Film KammerspielSeite 2/2

Wackelige Aufnahmen ihrer Digitalkamera werden sich im Film später abwechseln mit den kunstvoll komponierten Bildern des Kameramanns Benedict Neuenfels. »Der literarischen Sprache setzt man diese kleine, realistische Videokamera entgegen, das kann ein ganz toller Bruch sein«, sagt Franka Potente. Und eine Herausforderung, weil sie Sätze sagen muss, die sich zwar wunderbar lesen, aber beim einmaligen Hören wohl nicht ihre ganze Tiefe entfalten können. »Wir haben unserer Liebe ein gutes Leben bereitet«, sagt Valerie im Film, oder: »Manchmal sah ich uns aus der Entfernung mit der Empfindung, wir blickten beide zu unserem eigenen Bild auf.« Der Film vertraut darauf, dass diese Sprache auch jenseits des Inhalts ihre ganz eigene Melodie entwickelt. Um sich die 60 Seiten Monolog merken zu können, sitzt Franka Potente in jeder Drehpause in ihrer Garderobe unter der Glaskuppel und wiederholt die Sätze.

Wer so eine Garderobe hat, kann keine Diva sein. Es gibt sicher einige Schauspielerinnen, die einen durchsichtigen Raum, in dem man nie ungestört und unbeobachtet ist, nicht akzeptieren würden. Aber Franka Potente aus Dülmen im Münsterland war immer schon für ihre Bodenständigkeit bekannt. Das hat ihr oft Häme eingebracht, weil manch Kritiker ihr die protestantisch anmutende Strenge, mit der sie sich gegen den Glamour ihrer Branche wehrte, übel nahm. Sie wirkte immer ein wenig spröde, wenn sie erzählte, dass die USA, wo sie mit Stars wie Johnny Depp und Matt Damon arbeitete, auch nicht so toll seien. Die Öffentlichkeit sah in ihr »unsere Frau in Hollywood«, aber diese Rolle wollte sie nicht.

Spätestens seit dem Film Elementarteilchen 2006 hat man sie in Deutschland nicht mehr so richtig wahrgenommen. Obwohl sie in großen ausländischen Produktionen wie Che von Steven Soderbergh mitgespielt hat. Vielleicht ist sie mittlerweile amerikanischer geworden, als sie es selbst jemals wollte. Soeben hat Franka Potente mit ihrem Personal Trainer ein Fitnessbuch auf den Markt gebracht, das den gewöhnungsbedürftigen Titel kick ass trägt.

Nun also Kleine Lichter, ein kleiner Film über das große Thema Liebe. Wahrscheinlich ist sie, die Spezialistin für transatlantische Beziehungen, dafür genau die Richtige. Potentes Lebensgefährte ist Amerikaner, sein Vorname beginnt mit D, was der Tätowierung auf ihrem Ringfinger zu entnehmen ist.

Sie hat viel gelesen über die Liebe und sich hineingedacht in diese Frau, die loslassen muss und gleichzeitig nicht die Hoffnung aufgeben darf, dass ihr Geliebter aus dem Koma erwacht. »Du bist mein letzter Mann«, sagt Valerie. Mit Mitte 30 ist sie noch ein wenig jung für so einen Satz. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen man im Film merken wird, dass er von Männern gemacht wurde. Das wünscht sich wohl jeder Mann: dass die Frau, die er liebt, nie mehr einem anderen gehören soll.

 
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