Ärztetagung Schmidt nennt Ärzteforderung "menschenverachtend"

In Zukunft sollen nicht mehr alle medizinischen Möglichkeiten für alle Patienten zur Verfügung stehen, findet Ärztepräsident Hoppe. Damit löst er nicht nur bei der Gesundheitsministerin, sondern auch bei seinen Kollegen einen Proteststurm aus

Die von Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe angestoßene Debatte über die Rationierung medizinischer Leistungen stößt innerhalb der Ärzteschaft auf harsche Kritik. Die Diskussion diene der Vernebelung, um nicht über fehlerhafte Strukturen in der medizinischen Versorgung reden zu müssen, sagte der Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der Frankfurter Rundschau. "Man kann nicht sagen: Wir kippen mehr Geld rein und gucken, wo es ankommt." Nötig sei eine Strukturdebatte.

Kritik an Hoppes Äußerungen gab es auch von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Sie nannte seine Rationierungsforderung "menschenverachtend". Ärztevertretern warf sie vor, "sich über Ankündigungen zu profilieren, dass in Zukunft alles schlechter wird". Dies sei "Panikmache", sagte sie der Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung.

Hoppe hatte am Dienstag beim Deutschen Ärztetag in Mainz eine finanzielle Austrocknung des Gesundheitswesens beklagt. Die Politik müsse angesichts des staatlich verordneten Mangels in den Praxen und Kliniken Farbe bekennen, forderte er. "Mit den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen, werden wir den medizinischen Fortschritt zukünftig nicht mehr in den Praxen und Kliniken abbilden können." Es müsse daher eine Auswahl getroffen werden, "welche Therapiemöglichkeiten für welche Patienten in Zukunft zur Verfügung stehen und worauf unter Umständen verzichtet werden muss".

Schwedisches Modell als Vorbild

Unter Priorisierung verstehe er die Vorrangigkeit bestimmter Indikationen, Patientengruppen oder Verfahren vor anderen. Daraus entstehe eine mehrstufige Rangfolge. Als Beispiel könne das schwedische Modell dienen, bei dem die Versorgung lebensbedrohlicher akuter Krankheiten an erster Stelle komme, gefolgt von Prävention und Rehabilitation und erst dann der Versorgung weniger schwerer Erkrankungen. "Am Ende dieser Rangreihe finden sich dann solche Verfahren wieder, die keine messbar nachweisbare Wirkung mehr haben", erläutert der Ärztekammer-Präsident.

Hoppe regte zur Umsetzung die Einrichtung eines Gesundheitsrates aus Ärzten, Ethikern, Juristen, Gesundheitsökonomen, Theologen, Sozialwissenschaftlern und Patientenvertretern an. Dieser könne Empfehlungen für eine Priorisierung für die Politik entwickeln. Für seinen Vorschlag hatte Hoppe Zustimmung von anderen Ärzteverbänden bekommen.

Neben Gesundheitsministerin Ulla Schmidt lehnen auch die Krankenkassen eine Rangliste für Leistungen strikt ab.
 

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Leser-Kommentare
  1. Ob Rationierung oder Priorisierung nennen sie es wie sie wollen
    es ist entwürdigend, was hier für Forderungen gestellt werden. Wenn man berücksichtigt das Ärtze im letzten Jahr ca. 10 % mehr Gehalt bekommen haben ist es dazu unverschämt. Die Dreiklassenmedizin in Deutschland schreitet voran...
    Gruss
    Trizmachine

  2. wahrscheinlich in einer sachlicheren Atmosphäre diskutieren, wenn man bei unseren Ärzten nicht das Gefühl haben müsste, ihr primäres Interesse sei die Behandlung möglichst vieler PRIVATpatienten...

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    wenn es stimmt das z.B. tendenziell berufstätige, private, junge, reiche deutlich weniger Ärtze besuchen, verdient doch die Masse der Ärzte an alten, kranken, behinderten, kindern, frauen, usw. oder? Das System hat in sich ein Widerspruch - welches darin liegt einen Mehrwert aus maginalisierten Gruppen von Menschen zu ziehen.
    Die deutsche Geiz-ist-Geil-Mentalität lässt grüssen
    Trizmachine

    wenn es stimmt das z.B. tendenziell berufstätige, private, junge, reiche deutlich weniger Ärtze besuchen, verdient doch die Masse der Ärzte an alten, kranken, behinderten, kindern, frauen, usw. oder? Das System hat in sich ein Widerspruch - welches darin liegt einen Mehrwert aus maginalisierten Gruppen von Menschen zu ziehen.
    Die deutsche Geiz-ist-Geil-Mentalität lässt grüssen
    Trizmachine

  3. wenn es stimmt das z.B. tendenziell berufstätige, private, junge, reiche deutlich weniger Ärtze besuchen, verdient doch die Masse der Ärzte an alten, kranken, behinderten, kindern, frauen, usw. oder? Das System hat in sich ein Widerspruch - welches darin liegt einen Mehrwert aus maginalisierten Gruppen von Menschen zu ziehen.
    Die deutsche Geiz-ist-Geil-Mentalität lässt grüssen
    Trizmachine

  4. Herr Hoppe
    Ich habe mal eine frage an sie!
    Sind sie behintert?
    Und brauch jeden tag stendighilfe?
    Ich Glaube das was sie da gesagt haben haben sie ohne verstand von sich gegeben! herr Hoppe erst denken dann reden! Aber ob das politiker können frage ich mich jeden tag neu! Herr Hoppe wie is den ihr Eid den sie mal abgelgt haben?
    Wei war der Eid noch mal denn sie abgelegt haben!
    Das leben is das höste gut was ich immer achten werden egal ob der mensch reich is oder arm!
    Und wie war ihr Eid noch mal das sie jedes leben retten!

  5. Ist ja alles Ansichtssache mit der "Menschenverachtung". Man könnte auch ein System menschenverachtend nennen, wo eine fünfminütige Scheinkommunikation als "eingehende Beratung" abgerechnet und der Löwenanteil der Kosten über Apparatemedizin und Pillenverkauf erzeugt wird.

    • wpev
    • 20.05.2009 um 10:07 Uhr

    rufen Sie etwas zu Straftaten wie "unterlassener Hilfeleistung auf"?

    Ansonsten... Sie sollten den Job wechseln... offensichtlich sind Sie am falschen Platz. Es geht um Menschen... um bedürftige und kranke Menschen, Herr Hoppe!

    Außer "geschmacklos und inhuman-abwertend" lässt sich zur Sache (und Person Hoppe?) nichts sagen!

    Setzen... 6!!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • keox
    • 21.05.2009 um 14:59 Uhr

    auch nicht anders. Da stehen Sie auch an der Rampe, noch verwendungsfähig oder abzuschreiben.

    Das ist im Klassenkrieg im Kernnicht anders.

    • hpgri
    • 24.05.2009 um 19:52 Uhr

    Was soll dieser melodramatische, aufgeblasene Quatsch?

    Das Gesundheitssystem befindet sich in einer anhaltenden Finanzkrise:
    1. Die Medizin kann immer mehr, was immer mehr Geld kostet.
    2. Die Menschen werden immer Älter und kosten im Hinblick auf ihre medizinische Versorgung immer mehr, denn der größte medizinische Bedarf entsteht im Alter.
    3. Wir haben einen anhaltenden, erheblichen Sockel an Arbeitslosen, die nichts zur Solidarität des Kassensystems beitragen können.

    Aus diesem Grund rationiert die Politik schon seit langem: Arzneimittelrichtlinien, Heilmittelrichtlinien, Budgets. Damit ist sie fein raus. Denn das alles sind Rationierungen, die verbergen, daß es Rationierungen sind und die dem Arzt aufs Auge gedrückt werden, statt daß die Politik endlich zugeben würde, daß sie rationieren muß (allein das Faktum leugnet sie indessen hartnäckig!!) und endlich das leistete, was ihr Job wäre, nämlich zu bestimmen, was die Gesellschaft bezahlen kann und was nicht!

    Wenn Hoppe nun genau das einfordert, heißt das doch nicht "bedürftigen und kranken Menschen" (ein völlig unsachliches und überflüssiges Tremolo)
    die notwendige Hilfe versagen. Verlangt wird, zu überprüfen, was Priorität hat und was nicht. Das ist nichts anderes als ein schon lange notwendiger und sinnvoller Akt, wenn nicht in Kauf genommen werden soll, daß das Gesundheitswesen kollabiert. Capisco?

    Dr. med. Hanns-Peter Grimm

    • keox
    • 21.05.2009 um 14:59 Uhr

    auch nicht anders. Da stehen Sie auch an der Rampe, noch verwendungsfähig oder abzuschreiben.

    Das ist im Klassenkrieg im Kernnicht anders.

    • hpgri
    • 24.05.2009 um 19:52 Uhr

    Was soll dieser melodramatische, aufgeblasene Quatsch?

    Das Gesundheitssystem befindet sich in einer anhaltenden Finanzkrise:
    1. Die Medizin kann immer mehr, was immer mehr Geld kostet.
    2. Die Menschen werden immer Älter und kosten im Hinblick auf ihre medizinische Versorgung immer mehr, denn der größte medizinische Bedarf entsteht im Alter.
    3. Wir haben einen anhaltenden, erheblichen Sockel an Arbeitslosen, die nichts zur Solidarität des Kassensystems beitragen können.

    Aus diesem Grund rationiert die Politik schon seit langem: Arzneimittelrichtlinien, Heilmittelrichtlinien, Budgets. Damit ist sie fein raus. Denn das alles sind Rationierungen, die verbergen, daß es Rationierungen sind und die dem Arzt aufs Auge gedrückt werden, statt daß die Politik endlich zugeben würde, daß sie rationieren muß (allein das Faktum leugnet sie indessen hartnäckig!!) und endlich das leistete, was ihr Job wäre, nämlich zu bestimmen, was die Gesellschaft bezahlen kann und was nicht!

    Wenn Hoppe nun genau das einfordert, heißt das doch nicht "bedürftigen und kranken Menschen" (ein völlig unsachliches und überflüssiges Tremolo)
    die notwendige Hilfe versagen. Verlangt wird, zu überprüfen, was Priorität hat und was nicht. Das ist nichts anderes als ein schon lange notwendiger und sinnvoller Akt, wenn nicht in Kauf genommen werden soll, daß das Gesundheitswesen kollabiert. Capisco?

    Dr. med. Hanns-Peter Grimm

  6. Das Problem ist nicht Herr Hoppe sondern das System selber das entsolidarisiete, anreizstieftende und kapitaloriente Gesundheitsstrukturen schafft die irgenwann nicht mehr funktionieren...
    Ach, Deutschland denke ich an Dich in der Nacht so wird mir schlecht von deiner Macht... Du bist eine Abwrackprämie....
    Gruss
    Trizmachine

  7. Wenn dann die Ärzte erst die Bieftasche vor dem Patienten untersuchen, dann haben wir es endlich geschafft.
    Am besten noch ohne diese lästige Sicherung der Grundversorgung, die es ja in Amerika wenigstens noch gibt.
    Dann sterben die Leute an heilbaren Krankheiten, weil ihnen das Geld für die Behandlung fehlt. Das nennt man dann warscheinlich "sozial verträgliches Ableben". Vielleicht gehen wir gleich eine Schritt weiter und führen die aktive Sterbehilfe ein um ihnen unnötiges Leid zu ersparen. Aber halt, da muß ja einer für die Giftspritze aufkommen.
    Aber Spaß beiseite. Unser Gesundheitssystem gehört dringenst reformiert.
    Wozu brauchen wir so viele verschiedene Krankenkassen?
    Warum wird bei den Krankenhäusern gespart?
    Wieso beugt sich die Politik den Pharmarkonzernen?
    Eine Antwort: Gewinnmaximierung

    Das die liberale Marktwirtschaft nicht für alle Systeme gleich gut geeignet ist weiß man doch schon länger. Nicht einmal für die Finanzmärkte wie die Krise bewiesen hat.

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