Affenfossil Girlie aus dem Eozän

Ein 47 Millionen Jahre altes Fossil erregt die Paläontologen. Was sagt der spektakuläre Fund über die Evolution des Menschen?

Ein versteinertes Tier zur besten Sendezeit im Fernsehen, beworben als ältester Vorfahr des Menschen, gar als "achtes Weltwunder": Selten machte ein Fossil so viel Furore wie das Primatenweibchen Ida. Schon die Präsentation des Fundes im American Museum of Natural History geriet zur großen Show.

Diese galt jedoch weniger der Arbeit des Forscherteams, zu dem der Deutsche Jörg Habersetzer gehört. Vielmehr warb sie für eine TV-Dokumentation des History Channel, der BBC und des ZDF (Ausstrahlung 31. Mai, 19.30 Uhr). Ein Girlie aus dem Erdzeitalter des Eozän: Kollegen kritisieren, das Forscherteam habe mit dieser Inszenierung der Kommerzialisierung der Wissenschaft durch TV-Produktionsfirmen nachgegeben.

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DIE ZEIT: Herr Habersetzer, müssen wir uns daran gewöhnen, dass spektakuläre Forschungsergebnisse in Zukunft bereits vor der Veröffentlichung vermarktet werden?

Jörg Habersetzer: Natürlich wird sich dieser Stil nicht durchsetzen. Einige in unserem Team haben das noch nie gemacht, andere in Einzelfällen schon. Was in dieser Diskussion untergeht: Wir haben die Untersuchung nicht in den Fachjournalen Nature oder Science veröffentlicht, sondern in PLOS One, einem Open-Acess-Journal. Das kann jeder Student lesen, ohne ein teures Abonnement bezahlen zu müssen.

DIE ZEIT: Das Fossil wurde aus dem Bestand eines privaten Sammlers angekauft. Brauchte man den Erlös aus den Filmrechten, um den Kauf zu finanzieren?

Habersetzer: Die Details der Finanzierung durch die norwegischen Reichsmuseen kenne ich nicht. Dass angeblich eine Million Euro gezahlt wurde, hat keiner der Beteiligten bestätigen wollen. Aber es dürfte klar sein, dass so ein Fundstück einige Hunderttausend wert ist.

DIE ZEIT: Ida wurde von Privatsammlern vor einem Vierteljahrhundert aus der Grube Messel geborgen, einem berühmten paläontologischen Fundort bei Darmstadt. Wieso darf da eigentlich jedermann wertvolle Fossilien wegschaffen?

Habersetzer: Es gab damals keine Regelung. Messel war Ende der siebziger Jahre eine Industriebrache. Da sollte eine Mülldeponie entstehen. Dann wurde das Planfeststellungsverfahren gekippt, die erste Großtat des damaligen hessischen Umweltministers Joschka Fischer. In der Zwischenzeit hatte es auch wissenschaftliche Grabungen gegeben. Erst seit 1995 ist Messel Weltkulturerbe. Heute kommen Unbefugte nicht mehr hinein; das Gelände ist mit Nato-Draht gesichert.

DIE ZEIT: Wie lässt sich der ungewöhnliche Fossilienreichtum in der Grube erklären?

Der mögliche Stammbaum des Fossils

Der mögliche Stammbaum des Fossils

Jörg Habersetzer: Die Tiere sind eines unnatürlichen Todes gestorben. Messel ist durch eine Maarexplosion entstanden. Das passiert, wenn Grundwasser auf flüssiges Magma tief im Untergrund trifft. Dabei entstehen Krater von Hunderten Metern Tiefe, die sich mit Wasser füllen. Ein Körper, der in diese sauerstoffarme Tiefe sinkt, wird unter idealen Bedingungen konserviert. Der See bestand ungefähr eine Million Jahre, in so einer langen Zeit fällt da so manches Tier hinein.

Leser-Kommentare
  1. Wäre es nicht gut für eine Zeitung dieses Renomees, wenn Lektoren darauf achteten, dass es natürlich 'besterhaltenen' heißt?

    MfG
    Günter C. Wilcken

    (Anmerkung: Da es sich um den Superlativ handelt, ist die Bildunterschrift korrekt. Die Redaktion/jk)

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