Der Fall Kurras : Wir alle haben uns geirrt

Karl-Heinz Kurras, der Benno Ohnesorg erschoss, war ein Stasi-Mann. Was bedeutet das für den Gründungsmythos der 68er – und was für die »Springer-Presse«?

Kaum hatte der Polizist Karl-Heinz Kurras am 2. Juni 1967 geschossen, erstarrten Hunderttausende junge Leute vor Entsetzen. Zehntausende gingen trauernd auf die Straße. Die Zeitungen des Springer-Verlags verteidigten den Todesschützen als loyalen Hüter westlicher Freiheit und traten dessen Opfer, dem pazifistischen Studenten Benno Ohnesorg, hinterher. Der Erschossene sei »Opfer von Krawallen« geworden, die »FU-Chinesen« und »politische Halbstarke inszeniert« hätten, so die Bild- Zeitung. »Wer Terror produziert, muss Härte in Kauf nehmen«, echote die BZ. Die Polizeiführung und sinngemäß der Regierende Bürgermeister von Berlin attestierten Kurras, er habe sich »völlig korrekt verhalten«.

Und heute? Heute gibt es unter den damals Beteiligten niemanden, der nach den Erkenntnissen über die Stasitätigkeit des Todesschützen nicht blamiert wäre. Die entsetzten Studenten machten den Mann, der seit 1964 der SED angehörte, zum Repräsentanten des Postfaschismus, die anderen feierten den DDR-Agenten als Verteidiger des Westens. Die unangemessenen, ganz und gar undemokratischen Reaktionen der in West-Berlin dominierenden Springer-Zeitungen und der politischen Führung arbeiteten dem DDR-Konzept in die Hände, die prekär gelegene Inselstadt zu destabilisieren. Wie Elisabeth Noelle-Neumann im Dezember 1967 für das Bundeskanzleramt ermittelte, schrieben die Journalisten des Springer-Verlags 1967 satte 83 Prozent ihrer Artikel über die Studentenunruhen »in eindeutig herabsetzender Tendenz«, in den Artikeln der anderen bundesdeutschen Zeitungsverlage geschah das nur in 6 Prozent der Fälle. Nach den jüngsten Kurras-Enthüllungen sucht man in der Bild- Zeitung und der Welt vergeblich nach Selbstkritik.

Der Hass auf Unangepasste war ein gemeinsames nationales Erbe

Einen anderen Ton schlägt Uwe Timm an, der Freund und Biograf Ohnesorgs. Er war 1973 bis 1981 DKP-Mitglied und muss heute erkennen, dass sein Freund von seinem politischen Gesinnungsgenossen erschossen wurde. »Man müsste«, so meinte Timm dieser Tage, »Kurras jetzt befragen und ein neues Buch schreiben über diese deutsche autoritätsfixierte Vita.«

Viele von denen, die am 2. Juni 1967 und in den Tagen danach demonstrierten, wandelten sich oft binnen Stunden von demokratisch-pluralistischen, USA-begeisterten Jungbürgern zu weltanschaulich durchdrungenen Oppositionellen oder Umstürzlern. Für sie wurde Karl-Heinz Kurras schnell zur jederzeit austauschbaren Charaktermaske des postfaschistischen, allenfalls formaldemokratischen Staats Bundesrepublik, wie man im linken Jargon damals sagte. Im totalitär durchwehten Tagebuch von Rudi Dutschke lässt sich nachlesen, wie diese Ansicht und der besinnungslose Radikalismus nach Ohnesorgs Tod binnen Tagen die Oberhand gewannen. Rudi Dutschke hetzte vor allem gegen die weniger militanten Vertreter des Sozialdemokratischen Hochschulbundes, die feigen »angepassten Opportunisten« wie Knut Nevermann oder Manfred Rexin, die immerzu den Schwanz einzögen, sobald Polizei in Sicht sei, und die gelegentlich mit einem »Faustschlag« zur Räson gebracht werden müssten. Dutschke notierte: »›Beerdigungszug‹ f. B. Ohnesorg – kein Protestzug – leider«, ein paar Tage später fantasierte er von Aktionen »militärischer Provenienz«, und dann: »In der Kneipe ›Machtergreifungsplan‹ ›ausgepackt‹. Riesige Überraschung.«

Der tödliche Schuss auf Benno Ohnesorg hatte der schnellen, bald kaum noch kontrollierbaren politischen Polarisierung zwischen Studenten und Staat den Boden bereitet. Das Attentat auf Rudi Dutschke folgte daraus. Beide Ereignisse zusammen führten zum maoistisch geprägten Doktrinarismus, zu den terroristischen Absplitterungen und in den 1970er Jahren zur massenhaften Hinwendung westdeutscher Studenten zum DDR- und Sowjetunion-freundlichen Marxistischen Studentenbund (MSB) Spartakus. Kontrafaktisch und damit unbeweisbar lässt sich vermuten: Hätte Kurras, der Westberliner Polizist und Ostberliner Stasiagent, Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 nicht erschossen, dann wäre die Studentenbewegung milder verlaufen, wären die vielen – im Rückblick irrwitzigen und für nicht wenige zerstörerischen – Umwege nicht eingeschlagen worden.

Jetzt, vier Jahrzehnte später und dank der peniblen Aktenführung der Staatssicherheit, erhält die »Charaktermaske« ein Gesicht. Karl-Heinz Kurras wurde im Dezember 1927 in der Nähe von Rastenburg in Ostpreußen als Polizistensohn geboren und als 17-jähriger Soldat des 44. Infanterieregiments in den »Endkampf« geworfen. 1945 trat er in Berlin eine Verwaltungslehre an. Ende 1948 wurde er wegen illegalen Waffenbesitzes für 13 Monate in das sowjetische Speziallager Sachsenhausen gesperrt. Danach begann er seine Polizeikarriere in West-Berlin; 1955 meldete er sich bei der Staatssicherheit in Ost-Berlin, weil er die DDR für den besseren Staat hielt.

Kein Zweifel, dass Kurras als jugendlicher Soldat, als Angehöriger einer Flüchtlingsfamilie, als Gefangener in einem sowjetischen Straflager schwere Traumata erlitten hat. Er gehörte, das steht fest, zu den desorientierten jungen Männern, die der Gewaltexzess des Zweiten Weltkriegs hinterlassen hatte. Unwohl wird sich Kurras in der paramilitärisch organisierten, von SS-, Gestapo- und Wehrmachtmännern durchsetzten Westpolizei nicht unbedingt gefühlt haben. Aber auch die autoritär strukturierte Staatssicherheit wird ihm vertraut gewesen sein. Die Schäferhundemilieus der beiden deutschen Staaten passten weiterhin zueinander. Der Hass auf Gammler und Unangepasste erfreute sich als gemeinsames nationales Erbe diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs bester Pflege. Doch darf man sich Kurras im Unterschied zu den meisten seiner Kollegen als stets prekär lebenden, zutiefst unsicheren Menschen vorstellen. Seine Doppelexistenz als Stasimitarbeiter und politischer, ebenfalls in geheimer Mission tätiger Spezialbeamter der Westberliner Polizei zwang ihn, in jeder dieser Rollen den Hundertfünfzigprozentigen zu geben. So einer fühlt sich leicht bedroht und schießt schneller als andere.

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Timm

Tut mir Leid, aber meine ehrliche Meinung zu Uwe Timm und seinem Roman Der Freund/Der Fremde ist die, dass Timm sich schämen soll! Hat sich mit dem Toten profiliert und Jahrzehnte nicht mit dessen Witwe gesprochen. Aber nach ihrem Tod mit ihrem Sohn. Sowas ist KEIN Freund. Der Titel nur geklaut von Camus. Habe mich sehr über den Roman aufgeregt. Und jetzt die Folgerung, man sollte mit xx reden? Vielleicht kann Timm sich ja mit einem neuen Buch profilieren: Männer unter sich: Wie die Stasi mich hinter's Licht führte.

Wieder ohne mich

Interessant sind Alys Wertungen der Zeit. Bei Springer-Zeitungen sind es »unangemessene, ganz und gar undemokratische Reaktionen (...) in eindeutig herabsetzender Tendenz«. Also auch heute noch alltägliches Politikgeschäft: eine "Basta-Politik" ist auch undemokratisch und Herabsetzendes gehört auch dazu: siehe ZEIT-Berichterstattung zu Ypsilanti oder Lafontaine.
Dutschke hingegen "hetzt" gegen »angepasste Opportunisten«.
Da gelingt dem geläuterten "Roten Helfer" en passant eine zeitgeistlich angepasste Tatsachenverkehrung. Zwar schildert er korrekt die Verteilung der Schmähartikel in der damaligen Presselandschaft, belegt sie aber mit verhamlosenden Etiketten und tritt dem exemplarischen Springeropfer Dutschke nach. Schäbig.
Wir alle haben uns geirrt? Nee, in das Boot steige ich nicht. Damals wurde ich von Aly und Gesinnungsgenossen gern und ausgiebig als "liberaler Scheißer" tituliert. Beim Marsch durch die Institutionen haben sie mich fast alle rechts überholt, sitzen nun bei Springer am Tisch oder schreiben gar für sein gerichtsnotorisches Lügenblatt. Lasst mich weg bei Eurem "Wir", mit Euch hab ich auch heute nichts gemein!

Die alte Wahrheit

Es ist die alte Wahrheit, von unten Links nach oben Rechts. Man schreibt sich seine Geschichte wahr. Das nannte man früher wahr lügen. Man macht sich und anderen etwas vor, wie es gewesen ist und am Ende glaubt man selber das es so war.

Mir kommt bei der ganzen Sache auch der Rest der Presse zu gut weg. Es war eben nicht nur Springer. Und ob Kurras für das MfS und die SED gearbeitet hat oder nicht ist nur eine Randnotiz der Geschichte.

Die Wahrheit ist, das es den deutschen Herbst gab, das bis an die Zähne bewaffnete Polizei Stichproben unternahm. Das alles ist unvergessen.

Das es den Radikalenerlass gab. Das ist auch nicht folge von Kurras sondern folge autoritärer Strukturen, die bis heute bestehen.

Sie sind doch nur sauer, weil Sie es nicht auch an die Fleischtröge geschafft haben, keine Zweitvilla wie unser guter Joschka in der Toskana besitzen und ansonsten noch die alte Fahne hochhalten, während Ihre Kampfgenossen von damals schon lange geschmeidig den Marsch durch Institutionen vollendet haben.
Manchmal kann man aber auch wirklich Pech haben. Aber mein vollstes Mitgefühl ist Ihnen jedenfalls sicher!

Verständnishilfe

Wenn es Ihnen nicht gelingt selbst den Sinn kurzer , einfach gehaltener Sätze zu erfassen, sollten Sie Ihren Unverstand nicht auch noch dokumentieren. Nur um Ihnen auf die Sprünge zu helfen eine - für Normalleser unnötige - Hilfestellung:
"Damals wurde ich von Aly und Gesinnungsgenossen gern und ausgiebig als "liberaler Scheißer" tituliert" und " ... mit Euch hab ich auch heute nichts gemein!"
Wie halluzinieren Sie da "Kampfgenossen von damals" hinein?
Und an Tröge wollte und werde ich mich nie gesellen, weil sich dort bekanntermaßen grunzende Wesen scharen.

Der "Deutsche Herbst" war neun Jahre

und etliche Morde später (von der "RAF" wohlgemerkt).

So viel Allgemeinwissen sollte schon sein................

Im Nachhinein kann jedoch gesagt werden, dass 1977 BEIDERSEITS ein Umdenken folgte - seitens des "Staates" als auch der "Opposition".
Und: Beides - der atavistische Polizeistaat und die anachronistische Avantgardedenken der "Linken" hatten sich gegenseitig aufgebaut - in der Mitte der Gesellschaft waren längst bis heute anhaltende Umwälzungen geschehen.

Mag sein, dass die falschen Lehren der "68er" (es gab auch richtige und zukunftsweisende schon in dieser Zeit) 1977 endgültig begraben bzw. zur Bedeutungslosigkeit verkamen,
ich meine eher, dass etliche falsche (Elite ff) Lehren bis heute in vielen Gruppen noch Bedeutung haben - leider.

Alys Feind BILD 68: Ich wars nicht Rudi Dutsche ist es gewesen?

"Das fatale Freund-Feind-Denken könnte jetzt ein Ende haben..."

... beim Herrn Aly, wenn er endlich die Projektionen eigener Jugendsünden auf "die" 68er, die angeblich in blöder Verkennung der Wirklichkeit unisono vom Postfaschismus krakelten, sein lassen würde. Natürlich war die - von ihm selbst doch eindringlich beschriebene - Hetze der Springerpresse vom postfaschistischen Geist durchtränkt, wie es auch die Kurrasprozesse waren - und ganz sicher auch die Stasi. Um so besser für alle, die die Zumutung des Anblicks Aufbegehrender - nicht zuletzt auch genau gegen diesen Zeitgeist - nicht ertragen konnten und den eigenen Heiligenschein per "geh doch nach Drüben" oder "solche Leute wie Ihr hätte man früher..." Sprüchen schützten.

Wenn also alle möglichen Sensibelchen der Zeit (ja, auch Dutschke) teilweise emotional, politisch, kulturell durchknallten, ist das ganz gewiss nicht einem singulären Ereignis und dessen voraussetzungsloser Überinterpretation geschuldet. Ja natürlich waren auch die zur Recht Aufbegehrenden nicht frei vom totalitären Geist. Dies zu erkennen ist grad für die notwendig, die weiter nach gangbaren Pfaden der Emanzipation aus sozialer Ohnmacht suchen. Maos "antiautoritäre" Kulturrevolution zeigt: "Alles Gute kommt von Unten" stimmt halt auch nicht. Wer aber die Dinge nicht in ihrer interaktiven Entwicklung betrachtet um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen, und auch nicht bereit ist, die mit der Geschichte verwobene Vielschichtigkeit der damals und danach Handelnden wahrzunehmen, sondern aus der vermeintlich olympischen Perspektive seine weiße Seele mit Pauschalurteilen gegen die Aufbegehenden schützt, sollte sich über das journalistische Schaulaufen hinaus ganz ernsthaft mit der Kontinuität eigener Unempfindlichkeit gegenüber inhuman-zynischen Zuordnungen auseinandersetzten.

Gruß hh

Aly [...]

Warum sollte ich mein entsetzen damals, meine empörung, meine wut, heute überdenken?

von einem westberliner polizisten wurde Ohnesorg erschossen, aus nächster nähe, in den kopf. niemand von den kollegen wollte etwas gesehen haben, gegenstände verschwanden, es gab freisprüche in der zahl.

wer muss überdenken, häh?

die, die ihn damals geschützt haben, die, die Ohnesorg diffamiert haben, die, die eine erschießung aus nächster nähe in den kopf noch nicht einmal als fahrlässsige tötung milde verurteilen wollten!

kurras, war in der westberliner polizei und er war 'bei der stasi'.
er hätte überall seinen platz gefunden wo er 'wichtig' war und seinen dumpfen hass hätte ausleben können. 'gerettet hat ihn die 'gnade der späten geburt'. sonst wäre er womöglich einer der täter geworden, zu deren verfolgung bundesdeutsche gerichte getragen werden mussten.

so einer war nicht gerade unwillkommen in der polizei.

und noch etwas: Aly und kampfgenossen halten zwar auch einen stasi-auftrag für unwahrscheinlichst, argumentieren aber so, als hätten 'die genossen von der ddr' den gegeben und 'wir' müssten unsere damalige einschätzung korrigieren.
im gegenteil: die angeblich demokratischen instanzen liessen den mörder laufen.

eher angelegt, unsere damalige einschätzung zu bestätigen.
Ohnesorg ist tot.
getötet von einem westberliner polizisten.
und es war noch nicht einmal fahrlässige tötung.

eyh götz, überhaupt einmal auf 'ner demo gewesen damals, in 'ner 'leberwurst'?

alles voll demokratisch.
ich merk schon, du bist voll im BILD.

ps: die täterä hat mich nie die bohne verlockt, gerade als flüchtlingskind nicht.

[Titel gekürzt, bitte verzichten Sie auf persönliche Verunglimpfungen. Danke. /Die Redaktion pt.]

@ fracaso & co. "Warum

@ fracaso & co.

"Warum sollte ich mein entsetzen damals, meine empörung, meine wut, heute überdenken?"

Warum?

Nicht, weil ihr alten damals nicht recht hattet das Unrecht anzuklagen. Niht weil damals nicht von staats- & guter gesellschaftsseiten her massives Unrecht und augenwischerei begangen wurde.
Dagegen aufzustehen war richtig.

Euer Unrecht bestand in der verherrlichung derselben braunen soße im roten gewandt - euer hochjubeln von rotfaschisten wie adorno oder marcus (man lese mal einfach 'dialektik der Aufklärung' - und reflektiere einmal über den totalitärismus, der bis zur verneinung von sprache geht, inc. der an göbbels oder hitler erinnernden propagandistischen Sprache, dabei), an das Hochjübeln der besseren DDR und Sowjetunion, des feierns des Massenmörders Mao und Mördrs Che Guevara - daran liegt eure schuld und dafür steht ein entschuldigen aus.
Es steht aus dafür, dass ihr, die ihr zu recht unrechtsstrukturen gekämpfen wolltet, einen unrechtsstaat in form einer sozialistischen gesellschaft herbeizwingen wolltet.
Dafür, dass man berechtigterweise auf unrecht weist, dafür muss man sich nie entschuldigen - aber dafür, dass die alternative und die eignen methoden zum teil noch schlimmer sind. Für eure proteste gegen den staat nicht - eure zwangsmaßnahmen gegen unliebsame personen, mitstudenten, die nur nicht eure ansichten teilten - sehr wohl.
Wie viele von euch sich durchaus zu recht gegen unrecht verwehrten, so taten viele von euch es gegenüber euren mitstudenten, gegenüber einfachen bürgern und arbeitern.
Z. B. eine Seminarveranstaltung aus prodest zu boykottieren ist ok, hineinzugehen und andere studenten daran zu hintern das seminar zu hören, die nicht boykottieren wollten aus ihren eigenen gründen heraus -DAS war das unrecht.
Ihr habt nicht groß gegen das System gefightet, sondern auch massiv gegen eure mitmenschen, die in einer ähnlichen lage wie ihr waren, und nur nicht eure ansichten teilten.
Und das ist bis heute so - links heisst für mich wmittlerweile: meinungsunterdrückung, gewalt, unrecht - menschen, die ihre überzeugungen gegen meinen willen versuchen mir mit gewalt aufzudrücken - mir, der sich selbst auch nur ein einfacher mensch bin und kein angehöriger eines konzerns, des staatsapparats oder sonstwas.
Und das entschuldigen eurer gewalt durch das hochjubeln gewaltverherrlichender , ja massenmörderischer Regime und Tyrannen, das ist euer unrecht.
Ihr habt keine Massenmorde begangen, aber ihr habt Leute & regime bejubelt, die massenmord begingen udn seit ideologien hinterhergerannt die einigen der schlimmsten Verbrechen des 20. jahrhunderts als grundlage dienten.
Und darin besteht euer unrecht - das unrecht dieser bewegung namens 68.
Sich die guten Sachen - die es ja gab in der Folge - anzuhäften, aber die häßlichen seiten zu verleugnen - das ist unrecht und wider die wahrhaftigkeit.

@ fracasco: In Wirklichkeit ein Fortschritt

Sie haben zwar Recht mit Ihrer Forderung nach Kenntlichmachung, aber im Vergleich zur bisher geübten Praxis stellt diese Kürzung schon einen enormen Fortschritt dar.

Üblicherweise hätte da z.B. gestanden: (gekürzt, bitte bleiben Sie sachlich/ verzichten auf Beleidigungen...) So oder so ähnlich.

Dieser Teil Ihres Kommentars wäre auch so weg gewesen, und zusätzlich hätten Sie blöd dagestanden.

@ Redaktion: Warum immer von einem Extrem ins andere? Wie wärs z.B. mit [...] (gekürzt / xy ZEIT-online)? Speicherplatz? Redaktionelles Gestaltungsrecht? Keiner weiss es, der Kommentator ist nicht desavouiert, die Kürzung transparent - versuchen Sie’s doch mal so!

schlechter witz

die diffamierung adornos als '(rot-)faschisten' lässt eigtl. nur drei schlüsse zu: entweder Sie wissen nicht, was ein faschist ist, oder Sie wissen nicht, wer adorno war, oder Sie haben ihn nicht verstanden. Ihre abstruse bemerkung über die 'dialektik der aufklärung' (deren mitverfasser, max horkheimer, nach dem krieg übr. der cdu beitrat und die politik adenauers unterstützte) deutet auf letzteres. es geht darin natürlich nicht um die 'verneinung der sprache' (welch abseitiger gedanke!), sondern im gegenteil um die krititische rekonstruktion der ursprünge und entfaltungsformen des totalitären in gesellschaft und denken, bzw. in dessen medium: der allgemeinbegrifflichen sprache. diese kritik ist durchgängig auf die rettung eben jenes sozialtypus gerichtet, den die faschisten und stalinisten sytematisch eliminierten: des freien und selbständigen individuums liberal-bürgerlicher prägung. insoweit zeugt ihre polternde unterstellung lediglich von selbstbewusster ignoranz. adorno und marcuse, die als juden und kritische intellektuelle aus nazideutschland fliehen mussten, in einem satz mit hitler und goebbels zu nennen, ist dagegen schlicht widerlich. marcuse arbeitete ab 1943 für die amerikanische propaganda-abwehr und war nach dem krieg jahrelang als leiter der mitteleuropa-sektion des us state departments tätig. und es war nebenbeibemerkt adorno, der im januar 1969 sein von studentischen aktivisten besetztes institut von der polizei räumen ließ. grund dafür war neben dem aktionismus und der gewaltbereitschaft der studenten deren unkritische bzw. bejahende haltung gegenüber den linksautoritären und totalitären regimen und bewegungen!

mein fehler

stimmt, horkheimer war nie mitglied der cdu, stand ihr aber in den 50er jahren ausgesprochen nahe, da sie mit ihrem westbindungs- und konsolidierungskurs ("keine experimente") am ehesten seinem engagement gegen eine neuerliche gefährdung noch ungefestigter bürgerlich-demokratischer verhältnisse in deutschland entsprach.

und was ändert das nun an der absurdität des versuchs, horkheimer und adorno in die nähe der nationalsozialisten zu rücken??

@ BettyFort

Zuerst einmal - argumente sollten sachargumente sein, und keine persönlichen gefühle oder angaben, die sich überhaupt keine oder extrem geringe aussagekraft haben bzl. der behandelten thematik.

"entweder Sie wissen nicht, was ein faschist ist, oder Sie wissen nicht, wer adorno war, oder Sie haben ihn nicht verstanden."

- ich weis was fadchismus ist - und vor allem weis ich auch, dass die bedeutung des ausdrucks 'Faschismus' in den 70-80er jahren eine gleichsetzung mit totalitarismus erfahren hat.

- ich weis wer adorno war - was aber erst einmal herzlich wenig aussagt über das, was er geschrieben hat. Der lebensweg oder die soziale Stellung/anerkennung einer Person macht sseine argumente weder besser noch schlechter - sondern ist demgegenüber gleichgültig.

.- "...Sie haben hn nicht verstanden" - ist geblubbere - denn das kann man grundsätzlich immer gegen jemanden sagen, dessen position man ablehnt.
Sie glauben nicht das die erde flach ist? Sie haben Erdkunde nicht verstanden.... hahaha.

"es geht darin natürlich nicht um die 'verneinung der sprache' (welch abseitiger gedanke!), sondern im gegenteil um die krititische rekonstruktion der ursprünge und entfaltungsformen des totalitären in gesellschaft und denken, bzw. in dessen medium: der allgemeinbegrifflichen sprache."

Nein, dezitiert Nein.
Das interpretieren sie hinein - das steht dort aber schlicht und ergreifend nicht.
Was dort steht ist eine in absolutheitsaussagen sich ergießendes Gewäche - denn argumentationen möchte ich das nicht nennen, einfach weil entsprechende logische Argumenationsstrukturen weitgehend fehlen und zudem auch noch abgelehnt werden - das vor allem mit assoziationen und aus einer dezitiert linken & freudianischen Position heraus eine generalanklage gegen die 'Bürgerliche geselslchaft' in Form des ganges der Aufklärung als historischem Ereignis vollzieht.
Dabei wird an einer stelle sehr wohl sprache als ursache und raum von machtempfaltung - die per se unreflektiert als abzulehnendes vorausgesetzt wird - abgelehnt, wie übrigens der logisch-systematische aufbau von 'philosophie'.

Das als kritik zu bezeichnen, ist insofern falsch, da es eben nicht ein versuch der wertneutralen Betrachtung und der darauf aufbauenden bezeichnung von möglichen fehlerquellen tätigt, sondern eben in seinem totalitarismus bürgerlichkeit per se ablehnt und diffamiert als quasi mit notwendigkeit sich in faschistischen systemen verwirklichender Unterdrückungssystem.
Faschismus wird so zur vollendeten Form von Bürgerlichkeit - und das ganze im Grunde unbegründet, außer man zählt bombastische assoziationsbilder zu argumenten, was ich nicht tue.

"des freien und selbständigen individuums liberal-bürgerlicher prägung."

Könnten sie bitte die stelle in der dialektik der aufklärung zitieren, in der explizit steht, dass die "Dialektik der Aufklärung" die rettung des freien und selbständigen Individuums im Sinne (!) einer liberal-bürgerlichen gesellschaft als ziel hat?
Denn genau diese Zielsetzung bestreite ich - liberalität, individualität, wird eben nicht in form von liberaler bürgerlichkeit, sondern wenn ex negativo in Form von sozialistisch-psychoanalytisch befreitem 'Individuum' gesehen.

"adorno und marcuse, die als juden und kritische intellektuelle aus nazideutschland fliehen mussten, in einem satz mit hitler und goebbels zu nennen, ist dagegen schlicht widerlich. marcuse arbeitete ab 1943 für die..."

Nebst, dass die Lebensvita von menschen keine begründungen abgeben, wieso diese dann quasi aus dieser heraus liberal oder wie auch immer zu sein hätten - was unsinn ist, denn nur weil jemand verfolgt wird und fliehen muss und ein unrechtsregime bekämpft, heisst das nicht zwangsläufig , dass er selbst nicht ebenfalls anhänger einer unrechts-ideologie sein kann - halt wenn, dann nur dann einer anderen Ideologie oder möglicherweise abweichend position.

Adorno, Marcuse etc... waren sozialisten - bereits in ihrer frankfurter zeit vor der vertreibung durch die Nazis.

Zudem ist das nennen von z. b. Hitler und Adorno in einem satz keine Sünde oder wie sie ihre emotionalität als argument einsetzten: widerlich.
Es kommt immer auf den Inhalt an, was gesagt wird. gesagt habe ich, ich zitiere:
"und reflektiere einmal über den totalitärismus, der bis zur verneinung von sprache geht, inc. der an göbbels oder hitler erinnernden propagandistischen Sprache, dabei" - und ja, die Sprache ist nunmal in der Dialektik der aufklärung hochassoziativ, totalitaristisch, einseitig, bombastisch - und damit gleich von propagandareden wie wir sie eben aus der NS-zeit von den nazis kennen - der Inhalt ist ein anderer, die Form ist ziemlich ähnlich.

bei ihnen wird das gleich zu einer gleichsetzung in jeder Hinsicht, ud wechselt von der von mir behaupteten Form-ähnlichkeit zu einer inhalts-ähnlichkeit - wie sie es in @ 20 ausdrücken:

"und was ändert das nun an der absurdität des versuchs, horkheimer und adorno in die nähe der nationalsozialisten zu rücken??"

Und das ist etwas unlauter.

"marcuse arbeitete ab 1943 für die amerikanische propaganda-abwehr und war nach dem krieg jahrelang als leiter der mitteleuropa-sektion des us state departments tätig."

- Marcuse stand gewalt nicht anlehnend gegenüber - und bejahte sie sogar sehr lange.

und nur weil adorno:

"und es war nebenbeibemerkt adorno, der im januar 1969 sein von studentischen aktivisten besetztes institut von der polizei räumen ließ. grund dafür war neben dem aktionismus und der gewaltbereitschaft der studenten deren unkritische bzw. bejahende haltung gegenüber den linksautoritären und totalitären regimen und bewegungen!"

hier sich kritisch absetzt gegenüber den studenten 1969, heisst dass nicht, dass er generell sein leben lang gegen den sozialistmus gewesen wäre und das er diese position 1944, als die dialektik erschien, gehabt hätte.

Sie arbeiten selbst erstaunlich wenig mit logischen argumenten, sondern viel mehr mit gefühlen:
- etwas ist abzulehnen, weil sie es widerlich finden;
- jemand, hat etwas nicht verstanden, weil er nicht ihre sichtweise teilt;
- Ob jemand für oder gegen etwas ist, sieht man an seinem lebenlauf;

irgendwie machen sie mir den eindruck, als ob sie gerne mit schubladen, mit schwarz-weis-kategorien arbeiten und dabei ihre eigene emotionale haltung für sie als argument einen hohen stellenwert hättte - sorry, falls ich ihnen unrecht tue, aber ihr 'Text' ruft bei mir diese assoziation hervor.

--

es fehlt mir leider die zeit, auf jede Ihrer einwendungen einzugehen. um Ihre 'assoziationen' nachträglich zu zerstreuen: ich bin adorno und der 'kritischen theorie' weder emotional noch ideell übermäßig zugetan (das gilt mehr noch für marcuse). Ihre (art der) aburteilung dieser denkrichtung halte ich jedoch für völlig unangemessen, um nicht zu sagen für borniert. sie argumentieren offenkundig vom standpunkt eines als weltanschaulich 'freischwebend' gedachten logischen positivismus, der jeden versuch einer kritischen objektivierung seiner voraussetzungen und strukturen unter berufung auf seine quasi hausgemachte 'wertneutralität' als abstieg ins metaphysische abtut. adornos 'kostellative' formulierungsweise (die Ihnen 'bombastisch' vorkommt) ist gerade darauf angelegt, die totalisierungen des 'identitätslogischen' denkens zu unterlaufen und dem von den faktenrealistischen typisierungen abgeschnittenen 'besonderen', abweichenden ('nichtidentischen', wie er sagt) 'zu seinem recht zu verhelfen'. er sieht in der begriffssprachlichen unterdrückung des besonderen, einzelnen das ideelle gegenstück zur überformung und zurichtung alles individuellen durch die gesellschaftliche totalität. man kann von dieser sichtweise halten, was man mag - ein hang zu verabsolutierungen lässt sich ihr jedenfalls nicht nachsagen (ihr kritikverfahren ist ja gerade nicht die 'totale', sonden die 'bestimmte', also konkrete negation). dass sie die signatur der absolutistischen begründungslogik auch am faktenobjektivismus des wissenschaftlichen positivismus aufscheinen lässt, mag dem trivialen tatsachenrealisten nicht schmecken, lässt sich aber anders als unter dem vorzeichen der eigenen kategorischen setzungen nicht verneinen.
Ihre deutung der 'dialektik der aufklärung' als "generalanklage gegen die bürgerliche gesellschaft" verfehlt im übrigen nicht nur den gehalt des buches, sondern bereits den des titels! es geht um die selbstzerstörerische dialektik des bürgerlichen zivilisiationsprozesses, in welchem sich ein konstitutionselement, die gesellschaftliche totalität ( 'das allgemeine'), gegen das andere, das individuum ('das besondere'), verselbständigt hat, das unter der 'schwerkraft der verhältnisse' die fähigkeit zu eigenstandigem denken und handeln tendenziell einbüßt. in der restitution des handlungsautonomen subjekts klassisch-bürgerlichen zuschnitts (warum fragen Sie eigtl. nach belegstellen? ich dachte Sie kennen das buch) sehen horkheimer/adorno eine der notwendigen voraussetzungen für die einrichtung einer im emphatischen sinne freien und vernünftigen gesellschaft - so wie ihnen aufklärung als der einzig mögliche weg zur überwindung der aller bisherigen aufklärung aufgrund ihrer vereinseitigungen innewohnenden möglichkeit des rückfalls in naturzwang und barbarei gilt.
eine kleine bemerkung noch zu Ihrer beiläufig-abkanzelnden erwähnung freuds und des sozialismus (mit dem ich übr. - man muss das hier scheinbar immer dazusagen - nichts am hut habe). es war kant, der seine gelegentlichen sympathiebekundungen für die sozialistische anschauung in der feststellung gipfeln ließ, dass diese eine unverzichtbare leitidee im streben nach der herstellung vernünftiger lebensverhältnisse sei. sie wollen doch nicht auch noch kant in eine reihe mit hitler und goebbels stellen! und die freudsche theorie ist für Sie hoffentlich mehr als 'zersetzende seelenstocherei' - ansonsten befänden Sie sich in ziemlich unsympathischer gesellschaft.
ich belasse es mal dabei. Ihre dumpf-anmaßende ausdrucksweise ("gewäsch" etc.) deutet eh nicht auf die möglichkeit einer vernünftigen diskussion.

Mein Giott, ich habe selten soviel mist auf einmal gelesen.

versuchen sie doch wenigstens sachlich zu argumentieren und nicht mit halbwahrheiten und irrwitzig anmudenden Fantasiegebilden und völlig unnötig mit fremdwörtern aufgebläden Sätzen - was reine pseudointellektualität nur ist - ihe argumente zu stützen.

"sie argumentieren offenkundig vom standpunkt eines als weltanschaulich 'freischwebend' gedachten logischen positivismus, der jeden versuch einer kritischen objektivierung seiner voraussetzungen und strukturen unter berufung auf seine quasi hausgemachte 'wertneutralität' als abstieg ins metaphysische abtut."

Nein, tue ich nicht - und logischer positivismus ist ein bestimmte philosophische richtung - die vor allem von den europäischen vorläufern und gründern der analytischen Sprachphilosophie vertreten wurde.

Die perfidität, die unredlichkeit ihrer argumentation - und da sie diese nötig haben, wohl auch hilflosigkeit - sieht man daran, dass sie einerseits mit der einordnung von mir unter ihrem label "logischer Positivismus" , mir zugleich "jeden versuch einer kritischen objektivierung seiner voraussetzungen und strukturen unter berufung auf seine quasi hausgemachte 'wertneutralität' als abstieg ins metaphysische abtut" unterstellen, um dann im nächsten Satz adornos vorgehensweise als " 'kostellative' formulierungsweise (die Ihnen 'bombastisch' vorkommt) ist gerade darauf angelegt, die totalisierungen des 'identitätslogischen' denkens zu unterlaufen und dem von den faktenrealistischen typisierungen abgeschnittenen 'besonderen', abweichenden ('nichtidentischen', wie er sagt) 'zu seinem recht zu verhelfen'" zu behaupten und dabei völlig unter den tisch fallen lassen, dass das ganze Buch extrem einer logisch fortlaufender strukturen ermangelt - und es nicht einfach nur ein "versuch einer kritischen objektivierung seiner voraussetzungen und strukturen" bedeutet, und von mir bemängelt würde, sondern eben eine philosopisch-historischen prozess beansprucht nachzuzeichnen - nur halt mit assoziativen Mitteln, die somit einer grundsätzlichen logischen begründung ermangeln.

"er sieht in der begriffssprachlichen unterdrückung des besonderen, einzelnen das ideelle gegenstück zur überformung und zurichtung alles individuellen durch die gesellschaftliche totalität. man kann von dieser sichtweise halten, was man mag - ein hang zu verabsolutierungen lässt sich ihr jedenfalls nicht nachsagen (ihr kritikverfahren ist ja gerade nicht die 'totale', sonden die 'bestimmte', also konkrete negation)."

Er sieht - ja - behauptet es, ohne sich mit der intrinsischen problematik auseinandersetzen zu können. Denn die vorausetzung eines individuums kann er nicht klären ohne es selbst wiederum als erscheinungsform der 'gesellschaftlichen totalität' denken zu können dadurch, dass jede konkretisierung sich aufhebt eben in dieser totalität. Solange er aber dieses Problem nicht gelöst hat, verbleiben all seine behauptungen nur in leeren spiegelungen - denn das gesellschaftlos daseinende Individuum, das trotzdem individuum sei - setzt etwas metaphysisches (seele z. b.) oder eien hochspezifischen biologischen Traditierungsprozess von individuellen Eigenschaften voraus.

"Ihre deutung der 'dialektik der aufklärung' als "generalanklage gegen die bürgerliche gesellschaft" verfehlt im übrigen nicht nur den gehalt des buches, sondern bereits den des titels! es geht um die selbstzerstörerische dialektik des bürgerlichen zivilisiationsprozesses, in welchem sich ein konstitutionselement, die gesellschaftliche totalität ( 'das allgemeine'), gegen das andere, das individuum ('das besondere'), verselbständigt hat, das unter der 'schwerkraft der verhältnisse' die fähigkeit zu eigenstandigem denken und handeln tendenziell einbüßt."

Das behauptet er (!) - aber er baut den gang seiner überlegungen auf assoziationen auf - und die behauptung allein macht es nunmal nicht, hat es noch nie gemacht - und es wird nicht zu einem erweis, indem man assoziationsketten aneinander reiht.
Zudem verfehle ich hier gar nichts - denn die behauptung , dass eine gesellschaftliche totalität "gegen das andere, das individuum ('das besondere'), verselbständigt" könnte (!), welches als folge davon seine Fähigkeit zum eigenständigen Denken tendentiell einbüßen würde", setzt voraus, dass ein individuum in einem absoluten sinne - zumindest in den jeweiligen bereichen, die 'tendentiell ein[ge]büßt" werden könnten - prinzipiell frei denken könnte, also jenseits der über gesellschaft vermittelten Denkgrundlagen als sinngefüge.
Was man - wenn man sich dieser Argumentation anschließen würdesagen könnte wäre nur: das individuen entweder neue entwicklungen nicht mitvollziehen oder aufgrund von neuen Verknüpfungen neue entwicklungen vollziehen, die die gesellschaft als ganze nicht vollzieht, und deshalb es zu einem diskrepanz bis hin zur unterdrückung kömmen kann dieser individuen durch eine totalitär struktuierte gesellschaft. Aber das ist eine andere logische struktur als die behauptete 'einbüßen von eigenständiger Denkbefähigung'.

"die totalisierungen des 'identitätslogischen' denkens zu unterlaufen..."
Indem man logisk verneint und meint mit assoziationen würde man unterlaufen - und das als ganzes Büchlein?
Ich bitte sie - wenn das etwas mehr als gewäsch sein soll, dann muss eine logische alternative her - zumindest insoweit als das sie dasjenige, was die logik leistet, adäquat ersetzt.
Dialektik tut es nicht - denn dialektik ist hochgradig logisch und dialektische aussagen sind in identitätslogisch überführbar.
Aber in der 'Dialektik der aufklärungÄ' wird auch keine dialektik im mz. B. Hegelschen Sinne betrieben.

"warum fragen Sie eigtl. nach belegstellen? ich dachte Sie kennen das buch"

Also, wenn jemand ein Buch kennt, dann weis er automatisch aufgrund dieser kenntnis, auf was sich jemand anderes bezieht, wenn er eine bestimmten inhalt dieses buches behauptet?
Sorry - sie und wohl jeder mitlesende weis, dass es absolut üblich ist, belegstellen für entsprechende aussagen, die man nicht gedeckt sieht durch ein werk, einzufordern.

"eine kleine bemerkung noch zu Ihrer beiläufig-abkanzelnden erwähnung freuds und des sozialismus (mit dem ich übr. - man muss das hier scheinbar immer dazusagen - nichts am hut habe). es war kant, der seine gelegentlichen sympathiebekundungen für die sozialistische anschauung in der feststellung gipfeln ließ, dass diese eine unverzichtbare leitidee im streben nach der herstellung vernünftiger lebensverhältnisse sei."

Blödsin - sozialismus in der üblichen wortbedeutung baut auf Karl Marx & Engels auf - und steht in dieser tradition.
Den von ihnen hier unterstellten 'Sozialismus' ist ein konstrukt, das sie aufladen und dann rückwirkend mal über die gesamte geschichte kippen und am ende von Platon bis Kant überall 'Sozialisten' oder sozialistische Auseinandersetzungen finden. Dabei haben sie die erkenntnistheoretischen ausgangslage des Sozialismus als nachkantischer und nachhegelianischer Philosophieansatz kurz auch mal unter den Tisch fallen lassen.
Dieser Unsinn taugt genauso viel wie wenn jemand behaupten würde, das er atiomphysik bei demokrtit entdeckt, denn der hat ja auch sich mit kleinsten teilchen, atomos, beschäftigt....

"und die freudsche theorie ist für Sie hoffentlich mehr als 'zersetzende seelenstocherei' - ansonsten befänden Sie sich in ziemlich unsympathischer gesellschaft."
- also weil es menschen gibt, die sie (und wohl auch andere) als 'unsymphatische Gesellschaft' einordnen, die die freudsche theorie als 'zersetzende Seelenstocherei' bezeichnen - dürfte man nicht dies genauso sehen, weil man sonst gleich mit den 'unsymphatische Gesellschaft'-titulierten würde.
Ich nehme mal an, dass irgendwelche Nazis sich so über die freudsche theorie geäußert haben - und jeder, der kein nazi sein will, muss sich darum positiv über die freudsche theorie äußern, weil sonst,. ja sonst befindet er sich in der selben 'unsymphatischen gesellschaft'.
Wisen sie was:
"...und die freudsche theorie ist für Sie hoffentlich nicht mehr als 'zersetzende seelenstocherei' - ansonsten befänden Sie sich in ziemlich unsympathischer gesellschaft."

Ja, lassen wir das - habe offen gestanden keine lust - sie sind mir da etwas zu flach in ihren argumentationen - fühlen sie mal weiter die welt, vielleicht entdecken sie ja die "im emphatischen sinne freien und vernünftigen gesellschaft" - immer fleissig die vernunft erfühlen :xD.

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"Mein Giott, ich habe selten soviel mist auf einmal gelesen."

jetzt regen Sie sich doch nicht so auf! mir scheint, dass Sie hier der einzige sind, der emotional argumentiert.

"logischer positivismus ist ein bestimmte philosophische richtung - die vor allem von den europäischen vorläufern und gründern der analytischen Sprachphilosophie vertreten wurde."

das weiß ich auch. Ihnen ist aber klar, dass die begriffe 'logisch' und 'positivismus' auch jenseits dieses etiketts eine bedeutung besitzen?

...völlig unter den tisch fallen lassen, dass das ganze Buch extrem einer logisch fortlaufender strukturen ermangelt...

das braucht man nicht unter den tisch fallen zu lassen. es ist eigentlich bekannt, dass 'kritische theorie' keinen anspruch auf logische stringenz erhebt, sondern den mit dem szientistischen einheitszwang verbundenen verkürzungen und widersprüchen mit hilfe nicht-finalistischer, 'mikrologischer', a-zentrischer erkenntnisverfahren und darstellungsmittel zu entgehen sucht.

"Aber in der 'Dialektik der aufklärungÄ' wird auch keine dialektik im mz. B. Hegelschen Sinne betrieben."

natürlich schließt die 'dialektik d. aufkl.' an die dialektik hegels an, umgeht durch deren wendung aufs partikulare, widersprüchliche, ambivalente allerdings das verkürzende ihrer totalisierungen und finalisierungen.

"Also, wenn jemand ein Buch kennt, dann weis er automatisch aufgrund dieser kenntnis, auf was sich jemand anderes bezieht, wenn er eine bestimmten inhalt dieses buches behauptet?"

also, wenn jemand dieses buch kennt, dann weiß er automatisch, dass es von der ersten bis zur letzten seite ums bürgerliche subjekt geht.

"Den von ihnen hier unterstellten 'Sozialismus' ist ein konstrukt, das sie aufladen und dann rückwirkend mal über die gesamte geschichte kippen und am ende von Platon bis Kant überall 'Sozialisten' oder sozialistische Auseinandersetzungen finden."

kants feststellung bezieht sich auf die gesellschaftskonzepte der sog. utopischen bzw. früh-sozialisten, die Sie hoffentlich nicht für ein 'nachträgliches konstrukt' meiner wenigkeit halten.

"...und die freudsche theorie ist für Sie hoffentlich nicht mehr als 'zersetzende seelenstocherei' - ansonsten befänden Sie sich in ziemlich unsympathischer gesellschaft."

freud würde diese äußerung wohl als neurotische abwehraggression werten.

"fühlen sie mal weiter die welt (...) immer fleissig die vernunft erfühlen"

woher rührt eigtl. Ihre obsessive fixierung aufs gefühlhafte?