Manager Er kommt nicht bis zur Schlossallee
Wendelin Wiedeking hat Porsche in eine Sackgasse manövriert. Der Erfolgsmanager mutiert zum Verlierer

© Andreas Rentz/Getty Images
Hat zu hoch gepokert: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, hier während der Bilanzpressekonferenz im vergangenen November
Wendelin Wiedeking mag Monopoly, er spielt es mit der Familie, er spielt es mit Freunden. Meistens gewinnt er. Er führt das nicht auf Glück, sondern auf seine Taktik zurück. Wiedeking ist ein vorsichtiger Spieler, er kauft zum Beispiel nicht gleich die Schlossallee, wenn er die Gelegenheit dazu hat, »denn die nimmt Ihnen am Anfang ziemlich viel Geld aus der Kasse«, wie er mal erklärt hat. Lieber fängt er mit den preiswerten Straßen an, kassiert dort erst mal ein paar Mieten. »Da finanziert sich die Schlossallee hinterher von allein.«
Beim Firmen-Monopoly ist er genauso vorgegangen. Als der Porsche-Chef vor vier Jahren den Einfall hatte, sich am 14-mal größeren VW-Konzern zu beteiligen, kaufte er die ersten Aktien billig zusammen. Er ließ sich von seinem Finanzchef Holger Härter einen Plan ausarbeiten, wie man an weitere Anteile herankommen könnte, ohne dabei viel Aufsehen zu erregen und viel Geld auszugeben. Mithilfe von Optionen verdiente Porsche prächtig an jenem Kursanstieg der VW-Aktie, den die Sportwagenfirma mit ihren Aktienkäufen ausgelöst hatte. Dank der Finanzgeschäfte übertraf der Gewinn des Unternehmens dessen Umsatz. Es schien fast so, als könne Porsche das Geld selbst drucken, mit dem es VW kaufte. Als finanziere sich die Schlossallee von allein.
Es klappt nicht. Wendelin Wiedeking, 56 Jahre, hat sich böse verspekuliert. Und so mutiert der Vorzeigemanager binnen weniger Wochen im öffentlichen Ansehen zum Hasardeur und Zocker.
Lange war Wiedeking einer der angesehensten Wirtschaftsführer im Land, obwohl er vergleichsweise nutzlose Autos für eine kleine Einkommenselite baute. An der Spitze von Porsche hatte er von 1992 an eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben.
Wiedeking liebte den forschen Auftritt. Er gefiel sich als Kritiker der Kapitalmärkte und Belehrer der Banken. Zu den Apologeten des Shareholder-Value hat er dabei allerdings nie gehört. Seine Reihenfolge war eine andere: erst die Kunden, dann die Mitarbeiter, Lieferanten und Händler, zum Schluss der Aktionär. Er weigerte sich, Quartalsberichte vorzulegen, und legte sich deswegen mit der Börse an. Das kam gut an.
Den Bodenständigen musste der Ingenieur aus Westfalen nicht spielen. Als erklärter Golfsport-Verächter und Freizeit-Traktorist bot er einen willkommenen Kontrast zu den vielen aalglatten Typen auf den Vorstandsetagen der deutschen Wirtschaft. Einen »Macher mit Herz und Schnauze« sah sogar die Börsenzeitung in ihm. Und der Betriebsratsvorsitzende machte aus seiner Bewunderung keinen Hehl.
Wiedekings Masterplan sah vor, dass Porsche seinen Anteil an VW bis auf 75 Prozent ausbauen sollte. Dann hätten die Stuttgarter mit den Wolfsburgern einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen können und wären an das Geld in den VW-Kassen herangekommen. Gefehlt: Porsche hat mit Aktienkäufen Schulden von neun Milliarden Euro angehäuft. Die Zinsen drücken sehr, seit das Luxusautogeschäft schlechter läuft, und die Banken drängen auf eine Rückzahlung der Kredite.
- Datum 12.07.2009 - 11:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2009 Nr. 22
- Kommentare 7
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Wo bleibt der Newswert?
Ich fass mal zusammen:
Wiedeking hat die Krise nicht kommen sehen, extrem gezockt und verloren (fehlende Managementqualitäten)
Wiedeking hat sich selbst immer für den besten von allen gehalten und sich weit, sehr weit aus dem Fenster gelehnt (fehlende Selbstreflexion)
Wiedeking hat sich auf das Fairplay eines autistischen Salzwasserkrokodils wie Piëch verlassen (fehlende Menschenkenntnis)
Wiedeking hat die politische Lage bzgl. des VW-Gesetzes falsch eingesetzt (fehlendes politisches Gespür)
Aber die Wirtschafts"elite" und die Presse sang jahrelang Lobeshymnen auf ihn ohne Ende. Im Jahr 2008 war er European Manager of The Year, wahrscheinlich allein schon weil er persönlich 80 Mio. € eingesackt hat. Das macht in seiner Kaste halt mächtig Eindruck, da will in dieser verkommenen Kaste schließlich jeder hin.
Das Ganze ist nicht nur peinlich für den ehemaligen Topmanager Wiedeking.
Was ist das erkentnisleitende Interesse dieses Autors? Hat Herr Jungbluth noch eine Dankesschuld abzustatten?
Während im Manager Magazin, im SPIEGEL und sogar in der FAZ schon eine Runde weiter das Spiel mit intelligentem Einsatz kommentiert wird,
bekommen wir hier Märchen der Vergangenheit aufgetischt.
Vielleicht gibt es ja noch in der ZEIT einen Autor, der die Gegenposition darstellt - ist ja nicht unüblich.
Als Titel fällt mir ein: "Was haben Herr P. und der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Herr Breuer gemeinsam?
D.R.
weshalb schreiben Sie den von Ihnen angemahnten Artikel nicht kurzerhand selbst und stellen ihn den hiesigen Lesern zur Verfügung?
weshalb schreiben Sie den von Ihnen angemahnten Artikel nicht kurzerhand selbst und stellen ihn den hiesigen Lesern zur Verfügung?
weshalb schreiben Sie den von Ihnen angemahnten Artikel nicht kurzerhand selbst und stellen ihn den hiesigen Lesern zur Verfügung?
da ich an einem Dialog interessiert bin - kluge Sprüche überlasse ich denen, die Worte zum Zeitvertreib produzieren.
Sollten Sie der deutschen Sprache mächtig sein: Ich habe angeregt und nicht angemahnt. Zur Not gibt es Lexika.
D.R.
für eine bloße Anregung haben Sie nach meinem Geschmack zu starkes Vokabular verwendet, incl. insinuierender Spekulation ("Dankesschuld") - und daß Sie an einem Dialog interessiert sind, kann ich nicht erkennen. Dazu sitzen Sie zu hoch am Roß.
für eine bloße Anregung haben Sie nach meinem Geschmack zu starkes Vokabular verwendet, incl. insinuierender Spekulation ("Dankesschuld") - und daß Sie an einem Dialog interessiert sind, kann ich nicht erkennen. Dazu sitzen Sie zu hoch am Roß.
für eine bloße Anregung haben Sie nach meinem Geschmack zu starkes Vokabular verwendet, incl. insinuierender Spekulation ("Dankesschuld") - und daß Sie an einem Dialog interessiert sind, kann ich nicht erkennen. Dazu sitzen Sie zu hoch am Roß.
... Beispiel dafür, wie die Börse unternehmerisches Handeln letztlich doch korrumpiert.
Da hat sich der Herr W. gegen Quartalsberichte gestemmt und gegen den Shareholder-Value aber der riesigen Versuchung mitzuzocken, konnte er doch nicht wiederstehen. Umso mehr, nachdem der erste Gewinn so grandios ausgefallen ist. Die Psychologie des Kasinos hat schon immer Menschen ruiniert die sie nicht schnell genug durchschauten. Gerade wenig selbstreflexive Gewinnertypen müssen geradezu darauf reinfallen, seien es Banker oder Unternehmer.
Statt an seinem Unternehmen zu werkeln, versuchte er wie eine Heuschrecke, über Schulden ein viel größeres Unternehmen aufzukaufen, bezahlt hätte er das dann über die Reserven von VW. Gut dass ihm das nicht gelungen ist, gut dass es das VW Gesetz nach wie vor gibt. Vielleicht sind solche Gesetze sogar ein Weg in die Zukunft, wenn die Bundesregierung schon bewusst nichtsnutzige Kapitalschmarotzer unbedingt anlocken will, ist das vielleicht ein adäquater Weg der Selbstverteidigung.
Irgendwie tut es mir leid um Herr W. er gehörte ja schon eher zu den sympatischeren Managern. Was wohl so selten ist wie ein vierblättriges Kleeblatt.
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