange zu warten, bis die Katholiken hier zu Gesprächen auf Augenhöhe bereit sind.
    Bei so mancher Erstkommunion ist ein Elternteil als Ketzer, vulgo Protestant, bloß geduldeter Zuschauer. Bei so mancher Konfirmation traut sich der katholische Elternteil nicht zum Abendmahl, sein Priester könnte es ja erfahren und müsste (oft gegen das eigene Gewissen) Sanktionen ergreifen. Das ist es, was immer noch Kirchengemeinden und Familien in Schwierigkeiten bringt.
    Summa Summarum: Die katholische Seite muss endlich ihre Arroganz ablegen und anerkennen, dass hier gleichwertige Institutionen miteinander reden. Vorher ist Ökumene zwecklos.

  2. Es scheint, als habe sich Klaus Harpprecht einen lange angestauten Groll von der Seele geschrieben. So gut ich das verstehe, ich kann nur hoffen, dass die evangelische Kirche seinem Appell, den Dialog aufzukündigen, nicht folgt. Das Historische und Sympathische an Benedikt XVI scheint mir zu sein, dass er wie nie zuvor die Fehlbarkeit des Papstes und seiner Behörde zum Ausdruck gebracht hat. Ganz offensichtlich gilt das von dem Brief an die deutschen Bischöfe nach der Panne mit der Piusbruderschaft. Aber auch in der Einleitung zu seinem Jesusbuch betont er, dass dessen Glaubwürdigkeit ausschließlich auf der Überzeugungskraft der Argumente und "selbstverständlich" keineswegs auf der Amtsautorität beruht. Damit hängt zusammen, dass ein Papst im Fadenkreuz von Pius- und Petrusbruderschaft, Opus Dei und Focolari und wem sonst noch, nicht in allem so kann wie er will. Und weil es in niemandes Interesse sein kann, die mächtigste religiöse Institution fundamentalistischen Kräften zu überlassen, gibt es keine sinnvolle Alternative zum geduldigen Dialog. Bei allem Groll.

    • Kometa
    • 20.05.2009 um 9:12 Uhr

    Vergesst diese Religionen! Die Shows, ohne Vorbildfunktion für die nächsten Generationen, für deren Leben, Lieben und Arbeiten!

    Es gibt keine Religion, die nicht selbstsüchtig als Machtinszenierung wird. Einige Frauen in der evangelischen Kirche können daran nichts Wahres ändern.

  3. Dialoge muss man nicht führen, wenn man sich eh schon einig ist.
    Dialoge muss man führen, wenn man es nicht ist.

    Auch wenn es sich nur darum dreht, wessen imaginärer Freund der coolere ist.

  4. Anders als Papst Johannes Paul II. arbeitet Ratzi halt aktiv, vorsätzlich und gerne an der Daseinsberechtigung der Schweizergarde.

    Das fällt umgeben von Italien wahrscheinlich aber auch nicht so schwer. Da sind die Frauen ja schließlich so schön, dass selbst Soldaten nicht verhindern können, dass die irgendwer vergewaltigt.

  5. Der Artikel erinnert mich an ein Manifest des Luxemburgistisch-Trotzkistischen Flügels wider die Umtriebe des Trotzkistisch-Luxemburgistischen Flügels in irgendeiner kommunistischen Splitterpartei. Der tiefe Ernst des Autors, die absolute Irrelevanz für die überwältigenden Teil der Menschen und die daraus resultierende Hochkomik, wuderbar. Eins mit Sternchen.

    Naja, noch viel Spaß beim Wiedergebären.

  6. Lieber Bruno,
    jedenfalls zeigt Herr Harprecht eine größere Kenntnis der katholischen Theologie, als Sie umgekehrt Kenntnis evangelischer Theologie zeigen. Deshalb ein Versuch der Aufklärung:

    1) Das Unfehlbarkeitsdogma war wohl tatsächlich nicht gegen die reformatorischen Kirchen gerichtet. (Aber auch nicht nur nach innen, sondern im Antimodernistenstreit gegen den modernen Säkularismus. Dies nur am Rande.) Tatsächlich aber war eines der Kernthemen der Reformation die Bestreitung der Unfehlbarkeit von Konzilien und das Postulat der prinzipiellen Fehlbarkeit aller Menschen. (Vgl. Luther auf dem Reichstag zu Worms) Im Lichte dieser Tatsache ist die Unfehlbarkeit einer einzelnen Person in Glaubensfragen in der Tat ein Hindernis für die Ökumene. Denn sie zu akzeptieren würde bedeuten, die Autorität dieser Person über den eigenen Glauben zu akzeptieren. Und ja, man kann verlangen, dass diese Anmaßung aufgegeben wird.

    2) Die Leibliche Himmelfahrt Marias ist jenes einziges Dogma, das unter dem Unfehlbarkeitsdogma verkündet wurde. (Es wurde übrigens rückwirkend auch noch auf die unbefleckte Empfängnis Marias - nicht Jesu - angewandt.) So ein Dogma ist aus protestantischer Sicht eine Torheit, aber in der Tat kein Hindernis für die Ökumene. Die hinter der Verkündung stehende Vorstellung der Unfehlbarkeit des römischen Lehramtes aus oben genannten Gründen schon.
    Übrigens: Das Abendmahl ist auch nach lutherischer Sicht Ausdruck und Kriterium verwirklichter Kirchengemeinschaft. Der Unterschied besteht darin, dass nach lutherischem Verständnis diese Gemeinschaft an der kirchlichen Basis längst bestehen kann. Die Katholische Kirche hingegen bindet die Kirchengemeinschaft und die Eucharistie an ihr Verständnis vom kirchlichen Lehramt in apostolischer Sukzession. Nach Rom dürfen Lutheraner und Katholiken nicht gemeinsam Abendmahl feiern, weil sie die lutherischen Bischöfe nicht anerkennen.
    Die neu-alte Karfreitagsfürbitte ist - neben ihrem Status als riesige kirchenpolitische Dummheit - vor allem ein Rückschritt hinter die dogmatische Konstitution "Lumen Gentium" des Zweiten Vatikanums. Dieses räumte die Möglichkeit des Heils außerhalb der römischen Kirche ein. Und ist deshalb auch für die Ökumene von Bedeutung.

    3) Wenn das Bestreiten der Kirchlichkeit sich nur auf "Kirche im Katholischen Sinne" bezöge, hätten Sie recht. Aber die katholische Kirche bestreitet der evangelischen, "Wahre Kirche Jesu Christi" zu sein. Dialog kann nur auf gleicher Augenhöhe stattfinden.

    4) Ich verkneife mir alle Anmerkungen über peinliche theologische Unkenntnis...

    5) Trotzdem hätte ich Herrn Harpprecht zu widersprechen, weil ein Abbruch des Gesprächs dem römischen Lehramt mehr Bedeutung zubilligte, als ihm aus evangelischer Sicht zukommt.

    --

    "Dialektik ist das Talent, sich selbst zu widersprechen und auch noch stolz darauf zu sein."
    - Konrad Adam

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    Lieber rueckholspiegel,

    besten Dank für Ihre Antwort. leider ist mir nicht ganz klar geworden, wo Sie mir theologische Unkenntnis nachgewiesen hätten. Ich will diesen Punkt nicht breiter erörtern, als er es verdient, aber doch auf einen oder zwei Aspekte replizieren:

    (1) Selbstverständlich war die Unfehlbarkeitsdefinition gegen den 'Modernismen' gerichtet, aber doch - innerkirchlich - in dem Sinn, dass die Katholiken auf eine bestimmte Position eingeschworen werden sollten. Das Dogma ist also ein Mittel zur Stärkung einer katholischen Identität. Dass dabei katholischerseits ein Zusammenhang zwischen Modernismus und Säkularismus einerseits und der Reformation andererseits hergestellt wurde (und teilweise noch wird), ist schon klar, - macht aber nicht die Kirchen der Reformation oder ihre Mitglieder zu Adressaten des Dogmas. Das wäre ja auch ganz unsinnig.

    Und zwar deshalb, weil selbstverständlich niemand vernünftigerweise erwarten kann, dass diese Christen das Dogma 'akzeptieren', selbst wenn die Katholische Kirche natürlich mit dem theoretischen Anspruch auftritt, eine schlechthin gültige Wahrheit zu formulieren. Die Forderung, das Dogma anzunehmen, trifft also mich als Katholiken, nicht aber den Protestanten. In dem Sinn kann allenfalls ich die Anmaßung als solche beklagen.
    Dabei geht es übrigens nicht um die Autorität einer "Person", sondern um die eines Amtes und seines Inhabers als eines solchen. Dass auch diese im Sinn Luthers nicht zu 'akzeptieren' wäre, ist schon einsichtig, - aber nicht Gegenstand der Diskussion, solange Ökumene nicht bedeutet, von den Kirchen der Reformation die bedingungslose Eingliederung in die Katholische Kirche zu fordern. Und diese Forderung erhebt so ja, soweit ich sehe, niemand der wirklich ernst zu nehmen wäre.

    (2) Dass die Differenzen im Eucharistieverständnis im Kern mit dem Problem der Apostolischen Sukzession zu tun haben (und damit mit dem Kirchenverständnis), ist, glaube ich, jedermann klar. Was würde aber nun aus dieser Ihrer "Aufklärung" argumentativ folgen? An der Sukzession entscheidet sich aus der katholischen Perspektive eben die Frage der Kirchengemeinschaft, nicht primär an erfolgreicher Ökumene an der Basis, die sich dann bereits in der eucharistischen Gemeinschaft ausdrücken könnte. Das mag man beklagen, damit ändert sich aber nichts an den theologischen Positionen: erst Kirchengemeinschaft, dann eucharistische Gemeinschaft. Nur verstehen Katholiken und Protestanten unter 'Kirchengemeinschaft' eben Verschiedenes. Q. e. d.

    (3) Auch und gerade für das Vaticanum II sind Ökumenismus und das Verhältnis zu den anderen Religionen durchaus - theologisch - verschiedene Dinge, was sich durch die Lektüre der beiden Texte ("Unitatis redintegratio" und "Nostra aetate") leicht bestätigen lässt. Denn offenkundig ist der Heilsanspruch des Christentums(!) etwas anderes als die Frage, auf welche Verwirklichungsform von Christentum dieser Heilsanspruch ggf. beschränkt wird.

    (3) Ganz selbstverständlich spricht die Katholische Kirche über 'Kirche', meinethalben auch über 'wahre Kirche' im Ausgang von ihrem Kirchenverständnis als Kriterium der 'Wahrheit', nicht im Ausgang von einem gleichsam neutralen Begriff von Kirche, den es ja ohnehin nicht gibt. Folgerichtig gehen die Kirchen der Reformation von einem anderen Kirchenverständnis bzw. von anderen Kirchenverständnissen aus: Wenn ein kurialer Text von 'Kirche' spricht, dann ist eben etwas anderes gemeint, als evangelischerseits unter 'Kirche' verstanden wird. Das muss man sich einfach klar machen, dann ist eine Ursache von Missverständnissen schon beseitigt. Die evangelischen Gesprächspartner sollten dann aber, bitte, nicht verlangen, dass Katholiken 'Kirche' nur noch im evangelischen Sinn gebrauchen. Auch das ist eine Frage von 'gleicher Augenhöhe'.

    Lieber rueckholspiegel,

    besten Dank für Ihre Antwort. leider ist mir nicht ganz klar geworden, wo Sie mir theologische Unkenntnis nachgewiesen hätten. Ich will diesen Punkt nicht breiter erörtern, als er es verdient, aber doch auf einen oder zwei Aspekte replizieren:

    (1) Selbstverständlich war die Unfehlbarkeitsdefinition gegen den 'Modernismen' gerichtet, aber doch - innerkirchlich - in dem Sinn, dass die Katholiken auf eine bestimmte Position eingeschworen werden sollten. Das Dogma ist also ein Mittel zur Stärkung einer katholischen Identität. Dass dabei katholischerseits ein Zusammenhang zwischen Modernismus und Säkularismus einerseits und der Reformation andererseits hergestellt wurde (und teilweise noch wird), ist schon klar, - macht aber nicht die Kirchen der Reformation oder ihre Mitglieder zu Adressaten des Dogmas. Das wäre ja auch ganz unsinnig.

    Und zwar deshalb, weil selbstverständlich niemand vernünftigerweise erwarten kann, dass diese Christen das Dogma 'akzeptieren', selbst wenn die Katholische Kirche natürlich mit dem theoretischen Anspruch auftritt, eine schlechthin gültige Wahrheit zu formulieren. Die Forderung, das Dogma anzunehmen, trifft also mich als Katholiken, nicht aber den Protestanten. In dem Sinn kann allenfalls ich die Anmaßung als solche beklagen.
    Dabei geht es übrigens nicht um die Autorität einer "Person", sondern um die eines Amtes und seines Inhabers als eines solchen. Dass auch diese im Sinn Luthers nicht zu 'akzeptieren' wäre, ist schon einsichtig, - aber nicht Gegenstand der Diskussion, solange Ökumene nicht bedeutet, von den Kirchen der Reformation die bedingungslose Eingliederung in die Katholische Kirche zu fordern. Und diese Forderung erhebt so ja, soweit ich sehe, niemand der wirklich ernst zu nehmen wäre.

    (2) Dass die Differenzen im Eucharistieverständnis im Kern mit dem Problem der Apostolischen Sukzession zu tun haben (und damit mit dem Kirchenverständnis), ist, glaube ich, jedermann klar. Was würde aber nun aus dieser Ihrer "Aufklärung" argumentativ folgen? An der Sukzession entscheidet sich aus der katholischen Perspektive eben die Frage der Kirchengemeinschaft, nicht primär an erfolgreicher Ökumene an der Basis, die sich dann bereits in der eucharistischen Gemeinschaft ausdrücken könnte. Das mag man beklagen, damit ändert sich aber nichts an den theologischen Positionen: erst Kirchengemeinschaft, dann eucharistische Gemeinschaft. Nur verstehen Katholiken und Protestanten unter 'Kirchengemeinschaft' eben Verschiedenes. Q. e. d.

    (3) Auch und gerade für das Vaticanum II sind Ökumenismus und das Verhältnis zu den anderen Religionen durchaus - theologisch - verschiedene Dinge, was sich durch die Lektüre der beiden Texte ("Unitatis redintegratio" und "Nostra aetate") leicht bestätigen lässt. Denn offenkundig ist der Heilsanspruch des Christentums(!) etwas anderes als die Frage, auf welche Verwirklichungsform von Christentum dieser Heilsanspruch ggf. beschränkt wird.

    (3) Ganz selbstverständlich spricht die Katholische Kirche über 'Kirche', meinethalben auch über 'wahre Kirche' im Ausgang von ihrem Kirchenverständnis als Kriterium der 'Wahrheit', nicht im Ausgang von einem gleichsam neutralen Begriff von Kirche, den es ja ohnehin nicht gibt. Folgerichtig gehen die Kirchen der Reformation von einem anderen Kirchenverständnis bzw. von anderen Kirchenverständnissen aus: Wenn ein kurialer Text von 'Kirche' spricht, dann ist eben etwas anderes gemeint, als evangelischerseits unter 'Kirche' verstanden wird. Das muss man sich einfach klar machen, dann ist eine Ursache von Missverständnissen schon beseitigt. Die evangelischen Gesprächspartner sollten dann aber, bitte, nicht verlangen, dass Katholiken 'Kirche' nur noch im evangelischen Sinn gebrauchen. Auch das ist eine Frage von 'gleicher Augenhöhe'.

  7. Beim christlichen Glauben geht es, wie der Name schon sagt, um Jesus Christus.
    Die evangelische Kirche erweckt aber gerade hierzulande den Eindruck, als wäre es ihr peinlich, von Jesus Christus zu sprechen. Stattdessen versucht sie sich als Hort des Guten zu profilieren. Da das Reden vom Glauben vermeintlich unerwünscht ist, macht man lieber auf sozial und gut, etwa in der Friedensbewegung oder im Umweltschutz oder als Migrantenversteher.
    Evangelischer Ökumene geht es ergor v.a. um das menschliche Miteinander.
    Eine Ökumene, in der Christus nicht im Zentrum steht, ist aber für Orthodoxe, orientalisch Kichen (Kopten, Äthopier), Katholiken und Freikirchler nicht akzeptabel.

    Kurz und gar nicht gut:
    Die säkulare evangelische Kirche ist das Haupthindernis für eine echte Ökumene.

    In Hessen ist es noch schlimmer:
    Evangelische Pfarrerinnen treten offen für eine türkische Moschee ein, die von den direkt daneben liegenden Orthodoxen (Russen) und Freikirchlern (Inder, Philippinos) abgelehnt wird (u.a. wegen der Sorgen jüdischer und armenischer Mitglieder der Kirchengemeinde).
    Zudem hat die EKHN (ev. Kirche von Hessen-Nassau) eine Partnerschaft mit der Kairoer Al-Azhar-Universität, die vorletztes Jahr einen Ägypter wegen Konversion vom Islam zur koptischen Kirche zum Tode verurteilt hat. Ein liberales moslemsiches Ehepaar wurde zur Zwangsscheidung verurteilt.
    Wenn Vertreter der Evangelischen derart offen andere Konfessionen ignorieren und mit Christenverfolgern paktieren, hat sich die Ökumene mit den Evangelischen erledigt.

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    • Buker
    • 20.05.2009 um 11:22 Uhr

    Vielen Dank, dass Sie die Argumentation meines ersten Postings so schön unterstreichen. Die Toleranz der evangelischen Kirche gegenüber Moslems als Hindernis für den ökomenischen Dialog aufzuführen zeigt leider ganz deutlich, warum es eben keinen wirklichen interreligiösen Dialog geben kann!

    Einfach weil Religion intolerant ist.

    • Buker
    • 20.05.2009 um 11:22 Uhr

    Vielen Dank, dass Sie die Argumentation meines ersten Postings so schön unterstreichen. Die Toleranz der evangelischen Kirche gegenüber Moslems als Hindernis für den ökomenischen Dialog aufzuführen zeigt leider ganz deutlich, warum es eben keinen wirklichen interreligiösen Dialog geben kann!

    Einfach weil Religion intolerant ist.

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