Die Bundestagsabgeordnete Silke Stokar sagte der Süddeutschen Zeitung, sie habe Köhler gewählt und sei sich sicher, dass weitere Vertreter der Grünen so gehandelt hätten.

Horst Köhler hatte im ersten Wahlgang mit 613 Stimmen exakt die erforderliche absolute Mehrheit erhalten. Union, FDP und Freie Wähler hatten zusammen aber 614 Stimmen inne. Insofern müssten mindestens zwei Vertreter aus dem bürgerlichen Lager Köhler die Gefolgschaft verweigert haben.

"Ich wollte bei der Bundespräsidentenwahl keine Verabredungen mit der Linkspartei", begründete Stokar ihre Entscheidung. An die Empfehlung der Fraktionsführung, Gesine Schwan zu wählen oder sich zumindest zu enthalten, habe sie sich nicht gebunden gefühlt. "Ich bin eine freie Abgeordnete." Mit einem Sieg Köhlers im ersten Wahlgang seien "parteitaktische Spielchen" am ehesten zu verhindern gewesen.

Wie die Zeitung berichtet, hatte bei den Grünen zuvor auch die Abgeordnete Uschi Eid Sympathien für Köhler aufgrund seiner Afrikapolitik bekundet. Zudem hatte sich die von den Grünen als Mitglied der Bundesversammlung benannte Chefin der Stasiunterlagen-Behörde, Marianne Birthler, verärgert über die SPD-Kandidatin Gesine Schwan gezeigt, weil diese sich geweigert hatte, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen.