Suhrkamp-Umzug Leichtes Gepäck

Die Nomadin: Was nimmt Frau Unseld-Berkéwicz mit nach Berlin?

Mitte März erschien im seltsamen Kulturteil des Spiegels ein besonders seltsamer Text. Die recht kühn als »Essay« bezeichnete Gedankenversammlung der Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz versuchte zu begründen, warum ihr Verlag von Frankfurt nach Berlin umziehen müsse – so dachten wir. Doch Ulla Unseld-Berkéwicz ging es darin gar nicht um einen schnöden Umzug, ums fehlende Geld oder um eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl. Sondern ums Prinzip: um das Nomadische als einzig mögliche moderne Bewusstseinsform. »Das Zuhause, das wir uns schaffen, wird provisorisch, diasporisch sein«, so schrieb sie damals. Und offenbar erschien ihr Berlin als ideale erste Oase auf der Reise der Suhrkampkultur, da hier schon immer jene, »die den Intellektuellen, Künstlern und Juden vorwerfen, sie seien nomadisch und vaterlandslos, einen schwereren Stand als anderswo« hatten.

Angesichts der Tatsache, dass der Suhrkamp-Verlag vom Marbacher Literaturarchiv den Wert seines Archives hat schätzen lassen, begreifen wir langsam, was die Verlegerin mit alldem wirklich gemeint hat. Im Sinne ihres eigenen nomadischen Manifests ist nach dem Verlassen des Stammsitzes Frankfurt und dem Abschneiden der kulturellen Pfahlwurzeln der mögliche Verkauf des einzigartigen Archives des Verlages nur konsequent – so viele Kisten nämlich könnten die Kamele gar nicht tragen.

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Vielleicht erklärt sich auch so, dass Suhrkamp zur Irritation aller Beobachter mit Räumen im Berliner Nicolai-Haus vorliebnehmen will, die angeblich viel zu klein sind. Es ist ja, wie Unseld-Berkéwicz gestanden hat, nur ein »Provisorium«, danach zieht die Karawane weiter, mit noch weniger Gepäck, nur Thomas Sparr, ihr geschäftsführender Adlatus, wird auch künftig mit der Verlegerin auf dem Kamel sitzen und ihr von hinten die Wasserflasche reichen. Er hat jetzt, wiederum im Spiegel, sehr verschwurbelt erklärt, für das Suhrkamp-Archiv suche man den »am besten zugänglichen und zulänglichen Standort«. Auch wir halten, ehrlich gesagt, Kamele dafür für unzulänglich.

 
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