Atomwaffen Die Frechheit siegt

Nordkorea als Lehrstück: Wenn schon dieser Piraten-Staat die Welt zum Narren hält, warum sollte Iran die Bombe aufgeben?

Das nordkoreanische Pseudoparlament feiert  Staatschef Kim, Pjönjang, 9. April 2009

Das nordkoreanische Pseudoparlament feiert Staatschef Kim, Pjönjang, 9. April 2009

Nordkorea provoziert, Die Welt ist empört – solche Überschriften verkünden die ganze Ohnmacht der Staatengemeinschaft. Denn »empört« sind nur die Machtlosen, während der Starke handelt, verhindert oder straft.

Verhindern konnten Asiens Große Fünf (USA, China, Japan, Russland, Südkorea) schon den ersten Atomtest nicht, ebenso wenig wie die Euro-Drei (Berlin, London, Paris) seit 2003 den iranischen Griff nach der Bombe. Noch krasser: Weil Pjöngjang und Teheran die Ohnmacht des Westens so gut durchschauen, gehen sie auch mit ausgesuchter Frechheit ans Werk.

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Frühere Bombenbeschaffer hatten ihre Spuren peinlichst verwischt. Südafrika hat nur einen mysteriösen Blitz im Südatlantik hinterlassen. Israels Atomschild existiert offiziell nicht. Saddams Irak hatte zur Tarnung gar den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben. Indien hatte schlau die amerikanischen Satelliten ausgetrickst. Pakistan gelang die perfekte Überraschung.

Doch Nordkorea und Iran zeigen ihre Ambitionen ganz ungeniert: Hier wird eine neue Rakete ausprobiert, dort werden noch ein paar Tausend neue Zentrifugen zur Urananreicherung aufgestellt. Derweil blüht eine aggressive Rhetorik – wie die von der Vernichtung des »Krebsgeschwürs« Israel. Ob Iran die Provokation bis zum Test treibt? Wir dürfen wetten, dass das Regime in 12 bis 36 Monaten eine Bombe »im Regal« haben wird – alle Komponenten, die in Stunden zur Waffe verschraubt werden können.

Zur Unverfrorenheit gehören immer zwei: Wolf und Schaf

Als Nordkorea im April eine Langstreckenrakete über Japan hinwegschoss, kriegte es die sonore Stimme von Barack Obama zu hören: »Regeln müssen bindend sein. Zuwiderhandlungen müssen bestraft werden. Jetzt ist die Zeit für eine starke internationale Reaktion gekommen.«

Doch gehören zur Unverfrorenheit immer zwei: Wolf und Schaf, also die »Weltgemeinschaft«. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich nicht auf mehr als eine belanglose Resolution einigen. Auch Amerika blökte nur verhalten. Als Pjöngjang gegen zwei US-Journalistinnen Anklage erhob, bot Mrs. Clinton eine »offene Tür« an. Als es abermals die Sechs-Parteien-Gespräche absagte, flötete Emissär Stephen Bosworth, die USA seien »dem Dialog verpflichtet«.

Auch jetzt wirft das Weiße Haus mit Wattebäuschchen: Der Test werde nur die »Isolierung Nordkoreas vertiefen«. China ist »entschieden« dagegen. Russland doziert über »Destabilisierung«. Die Lehre hat Nordkorea schon vor 15 Jahren präzise erfasst, als Bill Clinton wie ein Weihnachtsmann mit einem prallen Sack (Geld, zwei zivile Reaktoren) erschien, um Nordkorea die atomare Abstinenz zu versüßen. Funktioniert hat es wie Heroin; der Junkie will immer mehr.

Leser-Kommentare
    • Runan
    • 27.05.2009 um 23:16 Uhr

    ...lieber Herr Joffe. So etwas nennt man einen Beißreflex. Sie sollten noch einmal in sich gehen und vielleicht fallen sogar ihnen dann ein paar eklatante Unterschiede zwischen Nordkorea und Iran auf. Vielleicht erkennen Sie dann das Nordkorea eigentlich nicht wirklich in einer Bedrohungslage ist - [einige Passagen entfernt, bitte missbrauchen Sie nicht Ihr Gastrecht im Forum der ZEIT und vermeiden Sie antiisraelische, hetzerische Kommentare/ Redaktion; svb]
    Bei dem Titel gebe ich ihnen allerdings recht - Frechheit siegt könnte ein Spruch sein der einem in den Sinn kommt wenn man Ihre Artikel liest.

    Gruß Runan

  1. 2. Hetze

    Es ist ja wirklich nicht schön, wenn Nordkoreas Regierung über Atomwaffen verfügt, aber dieser Artikel ist es auch nicht!
    Er trieft vor Schmähungen und irrwitzigen Vergleichen - fast schon Kriegshetze und die will ich in der ZEIT eigentlich nicht lesen. Übrigens ist das der gleiche Autor, jetzt vor Wut und Angst schäumend, der in einem früheren Beitrage bemerkte "..Besser die Hardliner sind in der Regierung als auf der Straße" (Der Bibi-Barak-Deal ZEIT 13/2009)
    Die sind in so mancher Regierung und scheinbar sind sie auch bei der ZEIT. Beruhigend ist das nicht.
    "Hardliner" klingt ziemlich süss, warum nicht "Rechtspopulisten, Rassisten, Faschisten" oder etwas in der Art.

  2. Herr Joffe "legitimiert" mal wieder den völkerrechtswidrigen Irakkrieg und fordert ein härteres (militärisches) Vorgehen gegen Nordkorea und den Iran.
    Kurz gesagt: Er predigt den selben Unsinn wie die NeoCons in den USA.
    Nur, die NeoCons sind in Washington weg vom Fenster. Vielleicht schafft "Die Zeit" auch mal diesen Schritt und trennt sich von diesem Scharfmacher.

    • Runan
    • 29.05.2009 um 5:40 Uhr

    sehr geehrtes Zeitteam,
    danke für ihre wohlwollende Korrektur meines Beitrages. Mein Beitrag hat einzig Hr. Joffes unerträgliche Sprache wiedergespiegelt in Bezug auf den Staat Israel. Er war sicherlich weniger hetzerisch als der Orginalartikel. Vielleicht distanziert sich die Zeit auch von Diesem.

    MfG

    Runan

    • Anonym
    • 29.05.2009 um 16:09 Uhr

    Die (Mit-)Verantwortlichen für die größten Konfliktherde der Welt sitzen oft - leider - in den USA. Diesen Herren geht es um eines: Geld. Und um Macht. Und dann nochmal um Geld. Und wenn die Hütte dann richtig brennt, dann wird der "Demokratie-Trumpf" gezogen. Oder was auch immer.

    Zum Glück wird die Welt immer vernetzter und immer besser informiert. Dadurch werden Nebelkerzenwerfer, wie sich IMHO auch Herr Joffe hier etwas dilettantisch versucht, entlarvt. Die Frechheit siegt also zum Glück nicht!!!

    Vielleicht könnte es einigen helfen, die Welt nicht in Gut und Böse aufzuteilen, sondern einfach zu nehmen, wie sie ist. Dann werden die Analysen auch scharfsinniger. Lesen kann helfen, um zu Verstehen, was die Vertreter des Meinungsumfeldes eines Herrn Joffes zu verantworten haben:

    http://hpd.de/node/6597

    http://internationale-pol...

    Nebenbei bemerkt, ist mir zur Zeit auch nur ein Land bekannt, was die Atomwaffe bereits verheerend eingesetzt hat...

    • LH
    • 29.05.2009 um 16:38 Uhr

    Wenn Sie in den Krieg wollen, Herr Joffe, dann greifen Sie sich eine Waffe, trommeln Sie sich Ihre Freunde zusammen und gehen Sie hin!
    Aber wundern Sie sich nicht, wenn ich nicht mitkommen werde. Und unterstehen Sie sich feige aus Ihrer klimatisierten Redaktionsstube andere, die oft keine Wahl haben, statt Ihrer dorthin zu schicken.
    (Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)

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    Wenn Sie in den Krieg wollen, Herr Joffe, dann greifen Sie sich eine Waffe, trommeln Sie sich Ihre Freunde zusammen und gehen Sie hin!

    Das ist nicht lache....der Kommissar sitzt immer hinten und schreibt Propaganda waehrend der dumme Bauer vorne an der Front kaempft. Wieso sollte sich das jetzt aendern?

    Wieviel kriegt man den heutzutage als Kriegshetzer? Wuerde mich auch sehr interessieren so eine "Arbeit"!

    Bob Rooney

    Wenn Sie in den Krieg wollen, Herr Joffe, dann greifen Sie sich eine Waffe, trommeln Sie sich Ihre Freunde zusammen und gehen Sie hin!

    Das ist nicht lache....der Kommissar sitzt immer hinten und schreibt Propaganda waehrend der dumme Bauer vorne an der Front kaempft. Wieso sollte sich das jetzt aendern?

    Wieviel kriegt man den heutzutage als Kriegshetzer? Wuerde mich auch sehr interessieren so eine "Arbeit"!

    Bob Rooney

  3. So, so Herr Joffe die USA zählen also zu den großen fünf Asiens.
    Wenn Sie sich da mal nicht im Kontinent geirrt haben.
    Aber das ist Ihnen sicher in Ihrer Raserei gar nicht aufgefallen.
    Komisch ist auch, das Sie plözlich so auf die USA einschlagen, wo Sie sie vor ein paar Monaten noch in den höchsten Tönen gelobt haben. Ach, halt. Das war vor der Wahl. Da war noch Ihr Kumpel Bush am Drücker.

    Auch sonst ist der Artikel unterste Schublade. Vielleicht gehen Sie mit einem Lektor nochmal drüber, machen mehr Hauptsätze draus und streichen die Fremdwörter. Dann können Sie den in der BILD veröffentlichen. In die Zeit gehört er auf jeden Fall nicht.

  4. Ich bin entsetzt über das Niveau, auf dem sich dieser Artikel bewegt. "Nordkorea als Lehrstück." Leider erfährt man nicht, was denn nun die Lehre sein soll, denn wie ein sinnvolles Handeln in solch einer komplizierten Lage aussehen könnte, sagt uns der Autor nicht.

    Man ahnt aber, dass die Quintessenz des Artikels darauf hinausläuft, dass Bush eben doch gut war. Und dass man das Problem Nordkorea mit einem Präventivangriff lösen könnte, woraufhin Kim seine Atombombe notfalls per Steinschleuder in die nur 50 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernte südkoreanische Hauptstadt Seoul mit ihren 20 Millionen Einwohnern werfen würde. Oder was.

    Ich bin wütend und enttäuscht darüber, wie einfach es sich manche Leute machen. Ich möchte so etwas in der Zeit nicht lesen.

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    Leider erfährt man nicht, was denn nun die Lehre sein soll,

    Natuerlich erfaehrt man die Hintergruende nicht, sonst wuerde es man ja schliesslich auch nicht recherchierten Journalismus bezeichnen!

    Wer Infos will, der sollte sich mindestens die Koreanischen, Japanischen, Amerikanischen, Chinesischen, Russischen und Undergrund Nordkoreanischen Nachrichten reinziehen bevor er sich eine Meinung bildet.....sonst wird sie im gebildet!

    Bob Rooney!

    Leider erfährt man nicht, was denn nun die Lehre sein soll,

    Natuerlich erfaehrt man die Hintergruende nicht, sonst wuerde es man ja schliesslich auch nicht recherchierten Journalismus bezeichnen!

    Wer Infos will, der sollte sich mindestens die Koreanischen, Japanischen, Amerikanischen, Chinesischen, Russischen und Undergrund Nordkoreanischen Nachrichten reinziehen bevor er sich eine Meinung bildet.....sonst wird sie im gebildet!

    Bob Rooney!

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