Feiern im Freien Brückentage in BerlinSeite 2/2
Als ich in die Gegend zog, war der Laden eine muffige Höhle, in der muffige Männer widerwillig Waren rausrückten. Inzwischen hat er sich zu einem lichten Serviceunternehmen gewandelt, das alles anbietet, was der Dauerpartygast benötigt. Das Geschäft läuft so gut, dass nicht nur neue Jobs, sondern ganze Berufsbilder neu entstanden sind: Zu Stoßzeiten arbeiten hier neben dem eigentlichen Verkäufer ein Bierkastenstapler, ein Getränkeschrankauffüller und ein Getränkeschrankauffüllergehilfe. Die freundlichen Türken sind verständlicherweise begeistert von der Entwicklung und ihren zahlreichen Mitnahmeeffekten. Hinter ihrem Servicetresen wirken sie wie ungekrönte Könige der To-go-Gesellschaft.
Nicht ganz so begeistert von der Eventisierung des Viertels sind Teile der Anwohner. Die einen sehen darin den Vorboten der Gentrifizierung – die Eckkneipen verschwinden, aber dafür gibt es jetzt überall Bagels –, die anderen beklagen den Lärm und die Tatsache, dass ihre Hunde morgens durch Scherben Gassi gehen müssen. Doch auch hier ist Abhilfe auf dem Weg. Um die Versorgungskreisläufe der Party herum hat sich eine zweite Ökonomie gebildet, eine Ökonomie der Armut, die von den Brosamen der anderen lebt.
Sie stehen wie Geier zwischen den Feiernden, sie durchforsten die Mülleimer. Kaum geleert, wandern die Flaschen auch schon in Säcke und werden ordnungsgemäß dem Recycling zugeführt. Was dann noch übrig bleibt, tritt sich fest wie die Kronkorken, die im Teer zwischen dem Pflaster ein künstlerisches Muster bilden.
- Datum 20.05.2009 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 20.05.2009 Nr. 22
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